Dreifache Mutter getötet - die Angehörigen haben viele Fragen Stemwede/Hüde (nw). Die Zahlen sind verheerend. Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Und jeden dritten Tag gelingt ihm das - wie allem Anschein nach auch im Fall der 33-Jährigen in Hüde am Dümmer See nahe Stemwede. Wie berichtet, sitzt der 39-jährige Ehemann des Opfers in einem niedersächsischen Gefängnis in Untersuchungshaft. Die Ermittler und die Staatsanwaltschaft Verden gehen nach der Obduktion davon aus, dass er die dreifache Mutter aus Hüde so schwer am Kopf verletzte, dass sie anschließend daran starb. Nach nw-Informationen meldete sich der mutmaßliche Täter am Montag selbst bei der Polizei, auch Freunde der Familie kontaktierten die Beamten. Die Polizei bestätigt, dass beide verheiratet waren, aber inzwischen getrennt voneinander lebten. Polizeisprecher Thomas Gissing erklärt, dass sich der Mann den minderjährigen Kindern nicht weiter nähern durfte. Häusliche Gewalt sei ein Grund dafür gewesen, weswegen auch das Jugendamt einschritt, da das Wohl der Kinder gefährdet wurde. Ob der 39-Jährige im Vorfeld strafrechtlich aufgefallen ist, ließ die Staatsanwaltschaft auf nw.de-Anfrage offen. Kinder bekommen nichts mit Der mutmaßliche Täter durfte jedoch weiter in Kontakt mit der Frau stehen. Obwohl beide nicht mehr zusammen lebten, sollen sie sich auch trotz der Vorgeschichte getroffen haben. Am Montag eskalierte offenbar ein Streit zwischen den beiden. Was dann genau passierte, ist unklar. Die Polizei äußert sich nicht dazu, wer die Leiche zu dem Transformatorhäuschen an der Düversbrucher Straße in Hüde brachte. "Von der Tat selbst haben die Kinder nichts mitbekommen", sagt Polizeisprecher Gissing. Wer entdeckte die Leiche am Montagabend? Dazu sagt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen ebenfalls nichts. Laut der Polizei steht fest, dass der Körper dort erst seit Montag lag und nicht über einen längeren Zeitraum hinweg. Fünf Tage nach der Tat steht ein Paar auf dem Platz unter der Höchstspannungsleitung, an dem die Leiche gefunden worden war. Den jungen Leuten laufen die Tränen über die Wangen. Das Paar kannte die Frau gut. Die beiden Diepholzer legen Blumen nieder und entzünden eine Kerze. Die stellen sie auf einen kleinen Erdhaufen, auf dem bereits viele andere Kerzen stehen und Blumen liegen. "Wir vermissen dich" ist auf einem Herz zu lesen. "Der Anfang und leider viel zu frühes Ende" hat jemand auf ein Stofftier geschrieben, das in einem Blumengebinde steckt. "Warum tötet jemand die Mutter seiner Kinder?" "Warum", fragt das Paar aus Diepholz. Die beiden jungen Menschen haben Fragen. Warum tue ein Mensch so etwas? Warum töte jemand die Frau, die die Mutter seiner drei Kinder sei? Nie hätten sie gedacht, das so etwas in einem kleinen Dorf passiere. Nie hätten sie gedacht, dass so etwas in ihrem Bekanntenkreis passiere. "Hoffentlich hat er wenigstens den Arsch in der Hose zu sagen, warum er das getan hat", sagt der junge Mann. Die Polizei habe sich noch nicht zu Ergebnissen der Untersuchungen geäußert, ergänzt seine Begleiterin. Inzwischen hat der mutmaßliche Täter, ein deutscher Staatsbürger, auch mit einem Anwalt einen Rechtsbeistand an seiner Seite. Die Kinder der Familie befinden sich in Obhut des Jugendamts und könnten auch bald Hilfe von einem Psychologen bekommen. Seit Montag erhielt die Polizei auch mehrere Zeugenhinweise. Häusliche Gewalt könnte weiter zunehmen Das Verbrechen unweit der Landesgrenze in Hüde (Landkreis Diepholz) war kein Einzelfall in der Region. In den vergangenen Monaten ereigneten sich im Kreis Minden-Lübbecke mehrere schwere Straftaten von Männern, die ihre (Ex-)Partnerinnen tödlich verletzten. Im Mai hatte ein 73-jähriger Rentner seine 75 Jahre alte Ehefrau mit einem Messer in der gemeinsamen Wohnung in Minden umgebracht. Er steht derzeit vor Gericht und hat die Tat bereits gestanden. Ebenfalls im Mai tötete ein 48-Jähriger aus Bad Oeynhausen Zuhause eine 36 Jahre alte flüchtige Bekannte mit einem Messer. Auch er legte ein Geständnis ab und verantwortet sich derzeit vor Gericht. Zudem erschoss im Januar ein 59-jähriger Mann seine Ehefrau auf offener Straße in Preußisch Oldendorf. Das Bielefelder Landgericht verurteilte ihn wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen zu einer lebenslangen Haft. Mehrere Organisationen befürchten, dass häusliche Gewalt aufgrund der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie weiter zunimmt.

Dreifache Mutter getötet - die Angehörigen haben viele Fragen

Ein Angehöriger trauert an der Stelle, wo die Leiche der Frau entdeckt wurde. © Joern Spreen-Ledebur

Stemwede/Hüde (nw). Die Zahlen sind verheerend. Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Und jeden dritten Tag gelingt ihm das - wie allem Anschein nach auch im Fall der 33-Jährigen in Hüde am Dümmer See nahe Stemwede. Wie berichtet, sitzt der 39-jährige Ehemann des Opfers in einem niedersächsischen Gefängnis in Untersuchungshaft. Die Ermittler und die Staatsanwaltschaft Verden gehen nach der Obduktion davon aus, dass er die dreifache Mutter aus Hüde so schwer am Kopf verletzte, dass sie anschließend daran starb.

Nach nw-Informationen meldete sich der mutmaßliche Täter am Montag selbst bei der Polizei, auch Freunde der Familie kontaktierten die Beamten. Die Polizei bestätigt, dass beide verheiratet waren, aber inzwischen getrennt voneinander lebten. Polizeisprecher Thomas Gissing erklärt, dass sich der Mann den minderjährigen Kindern nicht weiter nähern durfte. Häusliche Gewalt sei ein Grund dafür gewesen, weswegen auch das Jugendamt einschritt, da das Wohl der Kinder gefährdet wurde. Ob der 39-Jährige im Vorfeld strafrechtlich aufgefallen ist, ließ die Staatsanwaltschaft auf nw.de-Anfrage offen.

Kinder bekommen nichts mit

Mehrere Menschen haben Kerzen und Andenken aufgestellt. - © Joern Spreen-Ledebur
Mehrere Menschen haben Kerzen und Andenken aufgestellt. - © Joern Spreen-Ledebur

Der mutmaßliche Täter durfte jedoch weiter in Kontakt mit der Frau stehen. Obwohl beide nicht mehr zusammen lebten, sollen sie sich auch trotz der Vorgeschichte getroffen haben. Am Montag eskalierte offenbar ein Streit zwischen den beiden. Was dann genau passierte, ist unklar. Die Polizei äußert sich nicht dazu, wer die Leiche zu dem Transformatorhäuschen an der Düversbrucher Straße in Hüde brachte. "Von der Tat selbst haben die Kinder nichts mitbekommen", sagt Polizeisprecher Gissing. Wer entdeckte die Leiche am Montagabend? Dazu sagt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen ebenfalls nichts. Laut der Polizei steht fest, dass der Körper dort erst seit Montag lag und nicht über einen längeren Zeitraum hinweg.

Fünf Tage nach der Tat steht ein Paar auf dem Platz unter der Höchstspannungsleitung, an dem die Leiche gefunden worden war. Den jungen Leuten laufen die Tränen über die Wangen. Das Paar kannte die Frau gut. Die beiden Diepholzer legen Blumen nieder und entzünden eine Kerze. Die stellen sie auf einen kleinen Erdhaufen, auf dem bereits viele andere Kerzen stehen und Blumen liegen. "Wir vermissen dich" ist auf einem Herz zu lesen. "Der Anfang und leider viel zu frühes Ende" hat jemand auf ein Stofftier geschrieben, das in einem Blumengebinde steckt.

"Warum tötet jemand die Mutter seiner Kinder?"

"Warum", fragt das Paar aus Diepholz. Die beiden jungen Menschen haben Fragen. Warum tue ein Mensch so etwas? Warum töte jemand die Frau, die die Mutter seiner drei Kinder sei? Nie hätten sie gedacht, das so etwas in einem kleinen Dorf passiere. Nie hätten sie gedacht, dass so etwas in ihrem Bekanntenkreis passiere.

"Hoffentlich hat er wenigstens den Arsch in der Hose zu sagen, warum er das getan hat", sagt der junge Mann. Die Polizei habe sich noch nicht zu Ergebnissen der Untersuchungen geäußert, ergänzt seine Begleiterin.

Inzwischen hat der mutmaßliche Täter, ein deutscher Staatsbürger, auch mit einem Anwalt einen Rechtsbeistand an seiner Seite. Die Kinder der Familie befinden sich in Obhut des Jugendamts und könnten auch bald Hilfe von einem Psychologen bekommen. Seit Montag erhielt die Polizei auch mehrere Zeugenhinweise.

Häusliche Gewalt könnte weiter zunehmen

Das Verbrechen unweit der Landesgrenze in Hüde (Landkreis Diepholz) war kein Einzelfall in der Region. In den vergangenen Monaten ereigneten sich im Kreis Minden-Lübbecke mehrere schwere Straftaten von Männern, die ihre (Ex-)Partnerinnen tödlich verletzten. Im Mai hatte ein 73-jähriger Rentner seine 75 Jahre alte Ehefrau mit einem Messer in der gemeinsamen Wohnung in Minden umgebracht. Er steht derzeit vor Gericht und hat die Tat bereits gestanden.

Ebenfalls im Mai tötete ein 48-Jähriger aus Bad Oeynhausen Zuhause eine 36 Jahre alte flüchtige Bekannte mit einem Messer. Auch er legte ein Geständnis ab und verantwortet sich derzeit vor Gericht. Zudem erschoss im Januar ein 59-jähriger Mann seine Ehefrau auf offener Straße in Preußisch Oldendorf. Das Bielefelder Landgericht verurteilte ihn wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen zu einer lebenslangen Haft. Mehrere Organisationen befürchten, dass häusliche Gewalt aufgrund der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie weiter zunimmt.

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