Espelkamp: Geringe Kaufkraft ist das Sorgenkind Karsten Schulz Espelkamp. Espelkamp sei die „wirtschaftliche Lokomotive des Lübbecker Landes“. So wirbt jedenfalls die Stadt auf ihrer Homepage und auf den Werbetafeln an den Stadteingängen regelmäßig, um das Image weiter zu verbessern. Die gerade erschienene neueste Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft rückt diese Aussage bei näherer Analyse jedoch in ein etwas anderes Licht. Sie liegt seit Juni 2020 vor und listet alle NRW-Städte und Gemeinden in Form eines Kommunalrankings auf. Dabei werden bestimmte wirtschaftliche Faktoren bewertet und miteinander verglichen. Die Corona-Krise und deren wirtschaftliche Folgen sind allerdings nicht eingeflossen. So heißt es dort, was Ostwestfalen-Lippe angeht, dass die Region hinsichtlich des Innovationsoutputs generell im Landesvergleich „besonders gut aufgestellt ist“. Im Regierungsbezirk Detmold, so geht es weiter, befinden sich mit Blomberg, Schieder-Schwalenberg, Gütersloh, Espelkamp und Harsewinkel gleich fünf Kommunen, die „zu den zehn stärksten in NRW hinsichtlich der Patentanmeldungen gehören“. Die Studie begründet dies, was Espelkamp angeht, mit folgendem Hinweis: „In Espelkamp sitzt mit der Harting Technologiegruppe ein weltweit führender Anbieter von industrieller Verbindungstechnik. Das Unternehmen zeichnet hauptsächlich für die angemeldeten Patente in der Gemeinde Espelkamp verantwortlich.“ Das war es dann aber auch mit den positiven Aussagen. Alle weiteren Zahlen, die dann auf den Tisch kommen, sind alles andere als positiv – oder zumindest nicht besonders gut. Beispielsweise bei der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, auf die Bürgermeister Heinrich Vieker vor allem in seinen zentralen Reden immer wieder hinweist. Er nennt die Zahl 12.000, aber wenn man die gleich große Stadt Lübbecke zum Vergleich nimmt, punktet diese mit 13.000 Arbeitsplätzen. Beim Dynamik-Ranking aller Kommunen in Nordrhein-Westfalen liegt Espelkamp bei insgesamt 396 Kommunen auf Rang 110, Lübbecke auf Platz 188. Diese bessere Platzierung ist vor allem den Patentanmeldungen der Harting Technologiegruppe geschuldet. Beim Niveau-Ranking, bei dem nicht nur Wirtschaftsdaten einfließen, liegt Lübbecke auf dem sehr guten 46. Platz und Espelkamp landet nur auf Platz 230. Beim Niveau-Ranking hat das Institut der deutschen Wirtschaft den Status quo aller Kommunen in Deutschland für den aktuell verfügbaren Zeitpunkt erhoben und miteinander verglichen. Aus allen Indikatoren wird ein Gesamt-Ranking gebildet. Jeder Indikator erhält dabei das gleiche Gewicht. So werden sowohl die Themen Wirtschaft wie auch Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität gleichwertig betrachtet. Ein ganz wichtiger Faktor, der in Espelkamp negativ zu Buche schlägt, ist die Kaufkraft, die von der IHK gerade für OWL erhoben worden ist. So liegt der Einzelhandelsumsatz bei 126 Millionen Euro gesamt, was einer Summe von 5.118 Euro pro Kopf der Bevölkerung entspricht. In Lübbecke sieht das – bei gleicher Einwohnerzahl – deutlich besser aus: Hier liegt der Umsatz bei knapp 192 Millionen Euro und bei einer weitaus stärkeren Kaufkraft pro Kopf der Bevölkerung von 7.543 Euro. Der Einzelhandels-Kaufkraft-Index liegt somit in Espelkamp bei 87,3 und in Lübbecke bei gut 100. Damit gehört Lübbecke allerdings auch zu den Spitzenreitern in Ostwestfalen-Lippe. Nur die Gemeinde Verl liegt mit 106,7 deutlich höher sowie die Städte Rheda-Wiedenbrück und Steinhagen, die jeweils bei gut 104 liegen. Die geringere Kaufkraft hat in Espelkamp „deutlich sichtbare Spuren an der Breslauer Straße hinterlassen“, wie kürzlich SPD-Fraktionsmitglied Hartmut Stickan bei der SPD-Mitgliederversammlung deutlich machte. Dort gebe es fast ausschließlich „Geschäfte im untersten Preislevel“. Es gebe kaum private Investitionsgüter, der Autohandel sei – bis auf eine Ausnahme – fast komplett abgewandert. Stickan: „Wir sollten eine Automeile schaffen, um Kaufkraft zu binden.“

Espelkamp: Geringe Kaufkraft ist das Sorgenkind

Das im Sommer 2019 von der Harting Technologiegruppe eingeweihte European Distribution Center (EDC) hat zusätzliche Arbeitsplätze in Espelkamp geschaffen. Archivfoto: Julia Fahl

Espelkamp. Espelkamp sei die „wirtschaftliche Lokomotive des Lübbecker Landes“. So wirbt jedenfalls die Stadt auf ihrer Homepage und auf den Werbetafeln an den Stadteingängen regelmäßig, um das Image weiter zu verbessern. Die gerade erschienene neueste Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft rückt diese Aussage bei näherer Analyse jedoch in ein etwas anderes Licht.

