Extrem-Inzidenz in Espelkamp: Stadt will Quarantäne-Kontrollen ausweiten Frank Hartmann,Karsten Schulz Espelkamp. Bürgermeister Henning Vieker hat den von Ärzten und Ehrenbürgern unterstützten Espelkamper Impfaufruf – eine Besonderheit der Stadt – aktualisiert. Er wolle ihn noch einmal in deutlichen Worten betonen – „aus aktuellem Anlass", so Vieker. Gemeint ist die NRW-weit auffällig hohe Corona-Inzidenz in der Kommune. Auch während der Ratssitzung am Mittwochabend im großen Saal des Bürgerhauses verwies Vieker noch einmal auf den Aufruf. Er betonte in diesem Zusammenhang, dass man – ähnlich wie während der Zeit der Pandemie und des Lockdowns – ständig mit dem Kreis und auch dem Gesundheitsamt in Verbindung stehe, so auch im Augenblick. Die hohen Inzidenzwerte seien somit tägliches Thema. Dennoch müsse er immer wieder feststellen, dass „wir rechtlich wenig Möglichkeiten haben, einzugreifen." Inzidenz nicht alleiniger Maßstab Die Inzidenz sei auch nicht alleiniger Maßstab für weitere mögliche Verordnungen. Natürlich spreche man darüber, welche Möglichkeiten staatlichen Handelns möglich seien. Die Quarantäne-Kontrollen liefen weiter und würden ausgedehnt. Auch die mobilen Impfangebote würden in Absprache mit dem Gesundheitsamt weiter verstärkt. Vieker: „Darauf werden wir achten." Der Bürgermeister verwies zudem auf die Hausärzte und hier vor allem auf die Ostlandpraxis im Ärzehaus „Medici", die auch nicht eigene Patienten impfen würde. Man dürfe nicht vergessen, dass es sich hier um eine kleine, eher isolierte Gruppe handele, die sich jetzt infiziere. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung sei inzwischen geimpft. Sorgen um das Image de Stadt mache er sich nicht so sehr, ihn treibe vor allem die Sorge um das Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen um, machte er deutlich. Der Bürgermeister erinnert daran, dass in Deutschland aus guten Gründen die freie Impfentscheidung gelte: „Diese Entscheidung muss jeder von uns treffen. Mir ist aber sehr wichtig, dass dies auf Basis von seriösen Informationen und Fakten passiert." Vieker: „In unseren Mühlenkreiskliniken liegen, leiden und sterben Menschen, die nicht gegen Corona geimpft sind. Menschen aus unserer Mitte, Familienangehörige, Nachbarn, und das aus allen Altersgruppen." Was hingegen nicht zu sehen sei: Menschen, die als Folge der Corona-Impfung in den Krankenhäusern lägen. Selbst vereinzelte Ausnahmen irgendwo in Deutschland veränderten die positive Bewertung der Schutzimpfungen in keiner Weise. Jenseits der Fakten Von dem Gerücht, dass Coronaleugner und Impfgegner in Espelkamp sich bewusst gegenseitig ansteckten, um sich nicht impfen lassen zu müssen und sich auf diese Weise zu immunisieren, hat der Bürgermeister von nw.de erfahren. Seitdem höre er davon häufig und aus unterschiedlichen Richtungen. Sein Kommentar: „Bisher waren wir nicht in der Lage, dazu konkrete Fälle zu ermitteln." Es werde jedenfalls immer deutlicher, dass alle Menschen irgendwie immunisiert würden: „In allen Bevölkerungsgruppen gibt es dabei Menschen, die den Weg der Infektion gehen wollen. In Espelkamp offenbar leider gehäuft." Mehr zum Thema: "Wir brauchen Verbote": Einwohner wütend über Rekord-Inzidenz in Espelkamp Die Verwaltung stehe selbstverständlich mit gesellschaftlichen Gruppen in Kontakt, dazu gehörten auch Glaubensgemeinschaften. Auf die