Update: Bahnhofshalle in Bückeburg nach Unfall teilweise eingestürzt Bückeburg (szlz). Es kracht, dann hüllt Staub die denkmalgeschützte fürstliche Bahnhofsvorhalle ein. Es poltert. Backsteine fallen zu Boden. Zuvor war am Mittwochmorgen eine schräg stehende Sandsteinsäule, die bei dem schweren Unfall am Dienstag schwer beschädigt worden war, mit einem Radbagger unter dem Dach weggezogen worden. Dabei fielen auch große Teile zweier Rundbögen zu Boden – ein großes Loch klafft nun in der 174 Jahre alten Bahnhofsvorhalle.Der große und schon von Weitem sichtbare Schaden zieht Schaulustige an. Der Teileinsturz ist vor dem Bahnhof Gesprächsthema Nummer eins. Menschen bleiben stehen und schauen sich den Schaden an. „Das muss man ja mal festhalten“, sagt ein Mann, als er von seinem Rad absteigt und mit seinem Handy ein Foto macht.Mit einem Hubwagen werden kurz darauf unter den strengen Augen zweier Bahnmanager weitere lose Backsteine mit einem Schlagbohrhammer und einer Brechstange entfernt. Erst dann können Arbeiter der Spezialfirma aus Elze das Gebäude aus dem Jahr 1846 abstützen. Vorher sei das zu gefährlich gewesen, weil jeder Zeit Teile hätten herabstürzen können – so die Einschätzung der Bau-Experten vor Ort. Aufgrund der tiefen Risse in den Rundbögen habe das Segment über den Säulen keinen Halt mehr gehabt – es hätte sowieso heruntergenommen werden müssen, meint der Bückeburger Denkmalpfleger Klaus Wolter.Am Mittag macht sich Wolter selbst ein Bild von der Lage. Schon am Dienstag hatte er gemeinsam mit Verantwortlichen der Bahn beraten, was weggerissen werden darf und was unbedingt stehen bleiben muss. „Es ist ein erheblicher Schaden an einem für Bückeburg besonderen Bauwerk entstanden. Immerhin reden wir hier vom Fürsteneingang des Bahnhofes“, sagt Wolter.Nach Einschätzung des Denkmal-Experten sei „viel Bausubstanz verloren gegangen“. Einziger Trost: „Die Säule, die bei dem Unfall umgekippt ist, und das beschädigte Kapitell konnten wir retten. Sie werden beim Wiederaufbau verwendet“, sagt Wolter. Doch der andere Sandsteinpfeiler, der nach dem Unfall schräg stand, ist bei den Bergungsarbeiten zerbrochen, als er vom Bagger weggezogen worden ist. Die Überreste werden in eine Mulde geladen. Auch die Backsteine lassen sich nach Meinung von Wolter nur schwer für den Wiederaufbau verwenden. Viele seien zerbrochen. „Wir werden deshalb original reichsformatige Ziegelsteine verwenden, die auf anderen Baustellen abgebaut worden sind“, sagt Wolter. Die historische Bahnhofsvorhalle werde komplett wieder aufgebaut, kündigt der Denkmal-Experte der Stadtverwaltung an. Dafür sei viel Arbeit nötig. Viele Teile müssten von Fachleuten restauriert und nachgebildet werden.Nach Angaben einer Bahnsprecherin kann der Schaden bisher noch nicht beziffert werden. Die Bestandsaufnahme und Expertenbegutachtung sei noch nicht abgeschlossen.Die Absperrung soll am Freitagvormittag verkleinert werden, damit Taxis und Busse den Vorplatz wieder nutzen können, heißt es von der Deutschen Bahn.Die fürstliche Bahnhofsvorhalle mit antikischem Giebel wurde im Jahr 1846 gemeinsam mit dem gesamten Bahnhofsgebäude gebaut. „Sie diente der fürstlichen Familie als prunkvoller Eingang zum Bahnhof“, sagt Denkmalpfleger Klaus Wolter. So ging der Fürst nicht durch denselben Eingang und die Empfangshalle, durch den die Öffentlichkeit ging. Hinter der Vorhalle befand sich ein eigenes Vestibül und darauffolgend der Restaurations-Saal. Durch die Räume gelangte die fürstliche Familie zum Bahnsteig – das zeigen alte Zeichnungen des Architekten Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871). Ruhl war Oberhofbaumeister und Generaldirektor der kurhessischen Staatseisenbahnen. Heute ist von den prunkvollen Räumen im Bahnhof nichts mehr zu sehen. „Sie sind vor dem Denkmalschutz von der Bahn umgebaut worden. Unter anderem ist eine Zwischendecke eingezogen und eine oberere Etage gebaut worden“, sagt Wolter. Viele der Räume stehen derzeit leer, nur ein Bereich wird von der Deutschen Bahn noch als Technikraum genutzt. Aus der Zeit unverändert erhalten geblieben ist nur die Vorhalle – bis zu dem Unfall am Dienstag.

