"Horrorhaus von Höxter" -Zweifel an Wilfried W.s verminderter Schuldfähigkeit Höxter/Münster. Angelika, die Strippenzieherin, Wilfried, der vermindert Schuldfähige. Entsprechend das Strafmaß: 13 Jahre für sie, elf für ihn. Das war das Ergebnis des Mammutprozesses um das sogenannte "Horrorhaus" von Höxter-Bosseborn. Jetzt kommen an der Einschätzung der Gutachter plötzlich Zweifel auf. War Wilfried W. genauso schuldfähig und demzufolge verantwortlich für die Tode von zwei Frauen in dem gemeinsamen Haus? Und drohen dem 50-Jährigen jetzt normaler Strafvollzug und eventuell sogar Sicherungsverwahrung im Anschluss? Für Wilfried W. ist derzeit das Landgericht Münster zuständig, da er in der forensischen Klinik dort untergebracht ist. Einmal im Jahr werde, wie Landgerichts-Sprecher Steffen Vahlhaus im Gespräch mit nw.de erklärt, überprüft, ob "die Voraussetzungen für die Unterbringung noch vorliegen". Also, in diesem Fall, ob Wilfried W. weiterhin nicht völlig in der Lage ist, das Unrecht seiner Taten zu begreifen. Ein ganz normaler Vorgang. "Das Gesetz sieht es vor, dass regelmäßig kontrolliert wird." Am 30. Juli fand die Anhörung statt Also habe das Landgericht standardmäßig die behandelnde Klinik um eine Stellungnahme gebeten. Am 30. Juli folgte dann die dazugehörige Anhörung, wie Vahlhaus sagt. Hinter verschlossenen Türen. Alles normal. Zu diesem Termin seien der Betroffene, also Wilfried W., sowie die Gutachter der Klinik erschienen. Das Ergebnis der Anhörung: "Es soll ein weiteres Gutachten erstellt werden." Ist das auch normal? " Es ist nicht die Regel", sagt Vahlhaus. Notwendigkeit bestehe nur, "wenn Zweifel aufkommen". Hat Wilfried W. dem Landgericht Paderborn also etwas vorgespielt? "Ob er sich verstellt hat, kann ich nicht beurteilen", sagt Vahlhaus. Er gibt auch zu Bedenken, dass die Beurteilung, W. sei vermindert schuldfähig, basierend auf der Einschätzung von Sachverständigen gefällt worden sei. Also nicht nur während der Gerichtstermine. Für Wilfried W. war seinerzeit die forensische Psychologin Nahlah Saimeh zuständig. Sie attestierte W. damals einen niedrigen IQ von 59 und eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit. Pikant: W. erster Gutachter, Facharzt Michael Osterheider, war zu einem gegenteiligen Ergebnis gelangt. Er wurde jedoch wegen Manipulationsvorwürfen entpflichtet. Sachverständige können unterschiedliche Schlüsse ziehen. Das komme vor, wie Vahlhaus sagt. Entscheidung könnte Mitte August fallen Angenommen jedoch, in einem weiteren Gutachten würden die Zweifel der Klinik bekräftigt, was hätte das für Folgen für W.? Lägen die Voraussetzungen für die Unterbringung in der forensischen Klinik nicht mehr vor, also wenn Experten ihn doch für schuldfähig halten, dann müsste W. in den normalen Strafvollzug wechseln und dort seine Haftzeit absitzen. Ob Wilfried W. jemals wieder frei sein wird, steht auf einem anderen Blatt. "Für eine Sicherungsverwahrung sind wir nicht zuständig", sagt Vahlhaus. Die Staatsanwaltschaft könne den "Horrorhaus"-Fall jedoch noch einmal prüfen und daraufhin Sicherungsverwahrung für Wilfried W. beantragen. Die Entscheidung, unter welchen Bedingungen Wilfried W. in den kommenden Jahren untergebracht sein wird, könnte schon Mitte August fallen. "Die Kollegen beraten das", sagt Vahlhaus. Wilfried und Angelika W. hatten mehrere Frauen in ihr Haus gelockt und misshandelt. Zwei Frauen überlebten die Bekanntschaft mit dem Paar nicht. 2016 hatte der Fall bundesweit Schlagzeilen gemacht.

"Horrorhaus von Höxter" -Zweifel an Wilfried W.s verminderter Schuldfähigkeit

Wilfried W. bei seiner Urteilsverkündung im Oktober 2018 vor dem Landgericht Paderborn. © Wilfried Hiegemann

Höxter/Münster. Angelika, die Strippenzieherin, Wilfried, der vermindert Schuldfähige. Entsprechend das Strafmaß: 13 Jahre für sie, elf für ihn. Das war das Ergebnis des Mammutprozesses um das sogenannte "Horrorhaus" von Höxter-Bosseborn. Jetzt kommen an der Einschätzung der Gutachter plötzlich Zweifel auf. War Wilfried W. genauso schuldfähig und demzufolge verantwortlich für die Tode von zwei Frauen in dem gemeinsamen Haus? Und drohen dem 50-Jährigen jetzt normaler Strafvollzug und eventuell sogar Sicherungsverwahrung im Anschluss?

Für Wilfried W. ist derzeit das Landgericht Münster zuständig, da er in der forensischen Klinik dort untergebracht ist. Einmal im Jahr werde, wie Landgerichts-Sprecher Steffen Vahlhaus im Gespräch mit nw.de erklärt, überprüft, ob "die Voraussetzungen für die Unterbringung noch vorliegen". Also, in diesem Fall, ob Wilfried W. weiterhin nicht völlig in der Lage ist, das Unrecht seiner Taten zu begreifen. Ein ganz normaler Vorgang. "Das Gesetz sieht es vor, dass regelmäßig kontrolliert wird."

Am 30. Juli fand die Anhörung statt

Also habe das Landgericht standardmäßig die behandelnde Klinik um eine Stellungnahme gebeten. Am 30. Juli folgte dann die dazugehörige Anhörung, wie Vahlhaus sagt. Hinter verschlossenen Türen. Alles normal. Zu diesem Termin seien der Betroffene, also Wilfried W., sowie die Gutachter der Klinik erschienen. Das Ergebnis der Anhörung: "Es soll ein weiteres Gutachten erstellt werden." Ist das auch normal? " Es ist nicht die Regel", sagt Vahlhaus. Notwendigkeit bestehe nur, "wenn Zweifel aufkommen".

Hat Wilfried W. dem Landgericht Paderborn also etwas vorgespielt? "Ob er sich verstellt hat, kann ich nicht beurteilen", sagt Vahlhaus. Er gibt auch zu Bedenken, dass die Beurteilung, W. sei vermindert schuldfähig, basierend auf der Einschätzung von Sachverständigen gefällt worden sei. Also nicht nur während der Gerichtstermine. Für Wilfried W. war seinerzeit die forensische Psychologin Nahlah Saimeh zuständig. Sie attestierte W. damals einen niedrigen IQ von 59 und eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit. Pikant: W. erster Gutachter, Facharzt Michael Osterheider, war zu einem gegenteiligen Ergebnis gelangt. Er wurde jedoch wegen Manipulationsvorwürfen entpflichtet. Sachverständige können unterschiedliche Schlüsse ziehen. Das komme vor, wie Vahlhaus sagt.

Entscheidung könnte Mitte August fallen

Angenommen jedoch, in einem weiteren Gutachten würden die Zweifel der Klinik bekräftigt, was hätte das für Folgen für W.? Lägen die Voraussetzungen für die Unterbringung in der forensischen Klinik nicht mehr vor, also wenn Experten ihn doch für schuldfähig halten, dann müsste W. in den normalen Strafvollzug wechseln und dort seine Haftzeit absitzen. Ob Wilfried W. jemals wieder frei sein wird, steht auf einem anderen Blatt. "Für eine Sicherungsverwahrung sind wir nicht zuständig", sagt Vahlhaus. Die Staatsanwaltschaft könne den "Horrorhaus"-Fall jedoch noch einmal prüfen und daraufhin Sicherungsverwahrung für Wilfried W. beantragen.

Die Entscheidung, unter welchen Bedingungen Wilfried W. in den kommenden Jahren untergebracht sein wird, könnte schon Mitte August fallen. "Die Kollegen beraten das", sagt Vahlhaus.

Wilfried und Angelika W. hatten mehrere Frauen in ihr Haus gelockt und misshandelt. Zwei Frauen überlebten die Bekanntschaft mit dem Paar nicht. 2016 hatte der Fall bundesweit Schlagzeilen gemacht.

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