Frage, welche Rolle neben fundamentalistischen Glaubensgemeinden die Teilnehmer der „Friedensspaziergänge", der rechte Espelkamper Youtuber Matthäus Westfal, der Espelkamper Bündnis-C-Politiker Dietrich Janzen und die AfD Minden-Lübbecke bei der Inzidenzentwicklung in Espelkamp spielen, antwortet der Bürgermeister: „Generell kann man sagen, dass alle, die sich jenseits der Fakten bewegen oder nur Aufmerksamkeit für ihre eigene Person erzeugen wollen, zur allgemeinen Verunsicherung der Bevölkerung beitragen. Das gilt aber für ganz Deutschland." "Das gefährdet Leben" Auch Cornelia Schöder, Leiterin des Krisenstabes in Minden-Lübbecke, äußert sich auf nw.de-Anfrage: „Wir verzeichnen für Espelkamp im Gegensatz zu anderen Kommunen des Kreises und auch landesweit einen auffälligen Anstieg der Fallzahlen. Hier scheint also unter anderem die Impfkampagne des Landes weniger gut zu greifen als in anderen Regionen, sonst müssten auch hier die Zahlen sinken. Wir verzeichnen außerdem einen überproportional hohen Anteil an positiven Getesteten aus Espelkamp unter denjenigen, die so ernsthaft erkrankt sind, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen." Der Kreis habe in den vergangenen Wochen und Monaten mehr mobile Impfangebote in Espelkamp gemacht als in anderen Kommunen des Kreises, „weil wir dort einen entsprechenden Bedarf festgestellt hatten". Offen für rationale Argumente So habe man unter anderem bei öffentlichen Veranstaltungen und in Kirchengemeinden geimpft. Es gebe viele, auch mehrsprachige Informations-, Aufklärungs- und Impfangebote in Espelkamp. Diese hätten viele Menschen erreicht, denen bisher Informationen oder Gelegenheit gefehlt hätten. Die vielfältigen Angebote und Aufklärungsbemühungen könnten „allerdings nur die Menschen erreichen, die für rationale und wissenschaftliche Argumente offen sind". Alles, was dazu führe, dass Menschen sich – wider besseres Wissen – nicht impfen ließen, „verlängert die Pandemie und gefährdet Leben und Gesundheit auch Dritter, die sich nicht selbst schützen können". Andreas Eller, Hausarzt im Stadtbezirk Gabelhorst/Westend, hat ebenfalls von dem Gerücht gehört, dass man sich in bestimmten Bevölkerungskreisen bewusst infizieren lasse, um immunisiert zu sein. Stattdessen würde man sich „verabreden, um Corona-Partys zu feiern". Eller stellt fest, dass er in seiner Praxis „jeden Tag positive Testergebnisse hat". Im Dezember 2020 – auf dem Höhepunkt der laufenden CoronaWelle – habe es weniger positive Ergebnisse gegeben. Gleichzeitig stellt er fest, dass die Impfbereitschaft bei ihm nicht abgenommen habe. Zwei bis vier Personen könne er durchschnittlich täglich in Aufklärungsgesprächen davon überzeugen, sich impfen zu lassen. "Wer Angst hat, soll sich impfen lassen" Natürlich habe es Menschen gegeben, die infolge einer Impfung gestorben seien. „Die sich daraus entwickelnden Gerüchte sind jedoch absoluter Quatsch, dem muss man nur die Zahlen der am Coronavirus Gestorbenen gegenüberstellen", sagt Eller. Es handele sich bei den Impfstoffen um „hochreine Wirkstoffe", die der Körper in der Regel gut aufnehme und vertrage. Rund 1.000 Menschen haben er und sein Team seit Impfbeginn immunisiert, er habe von keinen schwerwiegenden Impffolgen Kenntnis erhalten. Grundsätzlich rät der Hausarzt: „Wer Angst hat, krank zu werden, soll sich impfen lassen. Das ist der beste Schutz."

