Bad Oeynhausen Bad Oeynhausener Wracktaucher befreit die Weltmeere von Müll Elke Niedringhaus-Haasper Bad Oeynhausen. Wenn Derk Remmers in seine Taucherausrüstung steigt, dann sind es nicht die Fische auf dem Meeresgrund, die ihn faszinieren, sondern die Wracks von Schiffen, Flugzeugen oder Fahrzeugen. Der 49-jährige Berufstaucher mit Bad Oeynhausener Wurzeln bildet seit 13 Jahren professionelle Froschmänner für anspruchsvolle Projekttauchgänge in großen Tiefen aus. Und nutzt jetzt seine Erfahrung und sein Wissen, um als ehrenamtlicher Vize-Koordinator der internationalen Wohltätigkeitsorganisation „Ghost Diving" die Meere von maritimen Müll zu befreien. Seit vergangener Woche gibt es davon auch eine deutsche Abteilung, die sich ab dem kommenden Sommer den Meeresgrund der Nordsee vornehmen wird. Der Faszination des Tauchens begegnete Derk Remmers in den 1980er Jahren beim DRLG auf Norderney, wo der gebürtige Bremer seine Kindheit verbrachte. Später, als Familie Remmers von der ostfriesischen Insel nach Bad Oeynhausen umzog, weil Vater Garrelf Remmers hier seine Berufslaufbahn als Kurdirektor fortsetzte, verfeinerte Sohn Derk seine Tauchkenntnisse als Student in Aachen. Mitte der 1990er Jahre machte er mit einer schwedischen Gruppe von Wracktauchern in England seine ersten beeindruckenden Erfahrungen auf diesem Gebiet. 2012 begann Derk Remmers in Hamburg seine Berufslaufbahn als Ausbilder für technisches Tauchen bei der internationalen Organisation GUE (Global Underwater Explorers). In die Schlagzeilen geriet der Profi-Taucher vor zehn Jahren, als er zusammen mit fünf weiteren Tauchern den 1916 gesunkenen Kreuzer "Wiesbaden" in 52 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund im Skagerrak aufspürte. Inzwischen hat der 49-Jährige mehr als 3.000 Tauchgänge und über 900 Wracktauchgänge absolviert. Die Idee, Meere von Müll zu befreien, habe er schon lange im Hinterkopf gehabt, sagt der Taucher. Auch, weil sie sich sehr gut mit dem Wracktauchen kombinieren lasse, da sich die Netze oft an den alten Ruinen verfangen würden. Und weil die Pandemie seine Reisetätigkeiten stark eingeschränkt hat, sei das jetzt der ideale Zeitpunkt für sein ehrenamtliches Engagement gewesen. Denn Geisternetze sind eine Bedrohung für die Gewässer überall auf der Welt. „Der Plastikmüll, der dort liegengeblieben ist, stammt vorrangig aus Fischereiausrüstungen und entwickelt sich im Laufe der Zeit zu Mikroplastik. Unsere Mission ist, als Mischgastaucher, die bis in große Tiefen vordringen können, diesen Unrat aus dem Meer zu entfernen. Denn für die Fische sind diese Netze nicht erkennbar und sie verenden darin elendig. Und das zieht wiederum Aasfresser an, die sich dann im selben Netz verfangen. So entsteht ein Teufelskreis", beschreibt Derk Remmers die Gefahr. Über sein Engagement sagt er: „Unser Hauptziel ist, das Problem der verloren gegangenen Fischereiausrüstung erst einmal bekannt zu machen". Denn: Schätzungen zufolge wandern jedes Jahr 640.000 Tonnen Fanggeräte auf den Grund der Meere und Ozeane. Damit gehen im gleichen Zeitraum Hunderte von Kilometern Netze und Leinen verloren. Verloren gehen sie durch das doppelte Engagement von „Ghost Diving" jetzt allerdings nicht mehr. Denn: „Einige Arten von Meeresschutt wie Fischernetze aus Kunststoff oder Gewichte aus Blei vermitteln wir an eine Organisation weiter, die das Material recycelt", sagt Derk Remmers. Kein Wunder, dass die deutsche Abteilung der ursprünglich in den Niederlanden gegründete Organisation „Ghost Diving" bereits die ersten Anfragen von Partnern bekommen hat, die gerne eine Kooperation eingehen möchten. „Oder die sich für ein Sponsoring interessieren", sagt der Vize-Koordinator. Und freut sich. Denn seine Wohltätigkeitsorganisation finanziert sich ausschließlich aus Spenden.
Bad Oeynhausen

Bad Oeynhausener Wracktaucher befreit die Weltmeere von Müll

Gespenstisch wirkt die Unterwasserwelt, in der sich ein Taucher einem Wrack nähert, das von enem Fischernetz überzogen wurde. © Derk Remmers / Ghost Diving Germany

Bad Oeynhausen. Wenn Derk Remmers in seine Taucherausrüstung steigt, dann sind es nicht die Fische auf dem Meeresgrund, die ihn faszinieren, sondern die Wracks von Schiffen, Flugzeugen oder Fahrzeugen. Der 49-jährige Berufstaucher mit Bad Oeynhausener Wurzeln bildet seit 13 Jahren professionelle Froschmänner für anspruchsvolle Projekttauchgänge in großen Tiefen aus. Und nutzt jetzt seine Erfahrung und sein Wissen, um als ehrenamtlicher Vize-Koordinator der internationalen Wohltätigkeitsorganisation „Ghost Diving" die Meere von maritimen Müll zu befreien.

