Heimlicher Hilferuf über Whatsapp rettet Ehefrau Ulf Hanke Löhne. Aus Angst, ihr gewalttätiger Ehemann vor der Badezimmertür könnte sie hören, rief eine Frau nicht den Notruf 110, sondern tippte heimlich einen Hilferuf bei Whatsapp. Die Kurznachricht schickte sie einem Bekannten und hatte Glück: Er las den Text und alarmierte die Polizei. Das hat die Frau gerettet. Der gewalttätige Ehemann musste sich jetzt vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den 62-jährigen Lastwagenfahrer aus Löhne wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung angeklagt. Er soll am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober 2020, sturzbetrunken seine Frau ins Schlafzimmer gezerrt und sie dort auf den Kopf geschlagen, in die Rippen und auf die linke Hand getreten haben. Dann soll er ein Küchenmesser geholt und ihr gedroht haben sie zu töten. Polizeifotos dokumentieren die sichtbaren Verletzungen. Vor Gericht schweigt die Frau offenbar aus Angst und beruft sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Der mutmaßliche Täter, ihr Ehemann, schweigt ebenfalls. Er lebt seit 1993 in Deutschland und lässt sich von einem Russisch-Dolmetscher nachträglich die Aussagen der Zeugen übersetzen. Hausverbot für den Mann Die Polizisten schildern dem Gericht, dass der Angeklagte ihnen damals äußerlich ruhig im Treppenhaus entgegen kam. Gegenüber den Beamten leugnete der Mann den Streit mit seiner Frau nicht. Die Polizisten verhängten ein zehntägiges Rückkehrverbot in die gemeinsame Wohnung und blieben so lange, bis der Mann seine Siebensachen gepackt hatte. Der Empfänger der Whatsapp-Nachricht schilderte dem Gericht, was er damals am Telefon erlebte. Die Frau hatte es offenbar geschafft, aus dem Schlafzimmer ins Badezimmer zu flüchten und sich dort mit ihrem Handy eingeschlossen. Weil der Ehemann aber vor der Tür stand, dagegen hämmerte und versuchte hereinzukommen, wollte sie nicht telefonieren und nicht die Polizei anrufen. Die Frau hatte Angst um ihr Leben. „Sie hat auch von einem Messer gesprochen", sagte der Zeuge auf Nachfragen des Gerichts. Nach kurzem Hin und Her bei Whatsapp, es muss gegen 14 Uhr gewesen sein, entschied der Bekannte, die Polizei zu rufen. Das Gericht hatte keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten und verurteilte den nicht vorbestraften Mann wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung wie von der Staatsanwältin gefordert zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 50 Euro (4.000 Euro). Die Frau habe „massive Gewalt" von ihrem eigenen Ehemann erfahren müssen, so der Richter. Auch wenn der Angeklagte selbst nichts gesagt habe, sei die Tat dennoch nachgewiesen und dokumentiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. So geht ein stiller Notruf Messengerdienste wie Whatsapp sind nicht für Notrufe geeignet. Smartphone-Hersteller haben allerdings Notruf-Funktionen in die Geräte eingebaut, die einen Notruf auslösen oder eine SOS-Nachricht an Notfallkontakte senden können. Bei den meisten Geräten muss man dafür mehrfach kurz hintereinander auf die Ein- und Aus-Taste drücken. Die SOS-Nachricht bekommen allerdings nur zuvor festgelegte Notfallkontakte. Die Polizei im Kreis Herford rät trotz aller Widrigkeiten zum Notruf übers Telefon auf der 110 oder der 112. „So können wir mithören, wenn der Täter noch im Hause ist und nachfragen", sagt Pressesprecherin Simone Lah-Schnier: „Da muss nicht viel gesprochen werden." Eine Empfangssystem für Messengerdienste wie Whatsapp hat die Polizei im Kreis Herford nicht. „Es gibt App-Lösungen, aber die sind in der Entwicklung."

Heimlicher Hilferuf über Whatsapp rettet Ehefrau

Ein 62-jähriger Lkw-Fahrer hat im Schlafzimmer seine Ehefrau mit einem Küchenmesser bedroht. Die Frau konnte ins Bad flüchten. © Symbolbild: Pixabay

Löhne. Aus Angst, ihr gewalttätiger Ehemann vor der Badezimmertür könnte sie hören, rief eine Frau nicht den Notruf 110, sondern tippte heimlich einen Hilferuf bei Whatsapp. Die Kurznachricht schickte sie einem Bekannten und hatte Glück: Er las den Text und alarmierte die Polizei. Das hat die Frau gerettet. Der gewalttätige Ehemann musste sich jetzt vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den 62-jährigen Lastwagenfahrer aus Löhne wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung angeklagt. Er soll am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober 2020, sturzbetrunken seine Frau ins Schlafzimmer gezerrt und sie dort auf den Kopf geschlagen, in die Rippen und auf die linke Hand getreten haben. Dann soll er ein Küchenmesser geholt und ihr gedroht haben sie zu töten.

Polizeifotos dokumentieren die sichtbaren Verletzungen. Vor Gericht schweigt die Frau offenbar aus Angst und beruft sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Der mutmaßliche Täter, ihr Ehemann, schweigt ebenfalls. Er lebt seit 1993 in Deutschland und lässt sich von einem Russisch-Dolmetscher nachträglich die Aussagen der Zeugen übersetzen.

Hausverbot für den Mann

Die Polizisten schildern dem Gericht, dass der Angeklagte ihnen damals äußerlich ruhig im Treppenhaus entgegen kam. Gegenüber den Beamten leugnete der Mann den Streit mit seiner Frau nicht. Die Polizisten verhängten ein zehntägiges Rückkehrverbot in die gemeinsame Wohnung und blieben so lange, bis der Mann seine Siebensachen gepackt hatte.

Der Empfänger der Whatsapp-Nachricht schilderte dem Gericht, was er damals am Telefon erlebte. Die Frau hatte es offenbar geschafft, aus dem Schlafzimmer ins Badezimmer zu flüchten und sich dort mit ihrem Handy eingeschlossen. Weil der Ehemann aber vor der Tür stand, dagegen hämmerte und versuchte hereinzukommen, wollte sie nicht telefonieren und nicht die Polizei anrufen.

Die Frau hatte Angst um ihr Leben. „Sie hat auch von einem Messer gesprochen", sagte der Zeuge auf Nachfragen des Gerichts. Nach kurzem Hin und Her bei Whatsapp, es muss gegen 14 Uhr gewesen sein, entschied der Bekannte, die Polizei zu rufen.

Das Gericht hatte keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten und verurteilte den nicht vorbestraften Mann wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung wie von der Staatsanwältin gefordert zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 50 Euro (4.000 Euro). Die Frau habe „massive Gewalt" von ihrem eigenen Ehemann erfahren müssen, so der Richter. Auch wenn der Angeklagte selbst nichts gesagt habe, sei die Tat dennoch nachgewiesen und dokumentiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

So geht ein stiller Notruf

Messengerdienste wie Whatsapp sind nicht für Notrufe geeignet. Smartphone-Hersteller haben allerdings Notruf-Funktionen in die Geräte eingebaut, die einen Notruf auslösen oder eine SOS-Nachricht an Notfallkontakte senden können. Bei den meisten Geräten muss man dafür mehrfach kurz hintereinander auf die Ein- und Aus-Taste drücken. Die SOS-Nachricht bekommen allerdings nur zuvor festgelegte Notfallkontakte.

Die Polizei im Kreis Herford rät trotz aller Widrigkeiten zum Notruf übers Telefon auf der 110 oder der 112. „So können wir mithören, wenn der Täter noch im Hause ist und nachfragen", sagt Pressesprecherin Simone Lah-Schnier: „Da muss nicht viel gesprochen werden." Eine Empfangssystem für Messengerdienste wie Whatsapp hat die Polizei im Kreis Herford nicht. „Es gibt App-Lösungen, aber die sind in der Entwicklung."

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