Extrem-Inzidenz in Espelkamp: Stadt will Quarantäne-Kontrollen ausweiten

Eigentlich ist auf dem Wilhelm-Kern-Platz im Herzen Espelkamps immer etwas los. Während der Ausgangssperre im Januar war das anders. © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp. Bürgermeister Henning Vieker hat den von Ärzten und Ehrenbürgern unterstützten Espelkamper Impfaufruf – eine Besonderheit der Stadt – aktualisiert. Er wolle ihn noch einmal in deutlichen Worten betonen – „aus aktuellem Anlass", so Vieker. Gemeint ist die NRW-weit auffällig hohe Corona-Inzidenz in der Kommune.

Auch während der Ratssitzung am Mittwochabend im großen Saal des Bürgerhauses verwies Vieker noch einmal auf den Aufruf. Er betonte in diesem Zusammenhang, dass man – ähnlich wie während der Zeit der Pandemie und des Lockdowns – ständig mit dem Kreis und auch dem Gesundheitsamt in Verbindung stehe, so auch im Augenblick. Die hohen Inzidenzwerte seien somit tägliches Thema. Dennoch müsse er immer wieder feststellen, dass „wir rechtlich wenig Möglichkeiten haben, einzugreifen."

Inzidenz nicht alleiniger Maßstab

Die Inzidenz sei auch nicht alleiniger Maßstab für weitere mögliche Verordnungen. Natürlich spreche man darüber, welche Möglichkeiten staatlichen Handelns möglich seien. Die Quarantäne-Kontrollen liefen weiter und würden ausgedehnt. Auch die mobilen Impfangebote würden in Absprache mit dem Gesundheitsamt weiter verstärkt.

Vieker: „Darauf werden wir achten." Der Bürgermeister verwies zudem auf die Hausärzte und hier vor allem auf die Ostlandpraxis im Ärzehaus „Medici", die auch nicht eigene Patienten impfen würde. Man dürfe nicht vergessen, dass es sich hier um eine kleine, eher isolierte Gruppe handele, die sich jetzt infiziere. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung sei inzwischen geimpft. Sorgen um das Image de Stadt mache er sich nicht so sehr, ihn treibe vor allem die Sorge um das Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen um, machte er deutlich.

Der Bürgermeister erinnert daran, dass in Deutschland aus guten Gründen die freie Impfentscheidung gelte: „Diese Entscheidung muss jeder von uns treffen. Mir ist aber sehr wichtig, dass dies auf Basis von seriösen Informationen und Fakten passiert." Vieker: „In unseren Mühlenkreiskliniken liegen, leiden und sterben Menschen, die nicht gegen Corona geimpft sind. Menschen aus unserer Mitte, Familienangehörige, Nachbarn, und das aus allen Altersgruppen." Was hingegen nicht zu sehen sei: Menschen, die als Folge der Corona-Impfung in den Krankenhäusern lägen. Selbst vereinzelte Ausnahmen irgendwo in Deutschland veränderten die positive Bewertung der Schutzimpfungen in keiner Weise.

Jenseits der Fakten

Von dem Gerücht, dass Coronaleugner und Impfgegner in Espelkamp sich bewusst gegenseitig ansteckten, um sich nicht impfen lassen zu müssen und sich auf diese Weise zu immunisieren, hat der Bürgermeister von nw.de erfahren. Seitdem höre er davon häufig und aus unterschiedlichen Richtungen. Sein Kommentar: „Bisher waren wir nicht in der Lage, dazu konkrete Fälle zu ermitteln." Es werde jedenfalls immer deutlicher, dass alle Menschen irgendwie immunisiert würden: „In allen Bevölkerungsgruppen gibt es dabei Menschen, die den Weg der Infektion gehen wollen. In Espelkamp offenbar leider gehäuft."

Mehr zum Thema: "Wir brauchen Verbote": Einwohner wütend über Rekord-Inzidenz in Espelkamp

Die Verwaltung stehe selbstverständlich mit gesellschaftlichen Gruppen in Kontakt, dazu gehörten auch Glaubensgemeinschaften. Auf die Frage, welche Rolle neben fundamentalistischen Glaubensgemeinden die Teilnehmer der „Friedensspaziergänge", der rechte Espelkamper Youtuber Matthäus Westfal, der Espelkamper Bündnis-C-Politiker Dietrich Janzen und die AfD Minden-Lübbecke bei der Inzidenzentwicklung in Espelkamp spielen, antwortet der Bürgermeister: „Generell kann man sagen, dass alle, die sich jenseits der Fakten bewegen oder nur Aufmerksamkeit für ihre eigene Person erzeugen wollen, zur allgemeinen Verunsicherung der Bevölkerung beitragen. Das gilt aber für ganz Deutschland."

"Das gefährdet Leben"

Auch Cornelia Schöder, Leiterin des Krisenstabes in Minden-Lübbecke, äußert sich auf nw.de-Anfrage: „Wir verzeichnen für Espelkamp im Gegensatz zu anderen Kommunen des Kreises und auch landesweit einen auffälligen Anstieg der Fallzahlen. Hier scheint also unter anderem die Impfkampagne des Landes weniger gut zu greifen als in anderen Regionen, sonst müssten auch hier die Zahlen sinken. Wir verzeichnen außerdem einen überproportional hohen Anteil an positiven Getesteten aus Espelkamp unter denjenigen, die so ernsthaft erkrankt sind, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen."

Der Kreis habe in den vergangenen Wochen und Monaten mehr mobile Impfangebote in Espelkamp gemacht als in anderen Kommunen des Kreises, „weil wir dort einen entsprechenden Bedarf festgestellt hatten".

Offen für rationale Argumente

So habe man unter anderem bei öffentlichen Veranstaltungen und in Kirchengemeinden geimpft. Es gebe viele, auch mehrsprachige Informations-, Aufklärungs- und Impfangebote in Espelkamp. Diese hätten viele Menschen erreicht, denen bisher Informationen oder Gelegenheit gefehlt hätten. Die vielfältigen Angebote und Aufklärungsbemühungen könnten „allerdings nur die Menschen erreichen, die für rationale und wissenschaftliche Argumente offen sind". Alles, was dazu führe, dass Menschen sich – wider besseres Wissen – nicht impfen ließen, „verlängert die Pandemie und gefährdet Leben und Gesundheit auch Dritter, die sich nicht selbst schützen können".

Andreas Eller, Hausarzt im Stadtbezirk Gabelhorst/Westend, hat ebenfalls von dem Gerücht gehört, dass man sich in bestimmten Bevölkerungskreisen bewusst infizieren lasse, um immunisiert zu sein. Stattdessen würde man sich „verabreden, um Corona-Partys zu feiern". Eller stellt fest, dass er in seiner Praxis „jeden Tag positive Testergebnisse hat".

Im Dezember 2020 – auf dem Höhepunkt der laufenden CoronaWelle – habe es weniger positive Ergebnisse gegeben. Gleichzeitig stellt er fest, dass die Impfbereitschaft bei ihm nicht abgenommen habe. Zwei bis vier Personen könne er durchschnittlich täglich in Aufklärungsgesprächen davon überzeugen, sich impfen zu lassen.

"Wer Angst hat, soll sich impfen lassen"

Natürlich habe es Menschen gegeben, die infolge einer Impfung gestorben seien. „Die sich daraus entwickelnden Gerüchte sind jedoch absoluter Quatsch, dem muss man nur die Zahlen der am Coronavirus Gestorbenen gegenüberstellen", sagt Eller. Es handele sich bei den Impfstoffen um „hochreine Wirkstoffe", die der Körper in der Regel gut aufnehme und vertrage.

Rund 1.000 Menschen haben er und sein Team seit Impfbeginn immunisiert, er habe von keinen schwerwiegenden Impffolgen Kenntnis erhalten. Grundsätzlich rät der Hausarzt: „Wer Angst hat, krank zu werden, soll sich impfen lassen. Das ist der beste Schutz."

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales