„Es macht handwerklich Spaß, ein Ekel zu spielen“ „Die schwarzen Brüder“ feiern Donnerstag in Bückeburg Premiere / Maite Kelly verkörpert hartherzige Frau Von Christina Sticht Bückeburg (lni). Das Schloss von Alexander zu Schaumburg-Lippe hat viele Kamine: Eine perfekte Kulisse für die deutsche Erstaufführung des Musicals „Die schwarzen Brüder“. Das Stück handelt von versklavten Kaminfegerjungen im 19. Jahrhundert. Vor der Premiere am Donnerstag erzählt Maite Kelly (34) im dpa-Interview, warum Sie das düstere Stück fasziniert und weshalb ihre Auftritte mit der Kelly Family nie Kinderarbeit waren.„Die schwarzen Brüder“ erzählt die Geschichte eines Zwölfjährigen, den seine Eltern um 1850 einem Kinderschlepper anvertrauen. Der Junge wird verkauft, ausgebeutet und misshandelt. Ist Ihnen als fröhlicher Mensch die Story nicht viel zu traurig?Ich bin zwar eine Frohnatur, aber nicht oberflächlich. Mein Leben hatte auch seine dunklen Seiten und Tage. Die Geschichte von den schwarzen Brüdern ist mit Schicksalsschlägen behaftet. Aber es ist kein reines Drama, sondern ein wichtiges Stück, das uns viel über heute erzählen kann.Welche aktuellen Bezüge gibt es?Bolivien hat gerade das Alter für Kinderarbeit auf zehn Jahre herabgesetzt. Wenn Sie mit Kriminalpolizisten sprechen, erfahren Sie, dass Deutschland ein großes Zentrum in Europa für Menschenhandel ist. Es gibt bei uns viele junge Mädchen, die als Zwangsprostituierte arbeiten. Wir sollten das Weggucken bei diesem Thema verlernen.Sie sind von klein an mit der Kelly Family aufgetreten, erst als Straßenmusiker, Mitte der 90er hat Ihre Familie große Hallen gefüllt. Haben Sie das als Kinderarbeit empfunden?Nein! Ich habe nie so lange auf der Bühne stehen dürfen, wie ich wollte. Bis ich zwölf war, waren es immer nur 20, 30 Minuten. Das ist eine ganz andere Geschichte. Wir waren Künstler und hatten ein Hippie-Leben.Im Musical spielen Sie die hartherzige Frau eines Kaminfegermeisters. Macht es Spaß, ein Ekel zu sein? Es macht handwerklich sehr viel Spaß, ein Ekel zu spielen. Wenn die Menschen mich nicht mögen, ist es genau richtig. Sie sollen ruhig denken, wann ist die endlich weg? Aber Frau Rossi ist nicht sadistisch-böse, sondern durch das Leben sehr hart geworden. Es gibt Momente, in denen ich zeige, dass hinter dieser Mauer eine überforderte Frau steckt.Sie erwarten im Oktober Ihr drittes Kind. Ist es ein anderes Gefühl, schwanger auf der Bühne zu stehen?Ich war bei allen Schwangerschaften bis zu fünf Wochen vor der Entbindung auf der Bühne. Musik ist wie die Schwangerschaft das natürlichste der Welt. Ich merke, das Singen tut meinem Körper und dem Kind gut. Ich bin extrem fit, wenn ich schwanger bin. Witzigerweise bekomme ich diese Frage nur in Deutschland gestellt. In Frankreich ist es total normal, dass Frauen bis zum Mutterschutz arbeiten. Ich kann und ich darf.

„Es macht handwerklich Spaß, ein Ekel zu spielen“

Maite Kelly spielt im Musical "Die schwarzen Brüder" in Bückeburg mit. © dpa

Bückeburg (lni). Das Schloss von Alexander zu Schaumburg-Lippe hat viele Kamine: Eine perfekte Kulisse für die deutsche Erstaufführung des Musicals „Die schwarzen Brüder“. Das Stück handelt von versklavten Kaminfegerjungen im 19. Jahrhundert. Vor der Premiere am Donnerstag erzählt Maite Kelly (34) im dpa-Interview, warum Sie das düstere Stück fasziniert und weshalb ihre Auftritte mit der Kelly Family nie Kinderarbeit waren.

„Die schwarzen Brüder“ erzählt die Geschichte eines Zwölfjährigen, den seine Eltern um 1850 einem Kinderschlepper anvertrauen. Der Junge wird verkauft, ausgebeutet und misshandelt. Ist Ihnen als fröhlicher Mensch die Story nicht viel zu traurig?
Ich bin zwar eine Frohnatur, aber nicht oberflächlich. Mein Leben hatte auch seine dunklen Seiten und Tage. Die Geschichte von den schwarzen Brüdern ist mit Schicksalsschlägen behaftet. Aber es ist kein reines Drama, sondern ein wichtiges Stück, das uns viel über heute erzählen kann.

Welche aktuellen Bezüge gibt es?
Bolivien hat gerade das Alter für Kinderarbeit auf zehn Jahre herabgesetzt. Wenn Sie mit Kriminalpolizisten sprechen, erfahren Sie, dass Deutschland ein großes Zentrum in Europa für Menschenhandel ist. Es gibt bei uns viele junge Mädchen, die als Zwangsprostituierte arbeiten. Wir sollten das Weggucken bei diesem Thema verlernen.

Sie sind von klein an mit der Kelly Family aufgetreten, erst als Straßenmusiker, Mitte der 90er hat Ihre Familie große Hallen gefüllt. Haben Sie das als Kinderarbeit empfunden?
Nein! Ich habe nie so lange auf der Bühne stehen dürfen, wie ich wollte. Bis ich zwölf war, waren es immer nur 20, 30 Minuten. Das ist eine ganz andere Geschichte. Wir waren Künstler und hatten ein Hippie-Leben.

Im Musical spielen Sie die hartherzige Frau eines Kaminfegermeisters. Macht es Spaß, ein Ekel zu sein?

Es macht handwerklich sehr viel Spaß, ein Ekel zu spielen. Wenn die Menschen mich nicht mögen, ist es genau richtig. Sie sollen ruhig denken, wann ist die endlich weg? Aber Frau Rossi ist nicht sadistisch-böse, sondern durch das Leben sehr hart geworden. Es gibt Momente, in denen ich zeige, dass hinter dieser Mauer eine überforderte Frau steckt.

Sie erwarten im Oktober Ihr drittes Kind. Ist es ein anderes Gefühl, schwanger auf der Bühne zu stehen?
Ich war bei allen Schwangerschaften bis zu fünf Wochen vor der Entbindung auf der Bühne. Musik ist wie die Schwangerschaft das natürlichste der Welt. Ich merke, das Singen tut meinem Körper und dem Kind gut. Ich bin extrem fit, wenn ich schwanger bin. Witzigerweise bekomme ich diese Frage nur in Deutschland gestellt. In Frankreich ist es total normal, dass Frauen bis zum Mutterschutz arbeiten. Ich kann und ich darf.

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.