Das waren die kuriosesten Polizeieinsätze 2020 im Kreis Minden-Lübbecke Kirsten Tirre Kreis Minden-Lübbecke. Unfälle, Einbrüche, Trunkenheitsfahrten, Betrugsfälle oder auch Verstöße gegen die Corona-Auflagen: Rund 30.400 Einsätze hielten vergangenes Jahr die Polizistinnen und Polizisten im Kreis Minden-Lübbecke in Atem. Unter den Einsätzen 2020 waren auch wieder einige kuriose und außergewöhnliche. Gleich zweimal geblitzt Besonders unangenehm fiel der Polizei bei Geschwindigkeitskontrollen ein Hüllhorster auf, der Mitte Juli in nur sechs Minuten gleich zweimal geblitzt wurde. Beim ersten Mal steuerte der Ford-Fahrer innerorts gegen 11.30 Uhr mit 72 Stundenkilometern auf der Schnathorster Straße auf die Messstelle zu. Da er offenbar etwas vergessen hatte, wendete er und fuhr zurück. Nur sechs Minuten später lenkte er den Wagen abermals auf die Beamten zu und wurde erneut geblitzt: dieses Mal mit Tempo 106 km/h. Das bedeutete zwei Punkte, ein zweimonatiges Fahrverbot sowie eine Geldbuße von 280 Euro. Ungebetener Besuch am Kaiser-Wilhelm-Denkmal Mitglieder der Gruppierung „Ewiger Bund" sorgten im August für einen Großeinsatz der Polizei am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica. Rund 20 Personen hatten sich mit Fahnen, darunter auch die Reichskriegsflagge, zum Denkmal begeben. Die Beamten lösten die nicht angemeldete Versammlung auf, an der Personen aus mehreren Bundesländern – darunter auch Sachsen und Sachsen-Anhalt – teilgenommen hatten. An deren Autos befanden sich Aufkleber aus der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene. Neben den Fahnen stellte die Polizei auch ein Messer, Tierabwehrspray, Betäubungsmittel sowie eine Videokamera sicher. Die Gruppe erhielt einen Platzverweis und musste in ihren Autos unter Beobachtung der Polizei den Mühlenkreis über die A2 Richtung Ruhrgebiet verlassen. Der Staatsschutz wurde informiert. Die heimischen Ordnungshüter erhielten Unterstützung durch Kräfte einer Hundertschaft aus Bielefeld. Explosiver Fang an der Angel Oft sind es Gießkannen oder Fahrradteile, die Schatzsucher aus Gewässer mit einer Magnetangel an das Tageslicht befördern. Mit einem explosiven Fang hatte ein 38-Jähriger aus Porta Westfalica sicher nicht gerechnet, der im August am Schleusenkanal in Windheim angelte. Der Mann fischte mit seiner Magnet-Angel eine rund 26 Zentimeter lange Granate aus dem Wasser. Bis zur ersten Sicherung der offensichtlichen Kriegsmunition sperrten die Beamten den Schleusenkanal kurzfristig ab. Der Kampfmittelräumdienst rückte zur Beseitigung der Granate aus. Hungriges Quartett Ein offenbar sehr hungriges Quartett nahm die Polizei im September fest. Vier junge Männer aus Löhne, Petershagen und Rahden standen im Verdacht, des Nachts in das Schnellrestaurant Kentucky Fried Chicken in Bad Oeynhausen eingedrungen zu sein. Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren machten sich an den Kühlschränken in dem Fast-Food-Restaurant zu schaffen und verzehrten die Lebensmittel noch auf dem Gelände. Als die Polizisten eintrafen, unternahm das Quartett erfolglos einen Fluchtversuch. Bei der Vernehmung gaben die „Mundräuber" später an, sie hätten eine unverschlossene Tür vorgefunden. