Flüchtlingshelferin aus Bad Oeynhausen zweigt Kindergeld für sich ab Bad Oeynhausen (nw). Deutsche Behörden und ihre Formulare sind auch für Inländer oft schwer verständlich. Der Weg zu den Wohltaten des Sozialstaats führt durch einen sprachlichen Dschungel aus Bürokratendeutsch. Glücklich ist, wer Hilfe hat. Eine Flüchtlingsfamilie, die im Jahr 2017 Zuflucht in Bad Oeynhausen fand, setzte wohl auch deshalb voll auf die Unterstützung einer 38-jährigen Frau, die mit solchen Formularen halbwegs geübt war. Die alleinerziehende Mutter dreier Kinder bot sich den Flüchtlingen an, die Formulare fürs Kindergeld auszufüllen. Allerdings setzte sie nicht die Kontoverbindung der Geflüchteten, sondern ihre eigene Kontonummer ein. Die Familienkasse der Arbeitsagentur zahlte wie beantragt über einen längeren Zeitraum monatlich 1.038 Euro aus - allerdings an die falsche Familie. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat die Dolmetscherin und Flüchtlingshelferin deshalb wegen gewerbsmäßigem Betrug und Urkundenfälschung vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen angeklagt: 11.418 Euro hat die Flüchtlingshelferin zu Unrecht von der Familienkasse bekommen. Die Angeklagte habe durch die Zahlungen ein "auf Dauer angelegtes Einkommen" erhalten, so der Staatsanwalt. Einen Teil hat die Alleinerziehende inzwischen zurückgezahlt Einen Teil des Geldes hat die Flüchtlingshelferin inzwischen - auch unter dem Druck der laufenden Ermittlungen - zurückgezahlt. Vor Gericht ließ sie über ihren Verteidiger ein Geständnis erklären: "Das hat sich alles genauso ereignet, wie von der Staatsanwaltschaft vorgetragen." Zu den Details schwieg die Angeklagte. Sie ist selbst im Jahr 1990 aus dem Libanon nach Deutschland eingewandert, hat keinen Schulabschluss geschafft und keine Lehrstelle bekommen. Die Mutter zieht ihre drei Kinder alleine groß. Das zusätzliche Kindergeld konnte sie offenbar gut gebrauchen, stellte der Richter fest. Trotz Teilrückzahlung ist noch ein Betrag von 4.098 Euro offen, den das Gericht einzieht. Der Richter verurteilte die Angeklagte wie von Staatsanwalt gefordert zu neun Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Sie muss außerdem jeden Monat 50 Euro an die Familie zahlen. Diese Zahlungen werden auf den noch ausstehenden Betrag angerechnet. Zuvor hatte sich das Gericht hinter verschlossenen Türen auf das Strafmaß verständigt. Die Angeklagte hatte keine Vorstrafen und war geständig. "Die Flüchtlinge haben ihnen vertraut", sagte der Richter zur Urteilsbegründung: "Das haben sie ausgenutzt und sich selbst bereichert." Die Angeklagte nahm das Urteil an. Es ist rechtskräftig.

Flüchtlingshelferin aus Bad Oeynhausen zweigt Kindergeld für sich ab

Eine Flüchtlingshelferin aus Bad Oeynhausen hat 11.418 Euro Kindergeld für Flüchtlinge auf ihr Konto abgezweigt. © Pixabay

Bad Oeynhausen (nw). Deutsche Behörden und ihre Formulare sind auch für Inländer oft schwer verständlich. Der Weg zu den Wohltaten des Sozialstaats führt durch einen sprachlichen Dschungel aus Bürokratendeutsch. Glücklich ist, wer Hilfe hat. Eine Flüchtlingsfamilie, die im Jahr 2017 Zuflucht in Bad Oeynhausen fand, setzte wohl auch deshalb voll auf die Unterstützung einer 38-jährigen Frau, die mit solchen Formularen halbwegs geübt war.

Die alleinerziehende Mutter dreier Kinder bot sich den Flüchtlingen an, die Formulare fürs Kindergeld auszufüllen. Allerdings setzte sie nicht die Kontoverbindung der Geflüchteten, sondern ihre eigene Kontonummer ein. Die Familienkasse der Arbeitsagentur zahlte wie beantragt über einen längeren Zeitraum monatlich 1.038 Euro aus - allerdings an die falsche Familie.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat die Dolmetscherin und Flüchtlingshelferin deshalb wegen gewerbsmäßigem Betrug und Urkundenfälschung vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen angeklagt: 11.418 Euro hat die Flüchtlingshelferin zu Unrecht von der Familienkasse bekommen. Die Angeklagte habe durch die Zahlungen ein "auf Dauer angelegtes Einkommen" erhalten, so der Staatsanwalt.

Einen Teil hat die Alleinerziehende inzwischen zurückgezahlt

Einen Teil des Geldes hat die Flüchtlingshelferin inzwischen - auch unter dem Druck der laufenden Ermittlungen - zurückgezahlt. Vor Gericht ließ sie über ihren Verteidiger ein Geständnis erklären: "Das hat sich alles genauso ereignet, wie von der Staatsanwaltschaft vorgetragen."

Zu den Details schwieg die Angeklagte. Sie ist selbst im Jahr 1990 aus dem Libanon nach Deutschland eingewandert, hat keinen Schulabschluss geschafft und keine Lehrstelle bekommen. Die Mutter zieht ihre drei Kinder alleine groß. Das zusätzliche Kindergeld konnte sie offenbar gut gebrauchen, stellte der Richter fest. Trotz Teilrückzahlung ist noch ein Betrag von 4.098 Euro offen, den das Gericht einzieht.

Der Richter verurteilte die Angeklagte wie von Staatsanwalt gefordert zu neun Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Sie muss außerdem jeden Monat 50 Euro an die Familie zahlen. Diese Zahlungen werden auf den noch ausstehenden Betrag angerechnet. Zuvor hatte sich das Gericht hinter verschlossenen Türen auf das Strafmaß verständigt. Die Angeklagte hatte keine Vorstrafen und war geständig. "Die Flüchtlinge haben ihnen vertraut", sagte der Richter zur Urteilsbegründung: "Das haben sie ausgenutzt und sich selbst bereichert."

Die Angeklagte nahm das Urteil an. Es ist rechtskräftig.

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