Die Angst vor dem großen Ladensterben in OWL wächst Bielefeld (nw). Selbst in Zeiten der Corona-Pandemie gibt es positive Meldungen aus dem Einzelhandel. Zum Beispiel aus der Fahrradbranche: „Der Fahrradmarkt boomt – und durch Corona mehr als zuvor!", stellte jetzt das Kölner Institut für Handelsforschung fest. Der Markt, der von 2015 bis 2019 ein 20,3-prozentiges Umsatzwachstum erlebt habe, sei durch die Pandemie weiter angekurbelt worden. Nach dem Ende des Corona-Shutdowns und der Wiedereröffnung der Fahrradgeschäfte habe sich ein „noch nie dagewesener Andrang auf die Läden" ergeben, erklärte Florian Schöps von der Handelsberatung BBE. Hinzu komme „die Entdeckung des Fahrrads als Urlaubsersatz." Bestens zufrieden ist auch der Bielefelder Augenoptiker Thomas Renken: „Bei uns läuft es super, die Umsätze sind sehr zufriedenstellend", sagte der in der Kaufmannschaft engagierte Unternehmer. Den Erfolg führt er unter anderem darauf zurück, dass er beratungsintensive Produkte anbiete, die nicht ohne weiteres durch Bestellungen im Onlineshop zu ersetzen sind. Zunahme an Geschäftsaufgaben im Herbst erwartet All jene Einzelhändler allerdings, deren Geschäft vor allem von internetgängiger Massenware abhängt, durchleben schwere Zeiten. „Wir erwarten eine Zunahme der Geschäftsaufgaben, wenn die Befreiung von der Insolvenzantragspflicht Ende September ausläuft", gibt Thomas Kunz zu, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL. Der Bundesverband HDE befürchtet durch die Coronakrise  Umsatzeinbußen in Höhe von 40 Milliarden Euro und den Verlust von 50.000 Ladenstandorten bundesweit. Die Probleme des stationären Einzelhandels und die Angst vor einer Verödung der Innenstädte sind nicht neu, vor allem Mode- und Schuhgeschäfte leiden seit Jahren unter einem verschärften Preiswettbewerb mit billigen Onlinehändlern und internationalen Ketten. Zudem verändern sich bei der Bekleidung auch Stil und Stellenwert laufend. Die Coronakrise hat die Lage allerdings weiter erschwert. Zahlreiche Unternehmen kämfpen ums Überleben Der Haller Modekonzern Gerry Weber etwa konnte im Frühjahr nur durch ein neues Zukunftskonzept vor einer erneuten Schieflage bewahrt werden. Für den im Modehandel starken Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof aber war die Pandemie eine Krise zuviel – die Essener beantragten im April ein Schutzschirmverfahren nach der Insolvenzordnung. Den gleichen Schritt ging wenige Wochen später die Modehauskette Sinn. Andere Handelsketten – auch abseits der Bekleidungsbranche – haben Filialschließungen angekündigt. Die Parfümeriekette Douglas zum Beispiel will ihr Filialnetz prüfen, eine Ausdünnung ist absehbar. Immerhin betont das Unternehmen, „die Filiale" werde „auch zukünftig eine wesentliche Säule" des Geschäfts sein. Das klingt klug, zumal Düfte im Internet noch nicht erschnuppert werden können. Zahl der Leerstände in OWL noch nicht auffällig gestiegen Die Zahl der Leerstände ist in OWL bisher noch nicht stark angestiegen, zumindest nicht in den größeren Städten wie Bielefeld und Paderborn. „Die Veränderungen sind bisher weniger in den Zentren als in den mittelgroßen und kleineren Städten sichtbar", sagt Harald Grefe, Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. Das jahrzehntelange Wachstum der Einzelhandelsflächen sei aber bereits vor einigen Jahren zum Stillstand gekommen. Eine bundesweit zu beobachtende Reaktion auf die Probleme des stationären Handels sei der Einzug von Cafés, Kneipen und Restaurants in freiwerdende Ladenlokale, bestätigt Grefe. „Das bringt Belebung in die Städte, aber das Nachfragepotenzial ist natürlich beschränkt", warnt Grefe. Erreichbarkeit und Mieten sind Stellschrauben Eine andere Stellschraube im ansonsten begrenzten Repertoire der Politik sei die Erreichbarkeit der Innenstädte: „Die Hürden sollten hier nicht zu hoch gezogen werden", sagt Grefe mit Blick etwa auf den Rückbau von Straßen.Den gleichen Punkt nennt auch der Bielefelder Thomas Renken: „Wir müssen erreichbar sein." Ein weiterer Aspekt seien die Standortkosten: „Vermieter von Ladenlokalen müssen über die Höhe ihrer Mieten nachdenken", weiß Renken. Wirtschaftsminister Altmaier will Konzept entwickeln Die Angst vor einem Ladensterben sind so groß, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier darüber nachdenkt, wie Pleiten kleinerer Läden verhindert werden können. „Wir müssen Konzepte zur Wiederbelebung der Innenstädte entwickeln", sagt der CDU-Politiker. Eine Chance könne darin liegen, Fachgeschäfte und Gastronomie besser in die Digitalisierung einzubeziehen.

Die Angst vor dem großen Ladensterben in OWL wächst

Blick in eine belebte Einkaufsstraße: Die Maskenpflicht hemmt bei vielen Kunden die Einkaufsfreude. © Marius Becker/dpa

Bielefeld (nw). Selbst in Zeiten der Corona-Pandemie gibt es positive Meldungen aus dem Einzelhandel. Zum Beispiel aus der Fahrradbranche: „Der Fahrradmarkt boomt – und durch Corona mehr als zuvor!", stellte jetzt das Kölner Institut für Handelsforschung fest. Der Markt, der von 2015 bis 2019 ein 20,3-prozentiges Umsatzwachstum erlebt habe, sei durch die Pandemie weiter angekurbelt worden. Nach dem Ende des Corona-Shutdowns und der Wiedereröffnung der Fahrradgeschäfte habe sich ein „noch nie dagewesener Andrang auf die Läden" ergeben, erklärte Florian Schöps von der Handelsberatung BBE. Hinzu komme „die Entdeckung des Fahrrads als Urlaubsersatz."

Bestens zufrieden ist auch der Bielefelder Augenoptiker Thomas Renken: „Bei uns läuft es super, die Umsätze sind sehr zufriedenstellend", sagte der in der Kaufmannschaft engagierte Unternehmer. Den Erfolg führt er unter anderem darauf zurück, dass er beratungsintensive Produkte anbiete, die nicht ohne weiteres durch Bestellungen im Onlineshop zu ersetzen sind.

Zunahme an Geschäftsaufgaben im Herbst erwartet

All jene Einzelhändler allerdings, deren Geschäft vor allem von internetgängiger Massenware abhängt, durchleben schwere Zeiten. „Wir erwarten eine Zunahme der Geschäftsaufgaben, wenn die Befreiung von der Insolvenzantragspflicht Ende September ausläuft", gibt Thomas Kunz zu, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL.

Der Bundesverband HDE befürchtet durch die Coronakrise  Umsatzeinbußen in Höhe von 40 Milliarden Euro und den Verlust von 50.000 Ladenstandorten bundesweit.

Die Probleme des stationären Einzelhandels und die Angst vor einer Verödung der Innenstädte sind nicht neu, vor allem Mode- und Schuhgeschäfte leiden seit Jahren unter einem verschärften Preiswettbewerb mit billigen Onlinehändlern und internationalen Ketten. Zudem verändern sich bei der Bekleidung auch Stil und Stellenwert laufend. Die Coronakrise hat die Lage allerdings weiter erschwert.

Zahlreiche Unternehmen kämfpen ums Überleben

Der Haller Modekonzern Gerry Weber etwa konnte im Frühjahr nur durch ein neues Zukunftskonzept vor einer erneuten Schieflage bewahrt werden. Für den im Modehandel starken Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof aber war die Pandemie eine Krise zuviel – die Essener beantragten im April ein Schutzschirmverfahren nach der Insolvenzordnung. Den gleichen Schritt ging wenige Wochen später die Modehauskette Sinn.

Andere Handelsketten – auch abseits der Bekleidungsbranche – haben Filialschließungen angekündigt. Die Parfümeriekette Douglas zum Beispiel will ihr Filialnetz prüfen, eine Ausdünnung ist absehbar. Immerhin betont das Unternehmen, „die Filiale" werde „auch zukünftig eine wesentliche Säule" des Geschäfts sein. Das klingt klug, zumal Düfte im Internet noch nicht erschnuppert werden können.

Zahl der Leerstände in OWL noch nicht auffällig gestiegen

Die Zahl der Leerstände ist in OWL bisher noch nicht stark angestiegen, zumindest nicht in den größeren Städten wie Bielefeld und Paderborn. „Die Veränderungen sind bisher weniger in den Zentren als in den mittelgroßen und kleineren Städten sichtbar", sagt Harald Grefe, Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. Das jahrzehntelange Wachstum der Einzelhandelsflächen sei aber bereits vor einigen Jahren zum Stillstand gekommen.

Eine bundesweit zu beobachtende Reaktion auf die Probleme des stationären Handels sei der Einzug von Cafés, Kneipen und Restaurants in freiwerdende Ladenlokale, bestätigt Grefe. „Das bringt Belebung in die Städte, aber das Nachfragepotenzial ist natürlich beschränkt", warnt Grefe.

Erreichbarkeit und Mieten sind Stellschrauben

Eine andere Stellschraube im ansonsten begrenzten Repertoire der Politik sei die Erreichbarkeit der Innenstädte: „Die Hürden sollten hier nicht zu hoch gezogen werden", sagt Grefe mit Blick etwa auf den Rückbau von Straßen.
Den gleichen Punkt nennt auch der Bielefelder Thomas Renken: „Wir müssen erreichbar sein."

Ein weiterer Aspekt seien die Standortkosten: „Vermieter von Ladenlokalen müssen über die Höhe ihrer Mieten nachdenken", weiß Renken.

Wirtschaftsminister Altmaier will Konzept entwickeln

Die Angst vor einem Ladensterben sind so groß, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier darüber nachdenkt, wie Pleiten kleinerer Läden verhindert werden können. „Wir müssen Konzepte zur Wiederbelebung der Innenstädte entwickeln", sagt der CDU-Politiker. Eine Chance könne darin liegen, Fachgeschäfte und Gastronomie besser in die Digitalisierung einzubeziehen.

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