Gütersloh Lange Wartezeiten auf Wohnmobile durch Camping-Boom in Corona-Zeiten Der Wohnmobil-Boom sprengt gerade in Corona-Zeiten alle Grenzen. Die Gütersloher Wohnmobilverleiher Udo Glowienka und Kristian Schlüter berichten von einer drastischen Nachfrage und vollen Campingplätzen. Markus Tschackert Gütersloh. Wer im Sommer mit einem Urlaub per Reisemobil liebäugelt, der sollte schnell in die Planungen einsteigen – und zwar für 2022. Der Boom auf dem Reisemobil-Markt ist ungebrochen, die meisten Gütersloher Anbieter sind für diesen Sommer so gut wie ausgebucht. Wer auf die Buchungskalender der meisten regionalen Wohnmobilverleiher für den Zeitraum der Sommerferien 2021 schaut, sieht rot! Ausgebucht. Das Reisen auf vier oder sogar sechs Rädern boomt bereits seit mehr als vier Jahren. Obwohl der Tourismus aktuell durch Beherbergungsverbote hart ausgebremst wird und damit auch der Verleih der weißen Riesen aktuell stockt: für die großen Ferien sind Udo Glowienka und Kristian Schlüter optimistisch, dass aus Buchungen auch Reisen werden. Schließlich ist der Trip mit dem Wohnmobil momentan die sicherste Form des Reisens. Sattes Plus von 44,8 Prozent bei Neuzulassungen Unabhängig von den derzeitigen Einschränkungen hat die Branche der Wohnmobilproduzenten, der -verkäufer wie auch die der -verleiher einen gewaltigen Extra-Schub erlebt. Allein die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes sprechen Bände: 78.055 rollende Wohnmobile wurden 2020 neu zugelassen. Das ist ein sattes Plus von 44,8 Prozent. Ganze Jahres-Produktionen sind bereits ausverkauft und auch der Gebrauchtwagenmarkt ist leergefegt. Wer sein Geld in ein Reisemobil investieren will, muss bei Gebrauchtfahrzeugen mit saftigen Preisaufschlägen von mindestens 4.000 Euro im Vorjahresvergleich rechnen, wie einer der etablierten Anbieter in Gütersloh und OWL verrät.„Ein Reisemobil ist momentan deutlich wertstabiler als ein Pkw", vergleicht Kristian Schlüter die Entwicklung der Fahrzeuge sogar mit Immobilien. Er selbst will sich an den überzogenen Preisforderungen nicht beteiligen. Die Gründe für diesen Boom seien vielschichtig, meint der 40-Jährige, und eher in einer grundsätzlichen Trendwende auszumachen als einfach nur an der Pandemie: „Die Menschen möchten flexibler und individueller Urlaub machen. Zwei Tage hier, drei Tage dort", glaubt der Verleiher, dass viele den klassischen Hotelurlaub gegen einen auf Rädern eintauschen. Neuster Trend sei, mit dem Wohnmobil Städte zu bereisen, so Schlüter. „Ich kriege Anfragen aus ganz Deutschland" Die Hersteller reagieren bereits und bauen kleinere, kompaktere und vor allem schmalere Fahrzeuge, weiß Schlüter. Ein anderer Trend ist genauso eindeutig: Reisen im Wohnmobil muss komfortabel sein. Klimaanlage, Markise, TV, Solar und ausfahrbare Satelliten-Schüssel dürfen’s schon sein. Selbst bei Neueinsteigern. Und davon gibt es eine ganze Menge, besonders unter den sogenannten Millenials, also der Altersgruppe zwischen Mitte 20 und 30. Den Markt der gehobenen Wohnmobile bedient Udo Glowienka und fährt nach eigenen Worten gut damit. „Ich kriege Anfragen aus ganz Deutschland", will der 65-Jährige, der erst seit einem Jahr Wohnmobile verleiht, seine Flotte von acht auf 20 Fahrzeuge ausbauen. Er macht regelmäßig die Erfahrung, dass je größer das Wohnmobil ist, desto weniger Passagiere damit unterwegs sind. Sein Flaggschiff ein dreiachsiges Luxus-Mobil (Kaufpreis 170.000 Euro) mieten regelmäßig Paare älteren Alters. Minimum 200 Euro pro Tag sind da fällig. Familientaugliche Mobile sind aber auch schon deutlich günstiger zu haben. „Wer glaubt, im Vergleich zur Pauschalreise sparen zu können, irrt" Rund 135 Euro sollte man mindestens rechnen, aber nicht der Verführung erliegen ein zu kleines Fahrzeug zu mieten. „Das ist so ein typischer Anfängerfehler", sagt Kristian Schlüter. Reisen im Wohnmobil sei eine eigene Form des Urlaubs", betont sein Kollege Glowienka. „Wer glaubt, im Vergleich zur Pauschalreise sparen zu können, irrt und wird keine Freude an seinem Urlaub haben." Neben Kaution, und Fahrzeugmiete kommen schließlich weitere Kosten auf Reisende zu: Sprit, Campingplatzgebühren, Ver- und Entsorgung. Reisen im Wohnmobil verspricht vor allem grenzenlose Freiheit. Aber der Caravaning-Boom hat Schattenseiten. „Die Campingplatz-Anbieter kommen dem Ausbau ihrer Anlagen gar nicht nach", weiß Schlüter. Besonders die attraktiven Fünf-Sterne-Stellplätze sind ruckzuck voll. „Wer ernsthaft einen solchen Urlaub im kommenden Jahr plant, sollte schon jetzt buchen – Fahrzeug und Stellplätze", rät Schlüter. Glowienka will sein junges Unternehmen deswegen sogar zum Anbieter von Wohnmobilreisen ausbauen. Schon jetzt bietet er neben Reiseplanung die Buchung von Campingplätzen als Komplettpakete an. Die große Carvaning-Freiheit kann man am ehsten in seiner puren Form in den skandinavischen Ländern erleben. Deswegen kommt es regelmäßig vor, dass sich Gütersloher schon mal auf Fähren Richtung Norden treffen, was beweist: Auch mit dem Wohnmobil kann die Welt verdammt klein sein.
Gütersloh