Seit vergangener Woche gibt es davon auch eine deutsche Abteilung, die sich ab dem kommenden Sommer den Meeresgrund der Nordsee vornehmen wird.

Ein Taucher befreit einen Fisch, der sich in einem Netz verheddert hat. - © Derk Remmers / Ghost Diving Germany
Ein Taucher befreit einen Fisch, der sich in einem Netz verheddert hat. - © Derk Remmers / Ghost Diving Germany

Der Faszination des Tauchens begegnete Derk Remmers in den 1980er Jahren beim DRLG auf Norderney, wo der gebürtige Bremer seine Kindheit verbrachte. Später, als Familie Remmers von der ostfriesischen Insel nach Bad Oeynhausen umzog, weil Vater Garrelf Remmers hier seine Berufslaufbahn als Kurdirektor fortsetzte, verfeinerte Sohn Derk seine Tauchkenntnisse als Student in Aachen. Mitte der 1990er Jahre machte er mit einer schwedischen Gruppe von Wracktauchern in England seine ersten beeindruckenden Erfahrungen auf diesem Gebiet.

Ein Taucher befreit ein Meerestier aus einem Fangnetz. - © Derk Remmers / Ghost Diving Germany
Ein Taucher befreit ein Meerestier aus einem Fangnetz. - © Derk Remmers / Ghost Diving Germany

2012 begann Derk Remmers in Hamburg seine Berufslaufbahn als Ausbilder für technisches Tauchen bei der internationalen Organisation GUE (Global Underwater Explorers). In die Schlagzeilen geriet der Profi-Taucher vor zehn Jahren, als er zusammen mit fünf weiteren Tauchern den 1916 gesunkenen Kreuzer "Wiesbaden" in 52 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund im Skagerrak aufspürte. Inzwischen hat der 49-Jährige mehr als 3.000 Tauchgänge und über 900 Wracktauchgänge absolviert.

Ein Taucher spürt mit einer Taschenlampe ein Fischernetz auf dem Meeresgrund auf. - © Derk Remmers / Ghost Diving Germany
Ein Taucher spürt mit einer Taschenlampe ein Fischernetz auf dem Meeresgrund auf. - © Derk Remmers / Ghost Diving Germany

Die Idee, Meere von Müll zu befreien, habe er schon lange im Hinterkopf gehabt, sagt der Taucher. Auch, weil sie sich sehr gut mit dem Wracktauchen kombinieren lasse, da sich die Netze oft an den alten Ruinen verfangen würden. Und weil die Pandemie seine Reisetätigkeiten stark eingeschränkt hat, sei das jetzt der ideale Zeitpunkt für sein ehrenamtliches Engagement gewesen.

Denn Geisternetze sind eine Bedrohung für die Gewässer überall auf der Welt. „Der Plastikmüll, der dort liegengeblieben ist, stammt vorrangig aus Fischereiausrüstungen und entwickelt sich im Laufe der Zeit zu Mikroplastik. Unsere Mission ist, als Mischgastaucher, die bis in große Tiefen vordringen können, diesen Unrat aus dem Meer zu entfernen. Denn für die Fische sind diese Netze nicht erkennbar und sie verenden darin elendig. Und das zieht wiederum Aasfresser an, die sich dann im selben Netz verfangen. So entsteht ein Teufelskreis", beschreibt Derk Remmers die Gefahr.

Über sein Engagement sagt er: „Unser Hauptziel ist, das Problem der verloren gegangenen Fischereiausrüstung erst einmal bekannt zu machen". Denn: Schätzungen zufolge wandern jedes Jahr 640.000 Tonnen Fanggeräte auf den Grund der Meere und Ozeane. Damit gehen im gleichen Zeitraum Hunderte von Kilometern Netze und Leinen verloren.

Verloren gehen sie durch das doppelte Engagement von „Ghost Diving" jetzt allerdings nicht mehr. Denn: „Einige Arten von Meeresschutt wie Fischernetze aus Kunststoff oder Gewichte aus Blei vermitteln wir an eine Organisation weiter, die das Material recycelt", sagt Derk Remmers. Kein Wunder, dass die deutsche Abteilung der ursprünglich in den Niederlanden gegründete Organisation „Ghost Diving" bereits die ersten Anfragen von Partnern bekommen hat, die gerne eine Kooperation eingehen möchten. „Oder die sich für ein Sponsoring interessieren", sagt der Vize-Koordinator. Und freut sich. Denn seine Wohltätigkeitsorganisation finanziert sich ausschließlich aus Spenden.

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