Corona-Ausbruch in Altenheim: Wie es den Bewohnern geht Nicole Bliesener Bad Oeynhausen. Die gute Nachricht vorweg. Den Bewohnern des Seniorenheims "Stift Eidingsen", bei denen in der vergangenen Woche eine Corona-Infektionen nachgewiesen wurde, geht es mehrheitlich gut. 15 Bewohner und vier Mitarbeitende waren am Dienstag vor einer Woche - wie berichtet - positiv auf das Corona-Virus getestet worden. "Mittlerweile sind noch drei weitere Infektionen dazugekommen", teilt Kerstin Hensel, die als Vorstand des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Vlotho auch zuständig für das Stift Eidingsen ist, mit. "Wir arbeiten eng mit dem Gesundheitsamt des Kreises zusammen", so Hensel. Die Infektion nehme bei den meisten infizierten Bewohnern einen symptomfreien bis milden Verlauf. "Allerdings mussten zwei infizierte Bewohner aufgrund ihrer Vorerkrankungen zur Vorsicht ins Krankenhaus gebracht worden", so Hensel weiter. Auch den infizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehe es mehrheitlich gut. Die Infektionen waren bei turnusmäßigen Schnelltests aufgefallen, daraufhin hatten alle Bewohner und Mitarbeiter einen PCR-Test gemacht. Kreis und Stift äußern sich nicht zum Überträger der Infektion Nach Informationen der Redaktion soll die Infektion durch eine ungeimpfte beschäftigte Person in das Stift gebracht worden sein. "Diese Information kann ich nicht bestätigen. Wir wissen nicht, wie die Infektion ins Haus gekommen ist, wir wissen aber, dass auch geimpfte Menschen sich infizieren können und andere anstecken können", machte Kerstin Hensel gegenüber der NW deutlich. Auch der Kreis äußert sich mit Verweis auf den Datenschutz und die ärztliche Schweigepflicht nicht zu diesem Vorhalt. Die infizierten Bewohnerinnen und Bewohner sind fast alle Ende September/Anfang Oktober ein drittes Mal geimpft worden - haben also die sogenannte Booster-Impfung. Möglicherweise sei die Auffrischungsimpfung zu spät gekommen, vermutet Kerstin Hensel. Derweil lobt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung "das Booster-Tempo in den Praxen der niedergelassenen Ärzte in Westfalen-Lippe". Seit Anfang September hätten die Mitglieder der KVWL schon rund 165.000 Auffrischungsimpfungen in Westfalen-Lippe vorgenommen, heißt es darin weiter. Im Kreis Minden-Lübbecke seien seitdem 5.965 Auffrischungen verimpft worden (Stand 25. Oktober). In den 50 vollstationären Pflegeeinrichtungen im Kreisgebiet leben derzeit 3.932 pflegebedürftige Menschen. Heimbewohner haben Ende September die Booster-Impfung erhalten Die Einrichtung in Eidinghausen habe jedenfalls schnell auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) reagiert. Die STIKO hatte am 23. September die Auffrischungsimpfung für Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen empfohlen. "Daraufhin haben wir die Drittimpfungen organisiert, ein Hausarzt hat die Bewohner, die wollten, geimpft", erläutert Kerstin Hensel die Vorgehensweise. Für Bewohner, die sich lieber von ihrem eigenen Hausarzt impfen lassen wollten, hätte die Einrichtung auch das organisiert. Das Personal müsse sich selbst um die Impfungen kümmern. Die Mitarbeiter würden aber gemäß der Landesverordnung regelmäßig getestet. Den Bewohnern von Pflege- und Seniorenheimen waren im Februar von den Impfteams des Kreises die Zweitimpfungen angeboten worden - also vor mittlerweile mehr als acht Monaten. "Müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten" Ähnlich hat auch das Seniorenzentrum Bethel - die größte Einrichtung in Bad Oeynhausen - die Drittimpfungen für die Bewohner organisiert. "Die Erst- und Zweitimpfungen zu Beginn des Jahres haben 92 Prozent unserer Bewohner wahrgenommen", sagt Joachim Knollmann, Geschäftsführer des Seniorenzentrums Bethel. "Die Booster-Impfung haben bisher erst 67 Prozent der Bewohner bekommen", so Knollmann, "da müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten." Bei den Mitarbeitenden gelten bislang 83,5 Prozent als vollständig geimpft. "Eine Zahl, die mich nicht zufrieden stellt, aber wir können niemanden zwingen, sich impfen zu lassen", fügt Knollmann hinzu. "Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Bad Oeynhausen haben wir unsere Schutzmaßnahmen wieder verstärkt, die Regeln sind wieder so streng wie zu Beginn des Jahres", sagt Joachim Knollmann. So sind die Mitarbeitenden aktuell wieder angewiesen, FFP2-Masken zu tragen und nicht mehr nur OP-Masken. "Auch unseren Bewohnern empfehlen wir FFP2-Masken." „Bei der sogenannten Corona-Booster-Impfung geht es darum, mit einer dritten Spritze zunächst vor allem das Immunsystem der älteren und einiger vorerkrankter Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen. Das ist nötig, weil die Schutzwirkung bei ihnen meistens schwächer ausfällt als bei anderen", wird Volker Schrage, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVWL, in der Mitteilung zitiert. Die STIKO empfehle eine Auffrischungsimpfung in diesen Fällen frühestens nach sechs Monaten. Seit dem 18. Oktober auch für Menschen, die 70 Jahre und älter sind, für Mitarbeiter in Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie für medizinisches Personal. Mehrere Bundesländer haben sich aktuell dafür ausgesprochen, die Booster-Impfung auch ab 60 Jahren zu empfehlen. Grippeschutz und Booster: Ein Termin - zwei Impfungen Die dritte Impfung werde beim Hausarzt bzw. Hausärztin durchgeführt und sei weiterhin für die Patienten kostenlos. Dafür sollte am besten ein Termin vereinbart werden, wenn die zweite Corona-Schutzimpfung mindestens sechs Monate her ist. Dieser Termin kann auch gleichzeitig mit einer Grippeschutzimpfung verbunden werden. Ein zeitlicher Abstand zwischen den beiden Impfungen sei laut STIKO nicht nötig. Patienten sollten den Arztpraxen einen zeitlichen Spielraum zugestehen, denn neben den planbaren Corona- und Grippe-Impfungen werde der Praxisalltag momentan auch durch die aufkommende Infektwelle bestimmt. Außerdem müssen Booster-Impfwillige bei ihrer Terminvereinbarung bedenken, dass die Praxen den Corona-Impfstoff mit einem Vorlauf von zwei Wochen bestellen. Es sei genug Impfstoff da, aber das ersetze trotzdem nicht die Planung, heißt es von Seiten der KVWL.

Corona-Ausbruch in Altenheim: Wie es den Bewohnern geht

Anfang Februar: Melanie Müller zieht die Spritzen für die zweite Impfung auf der Pflegeheim-Mitarbeiter auf. © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. Die gute Nachricht vorweg. Den Bewohnern des Seniorenheims "Stift Eidingsen", bei denen in der vergangenen Woche eine Corona-Infektionen nachgewiesen wurde, geht es mehrheitlich gut. 15 Bewohner und vier Mitarbeitende waren am Dienstag vor einer Woche - wie berichtet - positiv auf das Corona-Virus getestet worden. "Mittlerweile sind noch drei weitere Infektionen dazugekommen", teilt Kerstin Hensel, die als Vorstand des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Vlotho auch zuständig für das Stift Eidingsen ist, mit.

"Wir arbeiten eng mit dem Gesundheitsamt des Kreises zusammen", so Hensel. Die Infektion nehme bei den meisten infizierten Bewohnern einen symptomfreien bis milden Verlauf. "Allerdings mussten zwei infizierte Bewohner aufgrund ihrer Vorerkrankungen zur Vorsicht ins Krankenhaus gebracht worden", so Hensel weiter. Auch den infizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehe es mehrheitlich gut. Die Infektionen waren bei turnusmäßigen Schnelltests aufgefallen, daraufhin hatten alle Bewohner und Mitarbeiter einen PCR-Test gemacht.

Kreis und Stift äußern sich nicht zum Überträger der Infektion

Nach Informationen der Redaktion soll die Infektion durch eine ungeimpfte beschäftigte Person in das Stift gebracht worden sein. "Diese Information kann ich nicht bestätigen. Wir wissen nicht, wie die Infektion ins Haus gekommen ist, wir wissen aber, dass auch geimpfte Menschen sich infizieren können und andere anstecken können", machte Kerstin Hensel gegenüber der NW deutlich. Auch der Kreis äußert sich mit Verweis auf den Datenschutz und die ärztliche Schweigepflicht nicht zu diesem Vorhalt.

Die infizierten Bewohnerinnen und Bewohner sind fast alle Ende September/Anfang Oktober ein drittes Mal geimpft worden - haben also die sogenannte Booster-Impfung. Möglicherweise sei die Auffrischungsimpfung zu spät gekommen, vermutet Kerstin Hensel.

