Bad Oeynhausen Kind in Bad Oeynhausen ertrunken: Hallenbad-Leiter angeklagt Bad Oeynhausen. Bei einem Anfängerkurs vor zweieinhalb Jahren ist ein Sechsjähriger im Hallenbad Rehme ertrunken. Ein junger Schwimmlehrer aus Vlotho leitete den Kursus für Kinder bis sechs Jahre. Der Schwimmlehrer ist im vergangenen Jahr wegen fahrlässiger Tötung vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen angeklagt worden, weil er seine Aufsichtspflichten verletzt haben soll. Nächste Woche wird der Fall wieder aufgerollt. Dann gibt es einen zweiten Angeklagten: Auch der Leiter des Hallenbades, das wenige Monate zuvor in die Zuständigkeit der Stadtwerke Bad Oeynhausen überging, muss sich ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der erste Prozess gegen den Schwimmlehrer war im Februar 2019 abgebrochen worden, um neben dem rechtsmedizinischen ein zweites Gutachten einzuholen. Es sollte klären, ob nicht auch ein seltener Gendefekt, das Long-QT-Syndrom, Ursache für den plötzlichen Herztod des sechsjährigen Jungen aus Kalletal sein könnte. Dieses Gutachten hat das Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen erstellt. Es liegt seit einem halben Jahr vor und soll am Donnerstag vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen vom Gutachter selbst vorgestellt werden. Vorher soll auch der Rechtsmediziner erneut zur Todesursache, Sauerstoffmangel, gehört werden. Der angeklagte Schwimmlehrer weist jede Schuld von sich. Er hatte beim ersten Prozess außerdem erklärt, dass er sich mehr Unterstützung vom festangestellten Schwimmmeister bei seinem Seepferdchen-Kurs erhofft hatte. Er habe mehrfach Gruppengröße und Betreuerzahl bemängelt, wurde aber angeblich nicht erhört. Seine Verteidigerin Kathleen Heine sagt: „Mein Ziel ist unverändert ein Freispruch." Der angeklagte Schwimmlehrer ist ein inzwischen 26 Jahre alter Rettungsschwimmer und ausgebildeter Schwimmmeister. Er war für den Anfängerkurs für bis zu zwölf Vier- bis Sechsjährige eigentlich überqualifiziert und arbeitete als Honorarkraft für die Stadtwerke. An dem Unglückssamstag im Januar 2018 waren zwischen 9 und 12 Uhr nacheinander drei Anfängergruppen im Becken. Für vorbereitende Elterngespräche sei fast keine Zeit geblieben. Der Unglückskurs hatte eigentlich zwölf Kinder, doch der Angeklagte zählte an diesem Tag nur elf Kinder. Eines sei zuvor von seinen Eltern krank gemeldet worden. Die Kinder habe er in Abständen von drei Minuten immer wieder durchgezählt und zu jeder Zeit alle Kinder im Blick gehabt. „Ich kann mir überhaupt nicht erklären, wie das passieren konnte", sagte der Angeklagte während des ersten Verfahrens unter Tränen. Die Eltern des ertrunkenen Kindes werden von Rechtsanwalt Detlev Binder als Nebenkläger vertreten. Binder hatte sich zum Prozessauftakt darüber verwundert gezeigt, dass nur ein Angeklagter im Gerichtssaal Platz genommen hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch zuvor die Ermittlungen gegen den Hallenbad-Leiter eingestellt, weil kein hinreichender Tatverdacht bestanden habe. Binder forderte erfolgreich erneute Ermittlungen – auch vor dem Hintergrund der Prozessaussagen des Angeklagten. Auch seine Mandatin, die Mutter des Kindes, habe mehrfach bei den Hallenbad-Mitarbeitern darum gebeten, während des Kurses am Beckenrand bleiben zu dürfen, weil ihr Kind behindert war und deshalb besonderer Betreuung bedurfte. Die Familie will mit dem Unglück abschließen, sagt Binder: „Sie bitten darum, das Verfahren zu beenden, damit sie mit der Trauerarbeit beginnen können." Wegen der Coronakrise wird die Zahl der Sitzplätze im Amtsgericht Bad Oeynhausen voraussichtlich erheblich eingeschränkt.
Bad Oeynhausen

