Digitale Bildung für alle Kinder liegt Bad Oeynhausenerin Julia Freudenberg am Herzen Nicole Sielermann Bad Oeynhausen (nw). Nein, es ist nicht der direkte Weg in den Knast. Auch wenn im Namen die „Hacker School“ auftaucht – in fremde Computer hackt sich in diesen Kursen niemand. Vielmehr geht es Julia Freudenberg darum, digitale Bildung zu vermitteln. Bildung, die es auch Mädchen ermöglicht, die IT-Branche kennen und lieben zu lernen. „Wir haben uns digitale Bildung für alle Kinder zum Ziel gesetzt“, sagt die Hamburgerin. Egal ob Mädchen oder Junge – niemand solle aufgrund seines Geschlechtes von irgendetwas ausgeschlossen werden, niemand vermittelt bekommen, dass er nur aufgrund seines Geschlechtes etwas nicht könne. Bad Oeynhausener können über die Mädchen-Organisation „She does Future“ bei der Hacker-School mitmachen. Das Ziel des Angebotes: „Begeisterung und Verdacht auf Talent.“ Mit dabei sind zudem IT-Spezialisten der heimischen Firma Primeline Solutions. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Angebot? „In jeder Ausbildung braucht es ein gesundes Verständnis von Informatik“, weiß Julia Freudenberg. Und das werde oft in den Schulen nicht vermittelt. „Selbst im Informatik-Unterricht wird oftmals nur gelehrt, wie Powerpoint-Folien erstellt werden.“ Dabei seien digitale Kompetenzen heutzutage entscheidend, um gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen zu verstehen und mitzugestalten. „Gerade in diesen Zeiten mit vielen Fake-News ist es wichtig zu wissen, wie diese überprüft werden können“, ist die 42-Jährige überzeugt. Die übrigens selbst ein Stiefkind ist, was das Aufwachsen mit einem PC angeht. „Ich bin damit nicht groß geworden. Und Programmieren kann ich auch nicht. Aber ich habe einen Programmierer geheiratet“, sagt sie lachend. Das zähle auch. Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren können bei der Hacker School mitmachen. Aber auch Mädchen mit ihren Müttern oder Omas. „Nur Papas wollen wir eigentlich nicht – weil die meist den Mädchen das Heft aus der Hand nehmen“, sagt Julia Freudenberg lachend. Gelehrt wird, wie Spiele, Internetseiten oder Apps programmiert werden. „Halt all das, was man mit einem Computer machen kann.“ Zwei Tage tauchen die Teilnehmer in die Welt der Bits und Bytes ein. Und damit es um Spaß geht, um eine „Schule“ ohne Noten, sind es inzwischen etwa 500 IT-Spezialisten aus deutschen Firmen, die ihr Wissen an die Kinder weitergeben. Unter anderem auch zwei von der Eidinghausener Firma Primeline Solutions. Zusammen mit einem ITler der Herforder Firma Perfact haben sie bereits zwei Girls Hacker Schools erfolgreich unterstützt. „Wir wollen aber keine Informatiker ausbilden, sondern den Nachwuchs inspirieren zum kreativen kritischen Denken“, betont Freudenberg. Ein ITler kümmert sich bei den Workshops um zwei Kinder, zeigt ihnen erst einmal die Grundlagen und geht dann über zum Programmieren. „Das sind Menschen aus der Praxis. Keine Trainer, die ein Programm abspulen.“ Freudenberg geht es auch darum, tradierte Rollenbilder aufzubrechen. Vorurteile auf allen Ebenen aufzubrechen. „Jungs haben immer die Nase vorn im IT-Bereich.“ Den Mädchenwürdeoftmals–auch von Lehrern – suggeriert, sie könnten das nicht. Etwas, das Julia Freudenberg früher selbst erlebt hat. „Bis zur vierten Klasse war ich die Beste in Mathe. Dann erklärte mir ein Lehrer, dass Mädchen eigentlich kein Mathe können würden.“ Damit kam die Unsicherheit.„Ich habe plötzlich panisch alles nachgerechnet und wurde total langsam.“ Somit seien solche Angebote nun ein großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung. „Die Mädchen müssen einfach verstehen und erleben, welche Begeisterung technische Berufe auslösen.“ Schließlich sei die Zeit hoffentlich vorbei, wo Frauen von den Männern durchgefüttert würden. „In unseren Kursen bekommen Jungen und Mädchen ein Verständnis davon, was eigentlich die DNA der digitalen Welt ist und wie die Steuerungsmechanismen funktionieren. Der Schlüssel zum Lernen besteht immer aus Begeisterung und Neugier. Deshalb stehen Spaß und Interaktivität bei unseren Kursen an erster Stelle.“ Der Erfolg gibt Julia Freudenberg Recht. 5.000 Kinder haben im vergangenen Jahr Kurse an der Hacker School absolviert. Durch Corona werden es 2020 vermutlich etwas weniger sein. Mittlerweile finden auch sämtliche Angebote online statt. „In fünf Jahren wollen wir 100.000 Kids im Jahr erreichen“, steckt sich Freudenberg ein Ziel. Ein großes Ziel: „Wir wollen digitale Bildung zu allen Kindern bringen. Egal ob arm oder reich.“ 30 Euro kostet der Workshop. „Es soll nicht kostenlos sein – um zu zeigen, es ist etwas wert. Aber wir wollen niemanden ausschließen und bieten Querfinanzierungen an“, betont die 42-Jährige, sie selbst aus dem Wirtschaftsbereich kommt und in der zweiten Elternzeit den Gründer der Hacker School kennenlernte. Vor fünf Jahren hat sie nun selbst übernommen. „Ich hatte mich in das Projektverliebt“, sagt Freudenberg. „Wir brauchen Nachwuchs. Die Schule wird’s nicht retten können. Nur so können wir einen Flächenbrand auslösen und Impulse setzen.“ Bei der Hacker School für beide Geschlechter sind 11-bis 18-Jährige willkommen, bei der Girls Hacker School alle Mädchen und Frauen von 11 bis 99 Jahre. „Ab der weiterführenden Schule ist es ideal.“ Und manchmal sind es sogar ganze Generationen an Frauen, die ihren Kurs belegen. Nächster Termin im November Die nächste Hacker School zusammen mit „She does Future“ ist am 7. und 8. November – online – jeweils von 13 bis 17 Uhr.

