„Hat viel kaputt gemacht" - Paralympics-Sieger kritisiert BSG-Vorsitzenden Ulf Hanke Bad Oeynhausen. Der Sportler Sebastian Dietz und der Sportfunktionär Holger Diekmann haben offenbar keine gemeinsame Zukunft im Verein "Bewegung, Sport, Gesundheit" (BSG). Der Kugelstoßer will in wenigen Tagen über sein weiteres Vorgehen entscheiden. Klar ist aber offenbar: "Eine BSG mit Dietz und Diekmann wird es nicht geben", sagte Dietz und machte das ausgerechnet beim Empfang des Bürgermeisters für den Bronzemedaillen-Gewinner der Paralympics von Tokio deutlich. Der BSG-Vorsitzende Diekmann war bei dem Termin im Rathaus nicht dabei. Bürgermeister Lars Bökenkröger lobte Dietz für seine "herausragenden Leistungen" bei den Paralympics. "Wir sind alle stolz auf Sportler, die unserer Stadt so verbunden sind." Dietz' Wort habe Gewicht in Bad Oeynhausen. "Wir brauchen Sie an unserer Seite", sagte Bökenkröger mit Blick auf den Ausbau des Schulzentrums Süd zum bundesweit anerkannten Stützpunkt für Para-Sport. Ins Goldene Buch habe sich Dietz bereits eingetragen, "sonst hätten wird das schnell nachgeholt". Der Bürgermeister schenkte dem Kugelstoßer Blumen und der revanchierte sich mit dem Maskottchen der japanischen Präfektur, in der er sein Training vor den Wettbewerben von Tokio absolviert hatte: dem transzendenten Buddha. Kritik an Diekmann Nach zahlreichen Lobreden auf den Sportler und seine Vorbildfunktion bedankte sich Dietz ausführlich bei seinem Team und für die Unterstützung. Bei dem öffentlichen Empfang im Rathaus sparte er jedoch nicht mit Kritik an seinem Vereinsvorsitzenden Holger Diekmann von der BSG. "Diese Person hat viel kaputt gemacht", sagte Dietz. Er wolle aber "nicht Punchingball" und auch "nicht der Idiot" sein, der sich vor einen Karren spannen lässt. Abseits von persönlichen Befindlichkeiten schwelt bereits seit längerem ein Streit zwischen Dietz und Diekmann über die Ausrichtung der BSG. Es geht um das Millionenprojekt des BSG-Vorstands für ein Wassertherapie-Zentrum im Untergeschoss der ehemaligen Weserklinik. Gleichzeitig hat der BSG-Vorsitzende die Zukunft des Behindertenleistungssports im Verein infrage gestellt. Und damit auch alle Zukunftspläne von Dietz in der BSG. Der Streit in der Führungsspitze des Vereins zieht sich offenbar bereits seit Wochen hin und hat den Olympiasieger auch in Tokio beschäftigt. Der Sportler musste sich nach eigenen Angaben während der direkten Vorbereitung zu den paralympischen Wettbewerben zahlreicher Kontaktversuche des Sportfunktionärs erwehren. Dietz: "Ich habe diese Person blockiert." Als er wieder zurück in Bad Oeynhausen war, erzählt Dietz, habe sich Diekmann enttäuscht darüber geäußert, dass der BSG-Sportler "nur Bronze" in Tokio geholt habe. Das hat Dietz offenbar den Rest gegeben. Zukunft ohne Bad Oeynhausen? Drei Optionen sieht Dietz nun für seine Zukunft. Möglichkeit 1: Diekmann tritt zurück und Dietz bleibt in der BSG. "Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt wohl bei 0,5 Prozent", sagt Dietz. Möglichkeit 2: Dietz wechselt den Verein. Das Zeitfenster tut sich dafür Anfang Oktober auf. Bis Ende September muss Dietz seinem Verein kündigen und kann dann die Aufnahme in einen anderen Verein beantragen. Allerdings muss dieser Verein im Dachverband für den Behinderten- und Rehasport organisiert sein. Nur so kann Dietz wieder bei den Paralympics starten. Dafür müsste Dietz allerdings Bad Oeynhausen den Rücken kehren. Und das will der Ausnahmeathlet nicht. "Es geht nicht um mich", sagt Dietz und verweist auf zahlreiche Einrichtungen in Bad Oeynhausen für Menschen mit Behinderungen, denen er sich verpflichtet fühlt: "Die Wahrscheinlichkeit für diese Option liegt bei einem Prozent." Möglichkeit 3 räumt Dietz derzeit die größten Chancen ein: Der Paralympicsgewinner gründet mit Gleichgesinnten seinen eigenen Behindertensportverein. Beim Termin im Rathaus zog der Sportler deshalb alle Register, um die versammelten Sportpolitiker, Funktionäre und Bürgermeister Lars Bökenkröger für diese Idee zu begeistern. Bökenkröger zeigte sich offen. Der Vorsitzende des Stadtsportverbands Hans Milberg äußerte Verständnis, bat aber vergeblich um ein klärendes Gespräch mit dem BSG-Vorsitzenden. Dietz: "Nicht mit diesem schlechten Menschen." Dafür sei zu viel vorgefallen. "Die härteste Medaille" Trotz des Knatsches im Verein denkt Dietz mit einem Lächeln an die Paralympics zurück. Die Japaner hätten seinen Aufenthalt dort "perfekt geplant". Sie hätten sich "so viel Mühe gegeben", sagt Dietz, "und die Welt hat das nicht gesehen". Die Gastgeber seien "fast schon anstrengend hilfsbereit" gewesen. "Es gab jeden Tag Heißwürstchen", erzählt Dietz nicht ohne Begeisterung. Als Kugelstoßer muss der Athlet keinen strengen Diätplan einhalten. "Ich darf alles essen." Doch als er die Wurst auch am vierten Tag hintereinander auf seinem Teller fand, wunderte er sich dann schon und fragte nach. Der Gruß aus der Küche war offenbar als wohlwollende Geste an den Gast aus Deutschland gedacht. Nach zweimal Gold im Diskus 2012 und im Kugelstoßen 2016 sei die Bronze-Medaille von Tokio aus mehreren Gründen "die härteste Medaille, für ich je gekämpft habe", sagt Dietz. Jetzt sei er zurück im Spiel und wolle sich voll auf den nächsten Wettbewerb vorbereiten. Es gebe viel zu tun. Im Medaillenspiegel der Paralympics seien Länder wie die Ukraine und Aserbaidschan mittlerweile vor Deutschland. Dietz: "Das sollte uns zu denken geben."

