Die Rückkehr der Germaniten in Löhne Löhne (nw). Der Mann kann gut reden. Jörg P. tritt mit Schlips und Kragen als seriöser Geschäftsmann einer Firma für Energietechnik auf. „Nordatec“ verkaufe Zukunftstechnologie, erklärt der 46-Jährige im Gespräch mit der Neuen Westfälischen, da ist gerade sein Wohnhaus in Rinteln-Goldbeck unter Protest der rechtsextremen Justizopferhilfe zwangsversteigert worden. Jetzt hat P. in Löhne eine neue Bleibe gefunden: 200 Quadratmeter Bürofläche hat er zum 1. November angemietet.Womöglich öffnet die „Botschaft Germanitien“ also in Kürze wieder in Löhne. Klar ist: Jörg P. ist Vorstand der rechtsextremen Justizopferhilfe, die bisher an der Lübbecker Straße in Löhne war. Seit Anfang Oktober war die „Botschaft“ postalisch in Rinteln-Goldbeck, im Wohnhaus von Jörg P. zu erreichen.Die Germaniten sind Reichsideologen. Sie glauben an den Fortbestand des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1937 und halten die Bundesrepublik für ungültig. Der Staatsschutz der Polizei stuft die Organisation als rechtsextrem ein. Der Verfassungsschutz beobachtet sie. Ihre führenden Köpfe Axel Thiesmeier und Jürgen Niemeyer waren bereits im Umfeld des 2008 verbotenen rechtsextremen Schulungszentrums Collegium Humanum aktiv.Die beiden verkaufen ihre Unterstützung an angebliche Justizopfer. Die Rechtsberatung der beiden macht alles aber nur noch schlimmer. Ralf W., ehemaliger Eigentümer des Autohauses in Löhne, kann davon ein Lied singen. Bei der Zwangsversteigerung seiner Immobilie sagte er sich öffentlich von den Germaniten los und erklärte, sie hätten ihn manipuliert.Nach Informationen der NW haben sich Axel Thiesmeier und Jürgen Niemeyer selbst auf die Suche nach einer neuen Bleibe für die Justizopferhilfe gemacht - und wurden fündig. Für den Mietvertrag verwiesen die beiden auf ihren angeblichen Chef, Jörg P. Er wolle ein Büro öffnen, angeblich mache die Firma „etwas mit Computern und Energie“.Nachbarn der neuen Büroräume haben allerdings beobachtet, wie Axel Thiesmeier, der stets mit weißer Strickmütze wie DJ-Ötzi auftritt, im Dunkeln mit einer Taschenlampe ums Gebäude herumgeschlichen ist.Kurz vor der Unterzeichnung des Mietvertrags am 19. Oktober hat Jörg P. die Räume selbst in Augenschein genommen. Mit Kennerblick hat er Schäden an der Heizung erkannt. Für den Vermieter war das ein Beleg für die Fachkunde des neuen Mieters. Beide vereinbarten eine Miete in Höhe von 700 Euro monatlich. Sicherheitsleistungen verlangte der Vermieter nicht.Jörg P. unterschrieb und ließ seine Visitenkarte da, die ihn als Chef der Firma „Nordatec“ auswies. Eine Firma aus Rinteln dieses Namens ist im Handelsregister jedoch nicht zu finden.Die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus hat die Entwicklungen in Löhne im Blick und bietet Betroffenen Hilfe an: „Das ist kein privates Problem eines Vermieters. Das geht die ganze Stadt an. Es hätte jedem passieren können“, sagte Dr. Karsten Wilke: „Die Rechtsextremisten haben sich ja nicht als Justizopferhilfe vorgestellt.“Fraglich ist, ob der Mietvertrag überhaupt gültig ist. Jürgen Upmeyer, Verbandsgeschäftsführer von Haus & Grund, riet Vermietern grundsätzlich dazu, die Zahlungsfähigkeit ihrer künftigen Mieter genau unter die Lupe zu nehmen. Ein Solvenz-Check kostet Mitglieder der Vermieter-Lobby 20 Euro. Upmeyer: „Das ist gut angelegtes Geld.“

Die Rückkehr der Germaniten in Löhne

Löhne (nw). Der Mann kann gut reden. Jörg P. tritt mit Schlips und Kragen als seriöser Geschäftsmann einer Firma für Energietechnik auf. „Nordatec“ verkaufe Zukunftstechnologie, erklärt der 46-Jährige im Gespräch mit der Neuen Westfälischen, da ist gerade sein Wohnhaus in Rinteln-Goldbeck unter Protest der rechtsextremen Justizopferhilfe zwangsversteigert worden. Jetzt hat P. in Löhne eine neue Bleibe gefunden: 200 Quadratmeter Bürofläche hat er zum 1. November angemietet.