Digitale Bildung für alle Kinder liegt Bad Oeynhausenerin Julia Freudenberg am Herzen

Julia Freudenberg möchte mit der Hacker School digitale Bildung zu allen Kindern bringen. Foto: privat © privat

Bad Oeynhausen (nw). Nein, es ist nicht der direkte Weg in den Knast. Auch wenn im Namen die „Hacker School“ auftaucht – in fremde Computer hackt sich in diesen Kursen niemand. Vielmehr geht es Julia Freudenberg darum, digitale Bildung zu vermitteln. Bildung, die es auch Mädchen ermöglicht, die IT-Branche kennen und lieben zu lernen. „Wir haben uns digitale Bildung für alle Kinder zum Ziel gesetzt“, sagt die Hamburgerin. Egal ob Mädchen oder Junge – niemand solle aufgrund seines Geschlechtes von irgendetwas ausgeschlossen werden, niemand vermittelt bekommen, dass er nur aufgrund seines Geschlechtes etwas nicht könne. Bad Oeynhausener können über die Mädchen-Organisation „She does Future“ bei der Hacker-School mitmachen. Das Ziel des Angebotes: „Begeisterung und Verdacht auf Talent.“ Mit dabei sind zudem IT-Spezialisten der heimischen Firma Primeline Solutions.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Angebot? „In jeder Ausbildung braucht es ein gesundes Verständnis von Informatik“, weiß Julia Freudenberg. Und das werde oft in den Schulen nicht vermittelt. „Selbst im Informatik-Unterricht wird oftmals nur gelehrt, wie Powerpoint-Folien erstellt werden.“ Dabei seien digitale Kompetenzen heutzutage entscheidend, um gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen zu verstehen und mitzugestalten. „Gerade in diesen Zeiten mit vielen Fake-News ist es wichtig zu wissen, wie diese überprüft werden können“, ist die 42-Jährige überzeugt. Die übrigens selbst ein Stiefkind ist, was das Aufwachsen mit einem PC angeht. „Ich bin damit nicht groß geworden. Und Programmieren kann ich auch nicht. Aber ich habe einen Programmierer geheiratet“, sagt sie lachend. Das zähle auch.

Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren können bei der Hacker School mitmachen. Aber auch Mädchen mit ihren Müttern oder Omas. „Nur Papas wollen wir eigentlich nicht – weil die meist den Mädchen das Heft aus der Hand nehmen“, sagt Julia Freudenberg lachend. Gelehrt wird, wie Spiele, Internetseiten oder Apps programmiert werden. „Halt all das, was man mit einem Computer machen kann.“ Zwei Tage tauchen die Teilnehmer in die Welt der Bits und Bytes ein. Und damit es um Spaß geht, um eine „Schule“ ohne Noten, sind es inzwischen etwa 500 IT-Spezialisten aus deutschen Firmen, die ihr Wissen an die Kinder weitergeben. Unter anderem auch zwei von der Eidinghausener Firma Primeline Solutions. Zusammen mit einem ITler der Herforder Firma Perfact haben sie bereits zwei Girls Hacker Schools erfolgreich unterstützt. „Wir wollen aber keine Informatiker ausbilden, sondern den Nachwuchs inspirieren zum kreativen kritischen Denken“, betont Freudenberg. Ein ITler kümmert sich bei den Workshops um zwei Kinder, zeigt ihnen erst einmal die Grundlagen und geht dann über zum Programmieren. „Das sind Menschen aus der Praxis. Keine Trainer, die ein Programm abspulen.“

Freudenberg geht es auch darum, tradierte Rollenbilder aufzubrechen. Vorurteile auf allen Ebenen aufzubrechen. „Jungs haben immer die Nase vorn im IT-Bereich.“ Den Mädchenwürdeoftmals–auch von Lehrern – suggeriert, sie könnten das nicht. Etwas, das Julia Freudenberg früher selbst erlebt hat. „Bis zur vierten Klasse war ich die Beste in Mathe. Dann erklärte mir ein Lehrer, dass Mädchen eigentlich kein Mathe können würden.“ Damit kam die Unsicherheit.„Ich habe plötzlich panisch alles nachgerechnet und wurde total langsam.“ Somit seien solche Angebote nun ein großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung. „Die Mädchen müssen einfach verstehen und erleben, welche Begeisterung technische Berufe auslösen.“ Schließlich sei die Zeit hoffentlich vorbei, wo Frauen von den Männern durchgefüttert würden.

„In unseren Kursen bekommen Jungen und Mädchen ein Verständnis davon, was eigentlich die DNA der digitalen Welt ist und wie die Steuerungsmechanismen funktionieren. Der Schlüssel zum Lernen besteht immer aus Begeisterung und Neugier. Deshalb stehen Spaß und Interaktivität bei unseren Kursen an erster Stelle.“

Der Erfolg gibt Julia Freudenberg Recht. 5.000 Kinder haben im vergangenen Jahr Kurse an der Hacker School absolviert. Durch Corona werden es 2020 vermutlich etwas weniger sein. Mittlerweile finden auch sämtliche Angebote online statt. „In fünf Jahren wollen wir 100.000 Kids im Jahr erreichen“, steckt sich Freudenberg ein Ziel. Ein großes Ziel: „Wir wollen digitale Bildung zu allen Kindern bringen. Egal ob arm oder reich.“ 30 Euro kostet der Workshop. „Es soll nicht kostenlos sein – um zu zeigen, es ist etwas wert. Aber wir wollen niemanden ausschließen und bieten Querfinanzierungen an“, betont die 42-Jährige, sie selbst aus dem Wirtschaftsbereich kommt und in der zweiten Elternzeit den Gründer der Hacker School kennenlernte. Vor fünf Jahren hat sie nun selbst übernommen. „Ich hatte mich in das Projektverliebt“, sagt Freudenberg. „Wir brauchen Nachwuchs. Die Schule wird’s nicht retten können. Nur so können wir einen Flächenbrand auslösen und Impulse setzen.“ Bei der Hacker School für beide Geschlechter sind 11-bis 18-Jährige willkommen, bei der Girls Hacker School alle Mädchen und Frauen von 11 bis 99 Jahre. „Ab der weiterführenden Schule ist es ideal.“ Und manchmal sind es sogar ganze Generationen an Frauen, die ihren Kurs belegen. Nächster Termin im November Die nächste Hacker School zusammen mit „She does Future“ ist am 7. und 8. November – online – jeweils von 13 bis 17 Uhr.

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