„Hat viel kaputt gemacht" - Paralympics-Sieger kritisiert BSG-Vorsitzenden

Der Sportfunktionär Holger Diekmann (links) und der Sportler Sebastian Dietz gehen künftig wohl getrennte Wege. © Ulf Hanke/ Picture aliance/Dpa Montage Felix Eisele

Bad Oeynhausen. Der Sportler Sebastian Dietz und der Sportfunktionär Holger Diekmann haben offenbar keine gemeinsame Zukunft im Verein "Bewegung, Sport, Gesundheit" (BSG). Der Kugelstoßer will in wenigen Tagen über sein weiteres Vorgehen entscheiden. Klar ist aber offenbar: "Eine BSG mit Dietz und Diekmann wird es nicht geben", sagte Dietz und machte das ausgerechnet beim Empfang des Bürgermeisters für den Bronzemedaillen-Gewinner der Paralympics von Tokio deutlich. Der BSG-Vorsitzende Diekmann war bei dem Termin im Rathaus nicht dabei.

Bürgermeister Lars Bökenkröger lobte Dietz für seine "herausragenden Leistungen" bei den Paralympics. "Wir sind alle stolz auf Sportler, die unserer Stadt so verbunden sind." Dietz' Wort habe Gewicht in Bad Oeynhausen. "Wir brauchen Sie an unserer Seite", sagte Bökenkröger mit Blick auf den Ausbau des Schulzentrums Süd zum bundesweit anerkannten Stützpunkt für Para-Sport. Ins Goldene Buch habe sich Dietz bereits eingetragen, "sonst hätten wird das schnell nachgeholt". Der Bürgermeister schenkte dem Kugelstoßer Blumen und der revanchierte sich mit dem Maskottchen der japanischen Präfektur, in der er sein Training vor den Wettbewerben von Tokio absolviert hatte: dem transzendenten Buddha.