Kind in Bad Oeynhausen ertrunken: Hallenbad-Leiter angeklagt

Vor zwei Jahren ist ein sechsjähriges Kind im Hallenbad Rehme ertrunken, ausgerechnet bei einem Schwimmanfängerkurs. Schwimmlehrer und den Hallbenbad-Leiter sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. Bei einem Anfängerkurs vor zweieinhalb Jahren ist ein Sechsjähriger im Hallenbad Rehme ertrunken. Ein junger Schwimmlehrer aus Vlotho leitete den Kursus für Kinder bis sechs Jahre. Der Schwimmlehrer ist im vergangenen Jahr wegen fahrlässiger Tötung vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen angeklagt worden, weil er seine Aufsichtspflichten verletzt haben soll.

Nächste Woche wird der Fall wieder aufgerollt. Dann gibt es einen zweiten Angeklagten: Auch der Leiter des Hallenbades, das wenige Monate zuvor in die Zuständigkeit der Stadtwerke Bad Oeynhausen überging, muss sich ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Der erste Prozess gegen den Schwimmlehrer war im Februar 2019 abgebrochen worden, um neben dem rechtsmedizinischen ein zweites Gutachten einzuholen. Es sollte klären, ob nicht auch ein seltener Gendefekt, das Long-QT-Syndrom, Ursache für den plötzlichen Herztod des sechsjährigen Jungen aus Kalletal sein könnte. Dieses Gutachten hat das Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen erstellt. Es liegt seit einem halben Jahr vor und soll am Donnerstag vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen vom Gutachter selbst vorgestellt werden. Vorher soll auch der Rechtsmediziner erneut zur Todesursache, Sauerstoffmangel, gehört werden.

Der angeklagte Schwimmlehrer weist jede Schuld von sich. Er hatte beim ersten Prozess außerdem erklärt, dass er sich mehr Unterstützung vom festangestellten Schwimmmeister bei seinem Seepferdchen-Kurs erhofft hatte. Er habe mehrfach Gruppengröße und Betreuerzahl bemängelt, wurde aber angeblich nicht erhört. Seine Verteidigerin Kathleen Heine sagt: „Mein Ziel ist unverändert ein Freispruch."

Der angeklagte Schwimmlehrer ist ein inzwischen 26 Jahre alter Rettungsschwimmer und ausgebildeter Schwimmmeister. Er war für den Anfängerkurs für bis zu zwölf Vier- bis Sechsjährige eigentlich überqualifiziert und arbeitete als Honorarkraft für die Stadtwerke.

An dem Unglückssamstag im Januar 2018 waren zwischen 9 und 12 Uhr nacheinander drei Anfängergruppen im Becken. Für vorbereitende Elterngespräche sei fast keine Zeit geblieben. Der Unglückskurs hatte eigentlich zwölf Kinder, doch der Angeklagte zählte an diesem Tag nur elf Kinder. Eines sei zuvor von seinen Eltern krank gemeldet worden. Die Kinder habe er in Abständen von drei Minuten immer wieder durchgezählt und zu jeder Zeit alle Kinder im Blick gehabt. „Ich kann mir überhaupt nicht erklären, wie das passieren konnte", sagte der Angeklagte während des ersten Verfahrens unter Tränen.

Die Eltern des ertrunkenen Kindes werden von Rechtsanwalt Detlev Binder als Nebenkläger vertreten. Binder hatte sich zum Prozessauftakt darüber verwundert gezeigt, dass nur ein Angeklagter im Gerichtssaal Platz genommen hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch zuvor die Ermittlungen gegen den Hallenbad-Leiter eingestellt, weil kein hinreichender Tatverdacht bestanden habe.

Binder forderte erfolgreich erneute Ermittlungen – auch vor dem Hintergrund der Prozessaussagen des Angeklagten. Auch seine Mandatin, die Mutter des Kindes, habe mehrfach bei den Hallenbad-Mitarbeitern darum gebeten, während des Kurses am Beckenrand bleiben zu dürfen, weil ihr Kind behindert war und deshalb besonderer Betreuung bedurfte.

Die Familie will mit dem Unglück abschließen, sagt Binder: „Sie bitten darum, das Verfahren zu beenden, damit sie mit der Trauerarbeit beginnen können."

Wegen der Coronakrise wird die Zahl der Sitzplätze im Amtsgericht Bad Oeynhausen voraussichtlich erheblich eingeschränkt.

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