Familienvater (40) wird unter Tränen freigesprochen Simon Schulz Bad Oeynhausen/Bielefeld. Im Prozess gegen den Vater einer neunköpfigen Familie aus Bad Oeynhausen wurde heute ein Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde um 15 Uhr im Landgericht Bielefeld von allen Vorwürfen freigesprochen. Unter Tränen nahm er das Urteil zur Kenntnis. Zwar habe der Angeklagte ein Motiv und auch Gelegenheit für die Tat gehabt, der nähere Blick auf die Spuren zeigt allerdings die Unschuld des Angeklagten, so der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann. Was ihm vorgeworfen wurde Die Anklage hatte dem Mann vorgeworfen, Ende November 2018 versucht zu haben, das Haus seiner Familie in Brand zu stecken. Ende November 2021 nahm der Fall eine 180 Grad-Wendung. Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Familienvater unschuldig ist. Fall Der gebürtige Syrer stand seit Anfang November wegen des versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung vor Gericht. Er wurde beschuldigt, die von ihm und seiner Familie bewohnte Doppelhaushälfte versucht angezündet und dadurch auch den Tod der im angrenzenden Gebäudeteil lebenden Familie in Kauf genommen zu haben. Das Feuer soll er unmittelbar vor dem Verlassen des Hauses gelegt haben, als sich die Familie A. anschickte, anlässlich einer Hochzeit für zwei Tage nach Berlin zu fahren. Überraschende WendeEnde November letzten Jahres dann die überraschende Wende. Der Familienvater kam wieder auf freiem Fuß. Es sprach einiges dafür, dass sich das Geschehen anders abspielte, wie die Staatsanwaltschaft ursprünglich angenommen hatte. Zwei Tage nach der mutmaßlichen Brandstiftung, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Berlin, hatte Wasim A. in den Abendstunden die Polizei verständigt. Er meldete, dass er beim Betreten des Hauses sofort einen durchdringenden Benzingeruch wahrgenommen habe und nun einen Einbruch vermute. Polizei und Feuerwehr fanden im Haus zwei Brandherde vor, doch waren die Flammen wohl durch Zufall erloschen, bevor sie größeren Schaden anrichten konnten. Die Einsatzkräfte waren im Haus der Familie A. auf Flüssigkeitslachen gestoßen, bei denen es sich um Benzin und Petroleum gehandelt haben dürfte. Der Staatsschutz ermittelte, da auch ein fremdenfeindlicher Anschlag nicht ausgeschlossen wurde. Diese Ermittlungen führten jedoch zu keinem Ergebnis. Stattdessen geriet irgendwann Wasim A. in den Fokus der Polizei: Nicht nur, dass die Ermittler keine Einbruchspuren am an der Albert-Rusch-Straße gelegenen Haus hatten finden können - auch die Geschwindigkeit, mit der sich A. wegen des Schadens an seine Versicherungen gewendet hatte, erschien verdächtig. Tatverdacht nicht mehr zu halten Ein Brandsachverständiger führte in seinem Gutachten vor dem Landgericht aus, dass - sollte das Benzin tatsächlich am 22. November verschüttet worden sein, um das entstehende Gasgemisch zu entzünden - der Kraftstoff bei den auf Kipp stehenden Fenstern bis zur Begehung des Gebäudes durch die Polizei am Vormittag des 25. Novembers weitestgehend verdunstet gewesen wäre. Im Zweifel für den Angeklagten. "Mein Mandant ist glücklich, dass dieser Albtraum endlich ein Ende hat. Der Druck und die Angst waren für ihn enorm", so Verteidiger Dr. Tobias Diedrich. Die Staatsanwaltschaft prüft nun weitere Ermittlungsansätze, um den Fall aufzuklären.

Familienvater (40) wird unter Tränen freigesprochen

Der Angeklagte wurde freigesprochen. © (Archivbild): Wolfgang Rudolf

Bad Oeynhausen/Bielefeld. Im Prozess gegen den Vater einer neunköpfigen Familie aus Bad Oeynhausen wurde heute ein Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde um 15 Uhr im Landgericht Bielefeld von allen Vorwürfen freigesprochen. Unter Tränen nahm er das Urteil zur Kenntnis. Zwar habe der Angeklagte ein Motiv und auch Gelegenheit für die Tat gehabt, der nähere Blick auf die Spuren zeigt allerdings die Unschuld des Angeklagten, so der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann.

Was ihm vorgeworfen wurde

Die Anklage hatte dem Mann vorgeworfen, Ende November 2018 versucht zu haben, das Haus seiner Familie in Brand zu stecken. Ende November 2021 nahm der Fall eine 180 Grad-Wendung. Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Familienvater unschuldig ist.

Fall

Der gebürtige Syrer stand seit Anfang November wegen des versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung vor Gericht. Er wurde beschuldigt, die von ihm und seiner Familie bewohnte Doppelhaushälfte versucht angezündet und dadurch auch den Tod der im angrenzenden Gebäudeteil lebenden Familie in Kauf genommen zu haben. Das Feuer soll er unmittelbar vor dem Verlassen des Hauses gelegt haben, als sich die Familie A. anschickte, anlässlich einer Hochzeit für zwei Tage nach Berlin zu fahren.

Überraschende Wende

Ende November letzten Jahres dann die überraschende Wende. Der Familienvater kam wieder auf freiem Fuß. Es sprach einiges dafür, dass sich das Geschehen anders abspielte, wie die Staatsanwaltschaft ursprünglich angenommen hatte.

Zwei Tage nach der mutmaßlichen Brandstiftung, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Berlin, hatte Wasim A. in den Abendstunden die Polizei verständigt. Er meldete, dass er beim Betreten des Hauses sofort einen durchdringenden Benzingeruch wahrgenommen habe und nun einen Einbruch vermute. Polizei und Feuerwehr fanden im Haus zwei Brandherde vor, doch waren die Flammen wohl durch Zufall erloschen, bevor sie größeren Schaden anrichten konnten.

Die Einsatzkräfte waren im Haus der Familie A. auf Flüssigkeitslachen gestoßen, bei denen es sich um Benzin und Petroleum gehandelt haben dürfte. Der Staatsschutz ermittelte, da auch ein fremdenfeindlicher Anschlag nicht ausgeschlossen wurde. Diese Ermittlungen führten jedoch zu keinem Ergebnis. Stattdessen geriet irgendwann Wasim A. in den Fokus der Polizei: Nicht nur, dass die Ermittler keine Einbruchspuren am an der Albert-Rusch-Straße gelegenen Haus hatten finden können - auch die Geschwindigkeit, mit der sich A. wegen des Schadens an seine Versicherungen gewendet hatte, erschien verdächtig.

Tatverdacht nicht mehr zu halten

Ein Brandsachverständiger führte in seinem Gutachten vor dem Landgericht aus, dass - sollte das Benzin tatsächlich am 22. November verschüttet worden sein, um das entstehende Gasgemisch zu entzünden - der Kraftstoff bei den auf Kipp stehenden Fenstern bis zur Begehung des Gebäudes durch die Polizei am Vormittag des 25. Novembers weitestgehend verdunstet gewesen wäre.

Im Zweifel für den Angeklagten. "Mein Mandant ist glücklich, dass dieser Albtraum endlich ein Ende hat. Der Druck und die Angst waren für ihn enorm", so Verteidiger Dr. Tobias Diedrich. Die Staatsanwaltschaft prüft nun weitere Ermittlungsansätze, um den Fall aufzuklären.

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