Drogenlabor-Prozess: Rätsel um verschwundene Tür Sandra Spieker Preußisch Oldendorf/Bielefeld (nw). Vor fast genau zwei Jahren, am 28. April 2019, flog es auf, das Drogenlabor in der unscheinbaren Halle in Börninghausen – eher zufällig, durch einen Kabelbrand. Wer arbeitete zu der Zeit in dem viergeteilten Hallenkomplex an der Ravensberger Straße und könnte etwas von den Machenschaften dort mitbekommen haben? Darum ging es bei der Fortsetzung des Prozesses vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld am Freitag. Bis zu jenem 28. April sollen die beiden Angeklagten, ein 31-jähriger Rödinghauser und ein 39-jähriger Preußisch Oldendorfer zusammen mit weiteren Hintermännern in der Halle in großem Stil Amphetaminöl hergestellt haben, das wiederum zur Herstellung von synthetischen Drogen weiterverkauft worden sein soll. Ein 52-jähriger Preußisch Oldendorfer, Inhaber einer Dienstleistungsfirma, hatte zu der fraglichen Zeit den Hallenteil direkt neben der Drogenküche angemietet. Er lagerte hier Geräte und Werkzeuge. Täglich seien er und seine Mitarbeiter vor Ort gewesen, sagte er vor Gericht. Jeweils in den Morgen- und Abendstunden, um Werkzeuge und Geräte abzuholen und wiederzubringen. Mitbekommen, was in der Halle nebenan vor sich ging, hätten sie nicht. Zwar habe es eine Verbindungstür gegeben, doch die sei von der anderen Seite her abschlossen gewesen. Bevor er den Hallenteil anmietete, sei er einmal durch den betroffenen Hallenteil gegangen. „Da war er leer“, so der Preußisch Oldendorfer. Ab wann die Tür abgeschlossen gewesen sei, wüsste er nicht. Alle seine sechs Mitarbeiter und ein Subunternehmer hätten Zugang zum Hallenteil der Dienstleistungsfirma gehabt, sagt der Preußisch Oldendorfer. Etwas Verdächtiges nebenan hätten sie nicht bemerkt. Gefragt habe man sich schon, was dort passiere. „Es war alles abgedunkelt.“ Als die Vorsitzende Richterin auf dem Bildschirm im Gerichtssaal eine Panorama-Tour durch die Lagerhalle der mutmaßlichen Drogenköche zeigte, konnte der Zeuge die besagte Verbindungstür nicht erkennen. „Das sieht anders aus, die Tür sehe ich nicht mehr.“ Sie sei möglicherweise zugebaut worden. Den angeklagten 31-jährigen Rödinghauser würde er kennen, so der Zeuge auf Nachfrage. Der habe ja in der Halle gegenüber gearbeitet, er habe ihn auf dem Hof gesehen und gegrüßt. An der betroffenen Halle aber habe er ihn nicht gesehen. Aufgefallen seien ihm jedoch zu der Zeit zwei Pkw, die dort parkten, wo er und seine Mitarbeiter immer die Lkw abstellten. Die Kennzeichen der Pkw seien aus „GEL“ (Geldern) und „KLE“ (Kleve) gewesen, erinnerte sich sein Mitarbeiter, ein 59-Jähriger aus Bielefeld, vor Gericht. Höchstwahrscheinlich zwei Volvos älteren Baujahres. Sie hätten die Parkplätze blockiert. Ein Mal habe er geklopft an der besagten Halle und wollte darum bitten, dass die Autos weggefahren werden. Doch es habe niemand aufgemacht. Die Pkw hätten auch nur frühmorgens dort gestanden, um 8 Uhr seien sie wieder weg gewesen. Für die Verbindungstür aus Stahl habe man keine Schlüssel gehabt, so der Mitarbeiter. Ganz am Anfang sei sie offen gewesen, irgendwann nicht mehr. Man habe „schon mal gerochen, dass dort irgendwas mit Chemikalien“ gemacht wurde. Auf den Panoramabildern aus der Halle könne auch er die Verbindungstür nicht sehen. Als Zeuge geladen war auch der Vormieter des betroffenen Hallenteils, ein Geschäftsführer (40) aus Lübbecke. Er habe damals mehrere Hallenteile in dem Komplex angemietet, sei dann aber nach und nach aus allen ausgezogen. Die betroffene Halle habe der 31-jährige Angeklagte dann übernommen. Das sei im Januar 2019 gewesen. Über Ebay-Kleinanzeigen habe er damals einen Nachmieter gesucht. Der jetzt Angeklagte habe den Teil haben wollen, um dort „große, schwere Sachen einzulagern“, hieß es. „Ich hatte damals an Holz gedacht“, so der Geschäftsführer. Der Vermieter des Hallenkomplexes sei mit der Weitervermietung damals nicht einverstanden gewesen. „Wir hatten Streit.“ Der Vermieter sei „neugierig“ und „permanent in unseren Hallen“ gewesen. Zu Ende Januar 2019 hatte er die Halle dann übergeben. Zuvor habe sein Nachmieter die zwei Schlösser zur Halle schon ausgetauscht. „Das hätte ich normalerweise nicht hingenommen, aber ich wollte da raus.“ Am Ende gab es auf Anregung eines Verteidigers ein Rechtsgespräch, um den weiteren Fahrplan für den Prozess festzulegen. Der Prozess, der ursprünglich bis zum 20. Mai geplant war, wird darüber hinaus fortgesetzt. Als weiterer Termin wurde zunächst der 1. Juni genannt. Auch haben die Angeklagten sich weder zum Geschehen geäußert, noch Angaben zu ihren Lebensläufen gemacht. Dies soll schriftlich erfolgen, war von ihren Verteidigern angekündigt worden. Nächster Verhandlungstag ist der 11. Mai.

Drogenlabor-Prozess: Rätsel um verschwundene Tür

Eine Spezialfirma entsorgt die etwa 35.000 Liter Chemikalien, die am 28. April in der Lagerhalle, die die mutmaßlichen gefunden wurden. Foto: Joern Spreen-Ledebur © Joern Spreen-Ledebur

Preußisch Oldendorf/Bielefeld (nw). Vor fast genau zwei Jahren, am 28. April 2019, flog es auf, das Drogenlabor in der unscheinbaren Halle in Börninghausen – eher zufällig, durch einen Kabelbrand. Wer arbeitete zu der Zeit in dem viergeteilten Hallenkomplex an der Ravensberger Straße und könnte etwas von den Machenschaften dort mitbekommen haben? Darum ging es bei der Fortsetzung des Prozesses vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld am Freitag. Bis zu jenem 28. April sollen die beiden Angeklagten, ein 31-jähriger Rödinghauser und ein 39-jähriger Preußisch Oldendorfer zusammen mit weiteren Hintermännern in der Halle in großem Stil Amphetaminöl hergestellt haben, das wiederum zur Herstellung von synthetischen Drogen weiterverkauft worden sein soll.

Ein 52-jähriger Preußisch Oldendorfer, Inhaber einer Dienstleistungsfirma, hatte zu der fraglichen Zeit den Hallenteil direkt neben der Drogenküche angemietet. Er lagerte hier Geräte und Werkzeuge. Täglich seien er und seine Mitarbeiter vor Ort gewesen, sagte er vor Gericht. Jeweils in den Morgen- und Abendstunden, um Werkzeuge und Geräte abzuholen und wiederzubringen. Mitbekommen, was in der Halle nebenan vor sich ging, hätten sie nicht. Zwar habe es eine Verbindungstür gegeben, doch die sei von der anderen Seite her abschlossen gewesen. Bevor er den Hallenteil anmietete, sei er einmal durch den betroffenen Hallenteil gegangen. „Da war er leer“, so der Preußisch Oldendorfer. Ab wann die Tür abgeschlossen gewesen sei, wüsste er nicht.

Alle seine sechs Mitarbeiter und ein Subunternehmer hätten Zugang zum Hallenteil der Dienstleistungsfirma gehabt, sagt der Preußisch Oldendorfer. Etwas Verdächtiges nebenan hätten sie nicht bemerkt. Gefragt habe man sich schon, was dort passiere. „Es war alles abgedunkelt.“ Als die Vorsitzende Richterin auf dem Bildschirm im Gerichtssaal eine Panorama-Tour durch die Lagerhalle der mutmaßlichen Drogenköche zeigte, konnte der Zeuge die besagte Verbindungstür nicht erkennen. „Das sieht anders aus, die Tür sehe ich nicht mehr.“ Sie sei möglicherweise zugebaut worden.

Den angeklagten 31-jährigen Rödinghauser würde er kennen, so der Zeuge auf Nachfrage. Der habe ja in der Halle gegenüber gearbeitet, er habe ihn auf dem Hof gesehen und gegrüßt. An der betroffenen Halle aber habe er ihn nicht gesehen.

Aufgefallen seien ihm jedoch zu der Zeit zwei Pkw, die dort parkten, wo er und seine Mitarbeiter immer die Lkw abstellten. Die Kennzeichen der Pkw seien aus „GEL“ (Geldern) und „KLE“ (Kleve) gewesen, erinnerte sich sein Mitarbeiter, ein 59-Jähriger aus Bielefeld, vor Gericht. Höchstwahrscheinlich zwei Volvos älteren Baujahres. Sie hätten die Parkplätze blockiert. Ein Mal habe er geklopft an der besagten Halle und wollte darum bitten, dass die Autos weggefahren werden. Doch es habe niemand aufgemacht. Die Pkw hätten auch nur frühmorgens dort gestanden, um 8 Uhr seien sie wieder weg gewesen.

Für die Verbindungstür aus Stahl habe man keine Schlüssel gehabt, so der Mitarbeiter. Ganz am Anfang sei sie offen gewesen, irgendwann nicht mehr. Man habe „schon mal gerochen, dass dort irgendwas mit Chemikalien“ gemacht wurde. Auf den Panoramabildern aus der Halle könne auch er die Verbindungstür nicht sehen.

Als Zeuge geladen war auch der Vormieter des betroffenen Hallenteils, ein Geschäftsführer (40) aus Lübbecke. Er habe damals mehrere Hallenteile in dem Komplex angemietet, sei dann aber nach und nach aus allen ausgezogen. Die betroffene Halle habe der 31-jährige Angeklagte dann übernommen. Das sei im Januar 2019 gewesen. Über Ebay-Kleinanzeigen habe er damals einen Nachmieter gesucht. Der jetzt Angeklagte habe den Teil haben wollen, um dort „große, schwere Sachen einzulagern“, hieß es. „Ich hatte damals an Holz gedacht“, so der Geschäftsführer.

Der Vermieter des Hallenkomplexes sei mit der Weitervermietung damals nicht einverstanden gewesen. „Wir hatten Streit.“ Der Vermieter sei „neugierig“ und „permanent in unseren Hallen“ gewesen. Zu Ende Januar 2019 hatte er die Halle dann übergeben. Zuvor habe sein Nachmieter die zwei Schlösser zur Halle schon ausgetauscht. „Das hätte ich normalerweise nicht hingenommen, aber ich wollte da raus.“

Am Ende gab es auf Anregung eines Verteidigers ein Rechtsgespräch, um den weiteren Fahrplan für den Prozess festzulegen. Der Prozess, der ursprünglich bis zum 20. Mai geplant war, wird darüber hinaus fortgesetzt. Als weiterer Termin wurde zunächst der 1. Juni genannt. Auch haben die Angeklagten sich weder zum Geschehen geäußert, noch Angaben zu ihren Lebensläufen gemacht. Dies soll schriftlich erfolgen, war von ihren Verteidigern angekündigt worden. Nächster Verhandlungstag ist der 11. Mai.

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