Corona-Folgen: Wenn scharfes Essen geruchs- und geschmacklos wird Ingo Müntz Minden-Lübbecke. Lachen fällt manchmal schwer in Coronazeiten. Doch neulich gab es diesen besonderen Corona-Spaß. "Zwei, drei, vier, fünf - mal gucken ob ich was schmecke", sagt Emmi M. und schaufelt sich ultrascharfe Jalapenos auf ihren Chili con Carne-Haufen. Ein Löffel, zwei Löffel verschwinden im Mund der 40-Jährigen. "Ich merke zwar, wie es im Magen anfängt zu brennen. Aber im Mund?! Nix." Emmi M. hatte im Dezember ein positives Covid-Testergebnis erhalten. Schlapp war sie, Husten, "aber kein Fieber. Die Abgeschlagenheit ist geblieben. Und ich schmecke und rieche nichts. Aber es kann mir jetzt auch niemand sagen, wann das besser wird. Ich muss wohl abwarten." Thorsten Pohle schmunzelt ein wenig über den Selbstversuch der jungen Frau. Und sortiert das fachlich ein. "Naja, so etwas wie ein Trainingsprogramm zum Reaktivieren des Geschmacks- und Geruchssinns gibt es nicht", sagt der Facharzt für Innere Medizin. "Diese Störungen nach einer Covid-Infektion sind sehr prominent und betreffen viele Patienten. Und was auffällt ist, dass diese Folgen insbesondere bei einem eher milden Verlauf der Erkrankung auftreten", sagt der Chefarzt der Medizinischen Klinik I im Klinikum Herford. "Das hängt auch damit zusammen, dass so ein Symptom bei schweren Verläufen nebensächlich ist. Da geht es darum, dass die Patienten mit Sauerstoff versorgt werden." Doch was passiert da eigentlich? "Bei 50 bis 80 Prozent der Patienten treten die Störungen auf. Und die betreffen vor allem den Geruchssinn, der letztlich den Geschmackssinn unterstützt", sagt Thorsten Pohle. Geschmackssinn bestehe lediglich aus süß, salzig, sauer und bitter. Zellen, die Nervenzellen umgebe und Geruch zuliefern, seien gestört. Und die liegen im oberen Atemwegsbereich, wo sich besonders viele Viren einnisten. "Die gute Nachricht: Meistens regenerieren sich die Zellen. Und der Transport von Geruch funktioniert dann wieder. Riechen und schmecken kommt in den überwiegenden Fällen wieder." Die zweite Nachricht: Man weiß allerdings nicht genau wann. Genaue Zahlen gibt es noch nicht, sagt Pohle. "Wir haben diese Covid-Situation erst seit neun Monaten." Und als Rat für Emmi M.: "Als Betroffener kann man nicht so viel machen. Ein positives Zeichen ist es, wenn man üble Gerüche wieder wahrnimmt." Dann regenerieren die Zellen wieder und sind noch ein bisschen falsch gepolt. "Das Gehirn bringt das dann aber wieder in Ordnung. Der ganze Prozess kann sich über Monate hinziehen. Auf jeden Fall darf man den Mut nicht verlieren. Die Abgeschlagenheit ist übrigens ein gutes Zeichen: Es ist ein Indiz für ein funktionierendes Immunsystem." Und zu Emmis Selbstversuch: "Genau genommen triggert diese Schärfe auch eher Schmerzrezeptoren, als den Geschmackssinn", sagt er und lacht. Emmi M. trägt es mit Fassung. "Aber das ist ein starker Einschnitt in die Lebensqualität. Essen macht keinen Spaß, kochen macht keinen Spaß." Und im Büro weiß sie nicht, ob "ich stinke, trotz Dusche. Ich reiche an mir nichts. Auch wenn es brennen würde, könnte ich niemanden warnen und retten." Jetzt schleppt sie sich noch kurzatmig die Bürotreppen hoch und trinkt nur noch schwarzen Kaffee. Sei je eh egal. "Aber mir fällt auf, dass ich deutlich mehr esse, obwohl ich nichts schmecke. Oder möglicherweise deshalb." Wie ist sie auf das Symptom und damit auf die Infektion aufmerksam geworden? "Ich wollte Waschmittel kaufen und habe die Nase reingehalten. Aber gar nichts gerochen. Dann musste ich zuhause mein Essen stark nachsalzen. Hat aber nichts gebracht. Danach bin ich zum Hausarzt gegangen und habe mich testen lassen."

