Gütersloh "Ich tat es aus Liebe": Ehemann erstickt seine Frau und betoniert sie ein Wolfgang Wotke Kreis Gütersloh. Zentimeter um Zentimeter arbeitet sich der schwere Hydraulikhammer des Technischen Hilfswerk (THW) in den harten Beton. Trotzdem bohrt sich der dicke Spitzmeißel nur sanft in den Boden der Garage. Nur so kann der Leichnam der einbetonierten Ex-Bertelsmann-Sekretärin Marion L. (64) geborgen werden, ohne Spuren zu zerstören. Hier, in einem Wohnviertel in Rietberg-Westerwiehe, sind Spezialisten am Werk. Es dauert Stunden. Mit dabei: Gerichtsmediziner aus Münster. Behutsam heben sie schließlich die sterblichen Überreste aus dem steinernen Grab. Als die Tote abtransportiert ist, dürfen die Pressefotografen vom leeren „Loch", das 2,50 Meter lang und 1,50 Meter tief ist, ihre Bilder machen. Gänsehautatmosphäre. Ein gruseliger Anblick. Der Verwesungsgeruch ist fast unerträglich. Es ist ein Tötungsdelikt, wie er nicht alle Tage geschieht. Marion L. verschwindet im Dezember 2012 spurlos. Doch sie hat kein neues Leben angefangen, wie ihr Ehemann es gegenüber der Polizei behauptet. Tatsächlich hat er sie erstickt und ihre Leiche in einer Garage nahe des schmucken Wohnhauses am Rapsweg einbetoniert. Am 17. März 2013 wird die tote Sekretärin gefunden. Zuvor hat ihr Ehemann, der in Budapest geborene ehemalige Weltklassetänzer Peter K. (68), nach tagelangem Leugnen der Kripo verraten, wo er seine verstorbene Frau versteckt hat. Ist es Mord? Totschlag? Oder vielleicht doch ein Unfall? Es ist ein skurriler Kriminalfall, der die Justiz noch monatelang beschäftigen wird. Peter K. erfindet immer neue Ausreden zum Verbleib von Marion L. Immer wieder versucht der Sohn von Marion L., der nicht im Kreis Gütersloh lebt, seine Mutter telefonisch zu erreichen. Und immer wieder hat er Peter K. am Telefon, der ihm verschiedene Versionen über den Verbleib seiner Ehefrau auftischt. Einmal, so sagen es die Zeugen aus, behauptet er, Marion L. sei zur Kur. Dann erzählt er den Verwandten und Freunden, sie habe ihn für einen Arzt, den sie im Mai bei einem gemeinsamen Urlaub in Dubai kennengelernt haben, verlassen. Der Sohn wird stutzig, glaubt den Ausreden von Peter K. nicht mehr und schaltet die Kripo ein. Zunächst lügt K. die Ermittler an und sagt, dass er mit dem Verschwinden von seiner Marion nichts zu tun habe. Seine Geschichten stoßen bei den Fahndern auf Verwunderung und Skepsis. In weiteren Vernehmungen fällt dann das komplexe Lügengebilde in sich zusammen. Peter K. gesteht, seine Ehefrau getötet zu haben und gibt ihr „Versteck" preis. Jetzt steht endlich fest: Marion L. ist tot. Festnahme. "Ich tat es aus Liebe, konnte sie nicht mehr leiden sehen" Allerdings will der frühere Finanzberater seine Partnerin auf Verlangen umgebracht haben. „Ich tat es aus Liebe, konnte sie nicht mehr leiden sehen", berichtet er den Kripobeamten und später auch im Prozess. Sie sei schwer krank gewesen. „Das wusste niemand, nur ich." Nach seiner Darstellung sei Marion L. schon seit ihrer Jugend gesundheitlich angeschlagen. Damals habe man Teile ihrer Lunge entfernt. Im September 2012 habe Peter K. seine Frau nach einem schweren Asthma-Anfall durch einen Notfallspray wiederbelebt. „Damals hat sie mir gesagt, dass ich das nie wieder machen soll." Am 18. Dezember hatte sie dann erneut eine schwere Attacke erlitten. „Sie lag auf dem Boden, war hilflos und sagte: ,Hilf mir sterben’." In seiner verzweifelten Lage habe er sich an ihre damaligen Worte im September erinnert und ihr mit seiner Hand Mund und Nase zugehalten „bis sie sich nicht mehr bewegt hat." Erst nach Einbruch der Dunkelheit will er der Leiche eine Plastiktüte über den Kopf gezogen haben. „Ich konnte ihren Anblick nicht ertragen." Er habe sie in die Garage verbracht und dort in eine Inspektionsgrube gelegt. „Ich habe sie dort beerdigt, damit sie bei mir bleibt. Das hat mich getröstet", erklärt Peter K. auch während der Verhandlung im Landgericht Bielefeld. In den Tagen nach seiner Tat kauft er in verschiedenen Baumärkten in Gütersloh zwölf Säcke Zement, vermischt die Inhalte mit Wasser und schüttet damit die Grube zu. Rechtsmediziner äußert Skepsis gegenüber der Schilderung des Tatverlaufs Sein Verteidiger, Holger Rostek aus Bielefeld, spricht im Prozessauftakt von „Tötung auf Verlangen." Die Staatsanwaltschaft hingegen von Totschlag. Nach Aussagen eines ärztlichen Gutachters passten Asthmaanfälle nicht zum Krankheitsbild von Marion L., außerdem habe sie bei einem Arztbesuch im Herbst 2012 mit keinem Wort von einer solchen Attacke berichtet. Verdächtig ist aus Sicht der Ermittler auch das Verhalten von Peter K. nach der Tat: das Verschleiern, die verschiedenen Versionen des Verschwindens („Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Und ich musste ja was sagen, warum sie nicht zu Hause ist") und das Entsorgen des Leichnams. Der Rechtsmediziner Andreas Schmeling, der die Obduktion durchgeführt hat, äußert Skepsis gegenüber der Schilderung des Tatverlaufs. Nach 18 Prozesstagen fällt das milde Urteil gegen Peter K.: Er muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. „Wir mussten genau abwägen, wie Marion L. zu Tode gekommen ist", sagt die Vorsitzende Richterin Jutta Albert. Und so wurde der 68-Jährige nicht wegen Totschlags, sondern nur wegen versuchtem Totschlag verurteilt. Denn die Rechtsmediziner können nicht ausschließen, dass die Frau schon tot war, als ihr Ehemann ihr nach dem angeblichen Asthma-Anfall Nase und Mund zugehalten hat. Die Frau könnte schon zuvor an Herzversagen gestorben sein, denn sie hatte nachweislich ein viel zu großes, krankes Herz. Marion L. ist auf dem Friedhof in Isselhorst beigesetzt worden. Peter K. ist längst auf freien Fuß. Er soll heute wieder in seinem Heimatland Ungarn leben.
Gütersloh

