3G-Regel Leben auf dem Campus: NRW-Unis gehen zum Winter zurück in Präsenz Anneke Quasdorf Bielefeld/Dortmund. Ab dem 11. Oktober wird wieder Leben herrschen auf dem Campus – und zwar überall in NRW. Mit dem Wintersemester kehren die Unis auf Basis der 3G-Regel weitestgehend zur Präsenz zurück. Was gut für Lehre und Sozialleben ist, führt auf dem Wohnungsmarkt zu noch gravierenden Problemen als eh schon vorhanden. Geimpft, genesen oder getestet müssen künftig Studenten sein, die an Präsenzveranstaltungen teilnehmen wollen. „Ohne diesen Nachweis dürfen Sie an der Prüfung oder Lehrveranstaltung nicht teilnehmen", heißt es in einer Mail von Bielefelds Rektor Gerhard Sagerer an die Studenten am Freitagmittag. Den gleichen Weg gehen auch die anderen Unis in NRW, unter ihnen Paderborn, Münster, Duisburg-Essen und die TU Dortmund. Grundsätzlich gehen die Hochschulen von einem hohen Anteil geimpfter Studenten aus. Laut einer Umfrage der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster vom achten Juli, an der über 15.000 Studierende teilgenommen haben, waren dort zu diesem Zeitpunkt zwischen 75 und 80 Prozent der Studierenden geimpft. „Vor dem Beginn des Semesters werden wir eine weitere Umfrage durchführen", so eine Sprecherin. In Bielefeld fand ebenfalls im August eine Umfrage statt. An ihr beteiligten sich 35 Prozent der Studierenden, von denen 84 Prozent angaben, die Erstimpfung erhalten zu haben. Etwa acht Prozent gaben an, dass sie sich nicht impfen lassen möchten, können oder dürfen. An der TU Dortmund ergab eine Umfrage Ende Juli sogar eine Quote von 92 Prozent Einmalig-Geimpfter und 68 Prozent Vollgeimpfter. Dennoch hält man hier für das Wintersemester an der Maskenpflicht fest. „So wollen wir für die Sicherheit aller bei Impfdurchbrüchen sorgen", sagt Pressesprecherin Eva Prost. Bielefeld und Paderborn haben keine eigenen Erhebungen durchgeführt. Da der Semesterstart zusammenfällt mit dem Tag, an dem Schnelltests in Deutschland kostenpflichtig werden, bedeutet das für ungeimpfte Studenten, dass sie künftig tief in die Tasche greifen müssen – oder schlicht nicht an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können, wenn sie sich die Tests nicht leisten können. Besondere Tarife oder Gratis-Tests bieten die meisten der befragten Hochschulen nicht an, auch wenn einige von ihnen extra Testzentren auf dem Campus eingerichtet haben. "Mittlerweile gibt es für alle Studierenden die Möglichkeit, sich impfen zu lassen", sagt Eva Prost von der TU Dortmund. "Deshalb finanzieren wir keine Tests mehr." Auch an der Uni Bielefeld müssen Studierende die Tests selbst bezahlen. "Die Kosten dafür werden das Land NRW und die Universitäten nicht übernehmen, und wir können heute auch noch nicht sagen, ob das Testzentrum auf dem Campus bestehen bleibt", so Rektor Sagerer, der zudem darauf hinwies, dass kleinere Veranstaltungen ausschließlich in Präsenz abgehalten werden und ein gleichzeitiges Online-Angebot nicht leistbar sei. Große Vorlesungen und Seminare sollen dagegen aus Sicherheitsgründen noch nicht in voller Stärke stattfinden, hier sei eine digitale Teilnahme möglich. An der FH Bielefeld sieht man allerdings ein Problem darin, dass ungeimpfte Studenten sich die Testfrequenz nicht leisten können, die für einen geregelten Präsenzbetrieb nötig ist. „Wir sind darüber noch in Gesprächen und Sondierungen", sagt Sprecher Lars Kruse. „Online-Angebote zum Beispiel können ja auch nach wie vor für viele Geimpfte wichtig sein, die aus anderen Gründen nicht so schnell wieder vor Ort sein können. Die haben sich vielleicht im Wohnort ihrer Eltern einen Job gesucht oder finden hier kein Zimmer." Besonders letzteres Problem dürfte viele Studierende betreffen. Denn nach drei digitalen Semestern, in denen viele zurück zu den Eltern oder gar nicht erst zum Studienort zogen, ist die Zahl der Wohnungssuchenden riesig. „Im Prinzip müssen jetzt drei Semester gleichzeitig untergebracht werden", sagt Tobias Zorn, Sprecher des Landes-ASten-Treffens NRW, der Zusammenkunft aller Studierendenvertretungen. Auch bei den Studierendenwerken ist das Problem längst angekommen. „Wir haben aktuell 750 Studierende auf der Warteliste", sagt Sprecherin Jaqueline Bettels aus Bielefeld. „Und keine Zimmer mehr frei, außer jenen, die wir an die Erstis verlosen." Sie rechnet zudem damit, dass die Zahl der Suchenden nach der offiziellen Verkündung des Präsenzsemesters in Bielefeld noch zunimmt. Auch in Köln kann das Studierenden Das Landes-ASten-Treffen sieht aber noch weitere Probleme auf Studierende zukommen. „Die Politik tut so, als ob Corona vorbei ist", so Sprecher Zorn. So laufe zum Beispiel die Corona-Epidemie-Hochschulverordnung zum 30. September aus und mit ihr Regelungen zur Studienzeitverlängerung, Freiversuchen, Überbrückungshilfen. „Corona ist aber nicht vorbei und viele Probleme bleiben erhalten. An dieser Stelle sind Studierende vom Land viel zu wenig in die Planungen für das Präsenzsemester mit einbezogen worden."
3G-Regel

