Haben Aufstiegsfeiern wie in Bielefeld zu mehr Corona-Infektionen geführt? Bielefeld. Die spontane Aufstiegsfeier der Fans des DSC Arminia Bielefeld hat Ende Juni harsche Kritik hervorgerufen - sogar unter den eigenen Anhängern. Mehr als 3.000 Menschen hatten sich allein vor der Schüco-Arena versammelt. Auch in der Stadt feierten Hunderte, als Teile der Mannschaft entgegen der Absprache mit der Stadt am Rathausplatz vorfuhr. Abstand hielten hier die wenigsten, Maske trug kaum jemand. Sogar Oberbürgermeister Pit Clausen war dabei. Es war nach überwiegend disziplinierten Monaten der erste große Ausbruch aus dem Regelkorsett, das Bundesregierung und Länder zum Infektionsschutz geschnürt haben. Arminia entschuldigte sich später für die "Geschehnisse". Doch haben sich deshalb tatsächlich, wie befürchtet, mehr oder überhaupt Menschen mit dem Coronavirus infiziert? Und wie sieht es in Braunschweig und Stuttgart aus, wo es ähnliche Szenen gab? In der Regel zeigt sich eine Corona-Infektion innerhalb der ersten sechs Tage, auskuriert ist sie etwa 14 Tage nach der Ansteckung. In diesem Zeitraum müsste sich eine mögliche Infektion also in jedem Fall in der Statistik niederschlagen - zumindest, wenn der Betroffene getestet wurde. Nicht nur in Bielefeld fanden Fans Gründe, die Vorsicht in den Wind zu schlagen. Beim Mitaufsteiger VfB Stuttgart versammelten sich mehrere hundert Anhänger vor dem Stadion und feierten die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. Da half auch eine Stadiondurchsage wenig, in der der Klub um Auflösung der Versammlung bat. Auf Anfrage hieß es von der Stadt Stuttgart, das Gesundheitsamt frage bei Corona-Fällen "kontinuierlich jede Form von Veranstaltung ab, um eine Erhöhung der Fallzahlen erklären bzw. schnell darauf reagieren zu können". Dass es einen Anstieg der Zahlen "im Zusammenhang mit Feiern sportlicher Erfolge" gegeben habe, sei "nicht bekannt". Der jüngste, leichte Anstieg der Zahlen habe "andere, dem Gesundheitsamt bekannte Gründe". Ähnlich sieht es in Braunschweig aus, wo einem Stadtsprecher zufolge in den vergangenen vier Wochen kein sprunghafter Anstieg der Infektionen zu verzeichnen war. Die Infektionsketten würden wie vorgeschrieben ermittelt, und hätten dann auch Bezüge zur Aufstiegsfeier offengelegt, wenn es sie gegeben hätte. Aber: "Hinweise auf einen Zusammenhang von Neuinfektionen mit Fan-Feiern nach dem Eintracht-Aufstieg hat die Stadt nicht." Und in Bielefeld? Hier teilt die Stadt mit, man habe - anders als offenbar in Stuttgart üblich - nicht explizit nachgehalten, ob neue Corona-Fälle womöglich mit der Aufstiegsfeier in Verbindung stehen. Entsprechend bleibt unklar, ob einzelne Betroffene sich womöglich vor der Schüco-Arena oder am Rathausplatz ansteckten. Aufstiegsfeier wohl kein Infektionsbeschleuniger Signifikante Anstiege gab es in den zwei Wochen nach der Feier am 28. Juni lediglich an zwei Tagen: dem 3. und dem 8. Juli. Hier stieg die Zahl der Infektionen im Vergleich zum Vortag um 8 und 17. Sie standen laut täglichem Corona-Update der Stadt Bielefeld allerdings zu großen Teilen (3 und 12) in Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch in der Fleischverarbeitung bei Tönnies - und damit zumindest mehrheitlich gesichert nicht mit der Aufstiegsfeier. Die Reaktion der Fans ist aber auch Ausdruck dessen, was Robert-Koch-Institut und Uni Erfurt in ihrer regelmäßigen Abfrage des Stimmungsbildes bezüglich Corona in Deutschland zunehmend feststellen: Die Akzeptanz für die Hygiene-Regeln, das Abstandhalten sowie das Tragen einer Maske sinken. Zwar hat das in der Breite noch keine Auswirkungen darauf, ob Menschen sich auch tatsächlich schützen. Die große Mehrheit sagt, dass sie das weiter tut. Doch Fakt ist: Selbst wenn die Aufstiegsfeiern kein beschleunigender Faktor waren, die Infektionszahlen steigen.

Haben Aufstiegsfeiern wie in Bielefeld zu mehr Corona-Infektionen geführt?

