Islam-Kritik beschäftigt Ermittler Heinz Gess bezeichnet Religion als "kollektive Zwangsneurose" / "Bestrafung" gefordert Von Hubertus Gärtner Bielefeld/Berlin (nw). An der Fachhochschule Bielefeld gilt Heinz Gess (65) als unbequemer und kritischer Geist. Seit 1978 lehrt der Professor dort Soziologie und Gesellschaftstheorie. Rassismus, Antisemitismus und Religionskritik sind Themenfelder, die Gess mit seinem analytischen Verstand immer wieder beackert. Nun hat er auch den Islam scharf aufs Korn genommen. Die Folgen sind heftig: Gess sieht sich einer Kampagne durch die Islamische Religionsgemeinschaft ausgesetzt. Er fühlt sich verfolgt und bedroht und hat deshalb bereits den polizeilichen Staatsschutz um Hilfe gebeten. Der wiederum hat nach Informationen dieser Zeitung die Bielefelder Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Dort werden nun unter dem Aktenzeichen 46 Js 24/10 erste Ermittlungen geführt."Der Islam ist in seiner gegenwärtigen Verfasstheit eine kollektive Zwangsneurose", sagt Gess. Seine Wortwahl knüpft an ein Zitat des bekannten Psychoanalytikers Sigmund Freud und dessen allgemeiner Religionskritik an. Der Vergleich mit der Zwangsneurose, den Gess auch in mehreren Aufsätzen schriftlich niedergelegt hat, ist der Islamischen Religionsgemeinschaft in Berlin sehr übel aufgestoßen. Sie ist bekannt dafür, dass sie die islamischen Lehren in der Öffentlichkeit besonders selbstbewusst vertritt.Ihr Präsident, Abdurrahim Vural, stritt beispielsweise vehement dafür, dass in Berlin Religionsunterricht für islamische Kinder angeboten wird. Außerdem klagte seine Organisation (vergeblich) gegen das Kopftuchverbot an bayerischen Schulen.Auf der Internet-Seite der Islamischen Religionsgemeinschaft springen jedem Betrachter nun ein paar sehr böse Worte entgegen. Dort ist vom "durchgeknallten Islamfeind Professor Heinz Gess" die Rede. "Dummheit und blinder Hass gegenüber dem Islam müssen bestraft werden!": Mit diesen Worten ist eine Pressemitteilung der Islamischen Religionsgemeinschaft vom 23. November vergangenen Jahres überschrieben. Professor Heinz Gess von der Fachhochschule Bielefeld habe "Volksverhetzung" begangen, heißt es dort weiter. Mit seiner Behauptung, der Islam sei eine kollektive Zwangsneurose habe Gess "alle Religionen dieser Welt verunglimpft".Das wollte Gess aber wohl nicht. "Meine Kritik ist ein Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs. Sie gilt vor allem dem Islamismus. Auch im Karikaturenstreit habe ich gegen den Islamismus eine klare Position bezogen", sagte der Bielefelder Professor dieser Zeitung."Ich fordere im Namen der Muslime aus aller Welt eine Aufklärung und Bestrafung von Professor Gess": Das schrieb Vural am 25. November letzten Jahres an die Präsidentin der Fachhochschule Bielefeld (FH), Beate Rennen-Allhoff. "Wir sind dabei, den Sachverhalt aufzuklären", sagte gestern FH-Sprecher Frank-Rüdiger Bürgel. Das versucht auch bereits die Staatsanwaltschaft. Weil nicht nur Gess, sondern auch die Islamische Religionsgemeinschaft neben zivilrechtlichen Schritten auch bereits eine Strafanzeige annonciert hat, müssen die Ermittler in diesem heiklen Fall mindestens die Straftatbestände Volksverhetzung und Bedrohung prüfen.Subjektiv sieht sich Gess bereits als Opfer von "Verfolgung" und "penetranter Hatz". "Mir ist völlig klar, dass die Aufforderung muslimischer Führer, Kritiker zu bestrafen, unter den gegebenen Umständen jederzeit jeden in Deutschland treffen kann, der es wagt, den Mund aufzutun", schreibt er auf der Internetseite www.kritiknetz.de.

Islam-Kritik beschäftigt Ermittler

Bielefeld/Berlin (nw). An der Fachhochschule Bielefeld gilt Heinz Gess (65) als unbequemer und kritischer Geist. Seit 1978 lehrt der Professor dort Soziologie und Gesellschaftstheorie. Rassismus, Antisemitismus und Religionskritik sind Themenfelder, die Gess mit seinem analytischen Verstand immer wieder beackert. Nun hat er auch den Islam scharf aufs Korn genommen.

Abdurrahim Vural (r.), hier mit Anwalt Karl Giese, stritt vor dem Verwaltungsgericht Berlin für islamischen Religionsunterricht an Schulen. - © Foto: dpa
Abdurrahim Vural (r.), hier mit Anwalt Karl Giese, stritt vor dem Verwaltungsgericht Berlin für islamischen Religionsunterricht an Schulen. - © Foto: dpa

Die Folgen sind heftig: Gess sieht sich einer Kampagne durch die Islamische Religionsgemeinschaft ausgesetzt. Er fühlt sich verfolgt und bedroht und hat deshalb bereits den polizeilichen Staatsschutz um Hilfe gebeten. Der wiederum hat nach Informationen dieser Zeitung die Bielefelder Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Dort werden nun unter dem Aktenzeichen 46 Js 24/10 erste Ermittlungen geführt.

Heinz Gess sieht sich jetzt als Opfer. - © Foto: privat
Heinz Gess sieht sich jetzt als Opfer. - © Foto: privat

"Der Islam ist in seiner gegenwärtigen Verfasstheit eine kollektive Zwangsneurose", sagt Gess. Seine Wortwahl knüpft an ein Zitat des bekannten Psychoanalytikers Sigmund Freud und dessen allgemeiner Religionskritik an. Der Vergleich mit der Zwangsneurose, den Gess auch in mehreren Aufsätzen schriftlich niedergelegt hat, ist der Islamischen Religionsgemeinschaft in Berlin sehr übel aufgestoßen. Sie ist bekannt dafür, dass sie die islamischen Lehren in der Öffentlichkeit besonders selbstbewusst vertritt.

Ihr Präsident, Abdurrahim Vural, stritt beispielsweise vehement dafür, dass in Berlin Religionsunterricht für islamische Kinder angeboten wird. Außerdem klagte seine Organisation (vergeblich) gegen das Kopftuchverbot an bayerischen Schulen.

Auf der Internet-Seite der Islamischen Religionsgemeinschaft springen jedem Betrachter nun ein paar sehr böse Worte entgegen. Dort ist vom "durchgeknallten Islamfeind Professor Heinz Gess" die Rede. "Dummheit und blinder Hass gegenüber dem Islam müssen bestraft werden!": Mit diesen Worten ist eine Pressemitteilung der Islamischen Religionsgemeinschaft vom 23. November vergangenen Jahres überschrieben. Professor Heinz Gess von der Fachhochschule Bielefeld habe "Volksverhetzung" begangen, heißt es dort weiter. Mit seiner Behauptung, der Islam sei eine kollektive Zwangsneurose habe Gess "alle Religionen dieser Welt verunglimpft".

Das wollte Gess aber wohl nicht. "Meine Kritik ist ein Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs. Sie gilt vor allem dem Islamismus. Auch im Karikaturenstreit habe ich gegen den Islamismus eine klare Position bezogen", sagte der Bielefelder Professor dieser Zeitung.

"Ich fordere im Namen der Muslime aus aller Welt eine Aufklärung und Bestrafung von Professor Gess": Das schrieb Vural am 25. November letzten Jahres an die Präsidentin der Fachhochschule Bielefeld (FH), Beate Rennen-Allhoff. "Wir sind dabei, den Sachverhalt aufzuklären", sagte gestern FH-Sprecher Frank-Rüdiger Bürgel. Das versucht auch bereits die Staatsanwaltschaft. Weil nicht nur Gess, sondern auch die Islamische Religionsgemeinschaft neben zivilrechtlichen Schritten auch bereits eine Strafanzeige annonciert hat, müssen die Ermittler in diesem heiklen Fall mindestens die Straftatbestände Volksverhetzung und Bedrohung prüfen.

Subjektiv sieht sich Gess bereits als Opfer von "Verfolgung" und "penetranter Hatz". "Mir ist völlig klar, dass die Aufforderung muslimischer Führer, Kritiker zu bestrafen, unter den gegebenen Umständen jederzeit jeden in Deutschland treffen kann, der es wagt, den Mund aufzutun", schreibt er auf der Internetseite www.kritiknetz.de.

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