Hebammen-Studium in OWL: Fachhochschule Bielefeld bietet 45 Studienplätze pro Jahr an Carolin Nieder-Entgelmeier Bielefeld. Aufatmen in den Kreißsälen in OWL: Entgegen der Befürchtungen, dass wegen der Akademisierung des Hebammenberufs ab 2023 keine Geburtshelferinnen mehr in der Region ausgebildet werden können, startet die Fachhochschule Bielefeld zum Wintersemester 2021/22 den Studiengang angewandte Hebammenwissenschaft. In Kooperation mit den Hebammenschulen in Minden und Paderborn werden ab September 2021 jährlich 45 Hebammen ausgebildet. Der Bedarf ist groß, denn in OWL herrscht Hebammenmangel, der zeitweise sogar schon zu Schließungen von Kreißsälen geführt hat. Doch reicht die Zahl der Studienplätze im Kampf gegen den Fachkräftemangel aus? Experten bezweifeln das. Als letztes Land in der EU folgt nun auch Deutschland den Empfehlungen der WHO und überführt die Hebammenausbildung auf Hochschulniveau. Die Reform sieht einen Übergangszeitraum bis Ende 2022 vor, in dem neben einem Hebammenstudium eine Hebammenausbildung nach altem Recht an einer Schule begonnen werden kann. Für OWL war lange nicht klar, ob nach den letzten Hebammen-Jahrgängen nach altem Recht überhaupt noch Geburtshelferinnen ausgebildet werden. „Doch nun gab es nach knapp zweijähriger Planung endlich die Zusage des NRW-Gesundheitsministeriums“, erklärt Gesundheitswissenschaftlerin Michaela Brause von der FH Bielefeld. Die späte Zusage hat jedoch Folgen für die Hochschulen, denn bereits im September 2021 soll das Studium in Bielefeld beginnen. „Der Studiengang muss noch akkreditiert werden. Außerdem müssen wir bis zum Jahresende das Auswahlverfahren klären“, erklärt Brause. Eine große Herausforderung, denn die angewandte Hebammenwissenschaft unterscheidet sich stark von anderen Studiengängen. „Der praktische Anteil des Studiums beträgt etwa 50 Prozent. In diesem Bereich kooperieren wir mit den Hebammenschulen in Minden und Paderborn, die bei der Auswahl der Studierenden mitentscheiden, da sie mit den Schulen Verträge schließen.“ Den Studiengang hat die FH Bielefeld mit der Katholischen Hochschule (Katho) NRW entwickelt, die ab dem Wintersemester 2021/2022 in Köln ebenfalls jährlich 45 Hebammen ausbilden wird. Auch die Katho NRW kooperiert mit den Hebammenschulen in Minden und Paderborn. „Insgesamt haben wir lange nur mit 60 Plätzen gerechnet, nun sind es an den Studienstandorten in Bielefeld und Köln sogar insgesamt 90 geworden“, erklärt der Dekan des Fachbereichs Gesundheitswesen an der Katho NRW, Wolfgang Matthias Heffels. „Es gibt damit ab 2021 also deutlich mehr Studienplätze für Hebammen in OWL, als es bislang an Ausbildungsplätzen für Hebammen in OWL gegeben hat. Das waren pro Jahr nämlich nur etwa 30.“ Über diesen Zuwachs freuen sich auch die Hebammenschulen, denn der Bedarf an Hebammen ist groß. „Das sind fantastische Nachrichten für OWL, die den Fachkräftemangel auf jeden Fall abmildern werden“, erklärt der Direktor der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken (MKK), Oliver Neuhaus. Zur Vorbereitung auf die Umstellung der Ausbildung werden in Minden und Paderborn Praxiszentren für angewandte Hebammenwissenschaft mit der FH Bielefeld und der Katho NRW gegründet. „In diesen Zentren werden die praktischen Teile des Studiengangs koordiniert.“ In der Hebammenschule Minden werden ab September 2021 jährlich 20 Studierende in der Geburtshilfe der MKK an den Standorten Minden, Bad Oeynhausen und Lübbecke den praktischen Teil des dreieinhalbjährigen Studiums absolvieren. Ein Semester teilt sich in zwei Hälften, immer in dem Rhythmus neun Wochen Theorie und neun Wochen Praxis. In der Hebammenschule Paderborn sind jährlich 25 Plätze für Studierende vorgesehen, die im St. Vincenz-Krankenhaus an den Standorten Paderborn und Salzkotten eingesetzt werden. Geprüft werden nach Angaben des Leiters des St. Vincenz-Campus für Gesundheitsfachberufe, Andreas Riekötter, zudem Einsätze im St. Elisabeth-Hospital Gütersloh, Klinikum Lippe in Detmold und St. Johannisstift Paderborn. Wie bereits bei der klassischen Ausbildung von Hebammen in den Fachschulen, rechnet Neuhaus trotz Umstellung der Ausbildung mit einem weiterhin hohen Klebeeffekt. „Viele Interessierte suchen in ihrer Heimat nach Ausbildungsplätzen und bleiben auch nach der Ausbildung.“ Das liegt laut Neuhaus auch daran, dass sich immer mehr Frauen, die bereits eine Familie haben, für den Beruf Hebamme entscheiden. „Umso wichtiger ist die Entscheidung des NRW-Gesundheitsministeriums für ein Hebammenstudium in OWL.“ Wie groß die Not in OWL ist, zeigt das Beispiel des Kreises Herford. Im Sommer 2019 musste das Klinikum Herford seinen Kreißsaal für fünf Tage schließen. Hinzu kommen immer mehr Frauen, die vor oder nach der Geburt keine Hebamme finden. Um Ausfälle dieser Art zu verhindern, investiert der Kreis Herford in die Ausbildung von Hebammen. Die Kreisverwaltung übernimmt die Studienkosten von zehn angehenden Hebammen, die seit Oktober an der privaten Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld Hebammenwissenschaft studieren und anschließend für mindestens fünf Jahre im Kreis Herford arbeiten werden. Seit Oktober bietet die FHM als erste Hochschule in OWL ein Hebammenstudium an. Aktuell sind 16 Studierende eingeschrieben. Insgesamt wird es in NRW laut Gesundheitsministerium ab 2021 jährlich 300 Studienplätze für angehende Hebammen geben. Das ist zwar ein Plus an Ausbildungsplätzen, doch mit Blick auf den bestehenden Fachkräftemangel nach Einschätzung des Landesverbandes der Hebammen in NRW nicht ausreichend, um den Bedarf zu decken. Die Vorsitzende Barbara Blomeier fordert 400 Plätze. Denn 2024 werden keine Hebammen in OWL ihren Abschluss machen, da der letzte Jahrgang der Schulen in Minden und Paderborn seine Ausbildung 2023 abschließt und die ersten Absolventinnen der Hochschulen in OWL erst 2025 ihr Studium abschließen werden. Zugangsvoraussetzungen zum Hebammenstudium sind die Fachhochschulreife oder das Abitur. Die Studierenden erhalten während des Studiums eine Vergütung. Der Bewerbungszeitraum für das Wintersemester 2021/22 läuft vom 1. Januar bis Ende Februar kommenden Jahres. Über weitere Details informieren die Hochschulen und die Hebammenschulen noch.