Lange Wartezeiten auf Wohnmobile durch Camping-Boom in Corona-Zeiten

Erst seit einem Jahr verleiht Udo Glowienka Reisemobile. Der 65-Jährige will sein Unternehmen vom Verleiher zum Reiseanbieter ausbauen. © Markus Tschackert

Gütersloh. Wer im Sommer mit einem Urlaub per Reisemobil liebäugelt, der sollte schnell in die Planungen einsteigen – und zwar für 2022. Der Boom auf dem Reisemobil-Markt ist ungebrochen, die meisten Gütersloher Anbieter sind für diesen Sommer so gut wie ausgebucht. Wer auf die Buchungskalender der meisten regionalen Wohnmobilverleiher für den Zeitraum der Sommerferien 2021 schaut, sieht rot! Ausgebucht.

Das Reisen auf vier oder sogar sechs Rädern boomt bereits seit mehr als vier Jahren. Obwohl der Tourismus aktuell durch Beherbergungsverbote hart ausgebremst wird und damit auch der Verleih der weißen Riesen aktuell stockt: für die großen Ferien sind Udo Glowienka und Kristian Schlüter optimistisch, dass aus Buchungen auch Reisen werden. Schließlich ist der Trip mit dem Wohnmobil momentan die sicherste Form des Reisens.

Sattes Plus von 44,8 Prozent bei Neuzulassungen

Unabhängig von den derzeitigen Einschränkungen hat die Branche der Wohnmobilproduzenten, der -verkäufer wie auch die der -verleiher einen gewaltigen Extra-Schub erlebt. Allein die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes sprechen Bände: 78.055 rollende Wohnmobile wurden 2020 neu zugelassen. Das ist ein sattes Plus von 44,8 Prozent. Ganze Jahres-Produktionen sind bereits ausverkauft und auch der Gebrauchtwagenmarkt ist leergefegt. Wer sein Geld in ein Reisemobil investieren will, muss bei Gebrauchtfahrzeugen mit saftigen Preisaufschlägen von mindestens 4.000 Euro im Vorjahresvergleich rechnen, wie einer der etablierten Anbieter in Gütersloh und OWL verrät.

Erst seit einem Jahr verleiht Udo Glowienka Reisemobile. Der 65-Jährige will sein Unternehmen vom Verleiher zum Reiseanbieter ausbauen. - © Markus Tschackert
Erst seit einem Jahr verleiht Udo Glowienka Reisemobile. Der 65-Jährige will sein Unternehmen vom Verleiher zum Reiseanbieter ausbauen. - © Markus Tschackert

„Ein Reisemobil ist momentan deutlich wertstabiler als ein Pkw", vergleicht Kristian Schlüter die Entwicklung der Fahrzeuge sogar mit Immobilien. Er selbst will sich an den überzogenen Preisforderungen nicht beteiligen. Die Gründe für diesen Boom seien vielschichtig, meint der 40-Jährige, und eher in einer grundsätzlichen Trendwende auszumachen als einfach nur an der Pandemie: „Die Menschen möchten flexibler und individueller Urlaub machen. Zwei Tage hier, drei Tage dort", glaubt der Verleiher, dass viele den klassischen Hotelurlaub gegen einen auf Rädern eintauschen. Neuster Trend sei, mit dem Wohnmobil Städte zu bereisen, so Schlüter.

