Bad Oeynhausen Hitlergruß und Axt-Attacke auf Grillparty: Zwei Männer verurteilt Ulf Hanke Bad Oeynhausen. Mit Axt und Messer stürmten zwei Männer im vergangenen Sommer auf die Grillparty ihrer Nachbarn. Offenbar fühlten sie sich gestört. Der unfreundliche Überfall am 18. Juni 2019 war nicht nur Schlusspunkt eines außergewöhnlichen Nachbarschaftsstreits, sondern auch der Höhepunkt eines Alkohol-Exzesses. Das wurde bereits beim ersten Prozesstermin in der Sache vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen deutlich. Jetzt gab's den zweiten Termin mit weiteren Zeugen, von denen aber nur einer erschien. Die beiden Angeklagten waren Tage zuvor in der Nachbarschaft aufgefallen, weil sie stockbetrunken und unter Drogeneinfluss aus dem weit geöffneten Fenster Beleidigungen und Nazi-Parolen grölten und den Hitlergruß zeigten. Einer ließ außerdem demonstrativ die Hose fallen und holte seinen Penis raus. Vor Gericht konnten sich die beiden Männer (25 und 35) zwar angeblich nicht mehr oder nur noch bruchstückhaft an die beiden Vorfälle erinnern. Zahlreiche Zeugen bekräftigten jedoch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Erstmals sprach auch der Mann, der bei dieser Grillparty beinahe durch einen Axt-Wurf verletzt worden wäre. Er ist Bewohner der städtischen Notunterkunft für vorübergehend Obdachlose. Als der 54-jährige Zeuge die beiden Männer in den Garten kommen sah, sprang er auf und lief weg. Glücklicherweise stolperte er und strauchelte. Im gleichen Moment warf der 35-jährige Angeklagte wohl seine Axt. Das Beil verfehlte den Zeugen angeblich nur um wenige Zentimeter. Der 35-jährige Angeklagte wollte diese Darstellung nicht hinnehmen. "Das ist gelogen!", rief er mitten in die Zeugenaussage. Beim ersten Prozesstermin hatte ein anderer Zeuge allerdings ganz Ähnliches erzählt. Ein dritter Zeuge dagegen wollte gar keinen Axtwurf gesehen haben. Allerdings hatte der sich vorübergehend unterm Tisch verschanzt und konnte womöglich nicht alles sehen. Der Staatsanwalt war von der Schuld der Angeklagten überzeugt, passte die Anklage jedoch noch im Gerichtssaal den Zeugenaussagen in mehreren Punkten an. So ging er nicht mehr davon aus, dass die Angeklagten "tateinheitlich", also mehr oder weniger gleichzeitig Hitlergruß und Stinkefinger zeigten und einer dann auch noch Nazi-Parolen grölend sein Geschlechtsteil herausholte. "Das ist wohl nacheinander geschehen", sagte der Staatsanwalt: "Also tatmehrheitlich." Statt der versuchten gefährlichen Körperverletzung kam für den Staatsanwalt beim jüngeren Angeklagten auch nur eine Bedrohung mit dem Messer ins Spiel. Der jüngere Angeklagte hatte versucht, den älteren mit der Axt zurückzuhalten und das Messer wohl ins Gebüsch geworfen. Der Verteidiger des Jüngeren plädierte deshalb für einen Teilfreispruch. Der Richter verurteilte den jüngeren Angeklagten wie vom Staatsanwalt gefordert zu 120 Tagessätzen zu 15 Euro (1.800 Euro) und den älteren Angeklagten zu neun Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Ältere muss außerdem 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.
Bad Oeynhausen

Hitlergruß und Axt-Attacke auf Grillparty: Zwei Männer verurteilt

Mit Axt und Messer bewaffnet sind zwei Bad Oeynhausener auf eine Grillparty ihrer Nachbarn gestürmt. Jetzt ist das Urteil gefallen. © Pixabay

Bad Oeynhausen. Mit Axt und Messer stürmten zwei Männer im vergangenen Sommer auf die Grillparty ihrer Nachbarn. Offenbar fühlten sie sich gestört. Der unfreundliche Überfall am 18. Juni 2019 war nicht nur Schlusspunkt eines außergewöhnlichen Nachbarschaftsstreits, sondern auch der Höhepunkt eines Alkohol-Exzesses. Das wurde bereits beim ersten Prozesstermin in der Sache vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen deutlich. Jetzt gab's den zweiten Termin mit weiteren Zeugen, von denen aber nur einer erschien.

Die beiden Angeklagten waren Tage zuvor in der Nachbarschaft aufgefallen, weil sie stockbetrunken und unter Drogeneinfluss aus dem weit geöffneten Fenster Beleidigungen und Nazi-Parolen grölten und den Hitlergruß zeigten. Einer ließ außerdem demonstrativ die Hose fallen und holte seinen Penis raus. Vor Gericht konnten sich die beiden Männer (25 und 35) zwar angeblich nicht mehr oder nur noch bruchstückhaft an die beiden Vorfälle erinnern. Zahlreiche Zeugen bekräftigten jedoch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Erstmals sprach auch der Mann, der bei dieser Grillparty beinahe durch einen Axt-Wurf verletzt worden wäre. Er ist Bewohner der städtischen Notunterkunft für vorübergehend Obdachlose.

Als der 54-jährige Zeuge die beiden Männer in den Garten kommen sah, sprang er auf und lief weg. Glücklicherweise stolperte er und strauchelte. Im gleichen Moment warf der 35-jährige Angeklagte wohl seine Axt. Das Beil verfehlte den Zeugen angeblich nur um wenige Zentimeter.

Der 35-jährige Angeklagte wollte diese Darstellung nicht hinnehmen. "Das ist gelogen!", rief er mitten in die Zeugenaussage. Beim ersten Prozesstermin hatte ein anderer Zeuge allerdings ganz Ähnliches erzählt. Ein dritter Zeuge dagegen wollte gar keinen Axtwurf gesehen haben. Allerdings hatte der sich vorübergehend unterm Tisch verschanzt und konnte womöglich nicht alles sehen.

Der Staatsanwalt war von der Schuld der Angeklagten überzeugt, passte die Anklage jedoch noch im Gerichtssaal den Zeugenaussagen in mehreren Punkten an. So ging er nicht mehr davon aus, dass die Angeklagten "tateinheitlich", also mehr oder weniger gleichzeitig Hitlergruß und Stinkefinger zeigten und einer dann auch noch Nazi-Parolen grölend sein Geschlechtsteil herausholte. "Das ist wohl nacheinander geschehen", sagte der Staatsanwalt: "Also tatmehrheitlich."

Statt der versuchten gefährlichen Körperverletzung kam für den Staatsanwalt beim jüngeren Angeklagten auch nur eine Bedrohung mit dem Messer ins Spiel. Der jüngere Angeklagte hatte versucht, den älteren mit der Axt zurückzuhalten und das Messer wohl ins Gebüsch geworfen. Der Verteidiger des Jüngeren plädierte deshalb für einen Teilfreispruch. Der Richter verurteilte den jüngeren Angeklagten wie vom Staatsanwalt gefordert zu 120 Tagessätzen zu 15 Euro (1.800 Euro) und den älteren Angeklagten zu neun Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Ältere muss außerdem 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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