Arbeitsminister macht Druck Führende Unternehmer aus OWL wehren sich gegen Homeoffice-Forderung Martin Fröhlich Bielefeld (nw). Die Politik macht Druck in Sachen Homeoffice. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat an die Unternehmen appelliert, so viel Homeoffice wie möglich anzubieten. So soll die Gefahr von Ansteckungen mit dem Coronavirus am Arbeitsplatz verringert werden. Der Versuch, einen Rechtsanspruch auf Homeoffice durchzusetzen, war 2020 am Widerstand des SPD-Koalitionspartners CDU/CSU gescheitert. Doch Heil wird wohl einen erneuten Vorstoß unternehmen. Noch immer machten nicht alle Firmen Homeoffice für ihre Arbeitnehmer möglich. Auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hat auf Nachfrage die Betriebe und Unternehmen dazu aufgerufen, alle Möglichkeiten zu prüfen, während der Pandemie noch mehr Homeoffice zu ermöglichen. Führende Unternehmer in OWL kritisieren die Forderungen aus der Politik dagegen scharf. Wilhelm Alexander Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Böllhoff-Gruppe, sagt: "Behauptungen, Unternehmen würden ihren Mitarbeitern das Homeoffice verweigern, sind aus unserer Sicht aus der Luft gegriffen." Mobiles Arbeiten gehöre bei Böllhoff zur betrieblichen Realität. "Homeoffice ist keine Patentlösung für die aktuellen Herausforderungen" Seit Beginn der Pandemie habe man die Anstrengungen massiv erhöht, um "unseren Mitarbeitern das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen". Nun werde politisch etwas gefordert, was betrieblich längst funktioniere. "Falsch ist auch die Vorstellung, Homeoffice wäre eine Patentlösung für die aktuellen Herausforderungen. So kann eine Familie schnell an Grenzen stoßen, wenn sich alle zu Hause gleichzeitig im Homeoffice und im Distanzunterricht befinden." Ein erzwungenes Homeoffice hält auch Reinhard Tweer, Vorstandsvorsitzender des Unternehmerverbands der Metallindustrie Ostwestfalen Bielefeld-Herford-Minden, für den verkehrten Weg: "Eine Pflicht halten wir für nicht zielführend, da viele unserer Mitarbeiter nach kurzer Zeit wieder zurück in den Betrieb wollen. Der gegenseitige Kontakt und die Kommunikation fehlen ihnen." Im Homeoffice, das werde ihm von der Belegschaft bestätigt, leide die Produktivität. "Man hat nicht immer einen perfekt eingerichteten Schreibtisch und oft fehlenden Breitbandausbau, Rücksprachen nehmen Zeit in Anspruch." Er plädiere für die Freiwilligkeit zum Homeoffice. "Die Unternehmer werden als Buhmänner in die Ecke gestellt" Christian Potthoff-Sewing, geschäftsführender Gesellschafter von Poppe+Potthoff, unterstellt der Politik Wahlkampfabsichten: "Der Vorgang folgt wieder dem üblichen Schema: Politiker wollen sich profilieren." Hier solle ein Recht auf Homeoffice durchgesetzt werden, während viele Mitarbeiter froh seien, wenn sie vom Büro aus arbeiten dürften. "Die Unternehmer werden wie üblich als Buhmänner in die Ecke gestellt, die sich gegenüber einer vernünftigen Regelung sperren, und dann gibt es ein Gesetz, das kein Mensch braucht und das zu unnötiger Bürokratie und künstlichen Auseinandersetzungen führt." Potthoff-Sewing forderte zudem den Ausbau "akzeptabler Internetverbindungen". Mehr Infografiken finden Sie bei Statista Dieter Kühnel, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbands der Metallindustrie Ostwestfalen, betont, dass Arbeitsplätze kein Hotspot für Ansteckungen seien. "Dazu beigetragen haben die ohnehin schon umfassenden Arbeitsschutzstandards und seit Ausbruch der Pandemie die penibel umgesetzten Hygieneregeln in den Betrieben." Außerdem müsse klar sein, dass sich viele Arbeitsaufgaben in Industrie, Handwerk und Dienstleistung nicht mobil, sondern nur vor Ort erledigen lassen. "Sei es in der industriellen Produktion, in Bereichen des Handwerks, bei Tätigkeiten im Büro oder an der Kasse im Supermarkt."
Arbeitsminister macht Druck

Führende Unternehmer aus OWL wehren sich gegen Homeoffice-Forderung

Um den Anspruch auf Homeoffice ist öffentlicher Streit entbrannt. © Pixabay

Bielefeld (nw). Die Politik macht Druck in Sachen Homeoffice. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat an die Unternehmen appelliert, so viel Homeoffice wie möglich anzubieten. So soll die Gefahr von Ansteckungen mit dem Coronavirus am Arbeitsplatz verringert werden.

