Die Rückkehr der Bäderkuren: Bürgermeister Bökenkröger sieht große Chance für Bad Oeynhausen Nicole Bliesener Bad Oeynhausen (nw). Die Bäderkur ist zurück. Diese Nachricht könnte der Kurstadt eine glänzende Zukunft bescheren. Die Kur soll künftig wieder zur Kassenleistung werden. Die entsprechende Änderung des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung hat der Bundestag am 11. Juni verabschiedet. Und der Bundesrat hat dieses Gesetz bei seiner jüngsten Plenumssitzung bewilligt. Wörtlich heißt es dazu im Gesetzestext: „Ambulante Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten und stationäre Vorsorgeleistungen werden von Ermessens- in Pflichtleistungen umgewandelt, um dem besonderen Wert der Vorsorgeleistungen für die Gesundheit der Versicherten stärker Rechnung zu tragen.“ Diese Nachricht stimmt Staatsbad-Geschäftsführerin Beate Krämer ausgesprochen positiv. „Das Gesetz geht meines Erachtens genau in die richtige Richtung und macht das Thema „Gesundheit“ für Bad Oeynhausen noch wichtiger“, sagt Beate Krämer. Aber was genau bedeutet dieses neue Gesetz? Niedergelassene Ärzte, vor allem Hausärzte, dürfen ihren Patienten künftig ambulante Leistungen verschreiben, die der Gesundheitsvorsorge dienen, und die gesetzlichen Krankenkassen müssen diese bezahlen. In den vergangenen 26 Jahren lag dies im Ermessensspielraum der Krankenkassen. Nun werden ambulante Kurleistungen wieder zur Pflichtleistung. Nach 1995, dem Jahr der Gesundheitsreform des damaligen Bundesgesundheitsministers Horst Seehofer, lag der Kursektor am Boden. Die Kurpatienten blieben aus, Kurhotels und Sanatorien mussten schließen oder sich eine neue Bestimmung suchen. Früher blieben Kurgäste drei Wochen, heute reisen Selbstzahler oft nach wenigen Tagen wieder ab. Die Gesetzesänderung bieten also auch neue Chancen für die Hotels, Pensionen und Gastronomiebetriebe in Bad Oeynhausen. Gerade diese Branche hat unter der Corona-Pandemie besonders gelitten. „Wir müssen nun zunächst einmal mit allen sprechen“, sagt Beate Krämer. Auch Bürgermeister Lars Bökenkröger sieht in der Gesetzesänderung eine große Chance für die Stadt Bad Oeynhausen, für die Hotellerie, die Gastronomie und auch für den Einzelhandel. „Das ist eine sehr gute Möglichkeit, uns als Heilbad zu profilieren. Wir müssen bestehende Angebote weiter entwickeln und neue aufbauen“, sagt Bökenkröger. „Aber wir müssen aufpassen, dass dieser Zug nicht an uns vorbeifährt“, fügt der Bürgermeister hinzu. Vor allem die Heilbäder in Bayern seien bereits auf diesen Zug aufgesprungen. Denn, in der Diskussion sei die Gesetzesnovelle in der jetzt verabschiedeten Form bereits seit einem halben Jahr. Im Februar 2019 gab es einen ersten Entwurf. „Wenn es gut funktionieren soll, müssen wir unsere Angebote bundesweit bewerben“, ist Staatsbad-Geschäftsführerin Beate Krämer überzeugt. „Jetzt gilt es im ersten Schritt, Kontakt zu allen Beteiligten aufzunehmen“, so Krämer. Und damit meint sie, Ärzte, Krankenkassen, Kliniken, Dienstleister. „Wir müssen jetzt erst mal zusammentragen, welche Leistungen in Bad Oeynhausen verfügbar sind, denn die meisten Kliniken sind bereits jetzt auf Monate ausgebucht“, so Krämer. Gleiches gelte für Anbieter von Präventionsleistungen außerhalb der Reha-Kliniken. „Es ist ein gutes Zeichen, dass jetzt im präventiven Bereich mehr möglich wird“, sagt die Staatsbad-Geschäftsführerin. Bereits seit Längerem gebe es den Trend, dass immer mehr Menschen bereit sind, etwas für ihre Gesundheit zu tun und dies nicht nur zum Nulltarif. Auch bei jüngeren Menschen treffe dies den Nerv der Zeit. Und die Corona-Pandemie habe diesen Trend sogar noch verstärkt, so ihre Einschätzung. Angebote, die die Möglichkeit des Rückzugs, aber auch der aktiven Entspannung böten, seien derzeit auf dem Vormarsch. „Auf diesen Trend haben wir bereits reagiert“, fügt Krämer hinzu. „Mitte August starten wir ein Testangebot. Und zwar mit einer Kur für Gruppen über eine Woche.“ Zum Angebot gehören neben Coachings, Yoga und andere sportliche Angebote. Die Wiedergeburt der Bäderkuren lässt auch ein Comeback der Wannenbäder erwarten und vieler anderer traditioneller Kurangebote, die dem Wohlbefinden und der Gesundheit dienen. Auf Rehabilitationsmaßnahmen bei Erkrankungen, die weiterhin von den Rentenversicherungsträgern finanziert werden und Anschlussheilbehandlungen (AHB), die das Kerngeschäft der Kliniken bilden, hat der Gesetzespassus keine Auswirkungen. Um die Finanzierung der Präventionsangebote müssen sich gesetzlich Versicherte also künftig nicht mehr kümmern, für Unterkunft und Verpflegung müssen sie allerdings weiterhin selbst zahlen. Und: Eine Krankschreibung so wie bei der Reha oder AHB wird es bei der Bäderkur nicht geben. Dafür müssen Gesundheitsbewusste dann Urlaub nehmen.

Die Rückkehr der Bäderkuren: Bürgermeister Bökenkröger sieht große Chance für Bad Oeynhausen

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Bad Oeynhausen (nw). Die Bäderkur ist zurück. Diese Nachricht könnte der Kurstadt eine glänzende Zukunft bescheren. Die Kur soll künftig wieder zur Kassenleistung werden. Die entsprechende Änderung des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung hat der Bundestag am 11. Juni verabschiedet.

Und der Bundesrat hat dieses Gesetz bei seiner jüngsten Plenumssitzung bewilligt. Wörtlich heißt es dazu im Gesetzestext: „Ambulante Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten und stationäre Vorsorgeleistungen werden von Ermessens- in Pflichtleistungen umgewandelt, um dem besonderen Wert der Vorsorgeleistungen für die Gesundheit der Versicherten stärker Rechnung zu tragen.“

Diese Nachricht stimmt Staatsbad-Geschäftsführerin Beate Krämer ausgesprochen positiv. „Das Gesetz geht meines Erachtens genau in die richtige Richtung und macht das Thema „Gesundheit“ für Bad Oeynhausen noch wichtiger“, sagt Beate Krämer. Aber was genau bedeutet dieses neue Gesetz? Niedergelassene Ärzte, vor allem Hausärzte, dürfen ihren Patienten künftig ambulante Leistungen verschreiben, die der Gesundheitsvorsorge dienen, und die gesetzlichen Krankenkassen müssen diese bezahlen. In den vergangenen 26 Jahren lag dies im Ermessensspielraum der Krankenkassen. Nun werden ambulante Kurleistungen wieder zur Pflichtleistung. Nach 1995, dem Jahr der Gesundheitsreform des damaligen Bundesgesundheitsministers Horst Seehofer, lag der Kursektor am Boden. Die Kurpatienten blieben aus, Kurhotels und Sanatorien mussten schließen oder sich eine neue Bestimmung suchen.

Früher blieben Kurgäste drei Wochen, heute reisen Selbstzahler oft nach wenigen Tagen wieder ab. Die Gesetzesänderung bieten also auch neue Chancen für die Hotels, Pensionen und Gastronomiebetriebe in Bad Oeynhausen. Gerade diese Branche hat unter der Corona-Pandemie besonders gelitten.

„Wir müssen nun zunächst einmal mit allen sprechen“, sagt Beate Krämer. Auch Bürgermeister Lars Bökenkröger sieht in der Gesetzesänderung eine große Chance für die Stadt Bad Oeynhausen, für die Hotellerie, die Gastronomie und auch für den Einzelhandel. „Das ist eine sehr gute Möglichkeit, uns als Heilbad zu profilieren. Wir müssen bestehende Angebote weiter entwickeln und neue aufbauen“, sagt Bökenkröger. „Aber wir müssen aufpassen, dass dieser Zug nicht an uns vorbeifährt“, fügt der Bürgermeister hinzu. Vor allem die Heilbäder in Bayern seien bereits auf diesen Zug aufgesprungen. Denn, in der Diskussion sei die Gesetzesnovelle in der jetzt verabschiedeten Form bereits seit einem halben Jahr. Im Februar 2019 gab es einen ersten Entwurf.

„Wenn es gut funktionieren soll, müssen wir unsere Angebote bundesweit bewerben“, ist Staatsbad-Geschäftsführerin Beate Krämer überzeugt. „Jetzt gilt es im ersten Schritt, Kontakt zu allen Beteiligten aufzunehmen“, so Krämer. Und damit meint sie, Ärzte, Krankenkassen, Kliniken, Dienstleister. „Wir müssen jetzt erst mal zusammentragen, welche Leistungen in Bad Oeynhausen verfügbar sind, denn die meisten Kliniken sind bereits jetzt auf Monate ausgebucht“, so Krämer. Gleiches gelte für Anbieter von Präventionsleistungen außerhalb der Reha-Kliniken.

„Es ist ein gutes Zeichen, dass jetzt im präventiven Bereich mehr möglich wird“, sagt die Staatsbad-Geschäftsführerin. Bereits seit Längerem gebe es den Trend, dass immer mehr Menschen bereit sind, etwas für ihre Gesundheit zu tun und dies nicht nur zum Nulltarif. Auch bei jüngeren Menschen treffe dies den Nerv der Zeit. Und die Corona-Pandemie habe diesen Trend sogar noch verstärkt, so ihre Einschätzung.

Angebote, die die Möglichkeit des Rückzugs, aber auch der aktiven Entspannung böten, seien derzeit auf dem Vormarsch. „Auf diesen Trend haben wir bereits reagiert“, fügt Krämer hinzu. „Mitte August starten wir ein Testangebot. Und zwar mit einer Kur für Gruppen über eine Woche.“ Zum Angebot gehören neben Coachings, Yoga und andere sportliche Angebote.

Die Wiedergeburt der Bäderkuren lässt auch ein Comeback der Wannenbäder erwarten und vieler anderer traditioneller Kurangebote, die dem Wohlbefinden und der Gesundheit dienen. Auf Rehabilitationsmaßnahmen bei Erkrankungen, die weiterhin von den Rentenversicherungsträgern finanziert werden und Anschlussheilbehandlungen (AHB), die das Kerngeschäft der Kliniken bilden, hat der Gesetzespassus keine Auswirkungen.

Um die Finanzierung der Präventionsangebote müssen sich gesetzlich Versicherte also künftig nicht mehr kümmern, für Unterkunft und Verpflegung müssen sie allerdings weiterhin selbst zahlen. Und: Eine Krankschreibung so wie bei der Reha oder AHB wird es bei der Bäderkur nicht geben. Dafür müssen Gesundheitsbewusste dann Urlaub nehmen.

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