Derweil lobt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung "das Booster-Tempo in den Praxen der niedergelassenen Ärzte in Westfalen-Lippe". Seit Anfang September hätten die Mitglieder der KVWL schon rund 165.000 Auffrischungsimpfungen in Westfalen-Lippe vorgenommen, heißt es darin weiter. Im Kreis Minden-Lübbecke seien seitdem 5.965 Auffrischungen verimpft worden (Stand 25. Oktober). In den 50 vollstationären Pflegeeinrichtungen im Kreisgebiet leben derzeit 3.932 pflegebedürftige Menschen.

Heimbewohner haben Ende September die Booster-Impfung erhalten

Die Einrichtung in Eidinghausen habe jedenfalls schnell auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) reagiert. Die STIKO hatte am 23. September die Auffrischungsimpfung für Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen empfohlen. "Daraufhin haben wir die Drittimpfungen organisiert, ein Hausarzt hat die Bewohner, die wollten, geimpft", erläutert Kerstin Hensel die Vorgehensweise.

Für Bewohner, die sich lieber von ihrem eigenen Hausarzt impfen lassen wollten, hätte die Einrichtung auch das organisiert. Das Personal müsse sich selbst um die Impfungen kümmern. Die Mitarbeiter würden aber gemäß der Landesverordnung regelmäßig getestet. Den Bewohnern von Pflege- und Seniorenheimen waren im Februar von den Impfteams des Kreises die Zweitimpfungen angeboten worden - also vor mittlerweile mehr als acht Monaten.

"Müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten"

Ähnlich hat auch das Seniorenzentrum Bethel - die größte Einrichtung in Bad Oeynhausen - die Drittimpfungen für die Bewohner organisiert. "Die Erst- und Zweitimpfungen zu Beginn des Jahres haben 92 Prozent unserer Bewohner wahrgenommen", sagt Joachim Knollmann, Geschäftsführer des Seniorenzentrums Bethel.

"Die Booster-Impfung haben bisher erst 67 Prozent der Bewohner bekommen", so Knollmann, "da müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten." Bei den Mitarbeitenden gelten bislang 83,5 Prozent als vollständig geimpft. "Eine Zahl, die mich nicht zufrieden stellt, aber wir können niemanden zwingen, sich impfen zu lassen", fügt Knollmann hinzu. 

"Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Bad Oeynhausen haben wir unsere Schutzmaßnahmen wieder verstärkt, die Regeln sind wieder so streng wie zu Beginn des Jahres", sagt Joachim Knollmann. So sind die Mitarbeitenden aktuell wieder angewiesen, FFP2-Masken zu tragen und nicht mehr nur OP-Masken. "Auch unseren Bewohnern empfehlen wir FFP2-Masken."

„Bei der sogenannten Corona-Booster-Impfung geht es darum, mit einer dritten Spritze zunächst vor allem das Immunsystem der älteren und einiger vorerkrankter Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen. Das ist nötig, weil die Schutzwirkung bei ihnen meistens schwächer ausfällt als bei anderen", wird Volker Schrage, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVWL, in der Mitteilung zitiert. Die STIKO empfehle eine Auffrischungsimpfung in diesen Fällen frühestens nach sechs Monaten. Seit dem 18. Oktober auch für Menschen, die 70 Jahre und älter sind, für Mitarbeiter in Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie für medizinisches Personal. Mehrere Bundesländer haben sich aktuell dafür ausgesprochen, die Booster-Impfung auch ab 60 Jahren zu empfehlen.

Grippeschutz und Booster: Ein Termin - zwei Impfungen

Die dritte Impfung werde beim Hausarzt bzw. Hausärztin durchgeführt und sei weiterhin für die Patienten kostenlos. Dafür sollte am besten ein Termin vereinbart werden, wenn die zweite Corona-Schutzimpfung mindestens sechs Monate her ist. Dieser Termin kann auch gleichzeitig mit einer Grippeschutzimpfung verbunden werden. Ein zeitlicher Abstand zwischen den beiden Impfungen sei laut STIKO nicht nötig.

Patienten sollten den Arztpraxen einen zeitlichen Spielraum zugestehen, denn neben den planbaren Corona- und Grippe-Impfungen werde der Praxisalltag momentan auch durch die aufkommende Infektwelle bestimmt. Außerdem müssen Booster-Impfwillige bei ihrer Terminvereinbarung bedenken, dass die Praxen den Corona-Impfstoff mit einem Vorlauf von zwei Wochen bestellen. Es sei genug Impfstoff da, aber das ersetze trotzdem nicht die Planung, heißt es von Seiten der KVWL.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales