Drei Fragen an: Jürgen Matthes vom Institut der Deutschen Wirtschaft über die Folgen bei einem Grexit Thomas Traue Im Verhandlungspoker mit Griechenland zeichnen sich nach Einschätzung von Jürgen Matthes gewisse Kompromisslinien ab. „Dabei müsse Athen aber zweifelsohne viel stärker auf die Euroländer zukommen als umgekehrt“, sagt der Experte beim arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.Die neue griechische Regierung macht das Programm der Euro-Partner und des IWF für die Misere im Land verantwortlich. Teilen Sie diese Einschätzung?Nur zu einem kleinen Teil. Das Programm hat anfangs vielleicht etwas zu stark auf schnelle Konsolidierung gesetzt und zu wenig auf wachstumsfördernde Strukturreformen. Zudem hat man unterschätzt wie stark das Wachstum und damit die Steuereinnahmen in der Anpassungsphase einbrechen würden. Doch das Gros der Verantwortung trägt Griechenland. Denn weil die damalige Regierung das Geld mit vollen Händen ausgab, verzeichnete der griechische Staatshaushalt im Jahr 2009 ein exorbitantes Defizit von über 15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Da verwundert es nicht, wenn die nötigen Einsparungen groß sein müssen. Die Schuld allein auf die Troika zu schieben, wird der Sachlage nicht gerecht und ist letztlich billige Polemik.Das Szenario eines Austritts wird von Tag zu Tag realistischer. Welche Folgen drohen bei einem Grexit für die Griechen?Bei einem Grexit würde Griechenland ein wirtschaftliches Chaos drohen. Zeitweilig würde vermutlich die Geldversorgung zusammenbrechen. Denn die Geschäftsbanken gerieten von mehreren Seiten unter Druck und drohten Konkurs zu gehen. Die Versorgung mit Euro-Zentralbankgeld wäre nicht mehr möglich, die Kunden würden scharenweise ihre Euro-Guthaben abheben, womit sie ja schon begonnen haben. Und es käme zu einer starken Kapitalflucht.. Zudem würde die neue Währung abwerten, so dass die griechischen Schulden im Ausland - in neuer Währung gerechnet - stark steigen würden. Damit drohten verbreitete Pleiten von Unternehmen und Banken und letztlich ein gravierender Staatsbankrott.Und wie teuer wird ein Grexit für die deutschen Steuerzahler?Wie weit davon die deutschen Steuerzahler direkt betroffen wären lässt sich nur schwer abschätzen. Zwar haftet Deutschland letztlich indirekt quasi als Bürge für über 60 Milliarden Euro, die über verschiedene Wege - vor allem den Euro-Rettungsschirm - an Griechenland verliehen wurden. Doch könnte der Rettungsschirm - oder andere zwischengeschaltete Institutionen wie die KfW und die EZB - eventuell als Puffer dienen, so dass die Bürgschaften des deutschen Staates nicht oder nur zu einem relativ kleinen Teil gezogen würden.

Drei Fragen an: Jürgen Matthes vom Institut der Deutschen Wirtschaft über die Folgen bei einem Grexit

Jürgen Matthes, Leiter internationale Wirtschaftsordnung beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln © Foto: pr/IW

Im Verhandlungspoker mit Griechenland zeichnen sich nach Einschätzung von Jürgen Matthes gewisse Kompromisslinien ab. „Dabei müsse Athen aber zweifelsohne viel stärker auf die Euroländer zukommen als umgekehrt“, sagt der Experte beim arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Die neue griechische Regierung macht das Programm der Euro-Partner und des IWF für die Misere im Land verantwortlich. Teilen Sie diese Einschätzung?

Nur zu einem kleinen Teil. Das Programm hat anfangs vielleicht etwas zu stark auf schnelle Konsolidierung gesetzt und zu wenig auf wachstumsfördernde Strukturreformen. Zudem hat man unterschätzt wie stark das Wachstum und damit die Steuereinnahmen in der Anpassungsphase einbrechen würden. Doch das Gros der Verantwortung trägt Griechenland. Denn weil die damalige Regierung das Geld mit vollen Händen ausgab, verzeichnete der griechische Staatshaushalt im Jahr 2009 ein exorbitantes Defizit von über 15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Da verwundert es nicht, wenn die nötigen Einsparungen groß sein müssen. Die Schuld allein auf die Troika zu schieben, wird der Sachlage nicht gerecht und ist letztlich billige Polemik.

Das Szenario eines Austritts wird von Tag zu Tag realistischer. Welche Folgen drohen bei einem Grexit für die Griechen?

Bei einem Grexit würde Griechenland ein wirtschaftliches Chaos drohen. Zeitweilig würde vermutlich die Geldversorgung zusammenbrechen. Denn die Geschäftsbanken gerieten von mehreren Seiten unter Druck und drohten Konkurs zu gehen. Die Versorgung mit Euro-Zentralbankgeld wäre nicht mehr möglich, die Kunden würden scharenweise ihre Euro-Guthaben abheben, womit sie ja schon begonnen haben. Und es käme zu einer starken Kapitalflucht.. Zudem würde die neue Währung abwerten, so dass die griechischen Schulden im Ausland - in neuer Währung gerechnet - stark steigen würden. Damit drohten verbreitete Pleiten von Unternehmen und Banken und letztlich ein gravierender Staatsbankrott.

Und wie teuer wird ein Grexit für die deutschen Steuerzahler?

Wie weit davon die deutschen Steuerzahler direkt betroffen wären lässt sich nur schwer abschätzen. Zwar haftet Deutschland letztlich indirekt quasi als Bürge für über 60 Milliarden Euro, die über verschiedene Wege - vor allem den Euro-Rettungsschirm - an Griechenland verliehen wurden. Doch könnte der Rettungsschirm - oder andere zwischengeschaltete Institutionen wie die KfW und die EZB - eventuell als Puffer dienen, so dass die Bürgschaften des deutschen Staates nicht oder nur zu einem relativ kleinen Teil gezogen würden.

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