Einkaufswahn - Krisenstabschef fordert zum Verlassen der Innenstadt auf Bielefeld. Ausnahmezustand am „Black Friday" in der Bielefelder City. Die Bielefelder drängen so machtvoll in die Innenstadt, dass sich am Abend, noch deutlich vor Ladenschluss, der Krisenstabschef Ingo Nürnberger veranlasst sieht, die Menschen zum Verlassen der Innenstadt aufzufordern. Das Ordnungsamt musste teils sogar den Verkehr regeln. Bereits am frühen Nachmittag, gegen 14 Uhr, haben sich nach Beobachtungen der NW lange Schlangen vor dem Bekleidungsgeschäft „Zara" gebildet: Von rechts und links wollen die Schnäppchenjäger in den Laden. Ein Mann hat Mühe, den Einlass zu koordinieren. Sind gerade wieder ein paar Menschen drin, haben sich schon fünf neue am Ende der Schlange angestellt. Auch bei „TK Maxx" strömen immer wieder Menschen ins Geschäft, andere rücken in der Schlange nach. Auf der Bahnhofstraße sind viele Kauflustige mit dicken Tüten bepackt und strömen von Geschäft zu Geschäft. Kleidung, Schuhe und Parfüm sind – zumindest nach den Tüten zu urteilen – ganz hoch im Kurs. Auf ihre Ausbeute angesprochen, ist allerdings niemand so recht in Plauderlaune. „Ich muss schnell weiter", sagt eine Frau im Eiltempo, zwei Tüten am Arm baumelnd. Auch ein älterer Herr hat keine Zeit für Auskünfte. „Meine Frau wartet auf mich", sagt er entschuldigend. Immerhin berichtet eine Frau, dass sie Spielzeug für ihren Sohn zu Weihnachten ergattern konnte. „Es gab 20 Prozent", sagt sie, ehe sie auch schon von ihrem Begleiter am Arm weitergezogen wird. Von Corona ist fast keine Spur, außer dass alle eine Mund-Nase-Bedeckung tragen und sich hier und dort bemüht wird, zumindest etwas Abstand in der Schlange zum Vordermann zu halten. Viele Schnäppchen für junge Käufer Ortswechsel: Auch im Loom warten viele Rabatte auf die Kunden: 20 Prozent, 30 Prozent, 50 Prozent. Das kommt vor allem bei den jungen Käufern an. Vor „Bershka", „Pull & Bear" und „JD Sports" warten viele in meterlangen Schlangen darauf, endlich reingelassen zu werden. „Wir warten doch jetzt bestimmt schon 30 Minuten", raunt ein junger Mann seinem Kumpel zu. Wenige Minuten später, wenige Meter weiter: Eine Frau kommt mit einer dicken Tüte aus einem Bekleidungsgeschäft heraus. „Guck mal Schatz, gab 30 Prozent", ruft sie ihrer draußen wartenden Shopping-Begleitung zu und wedelt mit ihrer Ausbeute. „Schatz" zeigt sich allerdings wenig begeistert. „Du hast doch schon so viel", murmelt er und fängt sich einen bösen Blick ein. 16.15 Uhr: Die City hat sich noch einmal deutlich gefüllt. Vor den meisten großen Geschäften ist jetzt großes Warten und Anstehen angesagt. Auch in Nebenzentren wie Schildesche steppt der Bär. Aus dem Einkaufszentrum am Media-Markt ist teilweise kein Entkommen mehr, der Verkehr staut sich. 18 Uhr: Es sind noch einmal mehr Menschen unterwegs, vor allem auf der Bahnhofstraße kreuz und quer, oftmals auch dicht an dicht. Der Mindestabstand lässt zu wünschen übrig. Für das Ordnungsamt, das bereits an diesem Hotspot alle Kräfte gebündelt hat, ist das Maß voll. Dessen Chef Friedhelm Feldmann informiert Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger. Der entscheidet, dass die Lage zu kritisch wird und ruft zunächst über Radio Bielefeld die Menschen auf, umgehend die Innenstadt zu verlassen. Andere werden gebeten, sich gar nicht erst auf den Weg zu machen. Die Ordnungsamtsmitarbeiter nutzen Megafone, auch um die Menschen an die Einhaltung der Maskenpflicht zu erinnern. Auch in Köln mussten nach Angaben der dortigen  Stadtverwaltung zwei Shopping-Center am Black Friday zeitweise die Tore schließen.