Sie liegt seit Juni 2020 vor und listet alle NRW-Städte und Gemeinden in Form eines Kommunalrankings auf. Dabei werden bestimmte wirtschaftliche Faktoren bewertet und miteinander verglichen. Die Corona-Krise und deren wirtschaftliche Folgen sind allerdings nicht eingeflossen. So heißt es dort, was Ostwestfalen-Lippe angeht, dass die Region hinsichtlich des Innovationsoutputs generell im Landesvergleich „besonders gut aufgestellt ist“.

Im Regierungsbezirk Detmold, so geht es weiter, befinden sich mit Blomberg, Schieder-Schwalenberg, Gütersloh, Espelkamp und Harsewinkel gleich fünf Kommunen, die „zu den zehn stärksten in NRW hinsichtlich der Patentanmeldungen gehören“.

Die Studie begründet dies, was Espelkamp angeht, mit folgendem Hinweis: „In Espelkamp sitzt mit der Harting Technologiegruppe ein weltweit führender Anbieter von industrieller Verbindungstechnik. Das Unternehmen zeichnet hauptsächlich für die angemeldeten Patente in der Gemeinde Espelkamp verantwortlich.“

Das war es dann aber auch mit den positiven Aussagen. Alle weiteren Zahlen, die dann auf den Tisch kommen, sind alles andere als positiv – oder zumindest nicht besonders gut. Beispielsweise bei der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, auf die Bürgermeister Heinrich Vieker vor allem in seinen zentralen Reden immer wieder hinweist. Er nennt die Zahl 12.000, aber wenn man die gleich große Stadt Lübbecke zum Vergleich nimmt, punktet diese mit 13.000 Arbeitsplätzen. Beim Dynamik-Ranking aller Kommunen in Nordrhein-Westfalen liegt Espelkamp bei insgesamt 396 Kommunen auf Rang 110, Lübbecke auf Platz 188.

Diese bessere Platzierung ist vor allem den Patentanmeldungen der Harting Technologiegruppe geschuldet. Beim Niveau-Ranking, bei dem nicht nur Wirtschaftsdaten einfließen, liegt Lübbecke auf dem sehr guten 46. Platz und Espelkamp landet nur auf Platz 230.

Beim Niveau-Ranking hat das Institut der deutschen Wirtschaft den Status quo aller Kommunen in Deutschland für den aktuell verfügbaren Zeitpunkt erhoben und miteinander verglichen. Aus allen Indikatoren wird ein Gesamt-Ranking gebildet. Jeder Indikator erhält dabei das gleiche Gewicht. So werden sowohl die Themen Wirtschaft wie auch Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität gleichwertig betrachtet. Ein ganz wichtiger Faktor, der in Espelkamp negativ zu Buche schlägt, ist die Kaufkraft, die von der IHK gerade für OWL erhoben worden ist.

So liegt der Einzelhandelsumsatz bei 126 Millionen Euro gesamt, was einer Summe von 5.118 Euro pro Kopf der Bevölkerung entspricht. In Lübbecke sieht das – bei gleicher Einwohnerzahl – deutlich besser aus: Hier liegt der Umsatz bei knapp 192 Millionen Euro und bei einer weitaus stärkeren Kaufkraft pro Kopf der Bevölkerung von 7.543 Euro. Der Einzelhandels-Kaufkraft-Index liegt somit in Espelkamp bei 87,3 und in Lübbecke bei gut 100. Damit gehört Lübbecke allerdings auch zu den Spitzenreitern in Ostwestfalen-Lippe. Nur die Gemeinde Verl liegt mit 106,7 deutlich höher sowie die Städte Rheda-Wiedenbrück und Steinhagen, die jeweils bei gut 104 liegen.

Die geringere Kaufkraft hat in Espelkamp „deutlich sichtbare Spuren an der Breslauer Straße hinterlassen“, wie kürzlich SPD-Fraktionsmitglied Hartmut Stickan bei der SPD-Mitgliederversammlung deutlich machte. Dort gebe es fast ausschließlich „Geschäfte im untersten Preislevel“. Es gebe kaum private Investitionsgüter, der Autohandel sei – bis auf eine Ausnahme – fast komplett abgewandert. Stickan: „Wir sollten eine Automeile schaffen, um Kaufkraft zu binden.“

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