Katz- und Maus-Spiel zwischen Mountainbikern und Waldesitzern im Wiehengebirge Nicole Bliesener Bad Oeynhausen (nw). Ein 35-jähriger Mann, der am Vatertag mit seinem Mountainbike im Wiehengebirge unterwegs gewesen ist, hat noch am gleichen Tag bei der Polizei angerufen und Metallsperren auf einer Gefällestrecke gemeldet. „Im weiteren Verlauf des Gefälles soll landwirtschaftliches Arbeitsgerät gestanden haben und eine Stelle soll mit einem Stahlseil abgesperrt gewesen sein“, gibt Thomas Bensch, Sprecher der Kreispolizei die Informationen, die bei der Leitstelle der Polizei eingegangen sind, wieder. Der Mann aus dem Kreis Herford wollte nach eigenen Angaben gegen 11.30 Uhr diese extreme Gefällestrecke im Wiehengebirge nördlich des Bergkirchener Friedhofs herunterfahren. Der Anruf bei der Polizei könnte sich für den 35-jährige Mountainbiker aus dem Kreis Herford zu einem Eigentor entwickeln. Denn: „Sperren vor einer Gefällestrecke stehen ja nicht ohne Grund da, sondern weil das Befahren dieser Pfade gefährlich und deshalb verboten ist“, sagt Markus Uhr, der als Revierförster auch für das Wiehengebirge zuständig ist. Auch im Wald unterliegen Grundstückseigentümer der Verkehrssicherungspflicht. Allerdings waren die Metallsperren nicht oben am befestigten Weg angebracht, sondern mitten im Gefälle. Und stellen dort definitiv eine Gefahr dar. Die Polizei hat dann den Einstieg in die illegale Gefällestrecke mit Polizei-Flatterband abgesperrt und auch die Metallsperre mit gut sichtbaren Flatterband markiert. Außerdem hat sie Ermittlungen eingeleitet. Über den Grund des Anrufs lässt sich indes nur spekulieren, möglicherweise wollte der Mountainbiker mit seiner Meldung bei der Polizei erreichen, dass eben diese Sperren beseitigt werden. Auf jeden Fall hat er auf eine massive Gefahrenstellen aufmerksam gemacht – wenn auch auf einer illegalen Route. Dieser Fall zeigt das Dilemma der unterschiedlichen Waldnutzung auf. Grundsätzlich darf jeder – gleich ob Spaziergänger, Gassigänger, Wanderer, Baum-Umarmer oder Fahrradfahrer – den Wald betreten und zu seiner Erholung nutzen. Dieses allgemeine Betretungsrecht sieht sowohl das Bundeswaldgesetz als auch das Landesforstgesetz NRW vor. Aber diesem Recht auf Erholung stehen auch klare Regeln gegenüber, die im Gesetz definiert sind. Wer den Wald betritt, habe sich so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie andere schutzwürdige Interessen der Waldbesitzer und die Erholung anderer nicht unzumutbar beeinträchtigt werden. Im Wald dürfen Hunde außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden. Auch für Waldbesitzer sieht das Landesforstgesetz Einschränkung vor: So dürfen sie ihr Eigentum nicht einzäunen. Das Fahrradfahren im Wald ist auf Straßen und festen Wegen erlaubt, wer abseits der Wege Rad fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Nicht erlaubt ist das Bauen von Rampen und Hindernissen sowie das Anlegen von Gruben oder Erdwällen. Verboten ist auch das Betreten und Befahren von Waldflächen, die als gesperrt gekennzeichnet sind. „Bedauerlicherweise ist das NRW-Gesetz bei den Wegen etwas weich formuliert“, sagt Förster Uhr. Und verweist auf eine immer von spitzfindigen Bikern vorgetragene Frage: Wann denn ein Weg fest sei? Für Uhr aber ist eindeutig: Auf dem von Mountainbikern genutzten Pfad in Bergkirchen ist das Radfahren nicht erlaubt. Und von diesen illegalen Routen gibt es etliche im Wiehengebirge. „Leider gehen heute immer mehr Menschen davon aus, dass so ein Wald ausschließlich für sie selbst da ist“, sagt Uhr. Und diese Ansprüche wachsen stetig. Ein friedliches Miteinander im Wald werde immer schwieriger. „Seit Corona kommen immer mehr Menschen ins Wiehengebirge, auch die illegalen Bautätigkeiten von Bikern haben extrem zugenommen“, hat Uhr festgestellt. „Das Einzugsgebiet des Wiehengebirges für Mountainbiker wird immer größer. Weil die Biker aus anderen Wäldern vertrieben werden, kommen sie zu uns“, weiß Uhr. Die Gegenwehr der Waldeigentümer sei im Gegensatz zu anderen Regionen zu schwach. Und läge vor allem an der Vielzahl der Waldbesitzer – das sind genau 573. Das Wiehengebirge ist in schmale Parzellen aufgeteilt. „Das Katz- und Maus-Spiel zwischen den Bikern, den Waldbesitzern und uns ist ja nicht neu, aber es artet gewaltig aus“, sagt der Leiter des Forstamtsbezirks Petershagen. Es werde aber mit immer neuen Tricks gespielt. Auch wenn sich das Gros der Mountainbiker an die Regeln halte, sei die Zunahme der illegalen Routen und der schier aussichtslose Kampf dagegen frustrierend. Doch es gibt Lösungen: Das zeigt das Beispiel der „Deisterfreunde“. Dieser Mountainbiker-Verein mit Sitz im niedersächsischen Barsinghausen hat sich 2012 gegründet – nach vielen Auseinandersetzungen mit den Waldbesitzern im Deister. „Wir haben schließlich Strecken im Deister gepachtet“, berichtet Oliver Reich, Vorsitzender der Deisterfreunde und selbst begeisterter Mountainbiker. Streckenführung sowie gebaute Hindernisse müssen genau kartographiert werden. „Die Verhandlungen mit den Eigentümern, der Region Hannover, dem Land, den Naturschutz- und Forstbehörden war sehr aufwendig“, fügt Reich hinzu. Als Verein und Pächter haben die Deisterfreunde eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die den Eigentümern den Druck der Verkehrssicherungspflicht nimmt. In den vergangenen acht Jahren sind neue Trails – wie die Routen der Biker heißen – hinzugekommen. „Und alle sind zufrieden“, sagt Deisterfreund Oliver Reich.

