Kunden meiden Espelkamp: Hohe Corona-Inzidenz schwächt den Handel Kirsten Tirre Espelkamp. Die Pandemie hat in ihrer Hochphase den Handel stark gebeutelt. Doch steigende Impfquoten gepaart mit niedrigen Inzidenzwerten sorgen dafür, dass sich die Lage allmählich wieder normalisiert. Nicht so in Espelkamp. Die Rekord-Inzidenz von über 800 bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Einzelhandel, denn es gibt Kunden, die einen Einkauf in Espelkamp derzeit lieber vermeiden, wenn es denn eben geht. Er habe schon das Gefühl, dass der eine oder andere Kunde wegbleibe, sagt ein Händler auf dem Wochenmarkt. „Aber jetzt ist Kohlzeit und die Leute kommen und kaufen", sagt er. Der Markt finde ja auch im Freien statt. Auffällig sei indes, dass sich die Marktbesucher schon sehr an die Abstandsregeln halten würden. Corona und Spritpreise bewegen die Marktbesucher Auch tragen fast alle, die an diesem Dienstagmorgen mit ihren Taschen über den Markt schlendern, Masken, obwohl sie das gar nicht mehr müssten, da die Maskenpflicht im Freien Anfang Oktober aufgehoben wurde. „Aber viele tragen sie vielleicht auch noch aus Gewohnheit", vermutet der Händler. Ob viel über die besondere Corona-Situation der Stadt gesprochen wird? „Ja, schon", sagen einige Marktbeschicker. Aber genauso seien die hohen Spritpreise ein Thema bei den Menschen. Direkt am Wilhelm-Kern-Platz liegt auch der Friseursalon „Klingel Friseure". Beim Haareschneiden ist Zeit zum Reden über Gott und die Welt und momentan speziell über die Situation in Espelkamp. „Die Kunden fragen mich nach meiner Meinung zu der hohen Inzidenz", sagt Friseurmeister Kai Klingel, der auch am Ort wohnt. Er suche dann nach Erklärungen. „Es müsste vielleicht noch mehr Kontrollen geben, was die Einhaltung der Quarantäne betrifft und auch Kontrollen bei größeren Veranstaltungen zu denen ja auch Gottesdienste gehören würden." Warum ein Friseur Terminabsagen hatte Vielleicht sollte auch dort eine 3 G-Regel eingeführt werden, meint Klingel. Er selbst darf keine Kunden in den Salon lassen, die nicht geimpft, genesen oder getestet sind. Es gab auch Terminabsagen. Zum einen, weil die Tests jetzt kostenpflichtig sind, zum anderen aber – so ist seine Vermutung – wegen der hohen Inzidenz in Espelkamp. Auch wenn das niemand so direkt gesagt hat. Auffällig sei aber schon gewesen, dass es los ging mit den Absagen, als sich der Inzidenzwert in Espelkamp um die 500 bewegte. Dass Kai Klingel mit seiner Vermutung durchaus richtig liegen könnte, bestätigt die Aussage von Lars Jedamski von der Zoohandlung „Tier Total" an der Breslauer Straße. Am Dienstagvormittag sei eine Kundin aus Rahden bei ihm im Geschäft gewesen. Sie habe ihm gesagt, dass sie nicht nach Espelkamp kommen würde, wenn sie nicht das spezielle und bei Jedamski erhältliche Tierfutter benötigen würde. Sie wolle aber auch gleich wieder nach Hause fahren und sich nicht lange in der Stadt aufhalten. Welche Folgen Corona für eine Zoohandlung hat Lars Jedamski hat auch schon von anderen Auswärtigen gehört, dass sie einen Besuch in Espelkamp derzeit lieber meiden und stattdessen zum Einkaufen in andere Orte wie Hille ausweichen. Seit Corona sei in seinem Geschäft sowieso alles anders geworden. Das Kaufverhalten der Menschen habe sich geändert. In der Pandemie hätten viele Kunden Internetbestellungen ausprobiert - auch für Tierfnahrung - und