„Garage 33“ für Start-ups: Ostwestfalen will Gründer-Region werden Paderborn (dpa). Es gibt einen Kickertisch, eine Kaffeemaschine im Wert eines Kleinwagens und einen hippen Loungebereich: Die Statussymbole der Start-up-Kultur sind in der Garage 33 vorhanden. Was sie von anderen Inkubatoren - übersetzt etwa Brutkasten - für Start-ups unterscheidet, ist ihr Standort. Die Garage 33 steht nicht in Berlin, München oder im Silicon Valley in Kalifornien. Sie hat im Mai in Paderborn in Ostwestfalen aufgemacht. „Wir werden überrannt, auch von der Privatwirtschaft aus der Region. Alle Gründergaragen sind besetzt“, sagt Sebastian Vogt, Geschäftsführer der Garage 33. Rund drei Millionen Euro haben Stadt und Universität Paderborn, das Land NRW und die Wirtschaft vor Ort für den Inkubator für Start-ups aus Ostwestwalen-Lippe (OWL) ausgegeben. „Ein Drittel der Förderung zahlen Wirtschaftsunternehmen aus der Region“, sagt Vogt. „Auf diesen Rückhalt sind wir stolz.“ Am Donnerstag kommen zu der bisherigen Summe 750 000 Euro vom Land Nordrhein-Westfalen hinzu. „Wir brauchen Orte wie die Garage 33“, sagt Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). „In einem solchen Klima können den Markt verändernde Innovationen entstehen, die den High-Tech- und Digitalstandort Paderborn weiter voran bringen.“ Ein Zentrum für Start-up-Kultur in OWL - das klingt ungewöhnlich. Start-ups, also Firmen, die jünger als zehn Jahre sind, ein innovatives und auf Wachstum ausgerichtetes, digitales Geschäftsmodell haben, sind bislang vor allem in Großstädten zu finden. Jedes sechste Start-up (17 Prozent) hat laut einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbands Deutsche Start-ups seinen Sitz in Berlin. In NRW ist die Rhein-Ruhr Metropolregion führend. Hier sind laut der Umfrage 14,1 Prozent aller Start-ups zu Hause. Doch langsam etablieren sich Start-up Szenen abseits der großen Städte. „Die Regionen werden stärker, was die Quantität, aber auch was das Potenzial angeht“, sagt Paul Wolter vom Bundesverband Deutsche Start-ups. Dazu zählen etwa die Region Hannover in Niedersachsen, die Region Karlsruhe in Baden-Württemberg - und eben Ostwestfalen-Lippe in NRW. Die Garage 33 in Paderborn ist rund 750 Quadratmeter groß, sie hat Platz für 12 Einzelbüros und 30 Arbeitsplätze in einem Co-Working-Space. Alle Gründer der dort arbeitenden Start-ups stammen aus der Region - viele von der Universität Paderborn. Mit TecUp gibt es an der Universität Paderborn seit 2013 eine Institution, die Studierende systematisch beim Thema Existenzgründung unterstützt. Darunter ist etwa die Firma Intab Pro. Die Macher arbeiten an einer App zur automatischen Absatzprognose bei Bäckereien. „Das Tolle an der Garage 33 ist, dass wir mit anderen Start-ups zusammenkommen und voneinander lernen“, erklärt Mitgründer Marcel Hartmann, der Wirtschaftsinformatik in Paderborn studiert hat. Außerdem gebe es viele Vorträge von etablierten Unternehmern aus der Region. Das helfe, den Anschluss an die lokale Wirtschaft zu finden.„Ostwestfalen-Lippe ist wie ein ungeschliffener Diamant“, sagt Sebastian Borek, Geschäftsführer der Founders Foundation (FF) in Bielefeld. Die FF ist ein weiteres Projekt in OWL, welches sich für eine Start-up-Szene einsetzt. Sie wird von der Bertelsmann-Stiftung getragen, bislang hat sie 17,5 Millionen zur Verfügung gestellt. Für Gründer gibt es mit den vielen wirtschaftlich starken Firmen wie Dr. Oetker und Miele ein tolles Marktumfeld. Doch in den letzten Jahren habe es nur vereinzelt Start-up-Gründungen in OWL gegeben. Das soll sich nun ändern: „Wir sind dabei, ein nachhaltiges Ökosystem für Start-ups in OWL aufzubauen“, erklärt er. Die FF hat sich zum Ziel gesetzt, Gründertalente auszubilden, ein Netzwerk für die Start-up-Szene und einen Fonds für Risikokapitel zu schaffen, eine lebendige Kultur für Start-ups und einen verbesserten Marktzugang zu Firmen zu etablieren. „In zehn Jahren ist OWL im besten Fall der Innovations-Hotspot für Gründer“, sagt Borek. Und tatsächlich ist einiges auf dem Weg: Mit dem Technologiefonds OWL gibt es seit kurzem 13,2 Millionen Risikokapital für Gründer in der Region. Den Fonds tragen unter anderem die Sparkasse Paderborn-Detmold sowie die landeseigene NRW.Bank. Borek hält eine lebendige Start-up Szene in OWL für ausgesprochen wichtig: „Innovationen gehen meist von jungen, beweglichen Unternehmen aus“, sagt er. Damit OWL in Zukunft wirtschaftlich stark bleibe, brauche es die Ideen der jungen Gründer. Den Namen Garage 33 haben die Macher übrigens gewählt, weil der Apple-Gründer Steve Jobs in einer Garage anfing. Die Zahl 33, weil der Inkubator an der A33 steht. Eine Start-up-Szene in der Provinz - das klingt unwahrscheinlich. Doch der Erfolg von Apple war das auch.