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft wurden die Verdächtigen im Laufe des Tages aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Ob sie zu diesem Zeitpunkt noch satt waren, ist nicht bekannt. Rind greift Mann an Durch den Angriff eines seiner schottischen Hochlandrinder wurde im Oktober auf einer Weide in Lübbecke-Obermehnen ein 66-jähriger Hüllhorster schwer verletzt. Gemeinsam mit einem Verwandten wollte er die Rinder zusammentreiben. Das Tier soll den Mann mehrmals mit den Hörnern durch die Luft geschleudert haben. Als das Rind von dem Mann abließ, gelang es der Frau, gemeinsam mit ihrer Tochter den Verletzten wegzuziehen. Das gegenüber den Einsatzkräften als grundsätzlich friedlich beschriebene Tier soll bereits zuvor gegenüber einem anderen Rind aggressiv aufgetreten sein. Ein alarmierter Notarzt sowie eine Rettungswagenbesatzung kümmerten sich um den Mann und brachten ihn ihn ins Krankenhaus. Wasserschutzpolizei zieht Auto aus Mittellandkanal In November verwüsteten Unbekannte den Sportplatz in Hille-Hartum. Sie fuhren die Eisenschranke an der Zufahrt um und führten auf dem Rasen Schleuderübungen durch. Außerdem überfuhren sie auch noch zwei Fußballtore sowie einen Holzzaun. Sachschaden: 5.000 Euro. Auf dem Sportplatz fand die Polizei später Fahrzeugteile, die Rückschlüsse auf einen Mercedes erlaubten. Die Verursacher waren abgetaucht, der Wagen tauchte allerdings auf. Und zwar zwei Tage später im Mittellandkanal. Einsatzkräfte des Wasser- und Schifffahrtsamtes bargen nach Hinweisen einen Mercedes V-Klasse mit Schwimmponton und einem Kran aus dem Wasser. Das Firmenfahrzeug wurde kurz zuvor gestohlen. Dreijähriger mit Laufrad unterwegs Offenbar Lust auf einen Ausflug ohne Erwachsene hatte ein Dreijähriger, der sich Anfang Dezember mit seinem Laufrad auf dem Gehweg entlang der viel befahrenen Ringstraße in Minden aufmachte. Eine Passantin hatte das Kind bemerkt und die Polizei verständigt. Mit den Verkehrsvorschriften war der kleine Mann gut vertraut. So hatte er ordnungsgemäß bei Grün die Straße überquert, wofür es ein Lob von den Beamten gab. Dafür mangelte es dem Jungen noch ein wenig an den Ortskenntnissen. Zur Klärung der Frage nach seinem Zuhause konnte er weniger beitragen. Da passte es gut, dass seine zufällig vorbeikommende Großmutter auf die Situation aufmerksam wurde. Gemeinsam mit den Beamten machten sich Oma und Enkel auf den nur wenige hundert Meter langen Heimweg. Dort angekommen, konnte schnell geklärt werden, dass der Dreijährige unbemerkt das elterliche Grundstück verlassen hatte. Wohin ihn sein morgendlicher Ausflug führen sollte, konnten ihm die Beamten letztlich nicht entlocken. Statt Quarantäne betrunken hinterm Steuer Eine äußerst unangenehme Situation erlebten die Beamten im Dezember bei der nächtlichen Kontrolle es 41-jährigen Autofahrers in Espelkamp. Deutlich nach Alkohol riechend gab der Mann zu Protokoll, dass er am Coronavirus erkrankt sei und setzte sich eine Schutzmaske auf. Ausweisen konnte er sich nicht. Auch hatte er offenbar keinen Führerschein. Die Ordnungshüter brachten den Mann ins Krankenhaus, wo ihm eine Blutprobe entnommen wurde. Anschließend sorgten die Beamten dafür, dass der Mann seine häusliche Quarantäne wieder einhielt. Er wird sich jetzt wegen des Verstoßes gegen die Ausgangssperre und gegen das Infektionsschutzgesetz sowie wegen Trunkenheit am Steuer und des Verdachts des Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten müssen.

Das waren die kuriosesten Polizeieinsätze 2020 im Kreis Minden-Lübbecke

Ein schottisches Hochland-Rind wie dieses war im Oktober aus einer Weide in Obermehnen ausgebüxt. © Meiko Haselhorst

Kreis Minden-Lübbecke. Unfälle, Einbrüche, Trunkenheitsfahrten, Betrugsfälle oder auch Verstöße gegen die Corona-Auflagen: Rund 30.400 Einsätze hielten vergangenes Jahr die Polizistinnen und Polizisten im Kreis Minden-Lübbecke in Atem. Unter den Einsätzen 2020 waren auch wieder einige kuriose und außergewöhnliche.

Gleich zweimal geblitzt

Besonders unangenehm fiel der Polizei bei Geschwindigkeitskontrollen ein Hüllhorster auf, der Mitte Juli in nur sechs Minuten gleich zweimal geblitzt wurde. Beim ersten Mal steuerte der Ford-Fahrer innerorts gegen 11.30 Uhr mit 72 Stundenkilometern auf der Schnathorster Straße auf die Messstelle zu.

Da er offenbar etwas vergessen hatte, wendete er und fuhr zurück. Nur sechs Minuten später lenkte er den Wagen abermals auf die Beamten zu und wurde erneut geblitzt: dieses Mal mit Tempo 106 km/h. Das bedeutete zwei Punkte, ein zweimonatiges Fahrverbot sowie eine Geldbuße von 280 Euro.

Ungebetener Besuch am Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Mitglieder der Gruppierung „Ewiger Bund" sorgten im August für einen Großeinsatz der Polizei am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica. Rund 20 Personen hatten sich mit Fahnen, darunter auch die Reichskriegsflagge, zum Denkmal begeben. Die Beamten lösten die nicht angemeldete Versammlung auf, an der Personen aus mehreren Bundesländern – darunter auch Sachsen und Sachsen-Anhalt – teilgenommen hatten.

An deren Autos befanden sich Aufkleber aus der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene. Neben den Fahnen stellte die Polizei auch ein Messer, Tierabwehrspray, Betäubungsmittel sowie eine Videokamera sicher. Die Gruppe erhielt einen Platzverweis und musste in ihren Autos unter Beobachtung der Polizei den Mühlenkreis über die A2 Richtung Ruhrgebiet verlassen. Der Staatsschutz wurde informiert. Die heimischen Ordnungshüter erhielten Unterstützung durch Kräfte einer Hundertschaft aus Bielefeld.

Explosiver Fang an der Angel

Oft sind es Gießkannen oder Fahrradteile, die Schatzsucher aus Gewässer mit einer Magnetangel an das Tageslicht befördern. Mit einem explosiven Fang hatte ein 38-Jähriger aus Porta Westfalica sicher nicht gerechnet, der im August am Schleusenkanal in Windheim angelte.

Der Mann fischte mit seiner Magnet-Angel eine rund 26 Zentimeter lange Granate aus dem Wasser. Bis zur ersten Sicherung der offensichtlichen Kriegsmunition sperrten die Beamten den Schleusenkanal kurzfristig ab. Der Kampfmittelräumdienst rückte zur Beseitigung der Granate aus.

Mit einer sogenannten Magnetangel fischte ein Portaner diese Granate aus dem Wasser des Schleusenkanals in Windheim. - © Wasserschutzpolizei
Mit einer sogenannten Magnetangel fischte ein Portaner diese Granate aus dem Wasser des Schleusenkanals in Windheim. - © Wasserschutzpolizei

Hungriges Quartett

Ein offenbar sehr hungriges Quartett nahm die Polizei im September fest. Vier junge Männer aus Löhne, Petershagen und Rahden standen im Verdacht, des Nachts in das Schnellrestaurant Kentucky Fried Chicken in Bad Oeynhausen eingedrungen zu sein. Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren machten sich an den Kühlschränken in dem Fast-Food-Restaurant zu schaffen und verzehrten die Lebensmittel noch auf dem Gelände.

Als die Polizisten eintrafen, unternahm das Quartett erfolglos einen Fluchtversuch. Bei der Vernehmung gaben die „Mundräuber" später an, sie hätten eine unverschlossene Tür vorgefunden. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft wurden die Verdächtigen im Laufe des Tages aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Ob sie zu diesem Zeitpunkt noch satt waren, ist nicht bekannt.