seien dabei geblieben. Was die hohe Inzidenz in Espelkamp angeht sagt er: „Es weiß doch jeder, woran es liegt. Aber keiner traut sich richtig, es offen auszusprechen." „Die hohe Inzidenzzahl ist das Thema Nummer 1 unter den Kunden – insbesondere von den auswärtigen aus Rahden und Lübbecke", sagt Birgit Korejtek vom Floristikgeschäft „Blumen STIL" an der Breslauer Straße. Sie hat auch schon Anrufe bekommen, bei denen dann teils ironisch gefragt wurde: „Sind eigentlich die Türen noch offen bei euch und kann man noch beruhigt in Espelkamp einkaufen?" Vorschlag: Begrenzte Besucherzahl bei Gottesdiensten Birgit Korejtek hat auch das Gefühl, dass mit Ausnahme des Wochenendes die Bewegungen in der Breslauer Straße verhaltener als sonst sind und dass das nicht nur an den Ferien liegt. Auch sie macht sich ihre Gedanken über die hohe Inzidenz und wie diese gebrochen werden könnte. „In Espelkamp gibt es viele Glaubensgemeinschaften und Menschen, die sich aus Glaubensgründen nicht impfen lassen und sich dann bei Zusammenkünften anstecken." Sie sei nicht das Gesetz und kenne sich auch nicht damit aus, aber eine 3 G-Regel und Teilnehmerbegrenzungen bei Gottesdiensten, wie es sie ja zeitweise schon einmal gab, würde sie für wichtig erachten. "Ich weiß aber nicht, ob es möglich wäre so etwas wieder einzuführen?" Dass die Sorge vor eine Ansteckung nicht nur den Handel in Espelkamp betrifft, wird ganz deutlich, als ein Kunde den Laden betritt. "Als ob über ganz Espelkamp eine Glocke hängt" Er weiß zu erzählen, dass Beschäftigte eines Unternehmens in Espelkamp, die von außerhalb kommen, schon angefragt haben, ob sie nicht der Arbeit fernbleiben könnten, weil sie Angst hätten, sich während ihrer Tätigkeit in der Produktion bei Kollegen zu infizieren. „Es ist, als würde über ganz Espelkamp eine Glocke hängen und man sich schon mit Corona ansteckt, wenn man diese durchbricht", bringt Karl Kordes, Leiter des Marktkaufs Espelkamp, die Gefühlslage der Menschen auf den Punkt. Umsatz-Einbrüche wegen der hohen Inzidenz habe sein Markt nicht zu verzeichnen, erst recht nicht am Wochenende. Allerdings seien die Zuwächse unter der Woche, die er sich durch die Schließung des Marktkaufs in der Nachbarkommune Lübbecke erwartet hatte, leicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Er gehe aber davon aus, dass sich das bald wieder relativiere, wenn die Inzidenzzahlen wieder sinken. Sorge im Modegeschäft vor einem Lockdown Doch noch ist es nicht soweit und in Geschäften wie dem Modehaus „Zone 1" geht bereits die Sorge um, dass es wegen der hohen Werte in Espelkamp vielleicht wieder einen Lockdown geben könnte. Einige sonst umsatzstarke Sonderaktionen hätten ohnehin wegen der Pandemie aktuell nur in kleinerem Rahmen stattfinden können und wenn sich die Situation nicht bald ändere, sei ja kein Ende in Sicht. Welche Hoffnung es nun für den Handel gibt Eine gute Nachricht für die Einzelhändler gibt es: Wie Thorsten Blauert, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, auf Nachfrage der NW sagte, wolle er am Donnerstag bei der Versammlung des Stadtmarketingvereins den Mitgliedern vorschlagen, den Weihnachtsmarkt schon einmal fest im Terminkalender einzuplanen. Zum Weihnachtsmarkt gehört auch immer ein verkaufsoffener Sonntag in der Innenstadt. „Es wird sicherlich Auflagen geben, aber wir wollen uns nicht entmutigen lassen", so Blauert.

