Fall Lügde: Hamelner Behörden verweigern Mitarbeit an Aufklärung Lothar Schmalen Düsseldorf/Hameln (nw/los). Die Verweigerungshaltung der Behörden im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont behindert den Landtags-Untersuchungsausschuss zum Kindesmissbrauch von Lügde immer stärker in seiner Arbeit. Für den Ausschuss ist dies gravierend. Denn vor allem das Jugendamt Hameln steht in der Kritik, trotz mehrerer Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung ein kleines Mädchen in die Obhut und dann sogar in die Pflege bei dem später als Haupttäter des Missbrauchs enttarnten Bewohner einer Campingplatzparzelle in Lügde gegeben zu haben. Dabei wird die Liste der Obstruktionen, mit denen die Hamelner Behörden die Aufklärung im Fall Lügde behindern, immer länger. Erst wurden Mitarbeiter des Jugendamtes dabei erwischt, dass sie Akten im Fall des auf dem Campingplatz missbrauchten Mädchens fälschten, dann lieferten die Landkreisbehörden nur Akten, in denen zwar die Opfer mit ihren Klarnamen zu lesen, aber die Namen sämtlicher beteiligter Mitarbeiter geschwärzt waren, schließlich weigerten sich Mitarbeiter des Jugendamtes Hameln-Pyrmont, im Untersuchungsausschuss auch nur eine einzige Frage zu beantworten. Rechtlich vertreten wurden sie dabei von einer Anwältin, die auch den Landkreis Hameln-Pyrmont gegenüber dem Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags vertritt. Erst als dieser Doppelauftrag bekannt wurde, legte die Anwältin ihr Mandat für weitere Zeugen aus dem Jugendamt nieder. Hoffnung auf eine Jugendamts-Mitarbeiterin Diese Jugendamts-Mitarbeiter, die in der kommenden Woche als Zeugen vor den Ausschuss geladen sind, werden nun von einer Kanzlei aus Düsseldorf vertreten. Auch sie wollen keinerlei Fragen der Abgeordneten beantworten. In der kommenden Woche wollte der Untersuchungsausschuss außerdem eine Mitarbeiterin des Hamelner Jobcenters als Zeugin vernehmen. Ihr hatte eine Kollegin aus dem benachbarten Lippe berichtet, dass sie Verdacht gegen den Pflegevater in Lügde wegen sexuellen Missbrauchs geschöpft habe. Und zwar bereits im Herbst 2016, also lange, bevor der jahrelange Missbrauch endlich aufgedeckt worden war. Die Hamelnerin hat nach informationen von nw.de nun nicht einmal mehr die erforderliche Aussagegenehmigung ihres Chefs bekommen. Der ließ den Untersuchungsausschuss wissen, seine Mitarbeiterin müsse vor einem Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags gar nicht aussagen. Jetzt setzt der Untersuchungsausschuss seine letzte Hoffnung auf die Jugendamts-Mitarbeiterin, die für die Pflegschaftsverhältnisse zuständig war, also auch für die Pflegschaft des Campingplatzbewohners. Sie arbeitet heute nicht mehr bei der Hamelner Behörde, wird bei ihrer Vernehmung vor dem Ausschuss von einem Hamelner Anwalt rechtlich begleitet. Der hat jedenfalls bislang dem Ausschuss noch nicht mitgeteilt, dass auch seine Mandantin nichts aussagen werde. Weitere Texte zum Thema gibt es hier.

Fall Lügde: Hamelner Behörden verweigern Mitarbeit an Aufklärung

Windspiele hängen an der eingezäunten Campinghütte. © picture alliance/dpa

Düsseldorf/Hameln (nw/los). Die Verweigerungshaltung der Behörden im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont behindert den Landtags-Untersuchungsausschuss zum Kindesmissbrauch von Lügde immer stärker in seiner Arbeit. Für den Ausschuss ist dies gravierend. Denn vor allem das Jugendamt Hameln steht in der Kritik, trotz mehrerer Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung ein kleines Mädchen in die Obhut und dann sogar in die Pflege bei dem später als Haupttäter des Missbrauchs enttarnten Bewohner einer Campingplatzparzelle in Lügde gegeben zu haben.

Dabei wird die Liste der Obstruktionen, mit denen die Hamelner Behörden die Aufklärung im Fall Lügde behindern, immer länger. Erst wurden Mitarbeiter des Jugendamtes dabei erwischt, dass sie Akten im Fall des auf dem Campingplatz missbrauchten Mädchens fälschten, dann lieferten die Landkreisbehörden nur Akten, in denen zwar die Opfer mit ihren Klarnamen zu lesen, aber die Namen sämtlicher beteiligter Mitarbeiter geschwärzt waren, schließlich weigerten sich Mitarbeiter des Jugendamtes Hameln-Pyrmont, im Untersuchungsausschuss auch nur eine einzige Frage zu beantworten. Rechtlich vertreten wurden sie dabei von einer Anwältin, die auch den Landkreis Hameln-Pyrmont gegenüber dem Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags vertritt. Erst als dieser Doppelauftrag bekannt wurde, legte die Anwältin ihr Mandat für weitere Zeugen aus dem Jugendamt nieder.

Hoffnung auf eine Jugendamts-Mitarbeiterin

Diese Jugendamts-Mitarbeiter, die in der kommenden Woche als Zeugen vor den Ausschuss geladen sind, werden nun von einer Kanzlei aus Düsseldorf vertreten. Auch sie wollen keinerlei Fragen der Abgeordneten beantworten.

In der kommenden Woche wollte der Untersuchungsausschuss außerdem eine Mitarbeiterin des Hamelner Jobcenters als Zeugin vernehmen. Ihr hatte eine Kollegin aus dem benachbarten Lippe berichtet, dass sie Verdacht gegen den Pflegevater in Lügde wegen sexuellen Missbrauchs geschöpft habe. Und zwar bereits im Herbst 2016, also lange, bevor der jahrelange Missbrauch endlich aufgedeckt worden war. Die Hamelnerin hat nach informationen von nw.de nun nicht einmal mehr die erforderliche Aussagegenehmigung ihres Chefs bekommen. Der ließ den Untersuchungsausschuss wissen, seine Mitarbeiterin müsse vor einem Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags gar nicht aussagen.

Jetzt setzt der Untersuchungsausschuss seine letzte Hoffnung auf die Jugendamts-Mitarbeiterin, die für die Pflegschaftsverhältnisse zuständig war, also auch für die Pflegschaft des Campingplatzbewohners. Sie arbeitet heute nicht mehr bei der Hamelner Behörde, wird bei ihrer Vernehmung vor dem Ausschuss von einem Hamelner Anwalt rechtlich begleitet. Der hat jedenfalls bislang dem Ausschuss noch nicht mitgeteilt, dass auch seine Mandantin nichts aussagen werde.

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