Leben auf dem Campus: NRW-Unis gehen zum Winter zurück in Präsenz

Zurück zur Präsenz: Auch die Uni Bielefeld öffnet ab dem 11. Oktober wieder ihre Pforten für alle - sofern sie geimpft, getestet oder genesen sind. © Sarah Jonek

Bielefeld/Dortmund. Ab dem 11. Oktober wird wieder Leben herrschen auf dem Campus – und zwar überall in NRW. Mit dem Wintersemester kehren die Unis auf Basis der 3G-Regel weitestgehend zur Präsenz zurück. Was gut für Lehre und Sozialleben ist, führt auf dem Wohnungsmarkt zu noch gravierenden Problemen als eh schon vorhanden.

Geimpft, genesen oder getestet müssen künftig Studenten sein, die an Präsenzveranstaltungen teilnehmen wollen. „Ohne diesen Nachweis dürfen Sie an der Prüfung oder Lehrveranstaltung nicht teilnehmen", heißt es in einer Mail von Bielefelds Rektor Gerhard Sagerer an die Studenten am Freitagmittag. Den gleichen Weg gehen auch die anderen Unis in NRW, unter ihnen Paderborn, Münster, Duisburg-Essen und die TU Dortmund.

Grundsätzlich gehen die Hochschulen von einem hohen Anteil geimpfter Studenten aus. Laut einer Umfrage der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster vom achten Juli, an der über 15.000 Studierende teilgenommen haben, waren dort zu diesem Zeitpunkt zwischen 75 und 80 Prozent der Studierenden geimpft. „Vor dem Beginn des Semesters werden wir eine weitere Umfrage durchführen", so eine Sprecherin.

In Bielefeld fand ebenfalls im August eine Umfrage statt. An ihr beteiligten sich 35 Prozent der Studierenden, von denen 84 Prozent angaben, die Erstimpfung erhalten zu haben. Etwa acht Prozent gaben an, dass sie sich nicht impfen lassen möchten, können oder dürfen.