Kunden meiden Espelkamp: Hohe Corona-Inzidenz schwächt den Handel

Die Espelkamper Innenstadt ist an diesem Nachmittag in der Woche nur wenig belebt. Ob das dem wechselhaften Wetter mit einigen Regenschauern geschuldet ist oder der auffallend hohen Inzidenz in der Stadt, das ist die Frage. © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp. Die Pandemie hat in ihrer Hochphase den Handel stark gebeutelt. Doch steigende Impfquoten gepaart mit niedrigen Inzidenzwerten sorgen dafür, dass sich die Lage allmählich wieder normalisiert. Nicht so in Espelkamp. Die Rekord-Inzidenz von über 800 bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Einzelhandel, denn es gibt Kunden, die einen Einkauf in Espelkamp derzeit lieber vermeiden, wenn es denn eben geht.

Er habe schon das Gefühl, dass der eine oder andere Kunde wegbleibe, sagt ein Händler auf dem Wochenmarkt. „Aber jetzt ist Kohlzeit und die Leute kommen und kaufen", sagt er. Der Markt finde ja auch im Freien statt. Auffällig sei indes, dass sich die Marktbesucher schon sehr an die Abstandsregeln halten würden.

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Jeden Donnerstag von unserem Lokalchef Frank Hartmann

Corona und Spritpreise bewegen die Marktbesucher

Auch tragen fast alle, die an diesem Dienstagmorgen mit ihren Taschen über den Markt schlendern, Masken, obwohl sie das gar nicht mehr müssten, da die Maskenpflicht im Freien Anfang Oktober aufgehoben wurde. „Aber viele tragen sie vielleicht auch noch aus Gewohnheit", vermutet der Händler. Ob viel über die besondere Corona-Situation der Stadt gesprochen wird? „Ja, schon", sagen einige Marktbeschicker. Aber genauso seien die hohen Spritpreise ein Thema bei den Menschen.

Direkt am Wilhelm-Kern-Platz liegt auch der Friseursalon „Klingel Friseure". Beim Haareschneiden ist Zeit zum Reden über Gott und die Welt und momentan speziell über die Situation in Espelkamp. „Die Kunden fragen mich nach meiner Meinung zu der hohen Inzidenz", sagt Friseurmeister Kai Klingel, der auch am Ort wohnt. Er suche dann nach Erklärungen. „Es müsste vielleicht noch mehr Kontrollen geben, was die Einhaltung der Quarantäne betrifft und auch Kontrollen bei größeren Veranstaltungen zu denen ja auch Gottesdienste gehören würden."

Warum ein Friseur Terminabsagen hatte

Vielleicht sollte auch dort eine 3 G-Regel eingeführt werden, meint Klingel. Er selbst darf keine Kunden in den Salon lassen, die nicht geimpft, genesen oder getestet sind. Es gab auch Terminabsagen. Zum einen, weil die Tests jetzt kostenpflichtig sind, zum anderen aber – so ist seine Vermutung – wegen der hohen Inzidenz in Espelkamp. Auch wenn das niemand so direkt gesagt hat. Auffällig sei aber schon gewesen, dass es los ging mit den Absagen, als sich der Inzidenzwert in Espelkamp um die 500 bewegte.

Dass Kai Klingel mit seiner Vermutung durchaus richtig liegen könnte, bestätigt die Aussage von Lars Jedamski von der Zoohandlung „Tier Total" an der Breslauer Straße. Am Dienstagvormittag sei eine Kundin aus Rahden bei ihm im Geschäft gewesen. Sie habe ihm gesagt, dass sie nicht nach Espelkamp kommen würde, wenn sie nicht das spezielle und bei Jedamski erhältliche Tierfutter benötigen würde. Sie wolle aber auch gleich wieder nach Hause fahren und sich nicht lange in der Stadt aufhalten.

Welche Folgen Corona für eine Zoohandlung hat

Lars Jedamski hat auch schon von anderen Auswärtigen gehört, dass sie einen Besuch in Espelkamp derzeit lieber meiden und stattdessen zum Einkaufen in andere Orte wie Hille ausweichen. Seit Corona sei in seinem Geschäft sowieso alles anders geworden. Das Kaufverhalten der Menschen habe sich geändert. In der Pandemie hätten viele Kunden Internetbestellungen ausprobiert - auch für Tierfnahrung - und seien dabei geblieben. Was die hohe Inzidenz in Espelkamp angeht sagt er: „Es weiß doch jeder, woran es liegt. Aber keiner traut sich richtig, es offen auszusprechen."

„Die hohe Inzidenzzahl ist das Thema Nummer 1 unter den Kunden – insbesondere von den auswärtigen aus Rahden und Lübbecke", sagt Birgit Korejtek vom Floristikgeschäft „Blumen STIL" an der Breslauer Straße. Sie hat auch schon Anrufe bekommen, bei denen dann teils ironisch gefragt wurde: „Sind eigentlich die Türen noch offen bei euch und kann man noch beruhigt in Espelkamp einkaufen?"

Vorschlag: Begrenzte Besucherzahl bei Gottesdiensten

Birgit Korejtek hat auch das Gefühl, dass mit Ausnahme des Wochenendes die Bewegungen in der Breslauer Straße verhaltener als sonst sind und dass das nicht nur an den Ferien liegt. Auch sie macht sich ihre Gedanken über die hohe Inzidenz und wie diese gebrochen werden könnte. „In Espelkamp gibt es viele Glaubensgemeinschaften und Menschen, die sich aus Glaubensgründen nicht impfen lassen und sich dann bei Zusammenkünften anstecken."

Sie sei nicht das Gesetz und kenne sich auch nicht damit aus, aber eine 3 G-Regel und Teilnehmerbegrenzungen bei Gottesdiensten, wie es sie ja zeitweise schon einmal gab, würde sie für wichtig erachten. "Ich weiß aber nicht, ob es möglich wäre so etwas wieder einzuführen?" Dass die Sorge vor eine Ansteckung nicht nur den Handel in Espelkamp betrifft, wird ganz deutlich, als ein Kunde den Laden betritt.

"Als ob über ganz Espelkamp eine Glocke hängt"

Er weiß zu erzählen, dass Beschäftigte eines Unternehmens in Espelkamp, die von außerhalb kommen, schon angefragt haben, ob sie nicht der Arbeit fernbleiben könnten, weil sie Angst hätten, sich während ihrer Tätigkeit in der Produktion bei Kollegen zu infizieren.

„Es ist, als würde über ganz Espelkamp eine Glocke hängen und man sich schon mit Corona ansteckt, wenn man diese durchbricht", bringt Karl Kordes, Leiter des Marktkaufs Espelkamp, die Gefühlslage der Menschen auf den Punkt. Umsatz-Einbrüche wegen der hohen Inzidenz habe sein Markt nicht zu verzeichnen, erst recht nicht am Wochenende. Allerdings seien die Zuwächse unter der Woche, die er sich durch die Schließung des Marktkaufs in der Nachbarkommune Lübbecke erwartet hatte, leicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Er gehe aber davon aus, dass sich das bald wieder relativiere, wenn die Inzidenzzahlen wieder sinken.

Sorge im Modegeschäft vor einem Lockdown

Doch noch ist es nicht soweit und in Geschäften wie dem Modehaus „Zone 1" geht bereits die Sorge um, dass es wegen der hohen Werte in Espelkamp vielleicht wieder einen Lockdown geben könnte. Einige sonst umsatzstarke Sonderaktionen hätten ohnehin wegen der Pandemie aktuell nur in kleinerem Rahmen stattfinden können und wenn sich die Situation nicht bald ändere, sei ja kein Ende in Sicht.

Welche Hoffnung es nun für den Handel gibt

Eine gute Nachricht für die Einzelhändler gibt es: Wie Thorsten Blauert, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, auf Nachfrage der NW sagte, wolle er am Donnerstag bei der Versammlung des Stadtmarketingvereins den Mitgliedern vorschlagen, den Weihnachtsmarkt schon einmal fest im Terminkalender einzuplanen. Zum Weihnachtsmarkt gehört auch immer ein verkaufsoffener Sonntag in der Innenstadt. „Es wird sicherlich Auflagen geben, aber wir wollen uns nicht entmutigen lassen", so Blauert.

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