Arminias Aufstiegsfeier in der Bielefelder Innenstadt. Masken trugen hier die wenigsten. © Sarah Jonek

Bielefeld. Die spontane Aufstiegsfeier der Fans des DSC Arminia Bielefeld hat Ende Juni harsche Kritik hervorgerufen - sogar unter den eigenen Anhängern. Mehr als 3.000 Menschen hatten sich allein vor der Schüco-Arena versammelt. Auch in der Stadt feierten Hunderte, als Teile der Mannschaft entgegen der Absprache mit der Stadt am Rathausplatz vorfuhr.

Abstand hielten hier die wenigsten, Maske trug kaum jemand. Sogar Oberbürgermeister Pit Clausen war dabei. Es war nach überwiegend disziplinierten Monaten der erste große Ausbruch aus dem Regelkorsett, das Bundesregierung und Länder zum Infektionsschutz geschnürt haben. Arminia entschuldigte sich später für die "Geschehnisse".

Doch haben sich deshalb tatsächlich, wie befürchtet, mehr oder überhaupt Menschen mit dem Coronavirus infiziert? Und wie sieht es in Braunschweig und Stuttgart aus, wo es ähnliche Szenen gab?

In der Regel zeigt sich eine Corona-Infektion innerhalb der ersten sechs Tage, auskuriert ist sie etwa 14 Tage nach der Ansteckung. In diesem Zeitraum müsste sich eine mögliche Infektion also in jedem Fall in der Statistik niederschlagen - zumindest, wenn der Betroffene getestet wurde.

Nicht nur in Bielefeld fanden Fans Gründe, die Vorsicht in den Wind zu schlagen. Beim Mitaufsteiger VfB Stuttgart versammelten sich mehrere hundert Anhänger vor dem Stadion und feierten die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. Da half auch eine Stadiondurchsage wenig, in der der Klub um Auflösung der Versammlung bat.

Auf Anfrage hieß es von der Stadt Stuttgart, das Gesundheitsamt frage bei Corona-Fällen "kontinuierlich jede Form von Veranstaltung ab, um eine Erhöhung der Fallzahlen erklären bzw. schnell darauf reagieren zu können". Dass es einen Anstieg der Zahlen "im Zusammenhang mit Feiern sportlicher Erfolge" gegeben habe, sei "nicht bekannt". Der jüngste, leichte Anstieg der Zahlen habe "andere, dem Gesundheitsamt bekannte Gründe".

Ähnlich sieht es in Braunschweig aus, wo einem Stadtsprecher zufolge in den vergangenen vier Wochen kein sprunghafter Anstieg der Infektionen zu verzeichnen war. Die Infektionsketten würden wie vorgeschrieben ermittelt, und hätten dann auch Bezüge zur Aufstiegsfeier offengelegt, wenn es sie gegeben hätte. Aber: "Hinweise auf einen Zusammenhang von Neuinfektionen mit Fan-Feiern nach dem Eintracht-Aufstieg hat die Stadt nicht."

Und in Bielefeld? Hier teilt die Stadt mit, man habe - anders als offenbar in Stuttgart üblich - nicht explizit nachgehalten, ob neue Corona-Fälle womöglich mit der Aufstiegsfeier in Verbindung stehen. Entsprechend bleibt unklar, ob einzelne Betroffene sich womöglich vor der Schüco-Arena oder am Rathausplatz ansteckten.

Aufstiegsfeier wohl kein Infektionsbeschleuniger

Signifikante Anstiege gab es in den zwei Wochen nach der Feier am 28. Juni lediglich an zwei Tagen: dem 3. und dem 8. Juli. Hier stieg die Zahl der Infektionen im Vergleich zum Vortag um 8 und 17. Sie standen laut täglichem Corona-Update der Stadt Bielefeld allerdings zu großen Teilen (3 und 12) in Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch in der Fleischverarbeitung bei Tönnies - und damit zumindest mehrheitlich gesichert nicht mit der Aufstiegsfeier.

Die Reaktion der Fans ist aber auch Ausdruck dessen, was Robert-Koch-Institut und Uni Erfurt in ihrer regelmäßigen Abfrage des Stimmungsbildes bezüglich Corona in Deutschland zunehmend feststellen: Die Akzeptanz für die Hygiene-Regeln, das Abstandhalten sowie das Tragen einer Maske sinken. Zwar hat das in der Breite noch keine Auswirkungen darauf, ob Menschen sich auch tatsächlich schützen. Die große Mehrheit sagt, dass sie das weiter tut. Doch Fakt ist: Selbst wenn die Aufstiegsfeiern kein beschleunigender Faktor waren, die Infektionszahlen steigen.

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