Kein Training auf dem Hof: In Bad Oeynhausen entsteht ein Streit um Sport auf dem Parkplatz Nicole Sielermann Bad Oeynhausen (nw). Sport zu zweit ist trotz des Lockdowns erlaubt. Zumindest unter freiem Himmel. So steht es in der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Und so wollten es Tanja Schreyer und Jean Pierre Polenz umsetzen – sie verlagerten kurzerhand das Training aus ihrem Studio auf den Hof. „Wir sind ein sogenanntes Boutique-Studio und bieten grundsätzlich 1:1-Training an“, erklärt Polenz. Nicht auf dem Schirm hatte das Ehepaar bei seinen Planungen das städtische Ordnungsamt. Das sieht in den Räumlichkeiten an der Eidinghausener Straße ein Fitnessstudio, verlangt die Schließung und lehnt auch Sport im Pavillon auf dem Hof ab. Letzterer sei laut Bauamt als Parkplatz ausgewiesen – „und somit keine Sportfläche“, berichtet Jean Pierre Polenz Kopf schüttelnd von den geführten Gesprächen. Vor fünf Jahren haben Tanja Schreyer und Jean Pierre Polenz ihr Studio in Bad Oeynhausen eröffnet. Seitdem bieten sie EMS-Training, also Sport mit elektrischer Muskelstimulation, an. 20 Minuten sollen bei diesem Training bis zu sechs Stunden Krafttraining ersetzen. „Wir machen Personal-Training“, erklärt Tanja Schreyer. Ein Trainer, ein Kunde. Kontakt zwischen beiden gibt es nicht, die Kunden ziehen die Fitnesswesten eigenständig an, tragen Mundschutz, es wird immer wieder desinfiziert und Begegnungen zwischen Sportlern gibt es auch nicht. „Wir haben also Pavillons draußen aufgebaut und in Absprache mit den Kunden dort trainiert“, erklärt Polenz. „Tanjas Bruder ist Richter und er wie auch unser Anwalt haben grünes Licht gegeben. Das gehe alles mit der Verordnung konform“, berichtet er. Gehe es nicht, sagt dagegen Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich auf Nachfrage. „Der Betrieb eines Fitnessstudios ist durch die Corona-Schutzverordnung generell untersagt. Und es gibt dieses Mal auch keine Ausnahmen für Personal-Training wie im Frühsommer.“ Zudem seien die Pavillons auf dem Hof geschlossenen Räumen gleichzusetzen: „Dieses Draußen ist drinnen“, erklärt die Stadt. Deshalb ging das Sportangebot draußen genau einen Tag lang gut, dann standen zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes in der Tür. Zu dem Zeitpunkt, so erzählt Tanja Schreyer, sei sie allein im Studio gewesen. Hatte Licht an, Musik laufen und kümmerte sich um Belange am Computer. Sehr unfreundlich, so schildert sie das Auftreten des städtischen Mitarbeiters. „Sie müssen schließen. Licht aus, Musik aus, Türen zu“, habe die Anweisung gelautet. Fehlende Absperrungen der Sportgeräte seien bemängelt worden, ebenso die Anwesenheit der Inhaberin in ihrem Studio. Dass es kein normales Fitnessstudio sei, keines, in das Kunden einfach rein- und rausgehen können, wie sie wollen, sondern das alles über Termine laufe, das hätten die Mitarbeiter nicht verstanden. Ein Wort ergab das andere, letztendlich verwies der städtische Mitarbeiter Tanja Schreyer ihres eigenen Ladens, wie sie sagt. „Ich war so perplex. Konnte gar nicht reagieren“, sagt sie rückblickend. Erst zuhause und nach dem Gespräch mit ihrem Mann habe sie alles realisiert. „Wir haben sofort meinen Schwager und unseren Anwalt angerufen“, sagt Jean-Pierre Polenz, der dem Mitarbeiter Hausverbot erteilt hat und der sogar eine Anzeige wegen Nötigung gegen eben diesen in Erwägung zieht. „Von rechtlicher Seite dürfen wir hier sein. Trotz Lockdowns.“ Wenn auch ohne Kunden. Aber mit Licht. Und mit Musik. Sie dürften sogar selber ihre Sportgeräte nutzen und trainieren. Polenz suchte das Gespräch mit der Stadt, mit Ordnungsamtsleiterin Michaela Brune. Die der Nutzung des Pavillons an der Rückseite des Gebäudes eine Absage erteilte. Denn auch das sei ein geschlossener Raum. „Uns werden nur Steine in den Weg gelegt. Wir haben langsam das Gefühl, dass es gar nicht mehr um Corona geht, sondern nur darum, Recht zu behalten – und uns die Teilöffnung nicht zu erlauben“, prangert Polenz an. „Natürlich macht es Sinn, gewisse Dinge zu beschränken“, sagt er. Die Kurse zum Beispiel seien selbstverständlich abgesagt. „Aber Sport zu zweit als Individualsport ist doch machbar.“ Draußen. „Auch für uns kein Traum“, winkt er ab. Aber besser als nichts. Auch für die Kunden. Denn deren Rückenschmerzen machen keine Pause. Daraus allerdings wird wohl nichts. Zumindest solange der Pavillon steht. Und solange, bis Schreyer und Polenz im Bereich Bauordnung nachgefragt haben, ob sie dort ihren Sport anbieten dürfen. „Wir sprechen hier von Gewerbetreibenden“, erklärt Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich. Da würden besondere Vorschriften gelten.

