Fährmann bringt auch Schafe über die Weser Schiff nutzt Strömung / Landwirte fahren mit Von Milena Tauber "Nur bei Hochwasser über vier Meter lassen wir die Fähre liegen", berichtet der 50-Jährige. Wie zum Beispiel vor etwa drei Wochen, als der Schnee schmolz. Da mussten Fahrgäste dann einen Umweg von 15 Kilometern in Kauf nehmen, um über den Fluss zu kommen.Die Fähre in Hessisch Oldendorf ist eine Gierseil- oder Hochseilfähre - sie nutzt zur Fortbewegung die Strömung des Flusses. Den Motor werfen Lammich und sein Kollege Thomas Henseleit nur an, wenn es wegen Windes und Strömung nötig sein sollte.Oft sind es Landwirte, die sich mit ihren Fahrzeugen zu ihren Äckern ans andere Ufer bringen lassen. Im Sommer nutzen viele Rad- und Motorradfahrer die Fähre. Die Überfahrt dauert zwischen 10 und 15 Minuten. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht. Von November bis März sind die Fährmänner von 8 bis 18 Uhr im Einsatz, im Frühjahr und Sommer geht es morgens schon eine Stunde früher los.Fährmann Lammich kann viele Geschichte erzählen - etwa die von dem Fahrgast, der mit seiner Schafherde von einer Seite zur anderen wollte. "Da war die Fähre voller Schafe. Der Besitzer war Professor und sprach nur Englisch mit den Tieren."Lammich fährt auch manchmal mit nur einem Passagier über die Weser. Und wenn er zwischendurch warten muss, weil es keine Fahrgäste gibt, verrichtet er Wartungsarbeiten, fegt Schnee oder mäht das Gras um das Fährhaus: "Ich glaube, es fängt schon wieder an zu wachsen."Fähre gehört dem Landkreis seit 1977Im vergangenen Jahr gab es im Kreistag Überlegungen, die Fähre stillzulegen, um zu sparen. "Da macht man sich schon seine Gedanken", sagt Lammich. Dem Landkreis gehört die Fähre seit 1977, doch die Verbindung selbst besteht bereits seit mehreren Hundert Jahren. Als Lammich das nächste Mal einen Abgeordneten über die Weser schipperte, sprach er ihn darauf an. "Er beruhigte mich. So schnell würde die Fähre schon nicht abgeschafft."Doch klar ist auch dem 50-Jährigen: Er gehört zu den letzten seiner Art, es gibt nur noch wenige ähnliche Seilfähren über die Weser. Lammich schätzt, dass rund zehn verblieben sind. Er hofft, dass er seine Fähre bis zur Rente steuern kann. "Sie ist eine Tradition und besonders für die Landwirte wichtig."

Fährmann bringt auch Schafe über die Weser

Hessisch Oldendorf (lni). Fährmann Winfried Lammich ist einer der letzten seiner Art in Niedersachsen: Seit 18 Jahren steuert er in Hessisch-Oldendorf eine Seilfähre über die Weser - bei fast jedem Wetter.

Fährmann Winfried Lammich steht auf der Weserfähre Großenwieden auf der Weser bei Hessisch-Oldendorf. Immer weniger Hochseilfähren setzen über die Weser. - © Foto: dpa
Fährmann Winfried Lammich steht auf der Weserfähre Großenwieden auf der Weser bei Hessisch-Oldendorf. Immer weniger Hochseilfähren setzen über die Weser. - © Foto: dpa

"Nur bei Hochwasser über vier Meter lassen wir die Fähre liegen", berichtet der 50-Jährige. Wie zum Beispiel vor etwa drei Wochen, als der Schnee schmolz. Da mussten Fahrgäste dann einen Umweg von 15 Kilometern in Kauf nehmen, um über den Fluss zu kommen.

Die Fähre in Hessisch Oldendorf ist eine Gierseil- oder Hochseilfähre - sie nutzt zur Fortbewegung die Strömung des Flusses. Den Motor werfen Lammich und sein Kollege Thomas Henseleit nur an, wenn es wegen Windes und Strömung nötig sein sollte.

Oft sind es Landwirte, die sich mit ihren Fahrzeugen zu ihren Äckern ans andere Ufer bringen lassen. Im Sommer nutzen viele Rad- und Motorradfahrer die Fähre. Die Überfahrt dauert zwischen 10 und 15 Minuten. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht. Von November bis März sind die Fährmänner von 8 bis 18 Uhr im Einsatz, im Frühjahr und Sommer geht es morgens schon eine Stunde früher los.

Fährmann Lammich kann viele Geschichte erzählen - etwa die von dem Fahrgast, der mit seiner Schafherde von einer Seite zur anderen wollte. "Da war die Fähre voller Schafe. Der Besitzer war Professor und sprach nur Englisch mit den Tieren."

Lammich fährt auch manchmal mit nur einem Passagier über die Weser. Und wenn er zwischendurch warten muss, weil es keine Fahrgäste gibt, verrichtet er Wartungsarbeiten, fegt Schnee oder mäht das Gras um das Fährhaus: "Ich glaube, es fängt schon wieder an zu wachsen."

Fähre gehört dem Landkreis seit 1977

Im vergangenen Jahr gab es im Kreistag Überlegungen, die Fähre stillzulegen, um zu sparen. "Da macht man sich schon seine Gedanken", sagt Lammich. Dem Landkreis gehört die Fähre seit 1977, doch die Verbindung selbst besteht bereits seit mehreren Hundert Jahren. Als Lammich das nächste Mal einen Abgeordneten über die Weser schipperte, sprach er ihn darauf an. "Er beruhigte mich. So schnell würde die Fähre schon nicht abgeschafft."

Doch klar ist auch dem 50-Jährigen: Er gehört zu den letzten seiner Art, es gibt nur noch wenige ähnliche Seilfähren über die Weser. Lammich schätzt, dass rund zehn verblieben sind. Er hofft, dass er seine Fähre bis zur Rente steuern kann. "Sie ist eine Tradition und besonders für die Landwirte wichtig."

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