Couragierter Augenzeuge im Mordprozess gegen Albert S. aus Preußisch Oldendorf Nils Middelhauve Preußisch Oldendorf/Bielefeld (nw). Mehrere Männer und Frauen handelten am 5. Januar dieses Jahres am Zentralen Busbahnhof (ZOB) in Preußisch Oldendorf ausgesprochen couragiert – den gewaltsamen Tod einer 54 Jahre alten Frau konnten sie aber nicht mehr verhindern. Vor dem Bielefelder Landgericht ist gestern der Prozess gegen den 59 Jahre alten Albert S. aus Preußisch Oldendorf mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt worden. Er ist angeklagt, an jenem Januartag seine getrennt von ihm lebende Ehefrau auf offener Straße erschossen zu haben (das MT berichtete). „Ich befand mich mit meiner Frau ein paar Meter weiter auf einer anderen Straße, als ich plötzlich einen Knall hörte. Da es der 5. Januar war, dachte ich zunächst an eine Silvesterrakete“, berichtete einer der Zeugen vor Gericht und schilderte, das Paar sei dann weiter Richtung Busbahnhof gegangen. „Auf einmal sah ich ein rangelndes Paar. Eine Frau riss sich los, rief um Hilfe und lief auf die andere Straßenseite. Der Mann folgte ihr. Ich habe mich dann dazwischen gestellt, während sich meine Frau um die andere Frau kümmerte“, berichtete der Zeuge. Dabei habe Albert S. mehrmals versucht, mit der Pistole an ihm vorbei auf die Frau zu zielen: „Er hatte dabei einen irren, leeren Blick.“ Er habe „beruhigend auf ihn eingeredet und dann die Polizei gerufen“, so der couragierte Helfer. Ihm sei zunächst gar nicht klar gewesen, was überhaupt geschehen sei. Auch als die später Verstorbene zusammengesackt sei, habe er sich dies zunächst nicht erklären können: „Ich habe äußerlich an ihr keinerlei Verletzungen wahrgenommen.“ Albert S. habe sich dann von seiner Frau und den Zeugen entfernt und sei von weiteren Personen schließlich von hinten überwältigt worden. Von der Polizei habe sich S. widerstandslos festnehmen lassen. Am vorangegangenen Verhandlungstag hatte Albert S. vor Gericht angegeben, er habe, nachdem sich wohl versehentlich ein Schuss gelöst und seine Frau sich losgerissen hatte, die Waffe auf sich selbst gerichtet. „Etwas derartiges habe ich jedenfalls nicht wahrgenommen“, berichtete der Zeuge nun. Vielmehr habe S. – da waren sich alle Zeugen einig – nochmals versucht, einen Schuss auf seine Frau abzugeben. Dabei habe er auch auf den Kopf des Opfers gezielt, ein Schuss habe sich aber letztlich nicht mehr gelöst. Noch ein weiteres Ehepaar war seinerzeit auf das Geschehen aufmerksam geworden: Während der Mann sich zu den Zeugen begab, die Albert S. in Schach hielten, hockte sich die Frau zu der Sterbenden: „Ich habe ihr gut zugeredet. Aber ich glaube, sie hat mich gar nicht mehr wahrgenommen“, berichtete die 40-Jährige. Sie sei sich jedoch relativ sicher, dass ihr Mann und sie zuvor nicht nur einen, sondern zwei Schüsse gehört hätten. Der Prozess gegen den Preußisch Oldendorfer wird am 15. Juli fortgesetzt.

Couragierter Augenzeuge im Mordprozess gegen Albert S. aus Preußisch Oldendorf

Preußisch Oldendorf/Bielefeld (nw). Mehrere Männer und Frauen handelten am 5. Januar dieses Jahres am Zentralen Busbahnhof (ZOB) in Preußisch Oldendorf ausgesprochen couragiert – den gewaltsamen Tod einer 54 Jahre alten Frau konnten sie aber nicht mehr verhindern.

Vor dem Bielefelder Landgericht ist gestern der Prozess gegen den 59 Jahre alten Albert S. aus Preußisch Oldendorf mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt worden. Er ist angeklagt, an jenem Januartag seine getrennt von ihm lebende Ehefrau auf offener Straße erschossen zu haben (das MT berichtete).

„Ich befand mich mit meiner Frau ein paar Meter weiter auf einer anderen Straße, als ich plötzlich einen Knall hörte. Da es der 5. Januar war, dachte ich zunächst an eine Silvesterrakete“, berichtete einer der Zeugen vor Gericht und schilderte, das Paar sei dann weiter Richtung Busbahnhof gegangen.

„Auf einmal sah ich ein rangelndes Paar. Eine Frau riss sich los, rief um Hilfe und lief auf die andere Straßenseite. Der Mann folgte ihr. Ich habe mich dann dazwischen gestellt, während sich meine Frau um die andere Frau kümmerte“, berichtete der Zeuge. Dabei habe Albert S. mehrmals versucht, mit der Pistole an ihm vorbei auf die Frau zu zielen: „Er hatte dabei einen irren, leeren Blick.“ Er habe „beruhigend auf ihn eingeredet und dann die Polizei gerufen“, so der couragierte Helfer.

Ihm sei zunächst gar nicht klar gewesen, was überhaupt geschehen sei. Auch als die später Verstorbene zusammengesackt sei, habe er sich dies zunächst nicht erklären können: „Ich habe äußerlich an ihr keinerlei Verletzungen wahrgenommen.“ Albert S. habe sich dann von seiner Frau und den Zeugen entfernt und sei von weiteren Personen schließlich von hinten überwältigt worden. Von der Polizei habe sich S. widerstandslos festnehmen lassen.

Am vorangegangenen Verhandlungstag hatte Albert S. vor Gericht angegeben, er habe, nachdem sich wohl versehentlich ein Schuss gelöst und seine Frau sich losgerissen hatte, die Waffe auf sich selbst gerichtet.

„Etwas derartiges habe ich jedenfalls nicht wahrgenommen“, berichtete der Zeuge nun. Vielmehr habe S. – da waren sich alle Zeugen einig – nochmals versucht, einen Schuss auf seine Frau abzugeben. Dabei habe er auch auf den Kopf des Opfers gezielt, ein Schuss habe sich aber letztlich nicht mehr gelöst.

Noch ein weiteres Ehepaar war seinerzeit auf das Geschehen aufmerksam geworden: Während der Mann sich zu den Zeugen begab, die Albert S. in Schach hielten, hockte sich die Frau zu der Sterbenden: „Ich habe ihr gut zugeredet. Aber ich glaube, sie hat mich gar nicht mehr wahrgenommen“, berichtete die 40-Jährige. Sie sei sich jedoch relativ sicher, dass ihr Mann und sie zuvor nicht nur einen, sondern zwei Schüsse gehört hätten. Der Prozess gegen den Preußisch Oldendorfer wird am 15. Juli fortgesetzt.

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