Kein Training auf dem Hof: In Bad Oeynhausen entsteht ein Streit um Sport auf dem Parkplatz

Tanja Schreyer und Jean Pierre Polenz kämpfen für ihr Sportangebot. Foto: Nicole Sielermann © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen (nw). Sport zu zweit ist trotz des Lockdowns erlaubt. Zumindest unter freiem Himmel. So steht es in der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Und so wollten es Tanja Schreyer und Jean Pierre Polenz umsetzen – sie verlagerten kurzerhand das Training aus ihrem Studio auf den Hof.

„Wir sind ein sogenanntes Boutique-Studio und bieten grundsätzlich 1:1-Training an“, erklärt Polenz. Nicht auf dem Schirm hatte das Ehepaar bei seinen Planungen das städtische Ordnungsamt. Das sieht in den Räumlichkeiten an der Eidinghausener Straße ein Fitnessstudio, verlangt die Schließung und lehnt auch Sport im Pavillon auf dem Hof ab. Letzterer sei laut Bauamt als Parkplatz ausgewiesen – „und somit keine Sportfläche“, berichtet Jean Pierre Polenz Kopf schüttelnd von den geführten Gesprächen.

Vor fünf Jahren haben Tanja Schreyer und Jean Pierre Polenz ihr Studio in Bad Oeynhausen eröffnet. Seitdem bieten sie EMS-Training, also Sport mit elektrischer Muskelstimulation, an. 20 Minuten sollen bei diesem Training bis zu sechs Stunden Krafttraining ersetzen. „Wir machen Personal-Training“, erklärt Tanja Schreyer.

Ein Trainer, ein Kunde. Kontakt zwischen beiden gibt es nicht, die Kunden ziehen die Fitnesswesten eigenständig an, tragen Mundschutz, es wird immer wieder desinfiziert und Begegnungen zwischen Sportlern gibt es auch nicht. „Wir haben also Pavillons draußen aufgebaut und in Absprache mit den Kunden dort trainiert“, erklärt Polenz. „Tanjas Bruder ist Richter und er wie auch unser Anwalt haben grünes Licht gegeben. Das gehe alles mit der Verordnung konform“, berichtet er.

Gehe es nicht, sagt dagegen Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich auf Nachfrage. „Der Betrieb eines Fitnessstudios ist durch die Corona-Schutzverordnung generell untersagt. Und es gibt dieses Mal auch keine Ausnahmen für Personal-Training wie im Frühsommer.“ Zudem seien die Pavillons auf dem Hof geschlossenen Räumen gleichzusetzen: „Dieses Draußen ist drinnen“, erklärt die Stadt.

Deshalb ging das Sportangebot draußen genau einen Tag lang gut, dann standen zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes in der Tür. Zu dem Zeitpunkt, so erzählt Tanja Schreyer, sei sie allein im Studio gewesen. Hatte Licht an, Musik laufen und kümmerte sich um Belange am Computer. Sehr unfreundlich, so schildert sie das Auftreten des städtischen Mitarbeiters. „Sie müssen schließen. Licht aus, Musik aus, Türen zu“, habe die Anweisung gelautet.

Fehlende Absperrungen der Sportgeräte seien bemängelt worden, ebenso die Anwesenheit der Inhaberin in ihrem Studio. Dass es kein normales Fitnessstudio sei, keines, in das Kunden einfach rein- und rausgehen können, wie sie wollen, sondern das alles über Termine laufe, das hätten die Mitarbeiter nicht verstanden. Ein Wort ergab das andere, letztendlich verwies der städtische Mitarbeiter Tanja Schreyer ihres eigenen Ladens, wie sie sagt. „Ich war so perplex. Konnte gar nicht reagieren“, sagt sie rückblickend.

Erst zuhause und nach dem Gespräch mit ihrem Mann habe sie alles realisiert. „Wir haben sofort meinen Schwager und unseren Anwalt angerufen“, sagt Jean-Pierre Polenz, der dem Mitarbeiter Hausverbot erteilt hat und der sogar eine Anzeige wegen Nötigung gegen eben diesen in Erwägung zieht. „Von rechtlicher Seite dürfen wir hier sein. Trotz Lockdowns.“ Wenn auch ohne Kunden. Aber mit Licht. Und mit Musik. Sie dürften sogar selber ihre Sportgeräte nutzen und trainieren.

Polenz suchte das Gespräch mit der Stadt, mit Ordnungsamtsleiterin Michaela Brune. Die der Nutzung des Pavillons an der Rückseite des Gebäudes eine Absage erteilte. Denn auch das sei ein geschlossener Raum. „Uns werden nur Steine in den Weg gelegt. Wir haben langsam das Gefühl, dass es gar nicht mehr um Corona geht, sondern nur darum, Recht zu behalten – und uns die Teilöffnung nicht zu erlauben“, prangert Polenz an. „Natürlich macht es Sinn, gewisse Dinge zu beschränken“, sagt er. Die Kurse zum Beispiel seien selbstverständlich abgesagt. „Aber Sport zu zweit als Individualsport ist doch machbar.“ Draußen. „Auch für uns kein Traum“, winkt er ab. Aber besser als nichts. Auch für die Kunden. Denn deren Rückenschmerzen machen keine Pause.

Daraus allerdings wird wohl nichts. Zumindest solange der Pavillon steht. Und solange, bis Schreyer und Polenz im Bereich Bauordnung nachgefragt haben, ob sie dort ihren Sport anbieten dürfen. „Wir sprechen hier von Gewerbetreibenden“, erklärt Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich. Da würden besondere Vorschriften gelten.

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