Hebammen-Studium in OWL: Fachhochschule Bielefeld bietet 45 Studienplätze pro Jahr an

Eine Hebamme untersucht eine Schwangere. Nicht alle werdenden Mütter haben dieses Glück, da in Ostwestfalen-Lippe Hebammenmangel herrscht. Foto: imago images © imago images/Panthermedia

Bielefeld. Aufatmen in den Kreißsälen in OWL: Entgegen der Befürchtungen, dass wegen der Akademisierung des Hebammenberufs ab 2023 keine Geburtshelferinnen mehr in der Region ausgebildet werden können, startet die Fachhochschule Bielefeld zum Wintersemester 2021/22 den Studiengang angewandte Hebammenwissenschaft. In Kooperation mit den Hebammenschulen in Minden und Paderborn werden ab September 2021 jährlich 45 Hebammen ausgebildet. Der Bedarf ist groß, denn in OWL herrscht Hebammenmangel, der zeitweise sogar schon zu Schließungen von Kreißsälen geführt hat. Doch reicht die Zahl der Studienplätze im Kampf gegen den Fachkräftemangel aus? Experten bezweifeln das.

Als letztes Land in der EU folgt nun auch Deutschland den Empfehlungen der WHO und überführt die Hebammenausbildung auf Hochschulniveau. Die Reform sieht einen Übergangszeitraum bis Ende 2022 vor, in dem neben einem Hebammenstudium eine Hebammenausbildung nach altem Recht an einer Schule begonnen werden kann. Für OWL war lange nicht klar, ob nach den letzten Hebammen-Jahrgängen nach altem Recht überhaupt noch Geburtshelferinnen ausgebildet werden. „Doch nun gab es nach knapp zweijähriger Planung endlich die Zusage des NRW-Gesundheitsministeriums“, erklärt Gesundheitswissenschaftlerin Michaela Brause von der FH Bielefeld.