„Garage 33“ für Start-ups: Ostwestfalen will Gründer-Region werden

Mit Garage 33 wird ein neuer Standort für Start-ups geschaffen. So will die Politik sicherstellen, dass es dem Wirtschaftsstandort OWL auch in Zukunft gut geht. © Foto: Friso Gentsch/dpa

Paderborn (dpa). Es gibt einen Kickertisch, eine Kaffeemaschine im Wert eines Kleinwagens und einen hippen Loungebereich: Die Statussymbole der Start-up-Kultur sind in der Garage 33 vorhanden. Was sie von anderen Inkubatoren - übersetzt etwa Brutkasten - für Start-ups unterscheidet, ist ihr Standort. Die Garage 33 steht nicht in Berlin, München oder im Silicon Valley in Kalifornien. Sie hat im Mai in Paderborn in Ostwestfalen aufgemacht. „Wir werden überrannt, auch von der Privatwirtschaft aus der Region. Alle Gründergaragen sind besetzt“, sagt Sebastian Vogt, Geschäftsführer der Garage 33.

Rund drei Millionen Euro haben Stadt und Universität Paderborn, das Land NRW und die Wirtschaft vor Ort für den Inkubator für Start-ups aus Ostwestwalen-Lippe (OWL) ausgegeben. „Ein Drittel der Förderung zahlen Wirtschaftsunternehmen aus der Region“, sagt Vogt. „Auf diesen Rückhalt sind wir stolz.“ Am Donnerstag kommen zu der bisherigen Summe 750 000 Euro vom Land Nordrhein-Westfalen hinzu. „Wir brauchen Orte wie die Garage 33“, sagt Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). „In einem solchen Klima können den Markt verändernde Innovationen entstehen, die den High-Tech- und Digitalstandort Paderborn weiter voran bringen.“

Marcel Hartmann, Intab Pro, steht in Paderborn  in einem Büroraum der Garage33. - © Foto: Friso Gentsch/dpa
Marcel Hartmann, Intab Pro, steht in Paderborn  in einem Büroraum der Garage33. - © Foto: Friso Gentsch/dpa

Ein Zentrum für Start-up-Kultur in OWL - das klingt ungewöhnlich. Start-ups, also Firmen, die jünger als zehn Jahre sind, ein innovatives und auf Wachstum ausgerichtetes, digitales Geschäftsmodell haben, sind bislang vor allem in Großstädten zu finden. Jedes sechste Start-up (17 Prozent) hat laut einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbands Deutsche Start-ups seinen Sitz in Berlin. In NRW ist die Rhein-Ruhr Metropolregion führend. Hier sind laut der Umfrage 14,1 Prozent aller Start-ups zu Hause.