An der TU Dortmund ergab eine Umfrage Ende Juli sogar eine Quote von 92 Prozent Einmalig-Geimpfter und 68 Prozent Vollgeimpfter. Dennoch hält man hier für das Wintersemester an der Maskenpflicht fest. „So wollen wir für die Sicherheit aller bei Impfdurchbrüchen sorgen", sagt Pressesprecherin Eva Prost. Bielefeld und Paderborn haben keine eigenen Erhebungen durchgeführt.

Da der Semesterstart zusammenfällt mit dem Tag, an dem Schnelltests in Deutschland kostenpflichtig werden, bedeutet das für ungeimpfte Studenten, dass sie künftig tief in die Tasche greifen müssen – oder schlicht nicht an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können, wenn sie sich die Tests nicht leisten können.

Besondere Tarife oder Gratis-Tests bieten die meisten der befragten Hochschulen nicht an, auch wenn einige von ihnen extra Testzentren auf dem Campus eingerichtet haben. "Mittlerweile gibt es für alle Studierenden die Möglichkeit, sich impfen zu lassen", sagt Eva Prost von der TU Dortmund. "Deshalb finanzieren wir keine Tests mehr."

Auch an der Uni Bielefeld müssen Studierende die Tests selbst bezahlen. "Die Kosten dafür werden das Land NRW und die Universitäten nicht übernehmen, und wir können heute auch noch nicht sagen, ob das Testzentrum auf dem Campus bestehen bleibt", so Rektor Sagerer, der zudem darauf hinwies, dass kleinere Veranstaltungen ausschließlich in Präsenz abgehalten werden und ein gleichzeitiges Online-Angebot nicht leistbar sei. Große Vorlesungen und Seminare sollen dagegen aus Sicherheitsgründen noch nicht in voller Stärke stattfinden, hier sei eine digitale Teilnahme möglich.

An der FH Bielefeld sieht man allerdings ein Problem darin, dass ungeimpfte Studenten sich die Testfrequenz nicht leisten können, die für einen geregelten Präsenzbetrieb nötig ist. „Wir sind darüber noch in Gesprächen und Sondierungen", sagt Sprecher Lars Kruse. „Online-Angebote zum Beispiel können ja auch nach wie vor für viele Geimpfte wichtig sein, die aus anderen Gründen nicht so schnell wieder vor Ort sein können. Die haben sich vielleicht im Wohnort ihrer Eltern einen Job gesucht oder finden hier kein Zimmer."

Besonders letzteres Problem dürfte viele Studierende betreffen. Denn nach drei digitalen Semestern, in denen viele zurück zu den Eltern oder gar nicht erst zum Studienort zogen, ist die Zahl der Wohnungssuchenden riesig. „Im Prinzip müssen jetzt drei Semester gleichzeitig untergebracht werden", sagt Tobias Zorn, Sprecher des Landes-ASten-Treffens NRW, der Zusammenkunft aller Studierendenvertretungen.

Auch bei den Studierendenwerken ist das Problem längst angekommen. „Wir haben aktuell 750 Studierende auf der Warteliste", sagt Sprecherin Jaqueline Bettels aus Bielefeld. „Und keine Zimmer mehr frei, außer jenen, die wir an die Erstis verlosen." Sie rechnet zudem damit, dass die Zahl der Suchenden nach der offiziellen Verkündung des Präsenzsemesters in Bielefeld noch zunimmt. Auch in Köln kann das Studierenden

Das Landes-ASten-Treffen sieht aber noch weitere Probleme auf Studierende zukommen. „Die Politik tut so, als ob Corona vorbei ist", so Sprecher Zorn. So laufe zum Beispiel die Corona-Epidemie-Hochschulverordnung zum 30. September aus und mit ihr Regelungen zur Studienzeitverlängerung, Freiversuchen, Überbrückungshilfen. „Corona ist aber nicht vorbei und viele Probleme bleiben erhalten. An dieser Stelle sind Studierende vom Land viel zu wenig in die Planungen für das Präsenzsemester mit einbezogen worden."

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