Corona-Krise Handwerker in OWL haben weniger zu tun Bielefeld/Lemgo. Handwerker in Nordrhein-Westfalen haben während der Corona-Krise weniger Gewinne erzielt als 2019. Das geht aus Zahlen des Landesstatistikamtes IT.NRW hervor. Verglichen zum Vorjahreszeitraum von April bis Juni ist der Umsatz des zulassungspflichtigen Handwerks um 7,8 Prozent zurückgegangen. Nach Angaben des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer OWL, Wolfgang Borgert, markiert die Corona-Krise „das vorläufige Ende des bislang stärksten Konjunkturzyklus des deutschen Handwerks". Seit dem Lockdown habe sich die Konjunkturlage unterschiedlich dynamisch entwickelt, auch innerhalb der einzelnen Branchen „Viele Mitgliedsbetriebe berichten von einer weiterhin stabilen Auftragslage." Einer von ihnen ist Frank Niemeier, Obermeister der Baugewerbe in der Innung Bielefeld. Sein Eindruck: „Momentan läuft die Baubranche sehr gut. Wir haben wenig Einschränkungen durch Corona." Zu Beginn der Pandemie hätten einige Privatkunden ihre Anträge zurückgestellt. Inzwischen habe sich die Lage entspannt. Seine 15 Mitarbeiter, die größtenteils im Freien arbeiten, sind in Dreier- oder Vierergruppen aufgeteilt, um das Infektionsrisiko und Ausfälle gering zu halten. Andere Handwerker treffen die finanziellen Auswirkungen der Pandemie härter. Die Analyse des Statistikamts zeigt, dass von den sieben Gewerbegruppen besonders Arbeitnehmer aus der Kraftfahrtbranche von Einbußen betroffen waren. Ihre Erlöse sanken im zweiten Quartal des Jahres um immerhin ein Fünftel. Dirk Eilers, Obermeister der Innung des Kfz-und Mechanikerhandwerks Lippe, musste während des Lockdowns seine Ausstellungshalle in Lemgo sechs Monate geschlossen halten. Die vorübergehende Schließung bedeutete für seinen Betrieb einen großen Umsatzeinbruch. Dass einige Corona-Maßnahmen nicht auf landesweiter, sondern auf kommunaler Ebene getroffen wurden, hält er für eine Wettbewerbsverzerrung. Auch dass der Einzelhandel vorübergehend lahmgelegt wurde, während Non-Food-Bereiche in Supermärkten weiter geöffnet waren, kann er sich nicht erklären. Erschwerend komme der bundesweite Zulassungsrückgang von 30 Prozent aufgrund von langen Wartezeiten in den Verkehrsämtern hinzu, sagt Eilers. In der Autolackiererei und im Karosseriebau gab es deutlich weniger Aufträge. Der Grund: Weniger Unfälle auf den Straßen aufgrund von Home-Office und Kurzarbeit. Auch in diesem Segment gab es einen Rückgang von 30 Prozent. Die Kommunikation mit den Kunden sei erschwert. Aufgrund von Kurzarbeit seien er und seine 23 Mitarbeiter jedoch „gut durchgekommen". Eilers ist überzeugt: „Ohne Kurzarbeit hätten 30 Prozent der Firmen geschlossen". Auf den Arbeitsmarkt hat sich die veränderte Auftragslage kaum ausgewirkt: Die Zahl der beschäftigten Handwerker sank um 1,5 Prozent. Mehr Angestellte gab es im zweiten Quartal lediglich im Bauhauptgewerbe – weniger dafür im Lebensmittelgewerbe und in der Gewerbegruppe Handwerke für den privaten Bedarf.
Corona-Krise

Handwerker in OWL haben weniger zu tun

© Gerald Oswald/Pixabay

Bielefeld/Lemgo. Handwerker in Nordrhein-Westfalen haben während der Corona-Krise weniger Gewinne erzielt als 2019. Das geht aus Zahlen des Landesstatistikamtes IT.NRW hervor. Verglichen zum Vorjahreszeitraum von April bis Juni ist der Umsatz des zulassungspflichtigen Handwerks um 7,8 Prozent zurückgegangen.

Nach Angaben des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer OWL, Wolfgang Borgert, markiert die Corona-Krise „das vorläufige Ende des bislang stärksten Konjunkturzyklus des deutschen Handwerks". Seit dem Lockdown habe sich die Konjunkturlage unterschiedlich dynamisch entwickelt, auch innerhalb der einzelnen Branchen

„Viele Mitgliedsbetriebe berichten von einer weiterhin stabilen Auftragslage." Einer von ihnen ist Frank Niemeier, Obermeister der Baugewerbe in der Innung Bielefeld. Sein Eindruck: „Momentan läuft die Baubranche sehr gut. Wir haben wenig Einschränkungen durch Corona." Zu Beginn der Pandemie hätten einige Privatkunden ihre Anträge zurückgestellt. Inzwischen habe sich die Lage entspannt. Seine 15 Mitarbeiter, die größtenteils im Freien arbeiten, sind in Dreier- oder Vierergruppen aufgeteilt, um das Infektionsrisiko und Ausfälle gering zu halten.

Andere Handwerker treffen die finanziellen Auswirkungen der Pandemie härter. Die Analyse des Statistikamts zeigt, dass von den sieben Gewerbegruppen besonders Arbeitnehmer aus der Kraftfahrtbranche von Einbußen betroffen waren. Ihre Erlöse sanken im zweiten Quartal des Jahres um immerhin ein Fünftel.

Dirk Eilers, Obermeister der Innung des Kfz-und Mechanikerhandwerks Lippe, musste während des Lockdowns seine Ausstellungshalle in Lemgo sechs Monate geschlossen halten. Die vorübergehende Schließung bedeutete für seinen Betrieb einen großen Umsatzeinbruch. Dass einige Corona-Maßnahmen nicht auf landesweiter, sondern auf kommunaler Ebene getroffen wurden, hält er für eine Wettbewerbsverzerrung. Auch dass der Einzelhandel vorübergehend lahmgelegt wurde, während Non-Food-Bereiche in Supermärkten weiter geöffnet waren, kann er sich nicht erklären. Erschwerend komme der bundesweite Zulassungsrückgang von 30 Prozent aufgrund von langen Wartezeiten in den Verkehrsämtern hinzu, sagt Eilers.

In der Autolackiererei und im Karosseriebau gab es deutlich weniger Aufträge. Der Grund: Weniger Unfälle auf den Straßen aufgrund von Home-Office und Kurzarbeit. Auch in diesem Segment gab es einen Rückgang von 30 Prozent. Die Kommunikation mit den Kunden sei erschwert. Aufgrund von Kurzarbeit seien er und seine 23 Mitarbeiter jedoch „gut durchgekommen". Eilers ist überzeugt: „Ohne Kurzarbeit hätten 30 Prozent der Firmen geschlossen".

Auf den Arbeitsmarkt hat sich die veränderte Auftragslage kaum ausgewirkt: Die Zahl der beschäftigten Handwerker sank um 1,5 Prozent. Mehr Angestellte gab es im zweiten Quartal lediglich im Bauhauptgewerbe – weniger dafür im Lebensmittelgewerbe und in der Gewerbegruppe Handwerke für den privaten Bedarf.

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