Gütersloh Britensiedlung wird neuer Isolationsstandort für infizierte Tönnies-Arbeiter Rainer Holzkamp Kreis Gütersloh. Die meisten der beim Fleischunternehmen Tönnies positiv auf das Coronavirus getesteten Beschäftigten sollen zentral und isoliert in Gütersloh untergebracht werden. Dazu wird unter anderem die leerstehende ehemalige Britensiedlung an der Töpferstraße unweit des Kreishauses hergerichtet. Allein hier sollen in Kürze 500 Infizierte einquartiert werden. Entsprechende Informationen unserer Zeitung wurden am Sonntag nach einigem Zögern durch den Kreis Gütersloh bestätigt. Der drastische Schritt dieser sogenannten Kohortenisolierung beruht nach Angaben eines Behördensprechers auf einer Verfügung des Landes. „Uns bleibt daher keine Wahl. Wir müssen so handeln", sagte Jan Focken. Offenbar liegt die Verfügung schon eine Weile vor. Es mussten aber zunächst geeignete Unterkünfte gefunden werden. Außerdem galt es zu prüfen, ob die hygienischen Voraussetzungen in den seit längerem verlassenen Häusern der inzwischen abgezogenen britischen Soldaten und ihren Familien vorliegen. Beispielsweise mussten Wasserleitungen kontrolliert und gespült werden. „Wir wurden bei allem sehr gut unterstützt von der Bezirksregierung Detmold", hieß es. Die Gebäude sind im Eigentum des Bundes und werden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet. Am Sonntag rückte das Technische Hilfswerk (THW) mit etwa einem Dutzend Fahrzeugen an und lagerte Bettgestelle und Matratzen in einigen Gebäuden ein. Wann die Einrichtung aufgestellt und die Unterkünfte in Betrieb gehen, sei noch nicht entschieden, so der Kreis. Zuvor müsse noch der genaue Platzbedarf geklärt werden. Denn laut Verfügung sollen Familienverbünde auch künftig nicht auseinander gerissen werden, selbst wenn die Abstandsregeln des Robert-Koch-Instituts für das Wohnen von Infizierten und Nichtinfizierten unter einem Dach nicht eingehalten werden können. Der Kreis sei auf die Daten der Mobilen Teams angewiesen, die die Betroffenen in ihren bisherigen Unterkünften aufsuchen. Diese Daten lägen noch nicht vollständig vor. Es sei gut möglich, dass noch ein weiterer Standort in Gütersloh als Quarantäne-Quartier betrieben werden müsse. Außerdem sollen außerhalb der Kreisstadt in anderen Kommunen, zwei getrennte Unterkünfte für erwischte, positiv und negativ getestete Quarantäne-Brecher eingerichtet werden. Hierzu nannte der Sprecher auf Nachfrage keine Details und verwies auf eine Mitteilung im Anschluss an die Sitzung des Corona-Krisenstabes am Montag. Bei der Umquartierung an den Standort Töpferstraße erwarten die Behörden „keine großartigen Zwischenfälle". Focken: „Wir gehen davon aus, dass die Betroffenen den Schritt nachvollziehen können." Zwar werde die Einhaltung der Quarantäne durch die Ordnungsämter und die Polizei laufend überwacht. Aber Einzäunungen wie in Verl-Sürenheide werde es hier nicht geben. Es müsste auch ein großer Zaun werden: Die Siedlung umfasst 72 Einfamilienreihenhäuser und 4 Doppelhäuser aus den 1960er Jahren. Über die Unterbringung der positiv getesteten Tönnies-Mitarbeiter – es waren zuletzt über 1.500 – hatte es vor einigen Tagen im Gütersloher Hauptausschuss Streit gegeben. Die BfGT-Fraktion hatte vorgeschlagen, die Betroffenen in einer der beiden Gütersloher Kasernen einzuquartieren, um so eine Übertragung des Virus auf die übrige Bevölkerung zu verhindern. Die anderen Fraktionen reagierten „entsetzt". Auch die Verwaltung lehnte „eine Kasernierung" ab. Überdies seien die leerstehenden Kasernen wegen fehlender Infrastruktur, insbesondere hinsichtlich der Entwässerung, für diese Zwecke gar nicht geeignet.
Gütersloh

Britensiedlung wird neuer Isolationsstandort für infizierte Tönnies-Arbeiter

Die gesamte frühere Britensiedlung Töpferstraße wird hergerichtet als Unterkunft für mit Corona infizierte Tönnies-Arbeiter. © Andreas Eickhoff

Kreis Gütersloh. Die meisten der beim Fleischunternehmen Tönnies positiv auf das Coronavirus getesteten Beschäftigten sollen zentral und isoliert in Gütersloh untergebracht werden. Dazu wird unter anderem die leerstehende ehemalige Britensiedlung an der Töpferstraße unweit des Kreishauses hergerichtet. Allein hier sollen in Kürze 500 Infizierte einquartiert werden. Entsprechende Informationen unserer Zeitung wurden am Sonntag nach einigem Zögern durch den Kreis Gütersloh bestätigt.