Der alte Standort: Die „Botschaft Germanitien“ im Stadtzentrum Löhnes. - © Foto: Ulf Hanke
Der alte Standort: Die „Botschaft Germanitien“ im Stadtzentrum Löhnes. - © Foto: Ulf Hanke

Womöglich öffnet die „Botschaft Germanitien“ also in Kürze wieder in Löhne. Klar ist: Jörg P. ist Vorstand der rechtsextremen Justizopferhilfe, die bisher an der Lübbecker Straße in Löhne war. Seit Anfang Oktober war die „Botschaft“ postalisch in Rinteln-Goldbeck, im Wohnhaus von Jörg P. zu erreichen.

Die Germaniten sind Reichsideologen. Sie glauben an den Fortbestand des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1937 und halten die Bundesrepublik für ungültig. Der Staatsschutz der Polizei stuft die Organisation als rechtsextrem ein. Der Verfassungsschutz beobachtet sie. Ihre führenden Köpfe Axel Thiesmeier und Jürgen Niemeyer waren bereits im Umfeld des 2008 verbotenen rechtsextremen Schulungszentrums Collegium Humanum aktiv.

Die beiden verkaufen ihre Unterstützung an angebliche Justizopfer. Die Rechtsberatung der beiden macht alles aber nur noch schlimmer. Ralf W., ehemaliger Eigentümer des Autohauses in Löhne, kann davon ein Lied singen. Bei der Zwangsversteigerung seiner Immobilie sagte er sich öffentlich von den Germaniten los und erklärte, sie hätten ihn manipuliert.

Nach Informationen der NW haben sich Axel Thiesmeier und Jürgen Niemeyer selbst auf die Suche nach einer neuen Bleibe für die Justizopferhilfe gemacht - und wurden fündig. Für den Mietvertrag verwiesen die beiden auf ihren angeblichen Chef, Jörg P. Er wolle ein Büro öffnen, angeblich mache die Firma „etwas mit Computern und Energie“.

Nachbarn der neuen Büroräume haben allerdings beobachtet, wie Axel Thiesmeier, der stets mit weißer Strickmütze wie DJ-Ötzi auftritt, im Dunkeln mit einer Taschenlampe ums Gebäude herumgeschlichen ist.

Kurz vor der Unterzeichnung des Mietvertrags am 19. Oktober hat Jörg P. die Räume selbst in Augenschein genommen. Mit Kennerblick hat er Schäden an der Heizung erkannt. Für den Vermieter war das ein Beleg für die Fachkunde des neuen Mieters. Beide vereinbarten eine Miete in Höhe von 700 Euro monatlich. Sicherheitsleistungen verlangte der Vermieter nicht.

Jörg P. unterschrieb und ließ seine Visitenkarte da, die ihn als Chef der Firma „Nordatec“ auswies. Eine Firma aus Rinteln dieses Namens ist im Handelsregister jedoch nicht zu finden.

Die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus hat die Entwicklungen in Löhne im Blick und bietet Betroffenen Hilfe an: „Das ist kein privates Problem eines Vermieters. Das geht die ganze Stadt an. Es hätte jedem passieren können“, sagte Dr. Karsten Wilke: „Die Rechtsextremisten haben sich ja nicht als Justizopferhilfe vorgestellt.“

Fraglich ist, ob der Mietvertrag überhaupt gültig ist. Jürgen Upmeyer, Verbandsgeschäftsführer von Haus & Grund, riet Vermietern grundsätzlich dazu, die Zahlungsfähigkeit ihrer künftigen Mieter genau unter die Lupe zu nehmen. Ein Solvenz-Check kostet Mitglieder der Vermieter-Lobby 20 Euro. Upmeyer: „Das ist gut angelegtes Geld.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.