Hausdurchsuchung bei Impfgegner Matthäus Westfal Frank Hartmann Espelkamp. Matthäus Westfal schäumt. Am Abend des 11. November, an dem er, wie berichtet, zu seiner Verhandlung im Amtsgericht Rahden nicht erschienen war, postet er beim Messenger-Dienst „Telegram" außer sich mehrere kurze Nachrichten: Die „dunkle Seite" solle wissen: Aktivist Mann – sein Pseudonym – schlage zurück: „Der heutige Tag war anders. Irgendwann spreche ich darüber", deutet Westfal verschwörerisch an und lässt seine fast 30.000 Abonnenten mit vielen Kraftausdrücken ratlos zurück. Vier Tage später, am 15. November kursiert bei Telegram und dem Kurznachrichtendienst Twitter ein Video. Darauf zu sehen sind drei Männer, die sich in einer Videokonferenz offenbar zusammengeschaltet haben. Vorgestellt werden die drei als Mateo/Aktivist Mann, Oliver Janich und Rechtsanwalt Gordon Pankalla. Westfal bestätigte am Montag auf Nachfrage, dass es sich um Janich und den Kölner Anwalt Pankalla handelt, einen Verschwörungstheoretiker und einen Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen. Er sei in der Nacht vor der frühmorgendlichen Hausdurchsuchung nicht daheim gewesen, berichtet Westfal. Die Räume seien nach elektronischen Geräten und schriftlichen Gegenständen durchsucht worden. Es gebe einen Durchsuchungsbeschluss von einem Richter aus Bielefeld, dessen Namen er nicht nennen dürfe. Auf nw.de-Nachfrage, wie er das wissen könne, wenn er nicht zu Hause gewesen sei, antwortet Westfal schriftlich, der richterliche Beschluss werde bei Abwesenheit „üblicherweise im Briefkasten hinterlassen". Als einzigen Grund für die Durchsuchung nennt Westfal seinen Post vom 7. September dieses Jahres. Mit dem habe er dazu aufgerufen, Impfaktionen an Schulen und Impfteams zu filmen und die Videos ins Netz zu stellen. Dabei habe er jedoch nie gemeint, dass man Porträts schießen solle oder einzelne Personen zeigen, sondern „nur das Geschehen". Um sicherzustellen, dass alles richtig abläuft und die Kinder vor den Gefahren gewarnt werden: „Einfach den ganzen Prozess." In Holland sei ein Aktivist damit erfolgreich gewesen. Die Impfteams seien nicht mehr gekommen, weil sie nicht mehr gefilmt werden wollten. „Ich verstehe nicht, wieso ich deswegen eine Hausdurchsuchung hatte und bin immer noch geschockt – wir leben in keinem Rechtsstaat mehr", beschwert Westfal sich in dem 2.20 Minuten langen Video. Anwalt Pankalla spricht anschließend von einer „angeblichen Straftat" Westfals. Der richterliche Beschluss beruhe auf einem öffentlichen Post. Es gehe um das Urheberrecht, das Recht am eigenen Bild. Er glaube nicht, dass „der Mateo" das in dem Sinn gemeint habe, das man da reingeht in den Bus und einzelne Ärzte filme. Sondern dahinter habe eine „berechtigte Sorge" gestanden: Jeder wisse, dass die Impfteams rechtlich „sehr zweifelhaft" seien, so Pankalla. Wie berichtet, hatte der rechte Youtuber, der nach eigener Darstellung „nur unter den Schöpfergesetzen des Höchsten" steht, es nicht bei einem Aufruf belassen. Auch das Wort „Giftspritze" im Zusammenhang mit Corona-Impfungen war in seinem Kanal verwendet worden. Anfang September erschien er dann zu einem Impftermin für Schüler am Gymnasium in Rahden und hat offenbar versucht, auf dem Schulhof Schüler anzusprechen. Die Schule habe sofort reagiert, machte Matthias Haverkamp, Leiter des Rahdener Gymnasiums, damals deutlich. Gegenüber Westfal sei ein Hausverbot ausgesprochen worden. Außerdem erteilten Polizeibeamte ihm einen Platzverweis. Eine Bestätigung der Hausdurchsuchung durch die Polizei Bielefeld, die auch für die Staatsschutz-Dienststelle spricht, gibt es nicht. Polizeisprecher Michael Kötter sagte am Montag auf eine entsprechende nw.de-Anfrage, man wolle vermeiden, dass eine „Privatperson an den Pranger gestellt" werde.

