Immun gegen Corona? Herzzentrum widerlegt Heinsbergstudie Nicole Bliesener Bad Oeynhausen (nw). Eine aktuelle Studie des Instituts für Laboratoriums-und Transfusionsmedizin am Herz-und Diabeteszentrum NRW hat bei nur 29 von mehr als 3.000 Blutspendern in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen Antikörper gegen das SARS-CoV-2 Virus nachgewiesen. Den 29 sei vorher nicht bewusst gewesen, dass sie mit dem Virus infiziert worden waren und ihr Körper Anti-Körper gebildet hatte. Rückschlüsse auf niedrigen Durchseuchungsgrad „Weil ein hoher Anteil der COVID-19 Erkrankungen milde oder unerkannt verläuft, war die Dunkelziffer der tatsächlichen Infektionszahlen bisher eine Unbekannte für uns", erläutert Institutsdirektor Cornelius Knabbe. „Die Ergebnisse unserer Studie lassen jetzt Rückschlüsse auf einen mit knapp einem Prozent eher niedrigen Durchseuchungsgrad der Bevölkerung in den untersuchten Bundesländern zu." Zum Vergleich: Die im Frühjahr veröffentlichte Heinsberg-Studie geht von einer Dunkelziffer von 15 Prozent aus, das heißt, das 15 Prozent der Bevölkerung in dieser Corona-Hot-Spot-Region an COVID-19 erkrankt waren, ohne es zu wissen. Die Ergebnisse der HDZ-Studie, die übrigens in Kooperation mit dem Robert-Koch-Institut auf den Weg gebracht wurde, bestätigen demnach auch die derzeitigen Erkenntnisse über einen bislang milden Verlauf der Infektion in Deutschland. Experten gehen davon aus, dass sich ohne Gegenmaßnahmen wie eine Impfung etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem SARS-Cov2-Virus anstecken und nach überstandener Erkrankung immunisieren müssten, um die sogenannte "Herdenimmunität" zu erreichen. Unterschiedliche Ergebnisse in den drei Bundesländern Erst wenn im Verlauf der Pandemie eine entsprechend hohe Immunisierung erreicht ist, nehmen die Fallzahlen wieder ab. „Infolge der Immunantwort bildet das Immunsystem der meisten an COVID-19 erkrankten Personen innerhalb weniger Wochen sogenannte IgG-Antikörper, die gegen das Virus gerichtet sind und über längere Zeit im Blut nachweisbar sind", erklärt Cornelius Knabbe. Hinsichtlich eines solchen positiven Antikörper-Nachweises (Seroprävalenz) untersuchte seine wissenschaftliche Arbeitsgruppe um Privatdozentin Tanja Vollmer das Blut von insgesamt 3.186 Blutspendern aus NRW, Hessen und Niedersachsen von März bis Juni. Die Anzahl seropositiver Blutspender ist mit einem Anteil von 0.91 Prozent (29 / 3.186) insgesamt gering. Einzeln betrachtet war die nachgewiesene Seroprävalenz in Niedersachsen (7/576, 1.22 Prozent) höher als in Nordrhein-Westfalen (16/1.700, 0.94 Prozent) und Hessen (6/910, 0.66 Prozent). Grundsätzlich haben die HDZ-Forscher mit pseudonymisierten Stichproben gearbeitet. Diese Vorgehensweise ist ein standardisiertes wissenschaftliches Verfahren. Im Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin werden laut Direktor Cornelius Knabbe jährlich 100.000 Blutspenden aus den Uni-Blutspendediensten in OWL untersucht und zu Blutprodukten für zumeist schwerkranke Patienten aufbereitet, die eine Bluttransfusion benötigen. "Auf das Corona-Virus werden diese Proben nicht untersucht, weil es bislang keinen Nachweis des Virus im Blut gibt", so Knabbe Anfang Juli im Gespräch mit der NW. Auch auf Corona-Anti-Körper werden die Spenden nicht per se untersucht. "Das würde zusätzliche Kosten von einer Million Euro zusätzlich pro Jahr verursachen und der Erkenntnisgewinn wäre minimal", so Knabbe. Auch das belegt die aktuelle Studie.