Der Versuch, einen Rechtsanspruch auf Homeoffice durchzusetzen, war 2020 am Widerstand des SPD-Koalitionspartners CDU/CSU gescheitert. Doch Heil wird wohl einen erneuten Vorstoß unternehmen. Noch immer machten nicht alle Firmen Homeoffice für ihre Arbeitnehmer möglich. Auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hat auf Nachfrage die Betriebe und Unternehmen dazu aufgerufen, alle Möglichkeiten zu prüfen, während der Pandemie noch mehr Homeoffice zu ermöglichen.

Führende Unternehmer in OWL kritisieren die Forderungen aus der Politik dagegen scharf. Wilhelm Alexander Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Böllhoff-Gruppe, sagt: "Behauptungen, Unternehmen würden ihren Mitarbeitern das Homeoffice verweigern, sind aus unserer Sicht aus der Luft gegriffen." Mobiles Arbeiten gehöre bei Böllhoff zur betrieblichen Realität.

"Homeoffice ist keine Patentlösung für die aktuellen Herausforderungen"

Wilhelm Alexander Böllhoff. - © Böllhoff
Wilhelm Alexander Böllhoff. - © Böllhoff

Seit Beginn der Pandemie habe man die Anstrengungen massiv erhöht, um "unseren Mitarbeitern das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen". Nun werde politisch etwas gefordert, was betrieblich längst funktioniere. "Falsch ist auch die Vorstellung, Homeoffice wäre eine Patentlösung für die aktuellen Herausforderungen. So kann eine Familie schnell an Grenzen stoßen, wenn sich alle zu Hause gleichzeitig im Homeoffice und im Distanzunterricht befinden."

Ein erzwungenes Homeoffice hält auch Reinhard Tweer, Vorstandsvorsitzender des Unternehmerverbands der Metallindustrie Ostwestfalen Bielefeld-Herford-Minden, für den verkehrten Weg: "Eine Pflicht halten wir für nicht zielführend, da viele unserer Mitarbeiter nach kurzer Zeit wieder zurück in den Betrieb wollen. Der gegenseitige Kontakt und die Kommunikation fehlen ihnen." Im Homeoffice, das werde ihm von der Belegschaft bestätigt, leide die Produktivität. "Man hat nicht immer einen perfekt eingerichteten Schreibtisch und oft fehlenden Breitbandausbau, Rücksprachen nehmen Zeit in Anspruch." Er plädiere für die Freiwilligkeit zum Homeoffice.

"Die Unternehmer werden als Buhmänner in die Ecke gestellt"

Christian Potthoff-Sewing, geschäftsführender Gesellschafter von Poppe+Potthoff, unterstellt der Politik Wahlkampfabsichten: "Der Vorgang folgt wieder dem üblichen Schema: Politiker wollen sich profilieren." Hier solle ein Recht auf Homeoffice durchgesetzt werden, während viele Mitarbeiter froh seien, wenn sie vom Büro aus arbeiten dürften. "Die Unternehmer werden wie üblich als Buhmänner in die Ecke gestellt, die sich gegenüber einer vernünftigen Regelung sperren, und dann gibt es ein Gesetz, das kein Mensch braucht und das zu unnötiger Bürokratie und künstlichen Auseinandersetzungen führt." Potthoff-Sewing forderte zudem den Ausbau "akzeptabler Internetverbindungen".

Infografik: Corona öffnet die Tür zum Homeoffice | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Dieter Kühnel, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbands der Metallindustrie Ostwestfalen, betont, dass Arbeitsplätze kein Hotspot für Ansteckungen seien. "Dazu beigetragen haben die ohnehin schon umfassenden Arbeitsschutzstandards und seit Ausbruch der Pandemie die penibel umgesetzten Hygieneregeln in den Betrieben." Außerdem müsse klar sein, dass sich viele Arbeitsaufgaben in Industrie, Handwerk und Dienstleistung nicht mobil, sondern nur vor Ort erledigen lassen. "Sei es in der industriellen Produktion, in Bereichen des Handwerks, bei Tätigkeiten im Büro oder an der Kasse im Supermarkt."

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