Bis zu 80 Prozent der Corona-Toten in OWL lebten in Pflegeheimen Carolin Nieder-Entgelmeier Berlin/Bielefeld. Jeden Tag sterben in Pflegeheimen Menschen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Von den inzwischen 50.000 Corona-Toten in Deutschland haben 30 Prozent in solchen Einrichtungen gelebt, in NRW 42 Prozent und in Teilen von OWL sogar 80 Prozent, wie im Kreis Paderborn. Und es werden weitere Opfer folgen, denn aktuell wütet das Coronavirus nach Angaben des Robert Koch-Instituts in 900 Pflegeheimen. Doch warum gelingt der Schutz vor dem Coronavirus in Pflegeheimen nicht? „Das hat langfristige und kurzfristige Gründe. Das akute Versagen von Politik und Heimträgern in der Pandemie trifft Pflegeheime besonders hart, weil dort denkbar schlechte Ausgangsbedingungen durch den seit Jahren bestehenden Fachkräftemangel herrschen", erklärt Gesundheitsexperte Stefan Etgeton von der Bertelsmann Stiftung. Gegen den Personalmangel in der Pflege habe die Politik, insbesondere in den vergangenen Monaten, zwar Maßnahmen ergriffen. „Die greifen jedoch aktuell noch nicht und die Pandemie führt zu mehr Arbeit in der Pflege, vor allem aufgrund gestiegener Hygieneanforderungen. Die Folgen des Personalmangels verschärfen sich folglich." Die Politik hat es nach Einschätzung Etgetons versäumt, gezielte Schutzmaßnahmen für Pflegeheime zu erlassen. „Die Devise muss lauten, dass niemand ohne negativen Test und FFP2-Maske in das Heim kommt oder dort arbeitet", fordert Etgeton. Hinzu kommen auch hausgemachte Probleme: „Viele Pflegeheime testen ihre Leiharbeitskräfte nicht, daher tragen auch die Heimträger Verantwortung." Auch die Trennung von infizierten und nichtinfizierten Bewohnern ist nach Einschätzung der Deutschen Stiftung Patientenschutz ein Problem. „Eine heiminterne Trennung von Infizierten und Nichtinfizierten kann praktisch nicht erfolgen. Bewohner mit einem negativen Test müssen aber an einen sicheren Ort verlegt werden können", erklärt der Vorsitzende Eugen Brysch. Hier sei der Staat gefordert, die in der Pandemie notwendigen freien Plätze in Pflegeeinrichtungen bereitzustellen. „Bund und Länder haben zudem mit zusätzlichem Personal für tägliche Schnelltests und wöchentliche PCR-Tests zu sorgen." Brysch und Etgeton fordern zudem Kontrollen der Gesundheitsämter und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ämtern und Heimen. „Viele Heime müssen tagelang auf Rückmeldungen vom Gesundheitsamt warten", moniert Etgeton. „Ohne Kontrollen und systematischen Schutz hilft auch der Lockdown nicht."

Bis zu 80 Prozent der Corona-Toten in OWL lebten in Pflegeheimen

9.699 Menschen sind in NRW bislang an einer Covid-19-Erkrankung gestorben. 4.070 Menschen davon lebten in Pflegeheimen. © picture alliance

Berlin/Bielefeld. Jeden Tag sterben in Pflegeheimen Menschen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Von den inzwischen 50.000 Corona-Toten in Deutschland haben 30 Prozent in solchen Einrichtungen gelebt, in NRW 42 Prozent und in Teilen von OWL sogar 80 Prozent, wie im Kreis Paderborn. Und es werden weitere Opfer folgen, denn aktuell wütet das Coronavirus nach Angaben des Robert Koch-Instituts in 900 Pflegeheimen. Doch warum gelingt der Schutz vor dem Coronavirus in Pflegeheimen nicht?

„Das hat langfristige und kurzfristige Gründe. Das akute Versagen von Politik und Heimträgern in der Pandemie trifft Pflegeheime besonders hart, weil dort denkbar schlechte Ausgangsbedingungen durch den seit Jahren bestehenden Fachkräftemangel herrschen", erklärt Gesundheitsexperte Stefan Etgeton von der Bertelsmann Stiftung. Gegen den Personalmangel in der Pflege habe die Politik, insbesondere in den vergangenen Monaten, zwar Maßnahmen ergriffen. „Die greifen jedoch aktuell noch nicht und die Pandemie führt zu mehr Arbeit in der Pflege, vor allem aufgrund gestiegener Hygieneanforderungen. Die Folgen des Personalmangels verschärfen sich folglich."

Die Politik hat es nach Einschätzung Etgetons versäumt, gezielte Schutzmaßnahmen für Pflegeheime zu erlassen. „Die Devise muss lauten, dass niemand ohne negativen Test und FFP2-Maske in das Heim kommt oder dort arbeitet", fordert Etgeton. Hinzu kommen auch hausgemachte Probleme: „Viele Pflegeheime testen ihre Leiharbeitskräfte nicht, daher tragen auch die Heimträger Verantwortung."

Auch die Trennung von infizierten und nichtinfizierten Bewohnern ist nach Einschätzung der Deutschen Stiftung Patientenschutz ein Problem. „Eine heiminterne Trennung von Infizierten und Nichtinfizierten kann praktisch nicht erfolgen. Bewohner mit einem negativen Test müssen aber an einen sicheren Ort verlegt werden können", erklärt der Vorsitzende Eugen Brysch. Hier sei der Staat gefordert, die in der Pandemie notwendigen freien Plätze in Pflegeeinrichtungen bereitzustellen. „Bund und Länder haben zudem mit zusätzlichem Personal für tägliche Schnelltests und wöchentliche PCR-Tests zu sorgen."

Brysch und Etgeton fordern zudem Kontrollen der Gesundheitsämter und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ämtern und Heimen. „Viele Heime müssen tagelang auf Rückmeldungen vom Gesundheitsamt warten", moniert Etgeton. „Ohne Kontrollen und systematischen Schutz hilft auch der Lockdown nicht."

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