Sebastian Vogt ist Geschäftsführer des Techologietransfer- und Existenzgründungs-Center (TecUP) der Universität Paderborn. - © Foto: Friso Gentsch/dpa
Sebastian Vogt ist Geschäftsführer des Techologietransfer- und Existenzgründungs-Center (TecUP) der Universität Paderborn. - © Foto: Friso Gentsch/dpa

Doch langsam etablieren sich Start-up Szenen abseits der großen Städte. „Die Regionen werden stärker, was die Quantität, aber auch was das Potenzial angeht“, sagt Paul Wolter vom Bundesverband Deutsche Start-ups. Dazu zählen etwa die Region Hannover in Niedersachsen, die Region Karlsruhe in Baden-Württemberg - und eben Ostwestfalen-Lippe in NRW.

Die Garage 33 in Paderborn ist rund 750 Quadratmeter groß, sie hat Platz für 12 Einzelbüros und 30 Arbeitsplätze in einem Co-Working-Space. Alle Gründer der dort arbeitenden Start-ups stammen aus der Region - viele von der Universität Paderborn. Mit TecUp gibt es an der Universität Paderborn seit 2013 eine Institution, die Studierende systematisch beim Thema Existenzgründung unterstützt.

Darunter ist etwa die Firma Intab Pro. Die Macher arbeiten an einer App zur automatischen Absatzprognose bei Bäckereien. „Das Tolle an der Garage 33 ist, dass wir mit anderen Start-ups zusammenkommen und voneinander lernen“, erklärt Mitgründer Marcel Hartmann, der Wirtschaftsinformatik in Paderborn studiert hat. Außerdem gebe es viele Vorträge von etablierten Unternehmern aus der Region. Das helfe, den Anschluss an die lokale Wirtschaft zu finden.

„Ostwestfalen-Lippe ist wie ein ungeschliffener Diamant“, sagt Sebastian Borek, Geschäftsführer der Founders Foundation (FF) in Bielefeld. Die FF ist ein weiteres Projekt in OWL, welches sich für eine Start-up-Szene einsetzt. Sie wird von der Bertelsmann-Stiftung getragen, bislang hat sie 17,5 Millionen zur Verfügung gestellt. Für Gründer gibt es mit den vielen wirtschaftlich starken Firmen wie Dr. Oetker und Miele ein tolles Marktumfeld. Doch in den letzten Jahren habe es nur vereinzelt Start-up-Gründungen in OWL gegeben. Das soll sich nun ändern: „Wir sind dabei, ein nachhaltiges Ökosystem für Start-ups in OWL aufzubauen“, erklärt er. Die FF hat sich zum Ziel gesetzt, Gründertalente auszubilden, ein Netzwerk für die Start-up-Szene und einen Fonds für Risikokapitel zu schaffen, eine lebendige Kultur für Start-ups und einen verbesserten Marktzugang zu Firmen zu etablieren. „In zehn Jahren ist OWL im besten Fall der Innovations-Hotspot für Gründer“, sagt Borek.

Und tatsächlich ist einiges auf dem Weg: Mit dem Technologiefonds OWL gibt es seit kurzem 13,2 Millionen Risikokapital für Gründer in der Region. Den Fonds tragen unter anderem die Sparkasse Paderborn-Detmold sowie die landeseigene NRW.Bank.

Borek hält eine lebendige Start-up Szene in OWL für ausgesprochen wichtig: „Innovationen gehen meist von jungen, beweglichen Unternehmen aus“, sagt er. Damit OWL in Zukunft wirtschaftlich stark bleibe, brauche es die Ideen der jungen Gründer.

Den Namen Garage 33 haben die Macher übrigens gewählt, weil der Apple-Gründer Steve Jobs in einer Garage anfing. Die Zahl 33, weil der Inkubator an der A33 steht. Eine Start-up-Szene in der Provinz - das klingt unwahrscheinlich. Doch der Erfolg von Apple war das auch.

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