Herzzentrum in Bad Oeynhausen investiert in die Pflege Heidi Froreich Bad Oeynhausen (nw). Den dringenden Wunsch des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministers Karl-Josef-Laumann hat das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) erfüllt: „Wir stellen deutlich mehr Ausbildungsplätze für Pflegefachkräfte zur Verfügung“, erklärt HDZ-Pflegedirektor Christian Siegling. Zum 1. Oktober wird die Zahl verdoppelt, im nächsten Jahr möchte Maria Kannenberg (Stabsstelle Ausbildung und Praxisanleitung) sogar 100 neue Nachwuchskräfte begrüßen. Derzeit wird das neue Angebot allerdings noch nicht so genutzt wie vom Minister erhofft: Im Ausbildungsgang, der am 1. Oktober beginnt, sind noch zwölf der 50 Plätze unbesetzt. „Wir setzen weiter auf Kooperation“, betont Siegling. Das HDZ hat keine eigene Pflegeschule, der Nachwuchs erhält seine theoretische Ausbildung an der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken, an den Pflegeschulen des Lukas-Krankenhauses Bünde sowie des Klinikums Herford. Gemeinsam mit Bünde und Herford übernimmt das HDZ nun die Verantwortung für die neue Pflegeschule auf dem Herforder Bildungscampus, die am 1. Oktober starten wird. „Wir betreten Neuland“,erklärt Maria Kannenberg, die sich seit Herbst vergangenen Jahres schwerpunktmäßig um die wachsenden Ausbildungskapazitäten kümmert. Und das nicht nur räumlich. Mit dem Inkrafttreten des neuen Pflegeberufe-Gesetzes wurde die Ausbildung zu Alten-Kranken- und Kinderkrankenpflegern vereinheitlicht. Die zukünftigen Pflegefachmänner und -frauen haben nicht nur einen Einsatz in der stationären Akutpflege (Krankenhaus), sondern müssen jeweils auch noch 400 Stunden in der stationären Langzeitpflege, in einem ambulanten Pflegedienst sowie Einsätze in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) und Psychiatrie absolvieren. Acht bis zwölfwöchige Theorieblöcke wechseln sich mit dem praktischen Einsatz in den Gesundheitseinrichtungen ab. Betreut werden die Schüler in den Einsatzbereichen von Praxisanleitern. „Das sind erfahrene Pflegekräfte mit pflegepädagogischen Weiterbildung“, erklärt Maria Kannenberg. Sie selbst ist nicht nur Gesundheits- und Krankenpflegerin, sondern hat auch einen Abschluss als Berufs-Pädagogin für Pflege und Gesundheit. Darüber hinaus wurde im HDZ in den vergangenen Monaten ein neues Praxisanleitungssystem eingeführt. Ein Schwerpunkt des Konzepts ist die Etablierung von übergeordneten Praxisanleitenden, die ein berufspädagogisches Bachelorstudium absolviert haben und für die Auszubildenden zusätzliche Lernangebote gestalten. „Abgesehen von den Außeneinsätzen können unsere Schüler hier alle medizinischen Fachdisziplinen kennenlernen“, hebt Siegling eine Besonderheit des HDZ im Vergleich zu kleineren Krankenhäusern hervor. Jeweils vier bis sechs Wochen arbeiten sie auch auf den Intensivstationen und in den Operationssälen mit. Das ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber aus Sicht Kannenbergs eine attraktive Besonderheit des HDZ. „Und wir übernehmen die Fahrtkosten für die Einsätze hier im Haus und für die Außeneinsätze“, fügt sie ein weiteres Plus hinzu. Wer sich unsicher ist, ob die Pflege die richtige Berufswahl ist, kann für ein paar Tage oder Wochen im HDZ hospitieren. „Empathie und Einfühlungsvermögen“, nennt Kannenberg als wichtige soziale Eigenschaften. Außerdem sollten Bewerber einen Führerschein vorweisen. Neben Fachhochschulreife und Abitur kann aber auch ein Hauptschulabschluss reichen, sofern er durch eine abgeschlossene Berufsausbildung ergänzt wurde. Finanzielle Gründe sind es nach Einschätzung von Christian Siegling jedenfalls nicht, die gegen einen Pflegeberuf sprechen. Nach dem Tarifvertrag für Auszubildende im Öffentlichen Dienst bekommen die Schüler im ersten Jahr bereits monatlich 1.140 Euro, nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung beträgt das Einstiegsgehalt im ersten Berufsjahr etwa 38.000 Euro. Nicht zu vergessen die langfristigen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Eine zunehmende Zahl von Pflegekräften scheidet altersbedingt aus, andererseits brauchen immer mehr Menschen pflegerische Betreuung. „Geeignete Pflegekräfte stellen wir jederzeit ein“, sagt Siegling. Kann er aber nicht, weil es eben an Bewerbern fehlt. Und die 37 Fachkräfte von den Philippinen, mit denen er bereits Verträge abgeschlossen hat, können ihren Dienst im HDZ nicht antreten, weil ihnen das Visum fehlt. „Wegen Corona stellt die Botschaft in Manila derzeit keine Ausreisepapiere aus“, bedauert Siegling. Wann sich das ändert, sei überhaupt nicht absehbar. „Für uns gibt es keine Kurzarbeit“, nennt Siegling einen wichtigen Unterschied zu anderen auch in Coronazeiten deutlich gewordenen Unterschied zu anderen Branchen. Wobei er in der Krise noch ein weiteres Argument gefunden hat, das für eine Ausbildung am HDZ spricht. Von den mehr als 2.300 Mitarbeitenden im HDZ haben sich nur drei mit dem SARS-CoV2-Virus infiziert – und das in ihrer Freizeit. Siegling: „Auch Klinikmitarbeiter können wirkungsvoll vor Infektionen geschützt werden“. Bestimmt freut sich auch darüber der Minister.

Herzzentrum in Bad Oeynhausen investiert in die Pflege

Ecem Kalay bei der Händedesinfektion. Sie hat am 1.April ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau im HDZ begonnen. Foto: Marcel Mompur/HDZ © Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen

Bad Oeynhausen (nw). Den dringenden Wunsch des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministers Karl-Josef-Laumann hat das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) erfüllt: „Wir stellen deutlich mehr Ausbildungsplätze für Pflegefachkräfte zur Verfügung“, erklärt HDZ-Pflegedirektor Christian Siegling. Zum 1. Oktober wird die Zahl verdoppelt, im nächsten Jahr möchte Maria Kannenberg (Stabsstelle Ausbildung und Praxisanleitung) sogar 100 neue Nachwuchskräfte begrüßen. Derzeit wird das neue Angebot allerdings noch nicht so genutzt wie vom Minister erhofft: Im Ausbildungsgang, der am 1. Oktober beginnt, sind noch zwölf der 50 Plätze unbesetzt.

„Wir setzen weiter auf Kooperation“, betont Siegling. Das HDZ hat keine eigene Pflegeschule, der Nachwuchs erhält seine theoretische Ausbildung an der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken, an den Pflegeschulen des Lukas-Krankenhauses Bünde sowie des Klinikums Herford. Gemeinsam mit Bünde und Herford übernimmt das HDZ nun die Verantwortung für die neue Pflegeschule auf dem Herforder Bildungscampus, die am 1. Oktober starten wird. „Wir betreten Neuland“,erklärt Maria Kannenberg, die sich seit Herbst vergangenen Jahres schwerpunktmäßig um die wachsenden Ausbildungskapazitäten kümmert. Und das nicht nur räumlich.

Mit dem Inkrafttreten des neuen Pflegeberufe-Gesetzes wurde die Ausbildung zu Alten-Kranken- und Kinderkrankenpflegern vereinheitlicht. Die zukünftigen Pflegefachmänner und -frauen haben nicht nur einen Einsatz in der stationären Akutpflege (Krankenhaus), sondern müssen jeweils auch noch 400 Stunden in der stationären Langzeitpflege, in einem ambulanten Pflegedienst sowie Einsätze in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) und Psychiatrie absolvieren. Acht bis zwölfwöchige Theorieblöcke wechseln sich mit dem praktischen Einsatz in den Gesundheitseinrichtungen ab.