Hausdurchsuchung bei Impfgegner Matthäus Westfal

Auf Twitter beklagt der rechte Youtuber Matthäus Westfal (oben l.) sich über eine Hausdurchsuchung bei ihm in Espelkamp. Rechtsanwalt Gordon Pankalla (u.), wird von Oliver Janich (r. oben) gebeten, den Sachverhalt juristisch einzuordnen. © Frank Hartmann

Espelkamp. Matthäus Westfal schäumt. Am Abend des 11. November, an dem er, wie berichtet, zu seiner Verhandlung im Amtsgericht Rahden nicht erschienen war, postet er beim Messenger-Dienst „Telegram" außer sich mehrere kurze Nachrichten: Die „dunkle Seite" solle wissen: Aktivist Mann – sein Pseudonym – schlage zurück: „Der heutige Tag war anders. Irgendwann spreche ich darüber", deutet Westfal verschwörerisch an und lässt seine fast 30.000 Abonnenten mit vielen Kraftausdrücken ratlos zurück.

Vier Tage später, am 15. November kursiert bei Telegram und dem Kurznachrichtendienst Twitter ein Video. Darauf zu sehen sind drei Männer, die sich in einer Videokonferenz offenbar zusammengeschaltet haben. Vorgestellt werden die drei als Mateo/Aktivist Mann, Oliver Janich und Rechtsanwalt Gordon Pankalla. Westfal bestätigte am Montag auf Nachfrage, dass es sich um Janich und den Kölner Anwalt Pankalla handelt, einen Verschwörungstheoretiker und einen Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen.

Er sei in der Nacht vor der frühmorgendlichen Hausdurchsuchung nicht daheim gewesen, berichtet Westfal. Die Räume seien nach elektronischen Geräten und schriftlichen Gegenständen durchsucht worden. Es gebe einen Durchsuchungsbeschluss von einem Richter aus Bielefeld, dessen Namen er nicht nennen dürfe. Auf nw.de-Nachfrage, wie er das wissen könne, wenn er nicht zu Hause gewesen sei, antwortet Westfal schriftlich, der richterliche Beschluss werde bei Abwesenheit „üblicherweise im Briefkasten hinterlassen".


Als einzigen Grund für die Durchsuchung nennt Westfal seinen Post vom 7. September dieses Jahres. Mit dem habe er dazu aufgerufen, Impfaktionen an Schulen und Impfteams zu filmen und die Videos ins Netz zu stellen. Dabei habe er jedoch nie gemeint, dass man Porträts schießen solle oder einzelne Personen zeigen, sondern „nur das Geschehen". Um sicherzustellen, dass alles richtig abläuft und die Kinder vor den Gefahren gewarnt werden: „Einfach den ganzen Prozess." In Holland sei ein Aktivist damit erfolgreich gewesen. Die Impfteams seien nicht mehr gekommen, weil sie nicht mehr gefilmt werden wollten.

„Ich verstehe nicht, wieso ich deswegen eine Hausdurchsuchung hatte und bin immer noch geschockt – wir leben in keinem Rechtsstaat mehr", beschwert Westfal sich in dem 2.20 Minuten langen Video.

Anwalt Pankalla spricht anschließend von einer „angeblichen Straftat" Westfals. Der richterliche Beschluss beruhe auf einem öffentlichen Post. Es gehe um das Urheberrecht, das Recht am eigenen Bild. Er glaube nicht, dass „der Mateo" das in dem Sinn gemeint habe, das man da reingeht in den Bus und einzelne Ärzte filme. Sondern dahinter habe eine „berechtigte Sorge" gestanden: Jeder wisse, dass die Impfteams rechtlich „sehr zweifelhaft" seien, so Pankalla.

Wie berichtet, hatte der rechte Youtuber, der nach eigener Darstellung „nur unter den Schöpfergesetzen des Höchsten" steht, es nicht bei einem Aufruf belassen. Auch das Wort „Giftspritze" im Zusammenhang mit Corona-Impfungen war in seinem Kanal verwendet worden. Anfang September erschien er dann zu einem Impftermin für Schüler am Gymnasium in Rahden und hat offenbar versucht, auf dem Schulhof Schüler anzusprechen. Die Schule habe sofort reagiert, machte Matthias Haverkamp, Leiter des Rahdener Gymnasiums, damals deutlich. Gegenüber Westfal sei ein Hausverbot ausgesprochen worden. Außerdem erteilten Polizeibeamte ihm einen Platzverweis.

Eine Bestätigung der Hausdurchsuchung durch die Polizei Bielefeld, die auch für die Staatsschutz-Dienststelle spricht, gibt es nicht. Polizeisprecher Michael Kötter sagte am Montag auf eine entsprechende nw.de-Anfrage, man wolle vermeiden, dass eine „Privatperson an den Pranger gestellt" werde.

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