Bad Oeynhausen/Bielefeld Kind im HDZ verstorben: Ärztliches Versagen für Tod verantwortlich? Bad Oeynhausen/Bielefeld. In einem Zivilprozess gegen das Herz- und Diabeteszentrum, der am Freitag am Bielefelder Landgericht begonnen hat, startet das Gericht zugleich ein Pilotprojekt. Mit diesem Projekt wird getestet, ob Prozesse auch virtuell durchführbar sind. Ein Arzt, der in Wien lebt, wurde für seine Zeugenaussage per Online-Videokonferenz in den Gerichtssaal geschaltet. Kläger in diesem Verfahren sind die Eltern eines im HDZ verstorbenen Kindes. "In dem Verfahren soll die Frage geklärt werden, ob ärztliches Versagen für den Tod eines Kindes verantwortlich ist", teilte Phil Gabler, stellvertretender Sprecher des Landgerichts auf Nachfrage mit. Das Kind, das an einem schweren angeborenen Herzfehler litt, soll in Folge einer Katheteruntersuchung, bei der ein Ballon geplatzt ist, gestorben sein. Mit dieser Methode können verengte oder verstopfte Blutgefäße geweitet werden. Der Tod des Kindes beschäftigt die Juristen seit 2016. Vorangegangene Verfahren richteten sich zunächst gegen den Hersteller des geplatzten Ballons. "Doch das war in zwei Instanzen erfolglos. Ein Materialfehler konnte nicht nachgewiesen werden", so Gabler weiter. Für die Klärung des Falles sei nun die Aussage des Zeugen aus Wien vonnöten. Um dem Mann die aufwendige Anreise zum Gericht zu ersparen, setzte das Landgericht am Freitag erstmals die Form der Videokonferenz ein. Die Möglichkeit von Videoaussagen an sich gibt es allerdings schon länger. Genutzt wird sie bereits in Strafverfahren. Die Aussagen von Kindern können beispielsweise in einem geschützten Raum aufgezeichnet werden, um den Kindern die Aussage im Gerichtssaal zu ersparen. Auch können Zeugen bereits auf diese Weise aussagen, müssen sich aber dafür in ein Gericht begeben. Das Problem: Beide Gerichte müssen mit der gleichen Technik ausgestattet sein. "Bei der Online-Video-Konferenz funktioniert das anders", erklärt Gabler. Der Arzt hat per Mail eine Einladung zu dieser Konferenz erhalten und kann sich per Link über eine gesicherte Datenleitung in den Gerichtssaal schalten. Notwendig dafür ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, Tablet oder Computer mit Kamerafunktion. "Dort, wo normalerweise der Zeuge Platz nimmt, steht jetzt Kamera, die den jeweils Sprechenden aufnimmt", erläutert der Gerichtssprecher weiter. Auf diese Weise kann der Zeuge aus Wien denjenigen - Richter, Staatsanwalt oder Anwalt der Beklagten - nicht nur hören, sondern auch gleichzeitig sehen. Und der Zeuge wiederum ist im Gerichtssaal in einem Fernseher zu sehen. Die virtuelle Zeugenaussage hat Phil Gabler selbst im Gerichtssaal mitverfolgt, teilte er am Nachmittag mit. "Das hat heute geklappt, das ist ein Procedere. mit dem wir gut arbeiten können", urteilte er über die Premiere im Pilotprojekt. Ein Urteil gab es am Freitag noch nicht. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.
Bad Oeynhausen/Bielefeld

Kind im HDZ verstorben: Ärztliches Versagen für Tod verantwortlich?

In einem Zivilprozess gegen das Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen wird ein Arzt aus Wien für eine Zeugenaussage per Online-Konferenz in den Gerichtssaal geschaltet. © Marcel Mompour/HDZ

Bad Oeynhausen/Bielefeld. In einem Zivilprozess gegen das Herz- und Diabeteszentrum, der am Freitag am Bielefelder Landgericht begonnen hat, startet das Gericht zugleich ein Pilotprojekt. Mit diesem Projekt wird getestet, ob Prozesse auch virtuell durchführbar sind. Ein Arzt, der in Wien lebt, wurde für seine Zeugenaussage per Online-Videokonferenz in den Gerichtssaal geschaltet. Kläger in diesem Verfahren sind die Eltern eines im HDZ verstorbenen Kindes.

"In dem Verfahren soll die Frage geklärt werden, ob ärztliches Versagen für den Tod eines Kindes verantwortlich ist", teilte Phil Gabler, stellvertretender Sprecher des Landgerichts auf Nachfrage mit. Das Kind, das an einem schweren angeborenen Herzfehler litt, soll in Folge einer Katheteruntersuchung, bei der ein Ballon geplatzt ist, gestorben sein. Mit dieser Methode können verengte oder verstopfte Blutgefäße geweitet werden.

Der Tod des Kindes beschäftigt die Juristen seit 2016. Vorangegangene Verfahren richteten sich zunächst gegen den Hersteller des geplatzten Ballons. "Doch das war in zwei Instanzen erfolglos. Ein Materialfehler konnte nicht nachgewiesen werden", so Gabler weiter.

Für die Klärung des Falles sei nun die Aussage des Zeugen aus Wien vonnöten. Um dem Mann die aufwendige Anreise zum Gericht zu ersparen, setzte das Landgericht am Freitag erstmals die Form der Videokonferenz ein. Die Möglichkeit von Videoaussagen an sich gibt es allerdings schon länger. Genutzt wird sie bereits in Strafverfahren. Die Aussagen von Kindern können beispielsweise in einem geschützten Raum aufgezeichnet werden, um den Kindern die Aussage im Gerichtssaal zu ersparen. Auch können Zeugen bereits auf diese Weise aussagen, müssen sich aber dafür in ein Gericht begeben. Das Problem: Beide Gerichte müssen mit der gleichen Technik ausgestattet sein.

"Bei der Online-Video-Konferenz funktioniert das anders", erklärt Gabler. Der Arzt hat per Mail eine Einladung zu dieser Konferenz erhalten und kann sich per Link über eine gesicherte Datenleitung in den Gerichtssaal schalten. Notwendig dafür ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, Tablet oder Computer mit Kamerafunktion. "Dort, wo normalerweise der Zeuge Platz nimmt, steht jetzt Kamera, die den jeweils Sprechenden aufnimmt", erläutert der Gerichtssprecher weiter. Auf diese Weise kann der Zeuge aus Wien denjenigen - Richter, Staatsanwalt oder Anwalt der Beklagten - nicht nur hören, sondern auch gleichzeitig sehen. Und der Zeuge wiederum ist im Gerichtssaal in einem Fernseher zu sehen.

Die virtuelle Zeugenaussage hat Phil Gabler selbst im Gerichtssaal mitverfolgt, teilte er am Nachmittag mit. "Das hat heute geklappt, das ist ein Procedere. mit dem wir gut arbeiten können", urteilte er über die Premiere im Pilotprojekt.

Ein Urteil gab es am Freitag noch nicht. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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