Der drastische Schritt dieser sogenannten Kohortenisolierung beruht nach Angaben eines Behördensprechers auf einer Verfügung des Landes. „Uns bleibt daher keine Wahl. Wir müssen so handeln", sagte Jan Focken. Offenbar liegt die Verfügung schon eine Weile vor. Es mussten aber zunächst geeignete Unterkünfte gefunden werden. Außerdem galt es zu prüfen, ob die hygienischen Voraussetzungen in den seit längerem verlassenen Häusern der inzwischen abgezogenen britischen Soldaten und ihren Familien vorliegen. Beispielsweise mussten Wasserleitungen kontrolliert und gespült werden. „Wir wurden bei allem sehr gut unterstützt von der Bezirksregierung Detmold", hieß es. Die Gebäude sind im Eigentum des Bundes und werden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet.

Das THW lieferte gestern Bettgestelle und Matratzen für rund 500 Personen an. - © Andreas Eickhoff
Das THW lieferte gestern Bettgestelle und Matratzen für rund 500 Personen an. - © Andreas Eickhoff

Am Sonntag rückte das Technische Hilfswerk (THW) mit etwa einem Dutzend Fahrzeugen an und lagerte Bettgestelle und Matratzen in einigen Gebäuden ein. Wann die Einrichtung aufgestellt und die Unterkünfte in Betrieb gehen, sei noch nicht entschieden, so der Kreis. Zuvor müsse noch der genaue Platzbedarf geklärt werden.

Denn laut Verfügung sollen Familienverbünde auch künftig nicht auseinander gerissen werden, selbst wenn die Abstandsregeln des Robert-Koch-Instituts für das Wohnen von Infizierten und Nichtinfizierten unter einem Dach nicht eingehalten werden können. Der Kreis sei auf die Daten der Mobilen Teams angewiesen, die die Betroffenen in ihren bisherigen Unterkünften aufsuchen. Diese Daten lägen noch nicht vollständig vor. Es sei gut möglich, dass noch ein weiterer Standort in Gütersloh als Quarantäne-Quartier betrieben werden müsse.

Außerdem sollen außerhalb der Kreisstadt in anderen Kommunen, zwei getrennte Unterkünfte für erwischte, positiv und negativ getestete Quarantäne-Brecher eingerichtet werden. Hierzu nannte der Sprecher auf Nachfrage keine Details und verwies auf eine Mitteilung im Anschluss an die Sitzung des Corona-Krisenstabes am Montag.

Bei der Umquartierung an den Standort Töpferstraße erwarten die Behörden „keine großartigen Zwischenfälle". Focken: „Wir gehen davon aus, dass die Betroffenen den Schritt nachvollziehen können." Zwar werde die Einhaltung der Quarantäne durch die Ordnungsämter und die Polizei laufend überwacht. Aber Einzäunungen wie in Verl-Sürenheide werde es hier nicht geben. Es müsste auch ein großer Zaun werden: Die Siedlung umfasst 72 Einfamilienreihenhäuser und 4 Doppelhäuser aus den 1960er Jahren.

Über die Unterbringung der positiv getesteten Tönnies-Mitarbeiter – es waren zuletzt über 1.500 – hatte es vor einigen Tagen im Gütersloher Hauptausschuss Streit gegeben. Die BfGT-Fraktion hatte vorgeschlagen, die Betroffenen in einer der beiden Gütersloher Kasernen einzuquartieren, um so eine Übertragung des Virus auf die übrige Bevölkerung zu verhindern. Die anderen Fraktionen reagierten „entsetzt". Auch die Verwaltung lehnte „eine Kasernierung" ab. Überdies seien die leerstehenden Kasernen wegen fehlender Infrastruktur, insbesondere hinsichtlich der Entwässerung, für diese Zwecke gar nicht geeignet.

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