Eigentümer treiben Mietkosten immer weiter in die Höhe - mit teils sehr skurrilen Tricks Ansgar Mönter Bielefeld. Wenn der Preis für ein Produkt um mehr als 40 Prozent innerhalb von zehn Jahren steigt, ist das dann viel oder wenig? Es kommt darauf an, wie der Fall betrachtet wird. In Bielefeld sind die Wiedervermietungsmieten zwischen 2011 und 2020 um 41,8 Prozent gestiegen. Konkret bedeutet das: 2011 wurde eine frei gewordene Wohnung für durchschnittlich 5,59 Euro pro Quadratmeter wieder vermietet, im Jahr 2020 für 7,93 Euro. Macht 2.34 Euro mehr. Die Daten stammen vom Bundesinnenministerium. Die Partei Die Linke hatte sie abgefragt. Auf NRW bezogen ist die Preissteigerung innerhalb eines Jahrzehnts bei der Wiedervermietung damit in Bielefeld am Dritthöchsten unter den kreisfreien Städten – nach Münster und Dortmund. Die teuerste Stadt des Landes ist Bielefeld damit aber längst nicht. Köln, Düsseldorf, Münster und Bonn kosten deutlich mehr, Leverkusen ein bisschen mehr, Dortmund, Krefeld, Essen und Bochum etwas weniger. Aber es ist ein Trend zu erkennen.  Ralf Brodda vom Mieterbund OWL verortet Bielefeld inzwischen im „oberen Mittelfeld" bei den Mietkosten in NRW. »Es kann nicht zehn Jahre alles unverändert bleiben« Daniela Niermann vom Verein Haus & Grund in Bielefeld, der eher die kleineren Vermieter vertritt, kann in den statistischen Zahlen keine Dramatik erkennen. „Man kann doch nicht verlangen, dass die Preise innerhalb von zehn Jahren unverändert bleiben", sagt sie. Laut Niermann halten sich die Mitglieder von Haus & Grund zum sehr großen Teil an die Vorgaben des örtlichen Mietspiegels. Preistreiber seien sie demnach nicht. Dafür seien eher andere Faktoren verantwortlich: die rasant steigenden Baukosten, die vielen Auflagen für Bauherren und die enorm gestiegenen Nebenkosten, die Mieter wie eine „zweite Miete" belasten. Dieser Analyse stimmt Ralf Brodda zum großen Teil zu, die Vermieter nimmt er dennoch nicht ganz aus der Verantwortung für die Entwicklung, die dafür sorgt, dass inzwischen viele Menschen bis zur Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen müssen. „Es stimmt", sagt Brodda, „dass sich vor allem die Vermieter, die Haus & Grund vertritt, an die Werte des Mietspiegels halten. Aber es gibt andere, große Vermieter, die immer den obersten Wert des Mietspiegels veranschlagen, obwohl das nicht immer gerechtfertigt ist. Das treibt die Preise in die Höhe." In der Kritik ist deshalb immer wieder die LEG. Die Gesellschaft hat zahlreiche Miethäuser in Bielefeld. Wie Daniela Niermann von Haus & Grund sieht Mieterbund-Geschäftsführer Brodda gerade die so genannte zweite Miete als ganz großen Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt. Neben den steigenden Energiekosten gäbe es aus seiner Sicht jedoch durchaus Möglichkeiten der Vermieter, daran etwas zu ändern. So seien längst nicht alle Dienstleistungen, die von Vermietern eingekauft und auf die Mieter umgeschlagen werden, sinnvoll oder günstig. »Häuser, die gegen Vulkanausbrüche versichert sind« Es gibt zum Beispiel große Wohnungsgesellschaften, die Hausmeister- und Gärtnerdienste abrechnen, ohne dass diese Arbeiten entweder nachprüfbar oder gar von Nutzen für die Mieter seien. Auch Aufzüge werden mitunter vier mal pro Jahr überprüft, wo einmal genügen würde und kostengünstiger sei; dann noch die mitunter überteuerte Wartung von Rauchmeldern, das Ablesen von Zählern; ebenso Hausversicherungen – alles Leistungen, die oftmals überflüssig oder billiger zu haben seien. „Es gibt in Bielefeld Vermieter, die ihre Immobilie gegen Vulkanausbrüche versichert haben", nennt Brodda eine Absurdität. Bezahlen müssen diesen Unfug die Mieter. Die Frage stelle sich auch, ob eine externe Hausreinigung immer die beste Lösung sei. Wenn die Mieter es selbst übernehmen, seien Kosten gespart. Es gibt demnach Möglichkeiten, die zweiten Miete zu drücken, so das Fazit. Was weder Mieter noch Vermieter in der Hand haben, sind die externen Faktoren: Baupreise, Grundstückspreise, Bauauflagen und Energiekosten. Und die kennen seit langer Zeit nur eine Richtung: nach oben.

Eigentümer treiben Mietkosten immer weiter in die Höhe - mit teils sehr skurrilen Tricks

Die Mieten an sich sind schon sehr hoch in Bielefeld. Die Nebenkosten sind kaum noch bezahlbar. © Symbolfoto

Bielefeld. Wenn der Preis für ein Produkt um mehr als 40 Prozent innerhalb von zehn Jahren steigt, ist das dann viel oder wenig? Es kommt darauf an, wie der Fall betrachtet wird. In Bielefeld sind die Wiedervermietungsmieten zwischen 2011 und 2020 um 41,8 Prozent gestiegen. Konkret bedeutet das: 2011 wurde eine frei gewordene Wohnung für durchschnittlich 5,59 Euro pro Quadratmeter wieder vermietet, im Jahr 2020 für 7,93 Euro. Macht 2.34 Euro mehr.

Die Daten stammen vom Bundesinnenministerium. Die Partei Die Linke hatte sie abgefragt. Auf NRW bezogen ist die Preissteigerung innerhalb eines Jahrzehnts bei der Wiedervermietung damit in Bielefeld am Dritthöchsten unter den kreisfreien Städten – nach Münster und Dortmund. Die teuerste Stadt des Landes ist Bielefeld damit aber längst nicht. Köln, Düsseldorf, Münster und Bonn kosten deutlich mehr, Leverkusen ein bisschen mehr, Dortmund, Krefeld, Essen und Bochum etwas weniger. Aber es ist ein Trend zu erkennen.  Ralf Brodda vom Mieterbund OWL verortet Bielefeld inzwischen im „oberen Mittelfeld" bei den Mietkosten in NRW.

»Es kann nicht zehn Jahre alles unverändert bleiben«

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Jeden Donnerstag von unserer Lokalchefin Andrea Rolfes

Daniela Niermann vom Verein Haus & Grund in Bielefeld, der eher die kleineren Vermieter vertritt, kann in den statistischen Zahlen keine Dramatik erkennen. „Man kann doch nicht verlangen, dass die Preise innerhalb von zehn Jahren unverändert bleiben", sagt sie. Laut Niermann halten sich die Mitglieder von Haus & Grund zum sehr großen Teil an die Vorgaben des örtlichen Mietspiegels. Preistreiber seien sie demnach nicht. Dafür seien eher andere Faktoren verantwortlich: die rasant steigenden Baukosten, die vielen Auflagen für Bauherren und die enorm gestiegenen Nebenkosten, die Mieter wie eine „zweite Miete" belasten.

Dieser Analyse stimmt Ralf Brodda zum großen Teil zu, die Vermieter nimmt er dennoch nicht ganz aus der Verantwortung für die Entwicklung, die dafür sorgt, dass inzwischen viele Menschen bis zur Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen müssen. „Es stimmt", sagt Brodda, „dass sich vor allem die Vermieter, die Haus & Grund vertritt, an die Werte des Mietspiegels halten. Aber es gibt andere, große Vermieter, die immer den obersten Wert des Mietspiegels veranschlagen, obwohl das nicht immer gerechtfertigt ist. Das treibt die Preise in die Höhe." In der Kritik ist deshalb immer wieder die LEG. Die Gesellschaft hat zahlreiche Miethäuser in Bielefeld.

Wie Daniela Niermann von Haus & Grund sieht Mieterbund-Geschäftsführer Brodda gerade die so genannte zweite Miete als ganz großen Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt. Neben den steigenden Energiekosten gäbe es aus seiner Sicht jedoch durchaus Möglichkeiten der Vermieter, daran etwas zu ändern. So seien längst nicht alle Dienstleistungen, die von Vermietern eingekauft und auf die Mieter umgeschlagen werden, sinnvoll oder günstig.

»Häuser, die gegen Vulkanausbrüche versichert sind«

Es gibt zum Beispiel große Wohnungsgesellschaften, die Hausmeister- und Gärtnerdienste abrechnen, ohne dass diese Arbeiten entweder nachprüfbar oder gar von Nutzen für die Mieter seien. Auch Aufzüge werden mitunter vier mal pro Jahr überprüft, wo einmal genügen würde und kostengünstiger sei; dann noch die mitunter überteuerte Wartung von Rauchmeldern, das Ablesen von Zählern; ebenso Hausversicherungen – alles Leistungen, die oftmals überflüssig oder billiger zu haben seien. „Es gibt in Bielefeld Vermieter, die ihre Immobilie gegen Vulkanausbrüche versichert haben", nennt Brodda eine Absurdität. Bezahlen müssen diesen Unfug die Mieter.

Die Frage stelle sich auch, ob eine externe Hausreinigung immer die beste Lösung sei. Wenn die Mieter es selbst übernehmen, seien Kosten gespart. Es gibt demnach Möglichkeiten, die zweiten Miete zu drücken, so das Fazit. Was weder Mieter noch Vermieter in der Hand haben, sind die externen Faktoren: Baupreise, Grundstückspreise, Bauauflagen und Energiekosten. Und die kennen seit langer Zeit nur eine Richtung: nach oben.

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