Kritik an Diekmann

Nach zahlreichen Lobreden auf den Sportler und seine Vorbildfunktion bedankte sich Dietz ausführlich bei seinem Team und für die Unterstützung. Bei dem öffentlichen Empfang im Rathaus sparte er jedoch nicht mit Kritik an seinem Vereinsvorsitzenden Holger Diekmann von der BSG. "Diese Person hat viel kaputt gemacht", sagte Dietz. Er wolle aber "nicht Punchingball" und auch "nicht der Idiot" sein, der sich vor einen Karren spannen lässt. Abseits von persönlichen Befindlichkeiten schwelt bereits seit längerem ein Streit zwischen Dietz und Diekmann über die Ausrichtung der BSG. Es geht um das Millionenprojekt des BSG-Vorstands für ein Wassertherapie-Zentrum im Untergeschoss der ehemaligen Weserklinik. Gleichzeitig hat der BSG-Vorsitzende die Zukunft des Behindertenleistungssports im Verein infrage gestellt. Und damit auch alle Zukunftspläne von Dietz in der BSG.

Der Streit in der Führungsspitze des Vereins zieht sich offenbar bereits seit Wochen hin und hat den Olympiasieger auch in Tokio beschäftigt. Der Sportler musste sich nach eigenen Angaben während der direkten Vorbereitung zu den paralympischen Wettbewerben zahlreicher Kontaktversuche des Sportfunktionärs erwehren. Dietz: "Ich habe diese Person blockiert." Als er wieder zurück in Bad Oeynhausen war, erzählt Dietz, habe sich Diekmann enttäuscht darüber geäußert, dass der BSG-Sportler "nur Bronze" in Tokio geholt habe. Das hat Dietz offenbar den Rest gegeben.

Zukunft ohne Bad Oeynhausen?

Drei Optionen sieht Dietz nun für seine Zukunft. Möglichkeit 1: Diekmann tritt zurück und Dietz bleibt in der BSG. "Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt wohl bei 0,5 Prozent", sagt Dietz. Möglichkeit 2: Dietz wechselt den Verein. Das Zeitfenster tut sich dafür Anfang Oktober auf. Bis Ende September muss Dietz seinem Verein kündigen und kann dann die Aufnahme in einen anderen Verein beantragen. Allerdings muss dieser Verein im Dachverband für den Behinderten- und Rehasport organisiert sein. Nur so kann Dietz wieder bei den Paralympics starten. Dafür müsste Dietz allerdings Bad Oeynhausen den Rücken kehren. Und das will der Ausnahmeathlet nicht. "Es geht nicht um mich", sagt Dietz und verweist auf zahlreiche Einrichtungen in Bad Oeynhausen für Menschen mit Behinderungen, denen er sich verpflichtet fühlt: "Die Wahrscheinlichkeit für diese Option liegt bei einem Prozent."

Möglichkeit 3 räumt Dietz derzeit die größten Chancen ein: Der Paralympicsgewinner gründet mit Gleichgesinnten seinen eigenen Behindertensportverein. Beim Termin im Rathaus zog der Sportler deshalb alle Register, um die versammelten Sportpolitiker, Funktionäre und Bürgermeister Lars Bökenkröger für diese Idee zu begeistern. Bökenkröger zeigte sich offen. Der Vorsitzende des Stadtsportverbands Hans Milberg äußerte Verständnis, bat aber vergeblich um ein klärendes Gespräch mit dem BSG-Vorsitzenden. Dietz: "Nicht mit diesem schlechten Menschen." Dafür sei zu viel vorgefallen.

"Die härteste Medaille"

Trotz des Knatsches im Verein denkt Dietz mit einem Lächeln an die Paralympics zurück. Die Japaner hätten seinen Aufenthalt dort "perfekt geplant". Sie hätten sich "so viel Mühe gegeben", sagt Dietz, "und die Welt hat das nicht gesehen". Die Gastgeber seien "fast schon anstrengend hilfsbereit" gewesen. "Es gab jeden Tag Heißwürstchen", erzählt Dietz nicht ohne Begeisterung. Als Kugelstoßer muss der Athlet keinen strengen Diätplan einhalten. "Ich darf alles essen." Doch als er die Wurst auch am vierten Tag hintereinander auf seinem Teller fand, wunderte er sich dann schon und fragte nach. Der Gruß aus der Küche war offenbar als wohlwollende Geste an den Gast aus Deutschland gedacht.

Nach zweimal Gold im Diskus 2012 und im Kugelstoßen 2016 sei die Bronze-Medaille von Tokio aus mehreren Gründen "die härteste Medaille, für ich je gekämpft habe", sagt Dietz. Jetzt sei er zurück im Spiel und wolle sich voll auf den nächsten Wettbewerb vorbereiten. Es gebe viel zu tun. Im Medaillenspiegel der Paralympics seien Länder wie die Ukraine und Aserbaidschan mittlerweile vor Deutschland. Dietz: "Das sollte uns zu denken geben."

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