Update: Bahnhofshalle in Bückeburg nach Unfall teilweise eingestürzt

Mit einem Bagger wurde eine schräg stehende Säule entfernt, dadurch stürzten große Teile des Gebäudes ein. © Foto: Leo Behmann

Bückeburg (szlz). Es kracht, dann hüllt Staub die denkmalgeschützte fürstliche Bahnhofsvorhalle ein. Es poltert. Backsteine fallen zu Boden. Zuvor war am Mittwochmorgen eine schräg stehende Sandsteinsäule, die bei dem schweren Unfall am Dienstag schwer beschädigt worden war, mit einem Radbagger unter dem Dach weggezogen worden. Dabei fielen auch große Teile zweier Rundbögen zu Boden – ein großes Loch klafft nun in der 174 Jahre alten Bahnhofsvorhalle.
Der große und schon von Weitem sichtbare Schaden zieht Schaulustige an. Der Teileinsturz ist vor dem Bahnhof Gesprächsthema Nummer eins. Menschen bleiben stehen und schauen sich den Schaden an. „Das muss man ja mal festhalten“, sagt ein Mann, als er von seinem Rad absteigt und mit seinem Handy ein Foto macht.
Mit einem Hubwagen werden kurz darauf unter den strengen Augen zweier Bahnmanager weitere lose Backsteine mit einem Schlagbohrhammer und einer Brechstange entfernt. Erst dann können Arbeiter der Spezialfirma aus Elze das Gebäude aus dem Jahr 1846 abstützen. Vorher sei das zu gefährlich gewesen, weil jeder Zeit Teile hätten herabstürzen können – so die Einschätzung der Bau-Experten vor Ort. Aufgrund der tiefen Risse in den Rundbögen habe das Segment über den Säulen keinen Halt mehr gehabt – es hätte sowieso heruntergenommen werden müssen, meint der Bückeburger Denkmalpfleger Klaus Wolter.
Am Mittag macht sich Wolter selbst ein Bild von der Lage. Schon am Dienstag hatte er gemeinsam mit Verantwortlichen der Bahn beraten, was weggerissen werden darf und was unbedingt stehen bleiben muss. „Es ist ein erheblicher Schaden an einem für Bückeburg besonderen Bauwerk entstanden. Immerhin reden wir hier vom Fürsteneingang des Bahnhofes“, sagt Wolter.
Nach Einschätzung des Denkmal-Experten sei „viel Bausubstanz verloren gegangen“. Einziger Trost: „Die Säule, die bei dem Unfall umgekippt ist, und das beschädigte Kapitell konnten wir retten. Sie werden beim Wiederaufbau verwendet“, sagt Wolter. Doch der andere Sandsteinpfeiler, der nach dem Unfall schräg stand, ist bei den Bergungsarbeiten zerbrochen, als er vom Bagger weggezogen worden ist. Die Überreste werden in eine Mulde geladen. Auch die Backsteine lassen sich nach Meinung von Wolter nur schwer für den Wiederaufbau verwenden. Viele seien zerbrochen. „Wir werden deshalb original reichsformatige Ziegelsteine verwenden, die auf anderen Baustellen abgebaut worden sind“, sagt Wolter. Die historische Bahnhofsvorhalle werde komplett wieder aufgebaut, kündigt der Denkmal-Experte der Stadtverwaltung an. Dafür sei viel Arbeit nötig. Viele Teile müssten von Fachleuten restauriert und nachgebildet werden.
Nach Angaben einer Bahnsprecherin kann der Schaden bisher noch nicht beziffert werden. Die Bestandsaufnahme und Expertenbegutachtung sei noch nicht abgeschlossen.
Die Absperrung soll am Freitagvormittag verkleinert werden, damit Taxis und Busse den Vorplatz wieder nutzen können, heißt es von der Deutschen Bahn.
Die fürstliche Bahnhofsvorhalle mit antikischem Giebel wurde im Jahr 1846 gemeinsam mit dem gesamten Bahnhofsgebäude gebaut. „Sie diente der fürstlichen Familie als prunkvoller Eingang zum Bahnhof“, sagt Denkmalpfleger Klaus Wolter. So ging der Fürst nicht durch denselben Eingang und die Empfangshalle, durch den die Öffentlichkeit ging. Hinter der Vorhalle befand sich ein eigenes Vestibül und darauffolgend der Restaurations-Saal. Durch die Räume gelangte die fürstliche Familie zum Bahnsteig – das zeigen alte Zeichnungen des Architekten Julius Eugen Ruhl (1796 - 1871). Ruhl war Oberhofbaumeister und Generaldirektor der kurhessischen Staatseisenbahnen. Heute ist von den prunkvollen Räumen im Bahnhof nichts mehr zu sehen. „Sie sind vor dem Denkmalschutz von der Bahn umgebaut worden. Unter anderem ist eine Zwischendecke eingezogen und eine oberere Etage gebaut worden“, sagt Wolter. Viele der Räume stehen derzeit leer, nur ein Bereich wird von der Deutschen Bahn noch als Technikraum genutzt. Aus der Zeit unverändert erhalten geblieben ist nur die Vorhalle – bis zu dem Unfall am Dienstag.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales