Doppelmord von Gütersloh - Angeklagter muss 14 Jahre in Haft Patrick Menzel Bielefeld/Gütersloh. Im Prozess um die beiden Tötungsdelikte an Heiligabend 2013 in Gütersloh ist der Angeklagte am Donnerstag zu 14 Jahren Haft wegen zweifachen Totschlags verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte lebenslange Haft wegen heimtückischen Mordes gefordert, die Verteidigung einen Freispruch für den 29-Jährigen aus Verl (Kreis Gütersloh).In der Urteilsbegründung machte die Kammer des Landgerichts Bielefeld deutlich, dass sie "keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten" habe. Zu einer Verurteilung wegen Totschlags sei es gekommen, da Mordmerkmale wie Habgier, Heimtücke oder Arglosigkeit nicht nachweisbar gewesen seien. Die genauen Abläufe der Tat seien nicht zweifelsfrei rekonstruierbar gewesen. Ebenso sei das Motiv unklar.Die Kammer sieht es jedoch als erwiesen an, dass der Angeklagte mit je elf Messerstichen eine 74-jährige Ärztin und ihren drei Jahre älteren Bruder in ihrer Gütersloher Villa erstochen hat. Der Verurteilte war mit den Opfern befreundet und hatte die Vorwürfe stets bestritten. Er sei lediglich am Tattag zu Besuch gewesen.In ihrer Urteilsbegründung stützte sich die Kammer besonders auf seine DNA-Spuren am Tatort, unter anderem am Fingernagel der Getöteten und den Krallen des ebenfalls niedergestochenen Hundes. Diese seien nicht durch eine freundschaftliche Begrüßung zu erklären. In seinen Aussagen habe sich der Angeklagte zudem selbst und auch Zeugen widersprochen.Der Verler nahm das Urteil äußerlich genauso regungslos auf, wie er auch die vorherigen Prozesstage verfolgt hatte. Sein Rechtsanwalt Sascha Haring kündigte an, beim Bundesgerichtshof in Revision zu gehen. Staatsanwalt Christoph Mackel hält das Urteil für "sehr gut begründet", ob er Rechtsmittel einlegt, sei noch offen, sagte er nach Abschluss des Prozesses.Offen bleibt bislang außerdem die Rolle der Tochter der getöteten Frau und des Lebensgefährten der Tochter. Ein Ermittlungsverfahren gegen beide ruhte während des Prozesses. Der Staatsanwalt will nach Prozessende prüfen, ob sich der Verdacht, dass beide in die Tat verwickelt sind, erhärten lässt. So sei es denkbar, dass sie mehr wussten, als sie bislang angegeben haben.
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Doppelmord von Gütersloh - Angeklagter muss 14 Jahre in Haft

Der Angeklagte Jens S. (M) sitzt im Landgericht in Bielefeld neben seinen Verteidigern Torsten Giesecke (l) und Sascha Haring (r). © Foto: Friso Gentsch/dpa

Bielefeld/Gütersloh. Im Prozess um die beiden Tötungsdelikte an Heiligabend 2013 in Gütersloh ist der Angeklagte am Donnerstag zu 14 Jahren Haft wegen zweifachen Totschlags verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte lebenslange Haft wegen heimtückischen Mordes gefordert, die Verteidigung einen Freispruch für den 29-Jährigen aus Verl (Kreis Gütersloh).

In der Urteilsbegründung machte die Kammer des Landgerichts Bielefeld deutlich, dass sie "keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten" habe. Zu einer Verurteilung wegen Totschlags sei es gekommen, da Mordmerkmale wie Habgier, Heimtücke oder Arglosigkeit nicht nachweisbar gewesen seien. Die genauen Abläufe der Tat seien nicht zweifelsfrei rekonstruierbar gewesen. Ebenso sei das Motiv unklar.Die Kammer sieht es jedoch als erwiesen an, dass der Angeklagte mit je elf Messerstichen eine 74-jährige Ärztin und ihren drei Jahre älteren Bruder in ihrer Gütersloher Villa erstochen hat. Der Verurteilte war mit den Opfern befreundet und hatte die Vorwürfe stets bestritten. Er sei lediglich am Tattag zu Besuch gewesen.

Polizeibeamte stehen am 26. Dezember 2013 in Gütersloh vor dem Haus, in dem am 25. Dezember zwei Tote gefunden wurden. - © Foto: dpa/Archiv
Polizeibeamte stehen am 26. Dezember 2013 in Gütersloh vor dem Haus, in dem am 25. Dezember zwei Tote gefunden wurden. - © Foto: dpa/Archiv

In ihrer Urteilsbegründung stützte sich die Kammer besonders auf seine DNA-Spuren am Tatort, unter anderem am Fingernagel der Getöteten und den Krallen des ebenfalls niedergestochenen Hundes. Diese seien nicht durch eine freundschaftliche Begrüßung zu erklären. In seinen Aussagen habe sich der Angeklagte zudem selbst und auch Zeugen widersprochen.

Der Verler nahm das Urteil äußerlich genauso regungslos auf, wie er auch die vorherigen Prozesstage verfolgt hatte. Sein Rechtsanwalt Sascha Haring kündigte an, beim Bundesgerichtshof in Revision zu gehen. Staatsanwalt Christoph Mackel hält das Urteil für "sehr gut begründet", ob er Rechtsmittel einlegt, sei noch offen, sagte er nach Abschluss des Prozesses.

Offen bleibt bislang außerdem die Rolle der Tochter der getöteten Frau und des Lebensgefährten der Tochter. Ein Ermittlungsverfahren gegen beide ruhte während des Prozesses. Der Staatsanwalt will nach Prozessende prüfen, ob sich der Verdacht, dass beide in die Tat verwickelt sind, erhärten lässt. So sei es denkbar, dass sie mehr wussten, als sie bislang angegeben haben.

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