Corona-Folgen: Wenn scharfes Essen geruchs- und geschmacklos wird

Essen schmeckt nur gut, wenn der Geruchssinn funktioniert. © Symbolfoto/Alexander Graßhoff

Minden-Lübbecke. Lachen fällt manchmal schwer in Coronazeiten. Doch neulich gab es diesen besonderen Corona-Spaß. "Zwei, drei, vier, fünf - mal gucken ob ich was schmecke", sagt Emmi M. und schaufelt sich ultrascharfe Jalapenos auf ihren Chili con Carne-Haufen. Ein Löffel, zwei Löffel verschwinden im Mund der 40-Jährigen. "Ich merke zwar, wie es im Magen anfängt zu brennen. Aber im Mund?! Nix."

Emmi M. hatte im Dezember ein positives Covid-Testergebnis erhalten. Schlapp war sie, Husten, "aber kein Fieber. Die Abgeschlagenheit ist geblieben. Und ich schmecke und rieche nichts. Aber es kann mir jetzt auch niemand sagen, wann das besser wird. Ich muss wohl abwarten."

Thorsten Pohle schmunzelt ein wenig über den Selbstversuch der jungen Frau. Und sortiert das fachlich ein. "Naja, so etwas wie ein Trainingsprogramm zum Reaktivieren des Geschmacks- und Geruchssinns gibt es nicht", sagt der Facharzt für Innere Medizin. "Diese Störungen nach einer Covid-Infektion sind sehr prominent und betreffen viele Patienten. Und was auffällt ist, dass diese Folgen insbesondere bei einem eher milden Verlauf der Erkrankung auftreten", sagt der Chefarzt der Medizinischen Klinik I im Klinikum Herford. "Das hängt auch damit zusammen, dass so ein Symptom bei schweren Verläufen nebensächlich ist. Da geht es darum, dass die Patienten mit Sauerstoff versorgt werden."

Versuchsaufbau: Jalapenos, Tabasco und Chili con Carne. - © privat
Versuchsaufbau: Jalapenos, Tabasco und Chili con Carne. - © privat

Doch was passiert da eigentlich? "Bei 50 bis 80 Prozent der Patienten treten die Störungen auf. Und die betreffen vor allem den Geruchssinn, der letztlich den Geschmackssinn unterstützt", sagt Thorsten Pohle. Geschmackssinn bestehe lediglich aus süß, salzig, sauer und bitter. Zellen, die Nervenzellen umgebe und Geruch zuliefern, seien gestört. Und die liegen im oberen Atemwegsbereich, wo sich besonders viele Viren einnisten. "Die gute Nachricht: Meistens regenerieren sich die Zellen. Und der Transport von Geruch funktioniert dann wieder. Riechen und schmecken kommt in den überwiegenden Fällen wieder." Die zweite Nachricht: Man weiß allerdings nicht genau wann.

Chefarzt Thorsten Pohle vom Klinikum Herford. - © Klinikum Herford
Chefarzt Thorsten Pohle vom Klinikum Herford. - © Klinikum Herford

Genaue Zahlen gibt es noch nicht, sagt Pohle. "Wir haben diese Covid-Situation erst seit neun Monaten." Und als Rat für Emmi M.: "Als Betroffener kann man nicht so viel machen. Ein positives Zeichen ist es, wenn man üble Gerüche wieder wahrnimmt." Dann regenerieren die Zellen wieder und sind noch ein bisschen falsch gepolt. "Das Gehirn bringt das dann aber wieder in Ordnung. Der ganze Prozess kann sich über Monate hinziehen. Auf jeden Fall darf man den Mut nicht verlieren. Die Abgeschlagenheit ist übrigens ein gutes Zeichen: Es ist ein Indiz für ein funktionierendes Immunsystem." Und zu Emmis Selbstversuch: "Genau genommen triggert diese Schärfe auch eher Schmerzrezeptoren, als den Geschmackssinn", sagt er und lacht.

Emmi M. trägt es mit Fassung. "Aber das ist ein starker Einschnitt in die Lebensqualität. Essen macht keinen Spaß, kochen macht keinen Spaß." Und im Büro weiß sie nicht, ob "ich stinke, trotz Dusche. Ich reiche an mir nichts. Auch wenn es brennen würde, könnte ich niemanden warnen und retten."

Jetzt schleppt sie sich noch kurzatmig die Bürotreppen hoch und trinkt nur noch schwarzen Kaffee. Sei je eh egal. "Aber mir fällt auf, dass ich deutlich mehr esse, obwohl ich nichts schmecke. Oder möglicherweise deshalb." Wie ist sie auf das Symptom und damit auf die Infektion aufmerksam geworden? "Ich wollte Waschmittel kaufen und habe die Nase reingehalten. Aber gar nichts gerochen. Dann musste ich zuhause mein Essen stark nachsalzen. Hat aber nichts gebracht. Danach bin ich zum Hausarzt gegangen und habe mich testen lassen."

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