Katz- und Maus-Spiel zwischen Mountainbikern und Waldesitzern im Wiehengebirge

Förster Markus Uhr machen nicht nur kranke Bäume zu schaffen. Zunehmende Probleme bereiten auch illegale Mountainbike-Routen. Foto: Stuke © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen (nw). Ein 35-jähriger Mann, der am Vatertag mit seinem Mountainbike im Wiehengebirge unterwegs gewesen ist, hat noch am gleichen Tag bei der Polizei angerufen und Metallsperren auf einer Gefällestrecke gemeldet. „Im weiteren Verlauf des Gefälles soll landwirtschaftliches Arbeitsgerät gestanden haben und eine Stelle soll mit einem Stahlseil abgesperrt gewesen sein“, gibt Thomas Bensch, Sprecher der Kreispolizei die Informationen, die bei der Leitstelle der Polizei eingegangen sind, wieder. Der Mann aus dem Kreis Herford wollte nach eigenen Angaben gegen 11.30 Uhr diese extreme Gefällestrecke im Wiehengebirge nördlich des Bergkirchener Friedhofs herunterfahren.

Der Anruf bei der Polizei könnte sich für den 35-jährige Mountainbiker aus dem Kreis Herford zu einem Eigentor entwickeln. Denn: „Sperren vor einer Gefällestrecke stehen ja nicht ohne Grund da, sondern weil das Befahren dieser Pfade gefährlich und deshalb verboten ist“, sagt Markus Uhr, der als Revierförster auch für das Wiehengebirge zuständig ist. Auch im Wald unterliegen Grundstückseigentümer der Verkehrssicherungspflicht.

Mountainbiker lieben vor allem Gefällestrecken im Wald. Doch mit ihrer Leidenschaft stehen sie in ständiger Auseinandersetzung mit Waldbesitzern, Förstern und anderen Nutzern des Waldes. Foto: Manuel Sulzer/imago-images.de - © imago images/Westend61
Mountainbiker lieben vor allem Gefällestrecken im Wald. Doch mit ihrer Leidenschaft stehen sie in ständiger Auseinandersetzung mit Waldbesitzern, Förstern und anderen Nutzern des Waldes. Foto: Manuel Sulzer/imago-images.de - © imago images/Westend61

Allerdings waren die Metallsperren nicht oben am befestigten Weg angebracht, sondern mitten im Gefälle. Und stellen dort definitiv eine Gefahr dar. Die Polizei hat dann den Einstieg in die illegale Gefällestrecke mit Polizei-Flatterband abgesperrt und auch die Metallsperre mit gut sichtbaren Flatterband markiert. Außerdem hat sie Ermittlungen eingeleitet.