Die späte Zusage hat jedoch Folgen für die Hochschulen, denn bereits im September 2021 soll das Studium in Bielefeld beginnen. „Der Studiengang muss noch akkreditiert werden. Außerdem müssen wir bis zum Jahresende das Auswahlverfahren klären“, erklärt Brause. Eine große Herausforderung, denn die angewandte Hebammenwissenschaft unterscheidet sich stark von anderen Studiengängen. „Der praktische Anteil des Studiums beträgt etwa 50 Prozent. In diesem Bereich kooperieren wir mit den Hebammenschulen in Minden und Paderborn, die bei der Auswahl der Studierenden mitentscheiden, da sie mit den Schulen Verträge schließen.“

Den Studiengang hat die FH Bielefeld mit der Katholischen Hochschule (Katho) NRW entwickelt, die ab dem Wintersemester 2021/2022 in Köln ebenfalls jährlich 45 Hebammen ausbilden wird. Auch die Katho NRW kooperiert mit den Hebammenschulen in Minden und Paderborn. „Insgesamt haben wir lange nur mit 60 Plätzen gerechnet, nun sind es an den Studienstandorten in Bielefeld und Köln sogar insgesamt 90 geworden“, erklärt der Dekan des Fachbereichs Gesundheitswesen an der Katho NRW, Wolfgang Matthias Heffels. „Es gibt damit ab 2021 also deutlich mehr Studienplätze für Hebammen in OWL, als es bislang an Ausbildungsplätzen für Hebammen in OWL gegeben hat. Das waren pro Jahr nämlich nur etwa 30.“

Über diesen Zuwachs freuen sich auch die Hebammenschulen, denn der Bedarf an Hebammen ist groß. „Das sind fantastische Nachrichten für OWL, die den Fachkräftemangel auf jeden Fall abmildern werden“, erklärt der Direktor der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken (MKK), Oliver Neuhaus. Zur Vorbereitung auf die Umstellung der Ausbildung werden in Minden und Paderborn Praxiszentren für angewandte Hebammenwissenschaft mit der FH Bielefeld und der Katho NRW gegründet. „In diesen Zentren werden die praktischen Teile des Studiengangs koordiniert.“

In der Hebammenschule Minden werden ab September 2021 jährlich 20 Studierende in der Geburtshilfe der MKK an den Standorten Minden, Bad Oeynhausen und Lübbecke den praktischen Teil des dreieinhalbjährigen Studiums absolvieren. Ein Semester teilt sich in zwei Hälften, immer in dem Rhythmus neun Wochen Theorie und neun Wochen Praxis. In der Hebammenschule Paderborn sind jährlich 25 Plätze für Studierende vorgesehen, die im St. Vincenz-Krankenhaus an den Standorten Paderborn und Salzkotten eingesetzt werden. Geprüft werden nach Angaben des Leiters des St. Vincenz-Campus für Gesundheitsfachberufe, Andreas Riekötter, zudem Einsätze im St. Elisabeth-Hospital Gütersloh, Klinikum Lippe in Detmold und St. Johannisstift Paderborn.

Wie bereits bei der klassischen Ausbildung von Hebammen in den Fachschulen, rechnet Neuhaus trotz Umstellung der Ausbildung mit einem weiterhin hohen Klebeeffekt. „Viele Interessierte suchen in ihrer Heimat nach Ausbildungsplätzen und bleiben auch nach der Ausbildung.“ Das liegt laut Neuhaus auch daran, dass sich immer mehr Frauen, die bereits eine Familie haben, für den Beruf Hebamme entscheiden. „Umso wichtiger ist die Entscheidung des NRW-Gesundheitsministeriums für ein Hebammenstudium in OWL.“

Wie groß die Not in OWL ist, zeigt das Beispiel des Kreises Herford. Im Sommer 2019 musste das Klinikum Herford seinen Kreißsaal für fünf Tage schließen. Hinzu kommen immer mehr Frauen, die vor oder nach der Geburt keine Hebamme finden. Um Ausfälle dieser Art zu verhindern, investiert der Kreis Herford in die Ausbildung von Hebammen. Die Kreisverwaltung übernimmt die Studienkosten von zehn angehenden Hebammen, die seit Oktober an der privaten Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld Hebammenwissenschaft studieren und anschließend für mindestens fünf Jahre im Kreis Herford arbeiten werden. Seit Oktober bietet die FHM als erste Hochschule in OWL ein Hebammenstudium an. Aktuell sind 16 Studierende eingeschrieben.

Insgesamt wird es in NRW laut Gesundheitsministerium ab 2021 jährlich 300 Studienplätze für angehende Hebammen geben. Das ist zwar ein Plus an Ausbildungsplätzen, doch mit Blick auf den bestehenden Fachkräftemangel nach Einschätzung des Landesverbandes der Hebammen in NRW nicht ausreichend, um den Bedarf zu decken. Die Vorsitzende Barbara Blomeier fordert 400 Plätze. Denn 2024 werden keine Hebammen in OWL ihren Abschluss machen, da der letzte Jahrgang der Schulen in Minden und Paderborn seine Ausbildung 2023 abschließt und die ersten Absolventinnen der Hochschulen in OWL erst 2025 ihr Studium abschließen werden.

Zugangsvoraussetzungen zum Hebammenstudium sind die Fachhochschulreife oder das Abitur. Die Studierenden erhalten während des Studiums eine Vergütung. Der Bewerbungszeitraum für das Wintersemester 2021/22 läuft vom 1. Januar bis Ende Februar kommenden Jahres. Über weitere Details informieren die Hochschulen und die Hebammenschulen noch.

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