Betreut werden die Schüler in den Einsatzbereichen von Praxisanleitern. „Das sind erfahrene Pflegekräfte mit pflegepädagogischen Weiterbildung“, erklärt Maria Kannenberg. Sie selbst ist nicht nur Gesundheits- und Krankenpflegerin, sondern hat auch einen Abschluss als Berufs-Pädagogin für Pflege und Gesundheit. Darüber hinaus wurde im HDZ in den vergangenen Monaten ein neues Praxisanleitungssystem eingeführt. Ein Schwerpunkt des Konzepts ist die Etablierung von übergeordneten Praxisanleitenden, die ein berufspädagogisches Bachelorstudium absolviert haben und für die Auszubildenden zusätzliche Lernangebote gestalten.

„Abgesehen von den Außeneinsätzen können unsere Schüler hier alle medizinischen Fachdisziplinen kennenlernen“, hebt Siegling eine Besonderheit des HDZ im Vergleich zu kleineren Krankenhäusern hervor. Jeweils vier bis sechs Wochen arbeiten sie auch auf den Intensivstationen und in den Operationssälen mit. Das ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber aus Sicht Kannenbergs eine attraktive Besonderheit des HDZ. „Und wir übernehmen die Fahrtkosten für die Einsätze hier im Haus und für die Außeneinsätze“, fügt sie ein weiteres Plus hinzu. Wer sich unsicher ist, ob die Pflege die richtige Berufswahl ist, kann für ein paar Tage oder Wochen im HDZ hospitieren. „Empathie und Einfühlungsvermögen“, nennt Kannenberg als wichtige soziale Eigenschaften. Außerdem sollten Bewerber einen Führerschein vorweisen. Neben Fachhochschulreife und Abitur kann aber auch ein Hauptschulabschluss reichen, sofern er durch eine abgeschlossene Berufsausbildung ergänzt wurde.

Finanzielle Gründe sind es nach Einschätzung von Christian Siegling jedenfalls nicht, die gegen einen Pflegeberuf sprechen. Nach dem Tarifvertrag für Auszubildende im Öffentlichen Dienst bekommen die Schüler im ersten Jahr bereits monatlich 1.140 Euro, nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung beträgt das Einstiegsgehalt im ersten Berufsjahr etwa 38.000 Euro. Nicht zu vergessen die langfristigen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Eine zunehmende Zahl von Pflegekräften scheidet altersbedingt aus, andererseits brauchen immer mehr Menschen pflegerische Betreuung. „Geeignete Pflegekräfte stellen wir jederzeit ein“, sagt Siegling.

Kann er aber nicht, weil es eben an Bewerbern fehlt. Und die 37 Fachkräfte von den Philippinen, mit denen er bereits Verträge abgeschlossen hat, können ihren Dienst im HDZ nicht antreten, weil ihnen das Visum fehlt. „Wegen Corona stellt die Botschaft in Manila derzeit keine Ausreisepapiere aus“, bedauert Siegling. Wann sich das ändert, sei überhaupt nicht absehbar.

„Für uns gibt es keine Kurzarbeit“, nennt Siegling einen wichtigen Unterschied zu anderen auch in Coronazeiten deutlich gewordenen Unterschied zu anderen Branchen. Wobei er in der Krise noch ein weiteres Argument gefunden hat, das für eine Ausbildung am HDZ spricht. Von den mehr als 2.300 Mitarbeitenden im HDZ haben sich nur drei mit dem SARS-CoV2-Virus infiziert – und das in ihrer Freizeit. Siegling: „Auch Klinikmitarbeiter können wirkungsvoll vor Infektionen geschützt werden“. Bestimmt freut sich auch darüber der Minister.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales