Hohe Ansteckungszahlen in Espelkamp: „Das ist eine Pandemie der Ungeimpften" Karsten Schulz Espelkamp. Der letzte lokale Inzidenz-Eintrag auf der offiziellen Homepage der Stadt datiert auf den 22. Juni diesen Jahres. Die Inzidenz ist null und die des Kreises bei 0,64. Danach wurde die fortlaufende Berichterstattung eingestellt. Der letzte bekannte Wert datiert vom 10. September, also etwa zehn Wochen weiter, und der liegt bei einer Inzidenz von mehr als 400 - nach MT-Berechnungen bei 439,8 um genau zu sein. Espelkamp ist bekannt für große Sprünge, sowohl nach unten wie auch nach oben. Doch eine so hohe Inzidenz kurz vor der kalten Jahreszeit gibt zu denken. Grund genug, um nach Erklärungen zu suchen. Auch in der Redaktion rufen viele besorgte Bürger an oder schreiben E-Mails. Viele von ihnen vermuten in der jetzigen Welle, die Espelkamp besonders trifft, eine "Pandemie der Ungeimpften" und appellieren in diesem Zusammenhang, die mobilen Impfangebote zu nutzen."Große Familienverbände sind vor allem betroffen" So auch Kreisrektorin Cornelia Schöder, die im Gespräch mit der Redaktion auch von einer "Pandemie der Ungeimpften" sprach. Wie im vergangenen Jahr seien im Fall von Espelkamp wieder "große Familienverbände mit ehemaligem Migrationshintergrund" betroffen 28 Erkrankten seien nicht geimpft, darauf wies die Dezernentin ausdrücklich hin. Schwerpunkt der Infektion seien aktuell neben der Stadt Espelkamp, auch die Stadt Lübbecke und die Gemeinde Hüllhorst. Das Durchschnittsalter der Infizierten habe sich deutlich verringert und liege zwischen 50 und 60 Jahre, der jüngste Corona-Patient ist erst 27 Jahre alt. "Es ist keineswegs so, dass man als junger Mensch nicht erkrankt", sagt Schöder. Aktuell gebe es Gerüchte "in bestimmten Kreisen auch in Espelkamp", dass man sich "bewusst anstecken lässt, um sich nicht impfen oder testen lassen zu müssen". Dies sei ein "absoluter Irrglaube". Die einzige richtige Möglichkeit diese Welle zu brechen, so Cornelia Schöder, sei, sich bei den mobilen Impfteams zu immunisieren. Diese würden in den kommenden Wochen noch stärker eingesetzt. Es habe sich gezeigt, dass sie vor allem dort, wo die Menschen einkauften, stark in Anspruch genommen werden. Auch an den weiterführenden Schulen werden die Impfanstrengungen weiter verstärkt. Stark schwankene Werte auch in Espelkamp Die Inzidenzwerte für einzelne Kommunen schwankten stark bei überschaubar vielen (absoluten) Fällen. In den vergangenen Monaten sei immer wieder beobachtet worden, dass diese Werte - wenn man sie auf Ebene einzelner Kommunen betrachte - immer mal hoch und niedrig waren. Das gelte für alle Kommunen und eben auch für Espelkamp, macht Bürgermeister Henning Vieker deutlich. Die Corona-Lage bleibe herausfordernd. Es zeige sich zunehmend, dass wohl (fast) alle Menschen irgendwie immunisiert würden. Entweder durch eine Impfung oder indem sie die Krankheit durchlitten. Vieker empfiehlt ersteres. Er erinnert an den "Espelkamper Impfaufruf", der "richtig bleibt". Die mobilen Impftermine in Espelkamp würden sehr gut angenommen. Die Strategie solcher niederschwelligen Impfangebote sei richtig. Hier leiste der Kreis Minden-Lübbecke "wirklich gute Arbeit". Rathaus ist nur mit festem Termin zugänglich Auf der Espelkamp-Homepage findet man die Coronaschutzverordnung vom 20. August, die auch weiterhin gilt. Und auch den Hinweis, dass das Rathaus zwar wieder geöffnet sei, allerdings nur für diejenigen, die sich vorher einen festen Termin geholt haben. Man hat wohl aus der Pandemie gelernt, denn in der Begründung heißt es klar: Die Terminvergabe in der Pandemie habe sich bewährt. Zum Schluss werden die Orte und Zeiten der Testzentren im Stadtgebiet bekannt gegeben. Nach Lockerungen gab es viele größere Veranstaltungen Zwei bekannte Politiker machen sich ebenfalls Gedanken über "ihre" Stadt: Jens Bölk und Wilfried Windhorst. Bölk ist Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat, überzeugter Espelkamper und Mitarbeiter der Stadtverwaltung bei den Stadtwerken. Natürlich habe er die sehr hohe Inzidenz beobachtet. Dies habe sicherlich verschiedene Gründe, so der SPD-Politiker. Zum einen habe es viele Urlaubsrückkehrer gegeben, zum anderen nach den Lockerungen auch wieder viele größere Veranstaltungen. Auch in den Freikirchen, so der Sozialdemokrat, habe es wieder größere Veranstaltungen gegeben. Gleichzeitig seien die Kontrollen zurückgefahren worden. Dies sei aber nur einer von vielen Erklärungsversuchen. Die Stadtverwaltung habe alles Mögliche getan, um diese Entwicklung zu verhindern, er erinnert in diesem Zusammenhang an den gemeinsam mit den Ehrenbürgern Paul und Karin Gauselmann, Horst Eller und Margrit und Dietmar Harting verfassten Impfaufruf. Arbeitgeber haben Fürsorgepflicht für alle Angestellten Wilfried Windhorst ist Fraktionsvorsitzender der CDU, wohnt in der Altgemeinde Espelkamp und arbeitet als Steuerberater. Sicherlich gebe es eine bestimmte Gruppe von Menschen, die sich konsequent nicht impfen ließen, stellte der Christdemokrat fest. Wenn man die Quarantäne-Einweisungen beobachte erkenne man schnell, dass sich die Infektionen "quer durch die Bank durch alle Bevölkerungsgruppen durchziehen, auch bei denjenigen mit Migrationshintergrund". Windhorst stellt fest, dass in "Espelkamp sehr viel getan wird". Es sei jedoch so, dass die "Impfgegner trotz aller Bemühungen einfach nicht hingehen". Als Arbeitgeber habe er für seine Mitarbeiter eine Fürsorgepflicht, macht der Christdemokrat deutlich. Windhorst: "Das ist einfach eine blöde Situation, in der wir uns jetzt alle befinden." Man könne weder Testungen noch Impfungen verlangen und natürlich keine Nachweise darüber.