Rind greift Mann an

Durch den Angriff eines seiner schottischen Hochlandrinder wurde im Oktober auf einer Weide in Lübbecke-Obermehnen ein 66-jähriger Hüllhorster schwer verletzt. Gemeinsam mit einem Verwandten wollte er die Rinder zusammentreiben. Das Tier soll den Mann mehrmals mit den Hörnern durch die Luft geschleudert haben. Als das Rind von dem Mann abließ, gelang es der Frau, gemeinsam mit ihrer Tochter den Verletzten wegzuziehen.

Das gegenüber den Einsatzkräften als grundsätzlich friedlich beschriebene Tier soll bereits zuvor gegenüber einem anderen Rind aggressiv aufgetreten sein. Ein alarmierter Notarzt sowie eine Rettungswagenbesatzung kümmerten sich um den Mann und brachten ihn ihn ins Krankenhaus.

Wasserschutzpolizei zieht Auto aus Mittellandkanal

In November verwüsteten Unbekannte den Sportplatz in Hille-Hartum. Sie fuhren die Eisenschranke an der Zufahrt um und führten auf dem Rasen Schleuderübungen durch. Außerdem überfuhren sie auch noch zwei Fußballtore sowie einen Holzzaun. Sachschaden: 5.000 Euro. Auf dem Sportplatz fand die Polizei später Fahrzeugteile, die Rückschlüsse auf einen Mercedes erlaubten.

Die Verursacher waren abgetaucht, der Wagen tauchte allerdings auf. Und zwar zwei Tage später im Mittellandkanal. Einsatzkräfte des Wasser- und Schifffahrtsamtes bargen nach Hinweisen einen Mercedes V-Klasse mit Schwimmponton und einem Kran aus dem Wasser. Das Firmenfahrzeug wurde kurz zuvor gestohlen.

Unbekannte verwüsteten mit einem gestohlenen Wagen den Sportplatz in Hartum. - © Polizei Minden-Lübbecke
Unbekannte verwüsteten mit einem gestohlenen Wagen den Sportplatz in Hartum. - © Polizei Minden-Lübbecke

Dreijähriger mit Laufrad unterwegs

Offenbar Lust auf einen Ausflug ohne Erwachsene hatte ein Dreijähriger, der sich Anfang Dezember mit seinem Laufrad auf dem Gehweg entlang der viel befahrenen Ringstraße in Minden aufmachte. Eine Passantin hatte das Kind bemerkt und die Polizei verständigt. Mit den Verkehrsvorschriften war der kleine Mann gut vertraut. So hatte er ordnungsgemäß bei Grün die Straße überquert, wofür es ein Lob von den Beamten gab. Dafür mangelte es dem Jungen noch ein wenig an den Ortskenntnissen.

Zur Klärung der Frage nach seinem Zuhause konnte er weniger beitragen. Da passte es gut, dass seine zufällig vorbeikommende Großmutter auf die Situation aufmerksam wurde. Gemeinsam mit den Beamten machten sich Oma und Enkel auf den nur wenige hundert Meter langen Heimweg. Dort angekommen, konnte schnell geklärt werden, dass der Dreijährige unbemerkt das elterliche Grundstück verlassen hatte. Wohin ihn sein morgendlicher Ausflug führen sollte, konnten ihm die Beamten letztlich nicht entlocken.

Statt Quarantäne betrunken hinterm Steuer

Eine äußerst unangenehme Situation erlebten die Beamten im Dezember bei der nächtlichen Kontrolle es 41-jährigen Autofahrers in Espelkamp. Deutlich nach Alkohol riechend gab der Mann zu Protokoll, dass er am Coronavirus erkrankt sei und setzte sich eine Schutzmaske auf. Ausweisen konnte er sich nicht. Auch hatte er offenbar keinen Führerschein.

Die Ordnungshüter brachten den Mann ins Krankenhaus, wo ihm eine Blutprobe entnommen wurde. Anschließend sorgten die Beamten dafür, dass der Mann seine häusliche Quarantäne wieder einhielt. Er wird sich jetzt wegen des Verstoßes gegen die Ausgangssperre und gegen das Infektionsschutzgesetz sowie wegen Trunkenheit am Steuer und des Verdachts des Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten müssen.

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