Landwirtschaft zum Mitmachen Solidarität von Öko-Landwirten und Verbrauchern / Neuer Trend aus den USA Von Taalke Nieberding Bramsche (lni). Immer mehr Menschen wollen wissen, woher ihr Essen kommt. Seit 2011 setzt der ökologische Bauernhof Pente auf eine gemeinschaftliche Landwirtschaft: Gemüse und Fleisch werden nur für Mitglieder produziert. In einer Kita lernen zudem die Kleinen alles übers Essen. Sie sind auf dem Weg zu den Schweinen. Auf halber Strecke kommen die Kinder mit ihren Betreuerinnen an Himbeersträuchern vorbei. Der zweijährige Keno und die dreijährige Reena pflücken und stecken sich welche in den Mund. Roter Saft rinnt über ihre Hände. Reena kaut genüsslich. Keno verzieht das Gesicht, die Beere war sauer."Kommt, wir wollen weiter", ermuntert Erzieherin Esther Pick ihre Schützlinge. Kollegin Rosalind Kühnert-Hall hat Baby Arvid auf dem Arm. Zusammen mit Landwirt Lukas Dreyer füttern sie die Bunten Bentheimer Schweine mit Biokartoffeln, die für die Kunden aussortiert wurden. "Die alte Haustierrasse ist vom Aussterben bedroht", sagt Dreyer.Keine Patentrechte von SaatgutkonzernenDer Hof in Bramsche bei Osnabrück setzt auf seltene Tierrassen wie Coburger Fuchsschafe und Gemüsesorten wie Ochsenherz-Tomaten, um die biologische Vielfalt zu erhalten. "Wir bauen nur samenfeste Sorten an, die noch natürlich vermehrt werden können. Auf ihnen liegen keine Patentrechte von Saatgutkonzernen", erklärt der 24-jährige Landwirt und Gärtner, der schon seine Ausbildung auf dem Hof Pente absolviert hat.2010 entwickelte er mit Chef Tobias Hartkemeyer das Konzept der gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft für den Hof. Ihre Ursprünge hat diese Bewegung in den USA, wo sie als "Community supported agriculture" - kurz CSA - bekannt ist. Mittlerweile verbreitet sich der Trend auch in Deutschland. Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft listet mittlerweile 27 Höfe.Lebensmittel werden nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen Wirtschaftskreislauf: Menschen aus der Region verpflichten sich für ein Jahr, Gemüse, Obst, Fleisch oder Brot abzunehmen. Dafür bezahlen sie beim Hof Pente monatlich 95 Euro pro Person. Mittlerweile versorgt der Hof, der Bioland- und Demeter-zertifiziert ist, 250 Mitglieder.Dreyer: "Die Mitglieder sehen, wohin ihr Geld fließt und welche Kosten anfallen. Sie können mitgestalten, indem sie ihre eigenen Wünsche einbringen oder freiwillig mitarbeiten."Auf dem Kinderbauernhof Scheu vor Tieren verlierenJetzt will der Hof Pente sein pädagogisches Angebot ausbauen und erhält dafür eine Fördersumme der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) von 98 000 Euro. Die gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft sei ein "ausbaufähiges Zukunftsmodell", heißt es in einer Mitteilung des DBU. Mit dem Geld sollen neben Ausbildungsplätzen zum Landwirt oder Gärtner und den Mitmachtagen für Mitglieder auch Vortrags- und Kulturabende finanziert werden. Außerdem der Kinderbauernhof: eine Tagesstätte für Kinder bis sechs Jahre. Eine Tagesmutter und eine Erzieherin kümmern sich um maximal zehn Kinder."Hier auf dem Hof gibt es viele Möglichkeiten, über die eigenen Sinne die Welt zu entdecken", erklärt Erzieherin Pick. "Die Kinder sehen das wachsen, was sie zusammen ernten, kochen und essen." Durch Riechen, Schmecken oder Fühlen könnten Wald, Boden und Lebensmittel praktisch erfahren werden. "Wir gehen bei jedem Wetter hinaus und nehmen auch die Jahreszeiten intensiv wahr."Im Schweinegehege versuchen die schwarzrosa gefleckten Jungtiere und Ferkel grunzend die Kartoffeln zu ergattern, die ihnen von den Kindern zugeworfen werden. Die Geräusche vermischen sich mit dem glucksenden Lachen der Kinder. "Die machen nichts!" Keno spricht sich und seiner Gefährtin Reena Mut zu, wenn die Schweine ganz nahe kommen. Sie könnten noch lange hier stehen und die Tiere beobachten, doch gleich ist Mittagszeit.

Landwirtschaft zum Mitmachen

Bramsche (lni). Immer mehr Menschen wollen wissen, woher ihr Essen kommt. Seit 2011 setzt der ökologische Bauernhof Pente auf eine gemeinschaftliche Landwirtschaft: Gemüse und Fleisch werden nur für Mitglieder produziert. In einer Kita lernen zudem die Kleinen alles übers Essen.

Landwirtschaft zum Mitmachen - © OWL
Landwirtschaft zum Mitmachen - © OWL

Sie sind auf dem Weg zu den Schweinen. Auf halber Strecke kommen die Kinder mit ihren Betreuerinnen an Himbeersträuchern vorbei. Der zweijährige Keno und die dreijährige Reena pflücken und stecken sich welche in den Mund. Roter Saft rinnt über ihre Hände. Reena kaut genüsslich. Keno verzieht das Gesicht, die Beere war sauer.

"Kommt, wir wollen weiter", ermuntert Erzieherin Esther Pick ihre Schützlinge. Kollegin Rosalind Kühnert-Hall hat Baby Arvid auf dem Arm. Zusammen mit Landwirt Lukas Dreyer füttern sie die Bunten Bentheimer Schweine mit Biokartoffeln, die für die Kunden aussortiert wurden. "Die alte Haustierrasse ist vom Aussterben bedroht", sagt Dreyer.

Keine Patentrechte von Saatgutkonzernen

Solidarische Landwirtschaft: Der landwirtschaftliche Mitarbeiter Lukas Dreyer und der kleine Keno füttern auf dem Gemeinschaftshof Pente in Bramsche Bunte Bentheimer Schweine mit Kartoffeln. - © Foto: dpa
Solidarische Landwirtschaft: Der landwirtschaftliche Mitarbeiter Lukas Dreyer und der kleine Keno füttern auf dem Gemeinschaftshof Pente in Bramsche Bunte Bentheimer Schweine mit Kartoffeln. - © Foto: dpa

Der Hof in Bramsche bei Osnabrück setzt auf seltene Tierrassen wie Coburger Fuchsschafe und Gemüsesorten wie Ochsenherz-Tomaten, um die biologische Vielfalt zu erhalten. "Wir bauen nur samenfeste Sorten an, die noch natürlich vermehrt werden können. Auf ihnen liegen keine Patentrechte von Saatgutkonzernen", erklärt der 24-jährige Landwirt und Gärtner, der schon seine Ausbildung auf dem Hof Pente absolviert hat.

2010 entwickelte er mit Chef Tobias Hartkemeyer das Konzept der gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft für den Hof. Ihre Ursprünge hat diese Bewegung in den USA, wo sie als "Community supported agriculture" - kurz CSA - bekannt ist. Mittlerweile verbreitet sich der Trend auch in Deutschland. Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft listet mittlerweile 27 Höfe.

Lebensmittel werden nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen Wirtschaftskreislauf: Menschen aus der Region verpflichten sich für ein Jahr, Gemüse, Obst, Fleisch oder Brot abzunehmen. Dafür bezahlen sie beim Hof Pente monatlich 95 Euro pro Person. Mittlerweile versorgt der Hof, der Bioland- und Demeter-zertifiziert ist, 250 Mitglieder.

Dreyer: "Die Mitglieder sehen, wohin ihr Geld fließt und welche Kosten anfallen. Sie können mitgestalten, indem sie ihre eigenen Wünsche einbringen oder freiwillig mitarbeiten."

Auf dem Kinderbauernhof Scheu vor Tieren verlieren

Jetzt will der Hof Pente sein pädagogisches Angebot ausbauen und erhält dafür eine Fördersumme der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) von 98 000 Euro. Die gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft sei ein "ausbaufähiges Zukunftsmodell", heißt es in einer Mitteilung des DBU. Mit dem Geld sollen neben Ausbildungsplätzen zum Landwirt oder Gärtner und den Mitmachtagen für Mitglieder auch Vortrags- und Kulturabende finanziert werden. Außerdem der Kinderbauernhof: eine Tagesstätte für Kinder bis sechs Jahre. Eine Tagesmutter und eine Erzieherin kümmern sich um maximal zehn Kinder.

"Hier auf dem Hof gibt es viele Möglichkeiten, über die eigenen Sinne die Welt zu entdecken", erklärt Erzieherin Pick. "Die Kinder sehen das wachsen, was sie zusammen ernten, kochen und essen." Durch Riechen, Schmecken oder Fühlen könnten Wald, Boden und Lebensmittel praktisch erfahren werden. "Wir gehen bei jedem Wetter hinaus und nehmen auch die Jahreszeiten intensiv wahr."

Im Schweinegehege versuchen die schwarzrosa gefleckten Jungtiere und Ferkel grunzend die Kartoffeln zu ergattern, die ihnen von den Kindern zugeworfen werden. Die Geräusche vermischen sich mit dem glucksenden Lachen der Kinder. "Die machen nichts!" Keno spricht sich und seiner Gefährtin Reena Mut zu, wenn die Schweine ganz nahe kommen. Sie könnten noch lange hier stehen und die Tiere beobachten, doch gleich ist Mittagszeit.

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales