Kritik an Klinikum: Schaumburger Landrat kündigt Gespräche über Abtreibungen an Stefan Rothe Bückeburg (szlz). Der Schaumburger Landrat Jörg Farr (SPD) wird kurzfristig mit der Geschäftsführung des Klinikums Schaumburg und der Leitung des Agaplesion-Konzerns über die jüngst ans Licht gekommene Problematik beim Thema Abtreibung sprechen. Das hat Farr im Kreistag hin angekündigt. An diesen Gesprächen sollen unter anderem auch der AWO-Kreisverband (Schwangerschaftsberatung) und die Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung teilnehmen. Der Landkreis Schaumburg hält zehn Prozent der Gesellschafteranteile des Klinikums. AWO-Expertinnen hatten gegenüber dieser Zeitung berichtet, am Klinikum und bei dessen Kooperationspartner in Sachen Abtreibungen, der Gyncollegweserland, herrschten ungünstige Rahmenbedingungen, und es fänden so gut wie keine Schwangerschaftsabbrüche statt. Vor der Klinikumseröffnung im Jahr 2017 hatte es hingegen kreisweit jährlich rund 100 Abtreibungen gegeben. Farr berichtete, er habe von Gyncollegweserland vorab telefonisch die Auskunft bekommen, es gebe aus Schaumburg nur wenige Anfragen für eine Abtreibung. „Man muss eruieren, woran das liegt“, fügte er hinzu: „Wir erwarten einen offenen Zugang für die Betroffenen und einen respektvollen Umgang mit den Frauen.“ In den avisierten Gesprächen „müssen wir aufklären, inwieweit Schwierigkeiten vorliegen“. Anschließend werde er über die Ergebnisse informieren, kündigte der Landrat an. Außerdem plane die Kreisverwaltung, eine öffentliche Veranstaltung zu dem Themenbereich anzubieten. Sandra Schauer-Bolte (SPD) bezeichnete es als einen „untragbaren Zustand, dass offenbar viele betroffene Frauen sich nicht an das hiesige Klinikum wenden, weil sie den Eindruck haben, dort keine Hilfe zu bekommen“. Heinrich Sasse (WGS) vertrat die Auffassung, dass die Kooperation des Klinikums mit der Gyncollegweserland nicht funktioniert. Deren Auskunft, es gebe nur wenige Anfragen, sehe er sehr kritisch: „Wenn das Klinikum den Ruf hat, das nicht machen zu wollen, ist die Zurückhaltung der Betroffenen doch erklärbar.“ Und weiter: „Die Frauen müssen den Eindruck haben, im Klinikum nicht willkommen zu sein, das ist unerträglich und muss geändert werden.“ Die Frage sei, warum die Kooperation des Klinikums mit der Gyncollegweserland nicht funktioniere, befand Nicole Bruns (CDU). Sie fordere die Führung des Klinikums auf, ihre Haltung zu überdenken und die Kooperation mit Gyncollegweserland besser möglich zu machen. „Ich hatte erwartet, dass die Beteiligten aktiv daran arbeiten, die Kooperation gut umzusetzen“, sagte Christiane Reckmann (SPD). Es dürfe nicht sein, dass Frauen an andere Kliniken verwiesen werden, „sie haben hier angemessen behandelt zu werden“, so Reckmann.

Kritik an Klinikum: Schaumburger Landrat kündigt Gespräche über Abtreibungen an

„Wenn das Klinikum den Ruf hat, Abtreibungen nicht machen zu wollen, ist die Zurückhaltung der Betroffenen doch erklärbar“, sagt Heinrich Sasse (WGS). Foto: szlz/Archiv © x

Bückeburg (szlz). Der Schaumburger Landrat Jörg Farr (SPD) wird kurzfristig mit der Geschäftsführung des Klinikums Schaumburg und der Leitung des Agaplesion-Konzerns über die jüngst ans Licht gekommene Problematik beim Thema Abtreibung sprechen. Das hat Farr im Kreistag hin angekündigt.

An diesen Gesprächen sollen unter anderem auch der AWO-Kreisverband (Schwangerschaftsberatung) und die Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung teilnehmen. Der Landkreis Schaumburg hält zehn Prozent der Gesellschafteranteile des Klinikums.

AWO-Expertinnen hatten gegenüber dieser Zeitung berichtet, am Klinikum und bei dessen Kooperationspartner in Sachen Abtreibungen, der Gyncollegweserland, herrschten ungünstige Rahmenbedingungen, und es fänden so gut wie keine Schwangerschaftsabbrüche statt. Vor der Klinikumseröffnung im Jahr 2017 hatte es hingegen kreisweit jährlich rund 100 Abtreibungen gegeben.

Farr berichtete, er habe von Gyncollegweserland vorab telefonisch die Auskunft bekommen, es gebe aus Schaumburg nur wenige Anfragen für eine Abtreibung. „Man muss eruieren, woran das liegt“, fügte er hinzu: „Wir erwarten einen offenen Zugang für die Betroffenen und einen respektvollen Umgang mit den Frauen.“

In den avisierten Gesprächen „müssen wir aufklären, inwieweit Schwierigkeiten vorliegen“. Anschließend werde er über die Ergebnisse informieren, kündigte der Landrat an. Außerdem plane die Kreisverwaltung, eine öffentliche Veranstaltung zu dem Themenbereich anzubieten.

Sandra Schauer-Bolte (SPD) bezeichnete es als einen „untragbaren Zustand, dass offenbar viele betroffene Frauen sich nicht an das hiesige Klinikum wenden, weil sie den Eindruck haben, dort keine Hilfe zu bekommen“.

Heinrich Sasse (WGS) vertrat die Auffassung, dass die Kooperation des Klinikums mit der Gyncollegweserland nicht funktioniert. Deren Auskunft, es gebe nur wenige Anfragen, sehe er sehr kritisch: „Wenn das Klinikum den Ruf hat, das nicht machen zu wollen, ist die Zurückhaltung der Betroffenen doch erklärbar.“ Und weiter: „Die Frauen müssen den Eindruck haben, im Klinikum nicht willkommen zu sein, das ist unerträglich und muss geändert werden.“

Die Frage sei, warum die Kooperation des Klinikums mit der Gyncollegweserland nicht funktioniere, befand Nicole Bruns (CDU). Sie fordere die Führung des Klinikums auf, ihre Haltung zu überdenken und die Kooperation mit Gyncollegweserland besser möglich zu machen.

„Ich hatte erwartet, dass die Beteiligten aktiv daran arbeiten, die Kooperation gut umzusetzen“, sagte Christiane Reckmann (SPD). Es dürfe nicht sein, dass Frauen an andere Kliniken verwiesen werden, „sie haben hier angemessen behandelt zu werden“, so Reckmann.

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