Immun gegen Corona? Herzzentrum widerlegt Heinsbergstudie

Mehr als 3.000 Menschen in drei Bundesländern haben ihr Blut für die Antikörper-Studie gespendet. © Marcel Mompour/HDZ NRW

Bad Oeynhausen (nw). Eine aktuelle Studie des Instituts für Laboratoriums-und Transfusionsmedizin am Herz-und Diabeteszentrum NRW hat bei nur 29 von mehr als 3.000 Blutspendern in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen Antikörper gegen das SARS-CoV-2 Virus nachgewiesen. Den 29 sei vorher nicht bewusst gewesen, dass sie mit dem Virus infiziert worden waren und ihr Körper Anti-Körper gebildet hatte.

Rückschlüsse auf niedrigen Durchseuchungsgrad

„Weil ein hoher Anteil der COVID-19 Erkrankungen milde oder unerkannt verläuft, war die Dunkelziffer der tatsächlichen Infektionszahlen bisher eine Unbekannte für uns", erläutert Institutsdirektor Cornelius Knabbe. „Die Ergebnisse unserer Studie lassen jetzt Rückschlüsse auf einen mit knapp einem Prozent eher niedrigen Durchseuchungsgrad der Bevölkerung in den untersuchten Bundesländern zu." Zum Vergleich: Die im Frühjahr veröffentlichte Heinsberg-Studie geht von einer Dunkelziffer von 15 Prozent aus, das heißt, das 15 Prozent der Bevölkerung in dieser Corona-Hot-Spot-Region an COVID-19 erkrankt waren, ohne es zu wissen.

Cornelius Knabbe (Direktor des Instituts für Laborarotiums- und Transfusionsmedizin am HDZ NRW/Mitte), die Wissenschaftler Tanja Vollmer und Bastian Fischer - © Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Cornelius Knabbe (Direktor des Instituts für Laborarotiums- und Transfusionsmedizin am HDZ NRW/Mitte), die Wissenschaftler Tanja Vollmer und Bastian Fischer - © Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen

Die Ergebnisse der HDZ-Studie, die übrigens in Kooperation mit dem Robert-Koch-Institut auf den Weg gebracht wurde, bestätigen demnach auch die derzeitigen Erkenntnisse über einen bislang milden Verlauf der Infektion in Deutschland. Experten gehen davon aus, dass sich ohne Gegenmaßnahmen wie eine Impfung etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem SARS-Cov2-Virus anstecken und nach überstandener Erkrankung immunisieren müssten, um die sogenannte "Herdenimmunität" zu erreichen.

Unterschiedliche Ergebnisse in den drei Bundesländern

Erst wenn im Verlauf der Pandemie eine entsprechend hohe Immunisierung erreicht ist, nehmen die Fallzahlen wieder ab. „Infolge der Immunantwort bildet das Immunsystem der meisten an COVID-19 erkrankten Personen innerhalb weniger Wochen sogenannte IgG-Antikörper, die gegen das Virus gerichtet sind und über längere Zeit im Blut nachweisbar sind", erklärt Cornelius Knabbe. Hinsichtlich eines solchen positiven Antikörper-Nachweises (Seroprävalenz) untersuchte seine wissenschaftliche Arbeitsgruppe um Privatdozentin Tanja Vollmer das Blut von insgesamt 3.186 Blutspendern aus NRW, Hessen und Niedersachsen von März bis Juni.

Die Anzahl seropositiver Blutspender ist mit einem Anteil von 0.91 Prozent (29 / 3.186) insgesamt gering. Einzeln betrachtet war die nachgewiesene Seroprävalenz in Niedersachsen (7/576, 1.22 Prozent) höher als in Nordrhein-Westfalen (16/1.700, 0.94 Prozent) und Hessen (6/910, 0.66 Prozent).

Grundsätzlich haben die HDZ-Forscher mit pseudonymisierten Stichproben gearbeitet. Diese Vorgehensweise ist ein standardisiertes wissenschaftliches Verfahren.

Im Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin werden laut Direktor Cornelius Knabbe jährlich 100.000 Blutspenden aus den Uni-Blutspendediensten in OWL untersucht und zu Blutprodukten für zumeist schwerkranke Patienten aufbereitet, die eine Bluttransfusion benötigen. "Auf das Corona-Virus werden diese Proben nicht untersucht, weil es bislang keinen Nachweis des Virus im Blut gibt", so Knabbe Anfang Juli im Gespräch mit der NW. Auch auf Corona-Anti-Körper werden die Spenden nicht per se untersucht. "Das würde zusätzliche Kosten von einer Million Euro zusätzlich pro Jahr verursachen und der Erkenntnisgewinn wäre minimal", so Knabbe. Auch das belegt die aktuelle Studie.

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