Über den Grund des Anrufs lässt sich indes nur spekulieren, möglicherweise wollte der Mountainbiker mit seiner Meldung bei der Polizei erreichen, dass eben diese Sperren beseitigt werden. Auf jeden Fall hat er auf eine massive Gefahrenstellen aufmerksam gemacht – wenn auch auf einer illegalen Route.

Dieser Fall zeigt das Dilemma der unterschiedlichen Waldnutzung auf. Grundsätzlich darf jeder – gleich ob Spaziergänger, Gassigänger, Wanderer, Baum-Umarmer oder Fahrradfahrer – den Wald betreten und zu seiner Erholung nutzen. Dieses allgemeine Betretungsrecht sieht sowohl das Bundeswaldgesetz als auch das Landesforstgesetz NRW vor. Aber diesem Recht auf Erholung stehen auch klare Regeln gegenüber, die im Gesetz definiert sind.

Wer den Wald betritt, habe sich so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie andere schutzwürdige Interessen der Waldbesitzer und die Erholung anderer nicht unzumutbar beeinträchtigt werden. Im Wald dürfen Hunde außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden. Auch für Waldbesitzer sieht das Landesforstgesetz Einschränkung vor: So dürfen sie ihr Eigentum nicht einzäunen.

Das Fahrradfahren im Wald ist auf Straßen und festen Wegen erlaubt, wer abseits der Wege Rad fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Nicht erlaubt ist das Bauen von Rampen und Hindernissen sowie das Anlegen von Gruben oder Erdwällen. Verboten ist auch das Betreten und Befahren von Waldflächen, die als gesperrt gekennzeichnet sind. „Bedauerlicherweise ist das NRW-Gesetz bei den Wegen etwas weich formuliert“, sagt Förster Uhr. Und verweist auf eine immer von spitzfindigen Bikern vorgetragene Frage: Wann denn ein Weg fest sei? Für Uhr aber ist eindeutig: Auf dem von Mountainbikern genutzten Pfad in Bergkirchen ist das Radfahren nicht erlaubt. Und von diesen illegalen Routen gibt es etliche im Wiehengebirge.

„Leider gehen heute immer mehr Menschen davon aus, dass so ein Wald ausschließlich für sie selbst da ist“, sagt Uhr. Und diese Ansprüche wachsen stetig. Ein friedliches Miteinander im Wald werde immer schwieriger. „Seit Corona kommen immer mehr Menschen ins Wiehengebirge, auch die illegalen Bautätigkeiten von Bikern haben extrem zugenommen“, hat Uhr festgestellt. „Das Einzugsgebiet des Wiehengebirges für Mountainbiker wird immer größer. Weil die Biker aus anderen Wäldern vertrieben werden, kommen sie zu uns“, weiß Uhr. Die Gegenwehr der Waldeigentümer sei im Gegensatz zu anderen Regionen zu schwach. Und läge vor allem an der Vielzahl der Waldbesitzer – das sind genau 573. Das Wiehengebirge ist in schmale Parzellen aufgeteilt.

„Das Katz- und Maus-Spiel zwischen den Bikern, den Waldbesitzern und uns ist ja nicht neu, aber es artet gewaltig aus“, sagt der Leiter des Forstamtsbezirks Petershagen. Es werde aber mit immer neuen Tricks gespielt. Auch wenn sich das Gros der Mountainbiker an die Regeln halte, sei die Zunahme der illegalen Routen und der schier aussichtslose Kampf dagegen frustrierend.

Doch es gibt Lösungen: Das zeigt das Beispiel der „Deisterfreunde“. Dieser Mountainbiker-Verein mit Sitz im niedersächsischen Barsinghausen hat sich 2012 gegründet – nach vielen Auseinandersetzungen mit den Waldbesitzern im Deister. „Wir haben schließlich Strecken im Deister gepachtet“, berichtet Oliver Reich, Vorsitzender der Deisterfreunde und selbst begeisterter Mountainbiker. Streckenführung sowie gebaute Hindernisse müssen genau kartographiert werden.

„Die Verhandlungen mit den Eigentümern, der Region Hannover, dem Land, den Naturschutz- und Forstbehörden war sehr aufwendig“, fügt Reich hinzu. Als Verein und Pächter haben die Deisterfreunde eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die den Eigentümern den Druck der Verkehrssicherungspflicht nimmt. In den vergangenen acht Jahren sind neue Trails – wie die Routen der Biker heißen – hinzugekommen. „Und alle sind zufrieden“, sagt Deisterfreund Oliver Reich.

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