Katholische Schule in Paderborn lehnt muslimischen Jungen ab Paderborner Vater will sich gegen Entscheidung wehren / Landesregierung arbeitet an Gesetzesänderung Von Annika Falk Paderborn (nw). Eltern in Paderborn haben kaum eine Wahl: 15 der 24 Grundschulen sind Bekenntnisschulen. Unterschreiben sie nicht, dass ihr Kind den katholischen Religionsunterricht und den Gottesdienst besucht, folgt manchmal die Ablehnung, wie es ein muslimischer Junge kürzlich erlebt hat.Paderborn ist traditionell eine katholische Stadt. "Ich habe nichts dagegen, dass nach den Grundsätzen des katholischen Glaubens unterrichtet wird", sagt der betroffene Vater, der namentlich nicht genannt werden möchte. Doch er hat etwas gegen den Zwang, pocht auf Religionsfreiheit und freie Schulwahl.Gegen die Ablehnung will er sich rechtlich wehren. Denn sein Sohn muss nun mit dem Bus einen weiteren Schulweg auf sich nehmen, wird von seinen Kindergartenfreunden getrennt - nur weil sie nicht die gleiche Konfession haben. Dabei spiegelt die Übermacht der katholischen Schulen auch in der Domstadt nicht mehr die gesellschaftliche Realität wider: An der betreffenden Schule sind 60 Prozent der Kinder nicht katholisch.Zwar kann eine Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt werden, dafür braucht es aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit aller Eltern - eine Hürde, an der viele Initiativen scheitern. Doch immer mehr wagen diesen Schritt. Im vergangenen Schuljahr wurden allein in Köln drei Grundschulen umgewandelt. Die Schulleiterstellen hätten sonst - aus Konfessionsgründen - nicht besetzt werden können.Paderborn will jetzt den rigiden Anmeldebogen überarbeiten. Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, steht derzeit gemeinsam mit dem SPD-Fraktionschef im Dialog mit den Kirchen, um eine schulrechtliche Änderung zu erwirken.Bislang unterschreiben viele Eltern den Anmeldebogen, melden ihre Kinder später aber vom Religionsunterricht ab - was gegen die Vorschriften verstößt. "Das ist nicht lebenspraktisch", sagt Beer.

Katholische Schule in Paderborn lehnt muslimischen Jungen ab

Paderborn (nw). Eltern in Paderborn haben kaum eine Wahl: 15 der 24 Grundschulen sind Bekenntnisschulen. Unterschreiben sie nicht, dass ihr Kind den katholischen Religionsunterricht und den Gottesdienst besucht, folgt manchmal die Ablehnung, wie es ein muslimischer Junge kürzlich erlebt hat.

Paderborn ist traditionell eine katholische Stadt. "Ich habe nichts dagegen, dass nach den Grundsätzen des katholischen Glaubens unterrichtet wird", sagt der betroffene Vater, der namentlich nicht genannt werden möchte. Doch er hat etwas gegen den Zwang, pocht auf Religionsfreiheit und freie Schulwahl.

Gegen die Ablehnung will er sich rechtlich wehren. Denn sein Sohn muss nun mit dem Bus einen weiteren Schulweg auf sich nehmen, wird von seinen Kindergartenfreunden getrennt - nur weil sie nicht die gleiche Konfession haben. Dabei spiegelt die Übermacht der katholischen Schulen auch in der Domstadt nicht mehr die gesellschaftliche Realität wider: An der betreffenden Schule sind 60 Prozent der Kinder nicht katholisch.

Zwar kann eine Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt werden, dafür braucht es aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit aller Eltern - eine Hürde, an der viele Initiativen scheitern. Doch immer mehr wagen diesen Schritt. Im vergangenen Schuljahr wurden allein in Köln drei Grundschulen umgewandelt. Die Schulleiterstellen hätten sonst - aus Konfessionsgründen - nicht besetzt werden können.

Paderborn will jetzt den rigiden Anmeldebogen überarbeiten. Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, steht derzeit gemeinsam mit dem SPD-Fraktionschef im Dialog mit den Kirchen, um eine schulrechtliche Änderung zu erwirken.

Bislang unterschreiben viele Eltern den Anmeldebogen, melden ihre Kinder später aber vom Religionsunterricht ab - was gegen die Vorschriften verstößt. "Das ist nicht lebenspraktisch", sagt Beer.

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