"Ich tat es aus Liebe": Ehemann erstickt seine Frau und betoniert sie ein

In einer Inspektionsgrube hat Peter K. seine Frau abgelegt und einbetoniert. © Wolfgang Wotke

Kreis Gütersloh. Zentimeter um Zentimeter arbeitet sich der schwere Hydraulikhammer des Technischen Hilfswerk (THW) in den harten Beton. Trotzdem bohrt sich der dicke Spitzmeißel nur sanft in den Boden der Garage. Nur so kann der Leichnam der einbetonierten Ex-Bertelsmann-Sekretärin Marion L. (64) geborgen werden, ohne Spuren zu zerstören. Hier, in einem Wohnviertel in Rietberg-Westerwiehe, sind Spezialisten am Werk. Es dauert Stunden. Mit dabei: Gerichtsmediziner aus Münster. Behutsam heben sie schließlich die sterblichen Überreste aus dem steinernen Grab. Als die Tote abtransportiert ist, dürfen die Pressefotografen vom leeren „Loch", das 2,50 Meter lang und 1,50 Meter tief ist, ihre Bilder machen. Gänsehautatmosphäre. Ein gruseliger Anblick. Der Verwesungsgeruch ist fast unerträglich.

Es ist ein Tötungsdelikt, wie er nicht alle Tage geschieht. Marion L. verschwindet im Dezember 2012 spurlos. Doch sie hat kein neues Leben angefangen, wie ihr Ehemann es gegenüber der Polizei behauptet. Tatsächlich hat er sie erstickt und ihre Leiche in einer Garage nahe des schmucken Wohnhauses am Rapsweg einbetoniert. Am 17. März 2013 wird die tote Sekretärin gefunden. Zuvor hat ihr Ehemann, der in Budapest geborene ehemalige Weltklassetänzer Peter K. (68), nach tagelangem Leugnen der Kripo verraten, wo er seine verstorbene Frau versteckt hat. Ist es Mord? Totschlag? Oder vielleicht doch ein Unfall? Es ist ein skurriler Kriminalfall, der die Justiz noch monatelang beschäftigen wird.

Peter K. erfindet immer neue Ausreden zum Verbleib von Marion L.