Einkaufswahn - Krisenstabschef fordert zum Verlassen der Innenstadt auf

Erst nach 20 Uhr wird es in der Innenstadt deutlich leerer. Die Ordnungsamtsmitarbeiter müssen das Megafon nicht mehr zum Einsatz bringen. © Barbara Franke

Bielefeld. Ausnahmezustand am „Black Friday" in der Bielefelder City. Die Bielefelder drängen so machtvoll in die Innenstadt, dass sich am Abend, noch deutlich vor Ladenschluss, der Krisenstabschef Ingo Nürnberger veranlasst sieht, die Menschen zum Verlassen der Innenstadt aufzufordern. Das Ordnungsamt musste teils sogar den Verkehr regeln.

Bereits am frühen Nachmittag, gegen 14 Uhr, haben sich nach Beobachtungen der NW lange Schlangen vor dem Bekleidungsgeschäft „Zara" gebildet: Von rechts und links wollen die Schnäppchenjäger in den Laden. Ein Mann hat Mühe, den Einlass zu koordinieren. Sind gerade wieder ein paar Menschen drin, haben sich schon fünf neue am Ende der Schlange angestellt. Auch bei „TK Maxx" strömen immer wieder Menschen ins Geschäft, andere rücken in der Schlange nach.

Schon am Nachmittag deutet sich an, dass die Schnäppchenjagd zum Kontrollverlust führen könnte. Lange Schlangen bilden sich vor allem in der Bahnhofstraße vor den Läden. - © Wolfgang Rudolf
Schon am Nachmittag deutet sich an, dass die Schnäppchenjagd zum Kontrollverlust führen könnte. Lange Schlangen bilden sich vor allem in der Bahnhofstraße vor den Läden. - © Wolfgang Rudolf

Auf der Bahnhofstraße sind viele Kauflustige mit dicken Tüten bepackt und strömen von Geschäft zu Geschäft. Kleidung, Schuhe und Parfüm sind – zumindest nach den Tüten zu urteilen – ganz hoch im Kurs. Auf ihre Ausbeute angesprochen, ist allerdings niemand so recht in Plauderlaune. „Ich muss schnell weiter", sagt eine Frau im Eiltempo, zwei Tüten am Arm baumelnd. Auch ein älterer Herr hat keine Zeit für Auskünfte. „Meine Frau wartet auf mich", sagt er entschuldigend. Immerhin berichtet eine Frau, dass sie Spielzeug für ihren Sohn zu Weihnachten ergattern konnte. „Es gab 20 Prozent", sagt sie, ehe sie auch schon von ihrem Begleiter am Arm weitergezogen wird.

Von Corona ist fast keine Spur, außer dass alle eine Mund-Nase-Bedeckung tragen und sich hier und dort bemüht wird, zumindest etwas Abstand in der Schlange zum Vordermann zu halten.

Viele Schnäppchen für junge Käufer

Ortswechsel: Auch im Loom warten viele Rabatte auf die Kunden: 20 Prozent, 30 Prozent, 50 Prozent. Das kommt vor allem bei den jungen Käufern an. Vor „Bershka", „Pull & Bear" und „JD Sports" warten viele in meterlangen Schlangen darauf, endlich reingelassen zu werden. „Wir warten doch jetzt bestimmt schon 30 Minuten", raunt ein junger Mann seinem Kumpel zu. Wenige Minuten später, wenige Meter weiter: Eine Frau kommt mit einer dicken Tüte aus einem Bekleidungsgeschäft heraus. „Guck mal Schatz, gab 30 Prozent", ruft sie ihrer draußen wartenden Shopping-Begleitung zu und wedelt mit ihrer Ausbeute. „Schatz" zeigt sich allerdings wenig begeistert. „Du hast doch schon so viel", murmelt er und fängt sich einen bösen Blick ein.

16.15 Uhr: Die City hat sich noch einmal deutlich gefüllt. Vor den meisten großen Geschäften ist jetzt großes Warten und Anstehen angesagt. Auch in Nebenzentren wie Schildesche steppt der Bär. Aus dem Einkaufszentrum am Media-Markt ist teilweise kein Entkommen mehr, der Verkehr staut sich.

18 Uhr: Es sind noch einmal mehr Menschen unterwegs, vor allem auf der Bahnhofstraße kreuz und quer, oftmals auch dicht an dicht. Der Mindestabstand lässt zu wünschen übrig. Für das Ordnungsamt, das bereits an diesem Hotspot alle Kräfte gebündelt hat, ist das Maß voll. Dessen Chef Friedhelm Feldmann informiert Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger. Der entscheidet, dass die Lage zu kritisch wird und ruft zunächst über Radio Bielefeld die Menschen auf, umgehend die Innenstadt zu verlassen. Andere werden gebeten, sich gar nicht erst auf den Weg zu machen. Die Ordnungsamtsmitarbeiter nutzen Megafone, auch um die Menschen an die Einhaltung der Maskenpflicht zu erinnern.

Auch in Köln mussten nach Angaben der dortigen  Stadtverwaltung zwei Shopping-Center am Black Friday zeitweise die Tore schließen.

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