Hohe Ansteckungszahlen in Espelkamp: „Das ist eine Pandemie der Ungeimpften"

Eigentlich ist auf dem Wilhelm-Kern-Platz im Herzen Espelkamps immer etwas los gewesen. Während der Ausgangssperre war das anders. © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp. Der letzte lokale Inzidenz-Eintrag auf der offiziellen Homepage der Stadt datiert auf den 22. Juni diesen Jahres. Die Inzidenz ist null und die des Kreises bei 0,64. Danach wurde die fortlaufende Berichterstattung eingestellt.

Der letzte bekannte Wert datiert vom 10. September, also etwa zehn Wochen weiter, und der liegt bei einer Inzidenz von mehr als 400 - nach MT-Berechnungen bei 439,8 um genau zu sein. Espelkamp ist bekannt für große Sprünge, sowohl nach unten wie auch nach oben. Doch eine so hohe Inzidenz kurz vor der kalten Jahreszeit gibt zu denken.

Grund genug, um nach Erklärungen zu suchen. Auch in der Redaktion rufen viele besorgte Bürger an oder schreiben E-Mails. Viele von ihnen vermuten in der jetzigen Welle, die Espelkamp besonders trifft, eine "Pandemie der Ungeimpften" und appellieren in diesem Zusammenhang, die mobilen Impfangebote zu nutzen.

"Große Familienverbände sind vor allem betroffen"

So auch Kreisrektorin Cornelia Schöder, die im Gespräch mit der Redaktion auch von einer "Pandemie der Ungeimpften" sprach. Wie im vergangenen Jahr seien im Fall von Espelkamp wieder "große Familienverbände mit ehemaligem Migrationshintergrund" betroffen 28 Erkrankten seien nicht geimpft, darauf wies die Dezernentin ausdrücklich hin. Schwerpunkt der Infektion seien aktuell neben der Stadt Espelkamp, auch die Stadt Lübbecke und die Gemeinde Hüllhorst.

Das Durchschnittsalter der Infizierten habe sich deutlich verringert und liege zwischen 50 und 60 Jahre, der jüngste Corona-Patient ist erst 27 Jahre alt. "Es ist keineswegs so, dass man als junger Mensch nicht erkrankt", sagt Schöder. Aktuell gebe es Gerüchte "in bestimmten Kreisen auch in Espelkamp", dass man sich "bewusst anstecken lässt, um sich nicht impfen oder testen lassen zu müssen". Dies sei ein "absoluter Irrglaube". Die einzige richtige Möglichkeit diese Welle zu brechen, so Cornelia Schöder, sei, sich bei den mobilen Impfteams zu immunisieren. Diese würden in den kommenden Wochen noch stärker eingesetzt.

Es habe sich gezeigt, dass sie vor allem dort, wo die Menschen einkauften, stark in Anspruch genommen werden. Auch an den weiterführenden Schulen werden die Impfanstrengungen weiter verstärkt.

Stark schwankene Werte auch in Espelkamp

Die Inzidenzwerte für einzelne Kommunen schwankten stark bei überschaubar vielen (absoluten) Fällen. In den vergangenen Monaten sei immer wieder beobachtet worden, dass diese Werte - wenn man sie auf Ebene einzelner Kommunen betrachte - immer mal hoch und niedrig waren. Das gelte für alle Kommunen und eben auch für Espelkamp, macht Bürgermeister Henning Vieker deutlich.

Die Corona-Lage bleibe herausfordernd. Es zeige sich zunehmend, dass wohl (fast) alle Menschen irgendwie immunisiert würden. Entweder durch eine Impfung oder indem sie die Krankheit durchlitten. Vieker empfiehlt ersteres. Er erinnert an den "Espelkamper Impfaufruf", der "richtig bleibt". Die mobilen Impftermine in Espelkamp würden sehr gut angenommen. Die Strategie solcher niederschwelligen Impfangebote sei richtig. Hier leiste der Kreis Minden-Lübbecke "wirklich gute Arbeit".

Rathaus ist nur mit festem Termin zugänglich

Auf der Espelkamp-Homepage findet man die Coronaschutzverordnung vom 20. August, die auch weiterhin gilt. Und auch den Hinweis, dass das Rathaus zwar wieder geöffnet sei, allerdings nur für diejenigen, die sich vorher einen festen Termin geholt haben. Man hat wohl aus der Pandemie gelernt, denn in der Begründung heißt es klar: Die Terminvergabe in der Pandemie habe sich bewährt. Zum Schluss werden die Orte und Zeiten der Testzentren im Stadtgebiet bekannt gegeben.

Nach Lockerungen gab es viele größere Veranstaltungen

Zwei bekannte Politiker machen sich ebenfalls Gedanken über "ihre" Stadt: Jens Bölk und Wilfried Windhorst. Bölk ist Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat, überzeugter Espelkamper und Mitarbeiter der Stadtverwaltung bei den Stadtwerken. Natürlich habe er die sehr hohe Inzidenz beobachtet. Dies habe sicherlich verschiedene Gründe, so der SPD-Politiker. Zum einen habe es viele Urlaubsrückkehrer gegeben, zum anderen nach den Lockerungen auch wieder viele größere Veranstaltungen.

Auch in den Freikirchen, so der Sozialdemokrat, habe es wieder größere Veranstaltungen gegeben. Gleichzeitig seien die Kontrollen zurückgefahren worden. Dies sei aber nur einer von vielen Erklärungsversuchen. Die Stadtverwaltung habe alles Mögliche getan, um diese Entwicklung zu verhindern, er erinnert in diesem Zusammenhang an den gemeinsam mit den Ehrenbürgern Paul und Karin Gauselmann, Horst Eller und Margrit und Dietmar Harting verfassten Impfaufruf.

Arbeitgeber haben Fürsorgepflicht für alle Angestellten

Wilfried Windhorst ist Fraktionsvorsitzender der CDU, wohnt in der Altgemeinde Espelkamp und arbeitet als Steuerberater. Sicherlich gebe es eine bestimmte Gruppe von Menschen, die sich konsequent nicht impfen ließen, stellte der Christdemokrat fest. Wenn man die Quarantäne-Einweisungen beobachte erkenne man schnell, dass sich die Infektionen "quer durch die Bank durch alle Bevölkerungsgruppen durchziehen, auch bei denjenigen mit Migrationshintergrund". Windhorst stellt fest, dass in "Espelkamp sehr viel getan wird".

Es sei jedoch so, dass die "Impfgegner trotz aller Bemühungen einfach nicht hingehen". Als Arbeitgeber habe er für seine Mitarbeiter eine Fürsorgepflicht, macht der Christdemokrat deutlich. Windhorst: "Das ist einfach eine blöde Situation, in der wir uns jetzt alle befinden." Man könne weder Testungen noch Impfungen verlangen und natürlich keine Nachweise darüber.

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