„Ich kriege Anfragen aus ganz Deutschland"

Die Hersteller reagieren bereits und bauen kleinere, kompaktere und vor allem schmalere Fahrzeuge, weiß Schlüter. Ein anderer Trend ist genauso eindeutig: Reisen im Wohnmobil muss komfortabel sein. Klimaanlage, Markise, TV, Solar und ausfahrbare Satelliten-Schüssel dürfen’s schon sein. Selbst bei Neueinsteigern. Und davon gibt es eine ganze Menge, besonders unter den sogenannten Millenials, also der Altersgruppe zwischen Mitte 20 und 30.

Erst seit einem Jahr verleiht Udo Glowienka Reisemobile. Der 65-Jährige will sein Unternehmen vom Verleiher zum Reiseanbieter ausbauen. - © Markus Tschackert
Erst seit einem Jahr verleiht Udo Glowienka Reisemobile. Der 65-Jährige will sein Unternehmen vom Verleiher zum Reiseanbieter ausbauen. - © Markus Tschackert

Den Markt der gehobenen Wohnmobile bedient Udo Glowienka und fährt nach eigenen Worten gut damit. „Ich kriege Anfragen aus ganz Deutschland", will der 65-Jährige, der erst seit einem Jahr Wohnmobile verleiht, seine Flotte von acht auf 20 Fahrzeuge ausbauen. Er macht regelmäßig die Erfahrung, dass je größer das Wohnmobil ist, desto weniger Passagiere damit unterwegs sind. Sein Flaggschiff ein dreiachsiges Luxus-Mobil (Kaufpreis 170.000 Euro) mieten regelmäßig Paare älteren Alters. Minimum 200 Euro pro Tag sind da fällig. Familientaugliche Mobile sind aber auch schon deutlich günstiger zu haben.

„Wer glaubt, im Vergleich zur Pauschalreise sparen zu können, irrt"

Rund 135 Euro sollte man mindestens rechnen, aber nicht der Verführung erliegen ein zu kleines Fahrzeug zu mieten. „Das ist so ein typischer Anfängerfehler", sagt Kristian Schlüter. Reisen im Wohnmobil sei eine eigene Form des Urlaubs", betont sein Kollege Glowienka. „Wer glaubt, im Vergleich zur Pauschalreise sparen zu können, irrt und wird keine Freude an seinem Urlaub haben." Neben Kaution, und Fahrzeugmiete kommen schließlich weitere Kosten auf Reisende zu: Sprit, Campingplatzgebühren, Ver- und Entsorgung.

Erst seit einem Jahr verleiht Udo Glowienka Reisemobile. Der 65-Jährige will sein Unternehmen vom Verleiher zum Reiseanbieter ausbauen. - © Markus Tschackert
Erst seit einem Jahr verleiht Udo Glowienka Reisemobile. Der 65-Jährige will sein Unternehmen vom Verleiher zum Reiseanbieter ausbauen. - © Markus Tschackert

Reisen im Wohnmobil verspricht vor allem grenzenlose Freiheit. Aber der Caravaning-Boom hat Schattenseiten. „Die Campingplatz-Anbieter kommen dem Ausbau ihrer Anlagen gar nicht nach", weiß Schlüter. Besonders die attraktiven Fünf-Sterne-Stellplätze sind ruckzuck voll. „Wer ernsthaft einen solchen Urlaub im kommenden Jahr plant, sollte schon jetzt buchen – Fahrzeug und Stellplätze", rät Schlüter. Glowienka will sein junges Unternehmen deswegen sogar zum Anbieter von Wohnmobilreisen ausbauen. Schon jetzt bietet er neben Reiseplanung die Buchung von Campingplätzen als Komplettpakete an. Die große Carvaning-Freiheit kann man am ehsten in seiner puren Form in den skandinavischen Ländern erleben. Deswegen kommt es regelmäßig vor, dass sich Gütersloher schon mal auf Fähren Richtung Norden treffen, was beweist: Auch mit dem Wohnmobil kann die Welt verdammt klein sein.

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