Mit großer Präzision und Vorsicht legt das THW den Leichnam von Marion L. drei Monate nach ihrem Verschwinden frei. - © Wolfgang Wotke
Mit großer Präzision und Vorsicht legt das THW den Leichnam von Marion L. drei Monate nach ihrem Verschwinden frei. - © Wolfgang Wotke

Immer wieder versucht der Sohn von Marion L., der nicht im Kreis Gütersloh lebt, seine Mutter telefonisch zu erreichen. Und immer wieder hat er Peter K. am Telefon, der ihm verschiedene Versionen über den Verbleib seiner Ehefrau auftischt. Einmal, so sagen es die Zeugen aus, behauptet er, Marion L. sei zur Kur. Dann erzählt er den Verwandten und Freunden, sie habe ihn für einen Arzt, den sie im Mai bei einem gemeinsamen Urlaub in Dubai kennengelernt haben, verlassen. Der Sohn wird stutzig, glaubt den Ausreden von Peter K. nicht mehr und schaltet die Kripo ein.

Zunächst lügt K. die Ermittler an und sagt, dass er mit dem Verschwinden von seiner Marion nichts zu tun habe. Seine Geschichten stoßen bei den Fahndern auf Verwunderung und Skepsis. In weiteren Vernehmungen fällt dann das komplexe Lügengebilde in sich zusammen. Peter K. gesteht, seine Ehefrau getötet zu haben und gibt ihr „Versteck" preis. Jetzt steht endlich fest: Marion L. ist tot. Festnahme.

"Ich tat es aus Liebe, konnte sie nicht mehr leiden sehen"

Allerdings will der frühere Finanzberater seine Partnerin auf Verlangen umgebracht haben. „Ich tat es aus Liebe, konnte sie nicht mehr leiden sehen", berichtet er den Kripobeamten und später auch im Prozess. Sie sei schwer krank gewesen. „Das wusste niemand, nur ich." Nach seiner Darstellung sei Marion L. schon seit ihrer Jugend gesundheitlich angeschlagen. Damals habe man Teile ihrer Lunge entfernt. Im September 2012 habe Peter K. seine Frau nach einem schweren Asthma-Anfall durch einen Notfallspray wiederbelebt. „Damals hat sie mir gesagt, dass ich das nie wieder machen soll." Am 18. Dezember hatte sie dann erneut eine schwere Attacke erlitten. „Sie lag auf dem Boden, war hilflos und sagte: ,Hilf mir sterben’." In seiner verzweifelten Lage habe er sich an ihre damaligen Worte im September erinnert und ihr mit seiner Hand Mund und Nase zugehalten „bis sie sich nicht mehr bewegt hat."

Erst nach Einbruch der Dunkelheit will er der Leiche eine Plastiktüte über den Kopf gezogen haben. „Ich konnte ihren Anblick nicht ertragen." Er habe sie in die Garage verbracht und dort in eine Inspektionsgrube gelegt. „Ich habe sie dort beerdigt, damit sie bei mir bleibt. Das hat mich getröstet", erklärt Peter K. auch während der Verhandlung im Landgericht Bielefeld. In den Tagen nach seiner Tat kauft er in verschiedenen Baumärkten in Gütersloh zwölf Säcke Zement, vermischt die Inhalte mit Wasser und schüttet damit die Grube zu.

Rechtsmediziner äußert Skepsis gegenüber der Schilderung des Tatverlaufs

Sein Verteidiger, Holger Rostek aus Bielefeld, spricht im Prozessauftakt von „Tötung auf Verlangen." Die Staatsanwaltschaft hingegen von Totschlag. Nach Aussagen eines ärztlichen Gutachters passten Asthmaanfälle nicht zum Krankheitsbild von Marion L., außerdem habe sie bei einem Arztbesuch im Herbst 2012 mit keinem Wort von einer solchen Attacke berichtet. Verdächtig ist aus Sicht der Ermittler auch das Verhalten von Peter K. nach der Tat: das Verschleiern, die verschiedenen Versionen des Verschwindens („Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Und ich musste ja was sagen, warum sie nicht zu Hause ist") und das Entsorgen des Leichnams. Der Rechtsmediziner Andreas Schmeling, der die Obduktion durchgeführt hat, äußert Skepsis gegenüber der Schilderung des Tatverlaufs.

Nach 18 Prozesstagen fällt das milde Urteil gegen Peter K.: Er muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. „Wir mussten genau abwägen, wie Marion L. zu Tode gekommen ist", sagt die Vorsitzende Richterin Jutta Albert. Und so wurde der 68-Jährige nicht wegen Totschlags, sondern nur wegen versuchtem Totschlag verurteilt. Denn die Rechtsmediziner können nicht ausschließen, dass die Frau schon tot war, als ihr Ehemann ihr nach dem angeblichen Asthma-Anfall Nase und Mund zugehalten hat. Die Frau könnte schon zuvor an Herzversagen gestorben sein, denn sie hatte nachweislich ein viel zu großes, krankes Herz.

Marion L. ist auf dem Friedhof in Isselhorst beigesetzt worden. Peter K. ist längst auf freien Fuß. Er soll heute wieder in seinem Heimatland Ungarn leben.

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